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Noch ein weiteres Jahr ausharren?

  • Starter*in Starter*in Semmel
  • Datum Start Datum Start
S

Semmel

Gast
Guten Tag,

ich kenne das Forum schon seit einer Weile als gelegentlicher Mitleser und hoffe nun inständig selbst auf ein wenig Hilfe von euch.

Ich habe ein ziemliches Problem mit meiner beruflichen Perspektive. Bin 20 Jahre alt, habe letztes Jahr Abitur gemacht und danach ein Studium im Bauingenieurwesen begonnen. Von Anfang an hielt sich meine Begeisterung für diesen Studiengang in Grenzen. Vor einigen Monaten erlitt dann mein Vater einen schweren Ski Unfall, entkam dem Tod nur knapp und musste für etliche Wochen in die Reha. Ich habe mich zu dieser Zeit, als sein Betreuer angeboten und musste sozusagen für 2, 3 Monate sein Leben leben, damit seine Existenz nicht in die Brüche ging.

Weil ich als Betreuer fungierte, ließ ich mein Studium mehr oder weniger arg schleifen und entschloss mich letztendlich dazu, es aufzugeben, weil es mich schon seit Anbeginn so viel interessierte wie ein umgefallener Sack Reis in China. Ich wollte diese Chance nutzen, um mein Leben in die Bahn zu lenken, die mir auch wirklich Freude bringt. Nämlich das Schreiben und Lesen (insbesondere Bücher). Habe mir auch schon einen ersten Plan erstellt, was ich in den nächsten Jahren so erreichen will. Ich möchte eine Ausbildung in Richtung des Buchhandels absolvieren, also Medienkaufmann, Buchhändler oder in einer Bibliothek arbeiten oder dergleichen und gleichzeitig dazu ein Fernstudium beginnen, um das „Schreiben“ zu lernen. Und danach eventuell sogar noch einmal richtig studieren gehen (Germanistik,…).

Soweit zu meinen Plänen. Nun zu meinen Problem: Es ist ende Juni und so gut wie alle Lehrstellen in meiner Umgebung sind weg. Man bietet derzeit zwar immer noch Ausbildungsplätze an, aber meine Wunschlehre finde ich höchstens noch in NRW oder in München und das ist mir einfach zu weit weg (lebe derzeit in Sachsen).
Es stehen also nur noch 2 Alternativen zur Auswahl :

1. Ich suche mir jetzt noch irgendeine Lehrstelle in meiner Umgebung, die aber nicht meinen Wunsch entspricht und ich sie deshalb genauso halbherzig beginnen werde wie mein erstes Studium. Im Gegenzug bin ich aber finanziell abgesichert und habe kein weiteres Jahr vertrödelt.

2. Ich harre ein Jahr aus und beginne im Herbst mit den Bewerbungen schreiben, um im Ausbildungsjahr 10/11 auch wirklich meine Wunschlehre zu bekommen. In der Zwischenzeit könnte ich ein Jahrespraktikum bei einem Verlag oder ähnlichem machen, um später besserere Chancen für eine Stelle zu haben. Weiterhin hätte ich auch genügend Zeit, um mein Fernstudium anzufangen. Der Hacken: Ich habe keine Ahnung, wie ich meine Kosten ein ganzes Jahr lang decken soll.

Ich tendiere ja stark zur zweiten Alternative, aber mein Hintergedanke ist dann: Bin ich dann nicht zu alt für eine Erstausbildung? Ich meine, ich wäre nächste Jahr 21/22 Jahre alt und würde die Lehre erst mit Mitte 20 abschließen. Was würde ihr mir raten wollen? Im Moment bin ich ziemlich ratlos demgegenüber.
Im Übrigen kommt es für mich überhaupt nicht in Frage wieder zu meinen Eltern zu ziehen oder von ihnen finanzielle Hilfe anzunehmen. Ich bin in einem Alter, wo ich da alles selbst in den Griff bekommen will und auch muss!

Danke, an all diejenigen, die sich mit meinen Konflikt beschäftigen!
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Semmel,

zu alt für die Erstausbildung bist du auch nächstes Jahr noch nicht. Bei uns sind viele Auszubis bereits über 20, die älteste ist derzeit sogar schon 32. Also darüber würde ich mir die wenigsten Gedanken machen. 🙂

Ein Jahr zu überbrücken dürfte -denke ich mal- gar nicht so schwer sein. Vielleicht kannst du ja das "Praktikum" als Volontärzeit absolvieren, dann würdest du auch Gehalt bekommen. Ich kann zwar nur von uns sprechen, aber bei uns bekommen die Jahrespraktikanten -wenn auch wenig- aber immerhin Geld. Oder du machst ein Teilzeitpraktikum und gehst nebenbei arbeiten.

Auf gar keinen Fall würde ich eine ungeliebte andere Ausbildung machen, von der ich von vornherein wüsste, dass ich sie halbherzig mache. Wenn eine andere Ausbildung, müsstest du sie auch bis zum Ende durchziehen, was dich bis zu deinem Traum noch ein paar Jahre kosten würde. Und ob du hinterher einen weiteren Ausbildungsplatz bekommst, ist fraglich. Bei uns werden Bewerber, die bereits eine Ausbildung beendet haben, gar nicht mehr genommen. Und wenn du die Ausbildung nach einem Jahr wieder abbrichst, sieht es auch nicht gerade gut aus. 🙁

Und noch ein Tipp am Rande: Achte darauf, wann Bewerbungsschluss für Ausbildungsplätze ist, bei uns ist es der 30.09. des Vorjahres, alle Bewerbungen, die danach eingehen, werden mit dem "zu spät"-Vermerk zurückgeschickt. Also bis Herbst warten, könnte eventuell schon problematisch werden. 😉

Ich wünsche Dir viel Erfolg

Apri
 
Hallo Semmel,

ist eine schwierige Entscheidung und ich glaube ich kann nicht wirklich helfen. Hatte solch Schwierigkeiten mit meinem Sohn durchgemacht. Er hatte auch mehrere Alternativen....
Ich kann dir meine Gedanken dazu senden:

Ich kann nachvoll ziehen, das du gern den Beruf wählst der dir entspricht. Dann käme die 2. Variante in Frage. Du hättest was du wolltest und etwas was ich antreibt...
Nur kein geld.Kein Geld auf Dauer kann einen auch runter ziehen...Wenn du stark bist könntest du irgend etwas jobben...
Klingt für mich etwas sehr unsicher.

Die erste Variante ist vernünftiger, denn du bist abgesichert. Dein Traum das Schreiben und lesen in dein Leben zu integrieren, könntest du in deiner Freizeit vielleicht verwirklichen.

Ich glaube , es kommt darauf an, welch Typ von mensch du bist. Manche können mit unsicheren Sizuationen leben , manche brauchen eine Absicherung. Mir selbst wäre die erste Variante am liebsten, denn es ist ein Einstieg ins Berufsleben, nicht das du den irgendwann verpaßt. ich würde jetzt nehmen was ich bekomme, was mir noch am ehesten zusagt. Vielleicht gibts ja noch Ausbildungen in Berufen, die dir wenigsten etwas zusagen.

Mein Sohn hat sich auch für ie Variante entschieden, jetzt etwas machen und abgesichert sein, er hat eine Ausbildung die er erst nicht wollte, doch nach einem halben Jahr hat er sich eingelebt und froh das er sich dafür entschieden hat. Er hat Geld und kann so seinem großem Hobby nachgehen.
Man trifft nicht immer das genau was man will....muß Kompromisse eingehen im Leben. is so auch wenn es sich blöd anhört.
Hm... das wars erstmal von meiner Seite.
Schlaf mal ein paar Nächte drüber und sage dir nachts-ich möchte Unterstützung zu meinen Schwierigkeiten 🙂
Laß auch mal los von dem Problem und höre was dann kommt....
Wünsche dir das du findest was u suchst 🙂
Liebe Grüße
Sonnenlichtlein
 
Schon mal vielen Dank für die, aus meiner Sicht, hilfreichen Antworten!

Ich werde wohl noch ein paar Tage darüber nachdenken müssen, denn die Meinungen sind doch recht zwiegespalten^^
Zumindest weiß ich jetzt, dass es nicht allzu schlimm wäre, wenn ich erst nächste Jahr mit einer Ausbildung anfange, was mich immer mehr zu Variante 2 hinzieht. Ich habe auch mal davon gehört, dass einige Betriebe schon im Januar mit der Ausbildung anfangen?

Nur kein geld.Kein Geld auf Dauer kann einen auch runter ziehen...
Ja, das wäre der ausschlaggebendste Grund, weshalb ich mich noch nicht vollends für die zweite Alternative entschieden habe.


@Silberrose
Bis September bin ich noch als Student eingeschrieben und beziehe (noch) Bafög. Ich habe mich aber bis heute davor gehütet, alles davon auszugeben und könnte rein theoretisch den größten Teil sofort zurückbezahlen, wenn ich müsste. Ich mache ungern Schulden. So viel ich weiß, kann ich 5 Jahre warten bis ich das Bafög auf Raten zurückzahlen muss. Trotzdem habe ich besonders in letzter Zeit sehr, sehr sparsam gelebt, um meine Ausgaben so gering wie möglich zu halten und das funktioniert für den Moment auch ganz gut. Nur die Miete lässt mich jeden Monatsanfang ein wenig schwitzen🙁

Rein hypothetisch gedacht:
Angenommen ich würde mich jetzt für Variante 2 entscheiden und mit dem Geld gerade so über die Runden kommen. Wie sieht es dann mit den Versicherungen aus? Als Student ist man ja automatisch mit den Semesterbeiträgen abgesichert, aber wenn ich das Studium nun abbreche und jobbe oder Praktikant oder was auch immer bin für diese Überbrückungszeit, muss ich ja für die Versicherungen privat aufkommen, richtig?
Und wenn ich ab September zwischen den Fronten stehe, bin ich zudem gezwungen, mich nach 6 Monaten beim Arbeitsamt arbeitslos zu melden, oder sehe ich da etwas falsch? Wird das für meinen späteren Arbeitgeber vermerkt?

Und genau diese Fragen stoßen mich dann doch wieder in Richtung der ersten Alternative...Argh, es ist zum Mäuse melken!:mad:
 
Hallo Semmel,
wenn du dir in der Zeit irgend etwas suchst, wo du mehr als 400€ im Monat verdienst, ob nun ein Praktikum, oder einen Job, bist du Pflichtversichert und der Arbeitgeber zahlt für dich.
Du solltest jetzt zeitgleich nach Praktikum und Job ausschau halten, denn ich denke beides wird nicht einfach zu finden sein.
Dann, wenn du eines der beiden, oder sogar beides gefunden hast, musst du dich entscheiden. Vielleicht geht aber auch beides, ein Teilzeitpraktikum und eine Teilzeitarbeit.
Dass du dich arbeitslos melden musst, darüber würde ich noch gar nicht nachdenken, das ist noch weit hin. Wenn du dich jetzt ein bisschen ran hältst und deine Fühler in verschiedene Richtungen ausstreckst, wirst du etwas adäquates finden.
Ich drück dir zumindest ganz feste die Daumen, dass es klappt, wie du es dir vorstellst.
Gruß
Cutty
PS. denk nicht zu weit im Vorraus, es kommt sowieso immer anders als man denkt.
 

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