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Neubeginn

Silent Heaven

Mitglied
Hallo ihr Lieben, lange habe ich mich nicht mehr gemeldet.

Nach dem letzten Einschlag meiner immer wiederkehrenden Depressionen im Dezember, den anhaltenden Dingen, die mir noch auf der Seele brennen (Erfahrungen in der Kindheit, eine toxische Beziehung, der Verlust meiner letzten Wohnung samt Drohungen des Expartners, Mobbingerfahrungen, schlechtem Klima und viel Druck in der derzeitigen Arbeitsstelle und so weiter) bin ich krank geschrieben. Meine Psychiaterin hat mir empfohlen, aus gesundheitlichen Gründen zu kündigen, da das Klima auf Arbeit immer schlechter und der Druck immer größer wurde. Auch will ich sowieso raus aus der Stadt. Ich habe seit einem Jahr einen wunderbaren Mann kennengelernt, der mir zumindest Halt gibt, bei dem ich mich wohl fühle. Wir sind ein tolles Team und ich liebe ihn sehr: So kann es also auch sein.
Ich wohne inoffiziell bereits bei ihm, am anderen Ende Deutschlands, gehe hier meinen Therapien nach.
Ergotherapie geht bald wieder los. Der letzte Aufenthalt hier in der Tagesklinik hat mir sehr viel Input gegeben. Sehr gut getan.
Seit ein paar Monaten nehme ich auch ein Antidepressivum, welches mir sehr hilft. Ich nehme nicht so gerne Medikamente, aber es ging nicht anders. Nach all den Jahren des Auf und Abs ist einfach alles eingebrochen. Es ist und war das schlimmste Tief meines Lebens. Ich denke, das ist passiert, weil sich einfach all die Jahre so viel angestaut hat. Gewiss, ich bin auch vorwärts gekommen in meinem Leben. Ich habe Fortschritte gemacht und mache sie noch immer. Aber der Zusammenbruch musste kommen.
Ja, ich gebe nun einen sehr gut bezahlten, sicheren Job auf, der mir theoretisch viel Spaß gemacht hat, aber der Druck und die zwischenmenschlichen Spannungen waren so groß und ich so labil, dass ich es nicht mehr ertragen konnte.
Ich gebe auch eine sehr schöne Wohnung auf - ich bin in meinem Leben schon irgendwie... mindestens acht Mal umgezogen und habe es langsam satt, will irgendwo ankommen. Aber nun sehe ich eine Zukunft mit meinem Partner. Ich habe mein Glück nie einzig von einem Mann an meiner Seite abhängig gemacht. Aber nun ist es so gekommen und sehr gern beginne ich ein neues Leben mit ihm. Das Wohnen auf Probe mit ihm klappt sehr gut. Konflikte lösen wir konstruktiv und freundlich. Er ist sehr liebevoll.
Es muss nun so viel organisiert werden- die Kündigung, die Behördengänge, im Herbst der offizielle Umzug. Und ich versuche gleichzeitig, endlich wieder Kraft zu schöpfen. Ich möchte bald wieder fit werden, um mir eine neue Arbeitsstelle hier in der Gegend zu suchen, vielleicht gegen Ende des Jahres, je nachdem, wann ich wieder gesund bin. Ich möchte mich wieder ins Gleichgewicht bringen. Besser auf mich selbst achten.
Ich war mein Leben lang wohl aufgrund dieser enormen psychischen Prozesse in mir, dieser Ängste und Minderwertigkeitsgefühle etc, nicht mit sehr viel Energie gesegnet. Aber in den letzten Monaten hat sich einfach eine lähmende, erschreckende Kraftlosigkeit breit gemacht. Das kam schleichend über Jahre hinweg. Auch hat vielleicht mein Coronainfekt von vor ein paar Monaten etwas dazu beigetragen. Zur Zeit kann ich kaum zwei Stunden am Stück etwas tun, sei es Spazieren, lesen, den Haushalt machen oder sonstiges. Mein Körper ist wahnsinnig kraftlos. Dabei liege ich nicht nur herum. Schon immer habe ich alles versucht- nicht zu sehr zu versacken. Ich bewege mich, so viel es geht, mit meinem Hund an der frischen Luft. Ich versuche, täglich etwas sinnvolles zu machen, sei es etwas von meiner To-do-Liste (denn diese Neuorganisation bedeutet natürlich viel Arbeit) oder im Haushalt. Ich bin einerseits motiviert, denn ich weiß, es kann ein gutes und schönes Leben auf mich warten. Und wenn ich aufmerksam bin, sehe ich doch: Es ist momenteweise schon da. Wenn ich ziellos durch die Stadt spaziere oder endlich Zeit zum Lesen finde. Wenn ich mit meinem Partner sonntags durch den Wald streife oder einfach den Alltag mit ihm lebe. Es gibt viele schöne Dinge im Leben, derer ich mir auch oft? manchmal? bewusst bin.
Aber dann ist da immer wieder die Traurigkeit, die Leere, die mich einholt. Mit der Medikation ist es schon besser geworden. Ich muss sie einfach noch ein Weilchen nehmen. Ich habe schlechte Tage, an denen gar nichts mehr geht. Aber an guten Tagen versuche ich, viel sinnvolles zu machen.
Doch ich muss ein Gleichgewicht finden zwischen der Arbeit an meinen Zielen und einfach dem ziellosen, wunderschönen Sein, das ich genießen will. Spontan rausgehen, gesund essen, mir etwas gutes tun.

Meine Erwartungen an mich selbst sind sehr hoch. Ich denke auch, ich muss diese Monate nun nutzen, um mich wieder fit zu machen in diversem Grundlagenwissen für meinen Beruf und so. Ich versuche das. Doch ich merke, dass ich nicht die Kraft und durchgehende Motivation habe, das so zu machen, wie ich es mir in guten Momenten vorstelle. Also versuche ich, die Ansprüche runterzuschrauben.
Das wichtigste ist wohl, dass ich mich wieder psychisch fit bekomme. Damit ich bald wieder einsteigen kann in einen produktiven Alltag. So, wie es jetzt ist, kann ich nicht sehr viel erreichen. Das frustriert mich oft.

Aber ich weiß, ich brauche Geduld.

Manchmal bin ich übermotiviert oder verspüre einen Energieschub - das mag am morgendlichen Kaffee liegen.

Dann habe ich all diese Gedanken- ich möchte mein Wissen auffrischen, meine Ernährung anpassen, mich mehr bewegen, am liebsten noch eine Kleinigkeit ehrenamtlich tun, mich wieder aktiv in einem Forum austauschen etc.
Aber dann ebbt diese Energie relativ schnell wieder ab und ich merke: Ich brauche auch ganz viel freie, ruhige Zeit, in der ich ruhen kann und muss.

Ich wollte mir das alles mal nur von der Seele schreiben. Ich habe dazu gar keine richtige Frage. Ich weiß eigentlich, wie ich es angehen muss... mit Geduld, Selbstakzeptanz und einem langen Atem.

Vielleicht hat der eine oder andere dennoch einen Tipp. Bitte kritisiert nicht den Plan mit der Kündigung, ich habe mir das gut überlegt. Wenn das Amt das so nicht akzeptiert, muss es mich eben sperren, damit komme ich im Notfall klar. Aber ich wünsche mir eigentlich wieder ein finanzielles Polster aufzubauen, damit ich mir eine schöne neue Wohnung mit meinem Freund einrichten kann- die jetzige soll nur zum Übergang sein, das bedeutet, wir würden je nach Lebenslage ab nächstes Jahr Frühjahr vllt innerhalb der Stadt etwas neues suchen. Ich brauche Natur um mich herum.

Es sind die vielen und hohen Erwartungen an mich selbst, die mich dann auch immer wieder ausbremsen.
Ich versuche, sie zu drosseln.
Aber auch diese Kraftlosigkeit frustriert mich. Ich fühle mich manchmal wie 70. Dann fühle ich mich nicht ernst genommen von den Ärzten. Körperlich ist alles okay. Das Blut wurde untersucht. Es scheint, als würden die Ärzte nur denken "Ja, dann gib dir Zeit, das wird schon wieder." Aber das Ausmaß dieser Erschöpfung ist so heftig. Und das schon seit Monaten. Dabei fordere ich mich schon so gut es geht- mäßig. Wenn ich es übertreibe, dann liege ich meistens mindestens drei, vier Tage flach. Ich glaube rein intuitiv, dass es nicht gut ist, es zu oft dazu kommen zu lassen. Aber es ist schwer, rechtzeitig zu bemerken, wann ich eine Pause brauche.

Danke für´s Lesen, ich wünsche euch einen schönen Abend.
 

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Eva

Aktives Mitglied
Ich finde, dass du alles richtig machst. Vielleicht im Moment noch deine eigenen Ansprüche drosseln, da du unter der Erschöpfung leidest. Ist das "Long-Covid"?

Ich finde es vollkommen richtig mit der Kündigung. Wenn ein Arzt dir bescheinigt, dass er dir zur Kündigung geraten hat, bekommst du keine Sperre. Ob das ein Psychologe auch kann, weiß ich nicht. Musst mal deine Therapeutin fragen, ob sie das kann/darf.

Wünsche dir alles Gute für deine Zukunft mit deiner Liebe und deinen anderen neuen Wege!
 

Silent Heaven

Mitglied
Danke, Eva, für deine Antwort. Die Kündigungsempfehlung kommt von meiner Psychiaterin, die also auch Ärztin ist.

Ob mein Erschöpfungssyndrom vom Long-Covid kommt, kann ich nicht sagen. Ich kann mir vorstellen, dass es auch mit hineinspielt, aber ich denke, es ist auch den jahrelangen psychischen Belastungen geschuldet, die sich einfach am Ende zu einer Art extremen Tiefpunkt kumuliert haben. Irgendwie so etwas, aus vielerlei Gründen. Ich kann nur wirklich hoffen, dass ich wieder fit werde... ich möchte wieder leistungsfähig sein und auch mein Leben genießen können. Ich habe ja sehr lange gekämpft.
 

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