Hallo liebe Sanskrit,
wenn ich an die Gedanken und "Dinge" zurückdenke, die von einer beendeten Beziehung "zurück blieben", dann ist eine der schmerzlichsten Erkenntnisse für mich wohl die: dass ich Entscheidungen getroffen und mich eingeschränkt habe, wo mich nicht hätte einschränken lassen sollen. Jede Beziehung verändert einen, manchmal bewusst, manchmal merkt man es nicht gleich. Aber wenn ich dem "Partner" gestatte, mich zu verbiegen, meine Welt "kleiner" zu machen, mir "meins" zu nehmen, dann hinterlässt das Spuren auf der Seele. Aber ich kann Dir Hoffnung machen: Dein "meins" ist meistens noch da. Vielleicht etwas versteckt, aber Du kannst es wieder finden.
Wenn Du den Eindruck hast, dass Du Dich "weniger erwachsen" verhalten solltest, dann suche Dir Bereiche aus, in denen das geht. So zu tun "als ob" ist zwar auf Dauer selten eine gute Idee, aber es bringt Dir Erkenntnisse, die Du sonst nicht gehabt hättest. Nicht alle werden "gut" sein, auch das gehört dazu.
Flirte, wenn Du flirten willst, suche Dir Kleidung, in der Du Dich wohl fühlst und probiere aus, was Du probieren willst. Mit wachsendem Alter habe ich festgestellt, dass man viel mehr die Dinge bereut, die man sich nicht getraut hat zu tun. Aber auch da ist selten "alles Wasser den Bach runter". Ja, es gibt ein "peinlich", mag schon sein. Ich habe mit 50 mein erstes Air-Board gekauft und hatte einen Heiden-Spaß damit, mit meiner Tochter die Schneehänge hinunterzufetzen, während andere "meines Alters" bei Kaffee und Kuchen saßen und mich im Lift komisch anschauten. In 100 Jahren spricht kein Mensch mehr davon.
Trau Dich und schalte dabei Deinen Verstand ein. Manches ist tatsächlich "ums Eck", mancher Spaß mit 16 macht mit 25 wirklich nicht mehr viel Sinn, weil sich das Umfeld geändert hat. Höre in Dich hinein, was Dich WIRKLICH bewegt, was Dir dabei WIRKLICH WICHTIG ist und dann finde Deine eigenen Ausdrucksmöglichkeiten dafür. "Kindisches Verhalten" enthält bei Erwachsenen immer wieder mal sehr viel aufgestaute und verdrängte Wut. Wenn man sich als Kind, als Erwachsener zu sehr anpassen muss, anpassen will und sich auf diesem Weg selbst zu verlieren beginnt, dann zeigt einem die Wut, dass dieses "dazu gehören wollen", die Regeln der anderen zu übernehmen, auch seine Grenzen haben muss, weil es sonst zu einer Farce verkommt.
Wie man es schafft, sich mit 23 nicht mehr hässlich und alt zu fühlen? In dem Du den Dingen in Deinem Leben wirklich auf den Grund gehst und Du allen Mut zusammen nimmst, um Dich diesen Gefühlen zu stellen. Nach meiner Erfahrung gibt es nur vier Grundgefühle: Angst, Trauer, Wut und Freude. Alle anderen (Hass, Neid, Schadenfreude, etc.) sind nur unterschiedliche Varianten dieser vier Gefühle. Wenn Du Dich alt und hässlich fühlst, was ist in diesem Moment das vorherrschende Gefühl in Dir? Welche "Bilder" kommen Dir in den Sinn, wenn Du Dir diese Gedanken machst? Das könnte ein Ansatz sein, was Dich wirklich beschäftigt, welche "Laus Dir über die Leber gelaufen ist", wie man früher einmal gesagt hat.
Und vielleicht eines noch: es gibt kein "normales Leben". Du kannst nur Entscheidungen treffen und sehen, was damit wird. Es wird immer DEIN Leben sein und das unterscheidet sich immer mehr oder weniger vom Leben aller anderen. Jage also keinem Hirngespinst nach, das es nicht gibt. Lebe DEIN Leben, finde heraus was DEINS ist, entdecke und verfeinere Deine Möglichkeiten und Leidenschaften und sei offen für andere Sicht- und Denkweisen, aber mache sie Dir nur dann zu eigen, wenn Du das wirklich willst. Oft genug wirst Du dabei Kompromisse machen müssen.
Und was die Wut auf Deinen Ex angeht: such Dir einen geeigneten Ort und schrei Deine Wut heraus. Vielleicht braucht es ein "Brüllkissen", damit nicht der halbe Ortsteil zusammen läuft, vielleicht musst Du dabei auf etwas drauf schlagen (Bitte keine Menschen oder Wertgegenstände 🙂) Aber formuliere bei Deinem Schreien präzise Worte, womit nun Schluss ist, was nicht mehr geschehen wird, was Du nicht mehr mit Dir machen lassen wirst. Nach einigem Schreien wirst Du feststellen, dass dieses Schreien sein Ende findet. Wenn Du alles gesagt und alles hinaus geschriehen hast, was es zu schreien gibt, dann spürst Du diesen Punkt. Und wenn noch was hinterher kommt, dann eben wieder her mit dem Brüllkissen. Alle Wut hat ein Ende, wenn die Dinge "geklärt" sind, denn dazu ist die Wut da: klare Unterscheidungen zu machen. Achte darauf, dass Du die Wut auf Dich selbst nicht gegen Dich richtest. Sie gut zu Dir, auch und gerade wegen der Fehler, die DU in Deiner Beziehung gemacht hast. Wir lernen leider oft nur durch Fehler und die meisten tun weh. Wenn frau/man hätte Ja oder Nein sagen sollen und frau/man es nicht konnte … Die Gründe dafür sind zumeist nicht einfach zu handeln.
Du hast Dich in Deiner Beziehung verbiegen lassen und hast Dich selbst verbogen. Die Dinge und "Innereien" wieder gerade zu rücken (Was immer das für Dich heißt) ist oft ein schmerzhafter Prozess. Eine "aufrechte Haltung" erfordert Muskeln, die man zuweilen vernachlässigt hat. Es erfordert Übung und die Bereitschaft, sich auf diesen Wachstumsprozess einzulassen. Und dann sollte der Spaß dabei nicht zu kurz kommen.
Aus meiner Sicht habe ich nur wenig "verpasst" und "nachholen" bringt in den wenigsten Fällen die Befriedigung, die man sich davon erhofft. Aber sich HEUTE für oder gegen etwas zu entscheiden, zu tun, was einem wichtig ist, für etwas zu "brennen", das hat was, das stärkt einen und macht Sinn. Arbeite Deine Vergangenheit auf, schau genau hin, was Du noch an Altlasten mit Dir herum schleppst. Aber leben kannst Du nur heute. Mit manchen Dingen darf und muss man auch einmal abschießen, damit Du das "Heute" nicht wieder verpasst, weil Du zu sehr mit dem "Gestern" beschäftigt bist. Alles hat seine Zeit. Finde heraus, was das für DICH bedeutet.