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noch einer mit falschem Beruf

Arktur

Sehr aktives Mitglied
Liebe Forumsteilnehmer,

eines der Hauptprobleme meines bisherigen Lebens (welches schon 41 Jahre andauert) ist mein verkorkster Berufsweg.

Ich versuche mal, die Geschichte zu schildern:

Als Kind bzw. Jugendlicher war ich versessen auf Musik. Ich wollte unbedingt Musikunterricht bekommen, Instrumente lernen und später Musiker oder Komponist werden.
Allein, meine Eltern (sehr unmusikalisch) empfanden eine musikalische Ausbildung als reine Geldverschwendung. Stattdessen schickte man mich in den Sportverein, wo ich wegen meiner Tollpatschigkeit von den anderen keineswegs wohlgelitten war.

Als Jugendlicher entdeckte ich die Fotografie als faszinierende Tätigkeit. Ich brachte mir die ganzen Grundlagen der Fotografie bei und investierte einen großen Teil meiner Zeit in Fotoexkursionen durch die Umgebung.
Aber für mein damaliges Umfeld galt auch die Fotografie als keine vernünftige Berufsperspektive.

Meine Berufswünsche galten also allesamt als unadäquat. Ein vernünftiger Beruf musste gesucht werden. Die Wahl fiel auf die Informatik. Niemand bemerkte, dass meine Schulnoten in den Fächern Mathematik und Physik immer schon nur bei etwa 4 lagen.

Da ich ein nachgiebiger Mensch war und bin, fügte ich mich klaglos und begann das Studium der Informatik.

Das Studium erschien mir grauenvoll langweilig. Ausserdem verstand ich nicht viel von den Inhalten. Ich bemerkte nur eine häufige Wiederholung der Worte "Satz-Beweis-Lemma-Korollar." Leider befand ich mich in einer Art von Duldungsstarre, weswegen ich lustlos die Vorlesungen über mich ergehen ließ.

Das Vordiplom bestand ich wider Erwarten sehr knapp mit einem Notendurchschnitt knapp unter 4.0. Das bestätigte mein Umfeld, das sagte: "Siehste, klappt doch. Das wird schon..."

Also weitergewurschtelt, Diplom im zweiten Anlauf auch bestanden.

Danach dachte ich: "Puh, geschafft, jetzt mach ich aber endlich etwas, was zu mir passt."

Nix da: "Jetzt musst du aber erstmal Geld verdienen" hieß es...

Also hab ich angefangen, als Informatiker zu arbeiten. Das ist ein Beruf, der ungefähr so gut zu mir passt wie Ballettschuhe zum Elefanten.

Und so quäle ich mich nun seit Jahren durch den Berufsalltag. Ich entwerfe Programme, die nicht funktionieren, kämpfe vergeblich mit abstürzenden Computern, usw. Von meinen Kollegen nur geduldet, nicht gemocht. Einmal hab ich meinen Job schon verloren, wurde jedoch von einem anderen Arbeitgeber wieder eingestellt (der wusste damals noch nicht, dass ich nicht grade der Überflieger bin).

Mein berufliches Selbstbewusstsein ist schon seit Jahren auf dem Nullpunkt. Die Dauerfrustration führte teilweise zu schweren Depressionen, Burnout, Aufschiebeverhalten, Krankheiten. Derzeit arbeite ich nur in Teilzeit - das macht die Situation einigermaßen erträglich. Auf die Dauer kann ich aber damit mein Leben nicht finanzieren.

Ich war schon beim Arbeitsamt und diversen Berufsberatungen, im Sozialdienst. Ich habe schon Tausende von Euros in teure Coachings gesteckt. Aber letztlich ist ein solcher Fall nicht vorgesehen. Berufsberatungen sind nur für Jugendliche gedacht. Ein Erwachsener auf Berufssuche: sowas hat man dort noch nie erlebt. Der Tenor lautete jedesmal: "Da können wir Ihnen leider nicht weiterhelfen".

Eigentlich weiß ich nicht, wie es noch weitergehen soll. Spätestens, wenn ich aus finanziellen Gründen wieder Vollzeit arbeiten muss, geht meine psychische Verfassung wieder den Bach runter...

Soviel erstmal zu mir, vielen Dank fürs Lesen (falls das jemand getan hat)...
 
Hallo Knuddel40,

im Prinzip hast Du eine gute Grundlage: Du hast ein Studium beendet und, was genau so wertvoll ist, Du hast Berufserfahrung gesammelt. Darauf kannst Du aufbauen.
Es gibt für Informatiker ja verschiedene Tätigkeitsfelder. Wie wäre es, wenn Du Dich da innerhalb Deines Fachgebiets umorientierst? Z.B. könntest Du versuchen, als Redakteur einer Fachzeitschrift unterzukommen, oder Du könntest den mutigen Schritt als Quereinsteiger in den Schuldienst (gibt Altersgrenzen!) versuchen. Museen mit technologischer Ausrichtung (z.B. Deutsches Museum in München) stellen auch Leute wie Dich ein. Du würdest damit mit ziemlicher Sicherheit weniger verdienen - aber vielleicht würde es Dir mehr Spaß machen 🙂

Ich wünsche Dir viel Glück bei Deiner Suche!
 
Hallo, knuddel40 !

Bei mir bist du an die Richtige *Ironie off* geraten, die deinen Beitrag gelesen hat - ähnliche Probleme, auch nicht wirklich die Lösung.

Vielleicht kann ich dir trotzdem einen Tipp geben, auch wenn du inzwischen "Coaching"-geschädigt bist. Vor einiger Zeit stieß ich im Internet auf eine Dame, die Seminare zur individuellen Berufsfindung veranstaltet. Sowohl ihr Konzept als auch ihre Bücher überzeugen mich voll. Könnte für dich ein Schritt sein, einfach mal anzufangen. Schau mal rein bei http://www.berufsfindung.de/, vor allem bei den Beispielen (!) bzw. suche nach Uta Glaubitz über google.

(Liebe Administration, bitte stehenlassen! Ich verfolge mit dem Link keinerlei kommerzielle Interessen und erhalte auch keine Provision von Frau Glaubitz, ich kenne sie auch überhaupt nicht...)
 
Zuletzt bearbeitet:
Du schreibst:

Als Kind bzw. Jugendlicher war ich versessen auf Musik. Ich wollte unbedingt Musikunterricht bekommen, Instrumente lernen und später Musiker oder Komponist werden.
Allein, meine Eltern (sehr unmusikalisch) empfanden eine musikalische Ausbildung als reine Geldverschwendung. Stattdessen schickte man mich in den Sportverein, wo ich wegen meiner Tollpatschigkeit von den anderen keineswegs wohlgelitten war.

Als Jugendlicher entdeckte ich die Fotografie als faszinierende Tätigkeit. Ich brachte mir die ganzen Grundlagen der Fotografie bei und investierte einen großen Teil meiner Zeit in Fotoexkursionen durch die Umgebung.
Aber für mein damaliges Umfeld galt auch die Fotografie als keine vernünftige Berufsperspektive.


P.S. Du scheinst ein ziemlich starker Mensch zu sein, der viel Eigeninitiative entwickelt und auch Selbstbewusstsein und trotz allem noch viel Selbstvertrauen hat. Wenn du dann bei der individuellen Berufsfindung warst, sag mal Bescheid. Könnte gut jemanden brauchen, der seine Träume wahrmacht und mir dann diesbezüglich auch mal in den Hintern tritt 🙂
 
Hallo Knuddel,

du schreibst, dass du dich als Jugendlicher sehr für Fotografie interessiert hast. Ich weiß natürlich nicht, ob das immer noch der Fall ist, aber wie wäre es denn, wenn du versuchst, dein Hobby von damals schrittweise auch beruflich zu nutzen? Dafür brauchst du auch zunächst gar keine teure Ausrüstung - und deine Computerkenntnisse, die du ja zweifellos hast - können dir bezüglich Bildbearbeitung etc. von großem Nutzen sein.

Du könntest versuchen, dich neben deinen momentanen Job auf geringfügiger Basis selbstständig zu machen und deine Bilder z.B. Zeitschriften, Zeitungen oder auch Verlagen anzubieten. Ggf. kannst du deine Schwerpunkte auch anders setzen. So könntest du dir wenigstens einen Ausgleich (auch finanziell) zu deinem ungeliebten Job schaffen und evtl. langfristig auch etwas Eigenes aufbauen, das dir wirklich liegt.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg!

Liebe Grüße,
Grazia
 
Hallo

würde dir gerne einige Tipps geben war in eine Fast ähnliche Situation wie du??
Bevor ich dir Tipps gebe kannst du mir ja mal vieleicht sagen was genau du willst in drei vier zeilen.

Gruß DIDI
 
Liebe Forumsteilnehmer,

vielen Dank für Eure Antworten. Ich war am Wochenende nicht online, deshalb antworte ich erst heute wieder.

@ Baba:
ich freue mich, dass Du mich für einen starken Menschen hältst. Aber genau das bin ich eigentlich nicht. Wäre ich ein starker Mensch, dann hätte ich mich nämlich gegen mein Umfeld durchsetzen können und hätte nun einen Beruf, der zu mir passt. Aber ich war immer sehr nachgiebig und hielt die Meinungen der anderen Menschen für maßgeblicher als meine eigene...

Leider stelle ich mir mit meiner Nachgiebigkeit immer wieder selbst ein Bein. Ich habe schon so oft einen Ausstieg aus meinem Beruf geplant. Doch jedesmal kamen Einwände wohlmeinender Bekannter und Freunde. Und prompt bin ich eingeknickt und habe meine Pläne wieder aufgegeben.
In der heutigen Zeit kann man es nämlich kaum wagen, sich über seinen Beruf zu beklagen. Die Standard-Antwort lautet dann: "Man muss doch froh sein, wenn man überhaupt Arbeit hat!"

Das ist sicher auch richtig. Und dennoch kann der Job unglücklich machen, wenn es der falsche, unpassende ist. Bei mir hat er immerhin schon zu Depressionen und völligem Ausgebranntsein geführt. Und meine langjährige Beziehung ist daran auch gescheitert.

Dazu kommt natürlich auch Resignation. In meinem Kopf sitzt der Gedanke "es ist doch eh zu spät, ich bin zu alt" und wirkt wie ein Bremsschuh.


Übrigens: Frau Glaubitz habe ich schon einmal auf einem ihrer Seminare kennengelernt. Dort wurde mir immerhin bestätigt, dass ich für meinen Beruf wohl ungeeignet bin. Die Seminargruppe erarbeitete damals für mich den Zielberuf "Fotograf auf einem Kreuzfahrtschiff", den ich zwar schön, aber ein wenig unrealistisch finde.
 
Zuletzt bearbeitet:
Tja, und was suche ich eigentlich genau:

das ist nicht einfach zu definieren. Ich bin ein Mensch, der die Vielfalt liebt. Meine Interessen sind recht breit gestreut, und das macht es nicht einfacher, einen passenden Beruf zu finden. Das sieht man schon an meinen Freizeitbeschäftigungen:

ich lese Bücher über Hirnforschung, fotografiere viel, reise gern, beschäftige mich mit Sprachen, mache viel Fitness-Sport, interessiere mich für Theater, Oper, Kino, Musik, Zeitgeschichte, Geografie...

Wie soll man aus diesem Konglomerat an Themen schon einen passenden Beruf extrahieren?...
 
Hallo knuddel40,

ich kann mich nur anschließen. Mein Job ist zur Zeit nur Gelderwerb, um meine Unkosten zu decken.

Da hat man mal eine Idee und durch die Meinungen anderer verwirft man diese wieder. Für mich bedeutet Stärke auch, sich gegen die Meinung und Ratschläge anderer durchzusetzen, an seine Sache zu glauben (da habe ich aber auch Probleme mit) und schauen, wie man diese Idee umsetzen kann.

Irgendwo in der weiten Berufsfindungsliteratur habe ich gelesen, dass es von Vorteil sei, mehrere Alternativen zur Hand zu haben. Vielleicht ist es ganz gut, dass Du vielseitig interessiert bist?

Lass Dich nicht unterkriegen.

Liebe Grüße

jahana
 

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