es ist Sonntag nachmittag, einer dieser Nachmittage, die nicht aufhören sondern höchstens vergehen und ähnlich wie bei manchen Formen der Demenz flammt manchmal eine Art von Klarheit in meinen Depressionen auf:
wie konnte es soweit kommen, dass ich kaum noch meinen Haushalt bewältigen kann? ich bin 49 und seit einem halben Jahr examinierte Pflegefachkraft. eigentlich sollte ich mich jetzt auf unserer Intensivstation um schwerstkranke Menschen und deren Angehörige kümmern, vielleicht auf einen Rea-Ruf laufen.
Stattdessen bin ich krank geschrieben, auf unbestimmte Zeit. Alle paar Tage kommt die Existenzangst, aber die Tage kommen und gehen und sind schlicht zu warm und zu heiß, endlose Überlegungen nicht mehr leben zu wollen sind der einzige rote Faden, Existenzangst greift da nicht, kann gar nicht.
ich habe einen Termin Ende nächsten Monats für ein Vorgespräch in der Tagesklinik. um überhaupt einen Gesprächstermin zu bekommen braucht es hier eine fachärztliche Überweisung, die hausärztliche reicht nicht mehr. Und ich hatte Glück! eigentlich wollten wir den kurzen Dienstweg: die Ärzte kennen sich. die MFAs kennen sich. es wäre nur darum gegangen dieselbe Überweisung nochmal mit Facharztstempel zu machen und der Ärztin zum Unterschreiben vorzulegen. aber sie wollte sich selbst einen Eindruck machen (btw ich arbeite ja in einer Art medizinischem Beruf: persönliche Inaugenscheinnahme ist durch nichts zu ersetzen außer persönlicher Inaugenscheinnahme).
fragt ua wie es um meine Libido bestellt sei.
ich bin extrem horny. und das fühlt sich nicht gerade gut an. jeden zweiten Tag umnebelt mich das vollkommen, warum?
Eros und Thanatos…
und eigentlich geht‘s auch nicht darum. auf eine wesentliche Art schon auf die eigentliche geht‘s um Beziehung, um Partnerschaft vor allem, bzw. das Alleinsein.
es tut mir nicht gut, allein zu sein und immer auf mich selbst zurück geworfen zu werden. es ist nicht so, dass ich nicht allein sein kann. manchmal bin ich ganz gern allein.
inzwischen fühlt es sich aber mehr danach an verloren zu sein und verloren gegangen.
Dabei hab ich diese Ausbildung in der Pflege auch mit 45 Jahren begonnen um ein neues Kapitel aufzuschlagen. und es war eine spannende, bewegte und bewegende Zeit. Zwei gescheiterte Beziehungen. In der ersten habe ich nie die Gefühle entwickeln können, die ich gern entwickelt hätte, in der zweiten reichten meine Gefühle für uns beide aber auch das nur knapp bis zum Examen.
Drei Beziehungen und der Verlust der dritten ist wie eine Wunde, die sich nicht schließen kann: meine Tochter, inzwischen 12 hat den Kontakt zu mir seit Jahresbeginn abgebrochen. Dass das alles vor dem Hintergrund eines Loyalitätskonfliktes geschehen ist, den ich nie für notwendig oder sinnvoll hielt und ihn deshalb nicht ernst genommen hatte?
aber die Frage nach der Schuld erreicht mich gar nicht - es tut einfach nur weh.
Alle paar Monate schreibe ich ihr. ohne Druck, ohne Vorwurf. ich schreibe nicht viel aber sehr bewusst, und beseelt von der unendlichen Liebe die ich für sie empfinde.
Wir hatten auch immer ein sehr inniges Verhältnis. Selbst als wir uns wegen des Wegzuges von ihrer Mutter und ihr nur noch jedes zweite Wochenende sehen konnten… wir waren es gewohnt zwei bis dreimal die Woche zu telefonieren.
ich habe mit Sicherheit nicht alles immer richtig gemacht, aber ich wüsste wirklich nicht, was ich so falsch gemacht haben könnte, dass es einen Kontaktabbruch rechtfertigt.
und es tut einfach weh und macht hilflos.
das Heraufziehen dieses Kontaktabbruchs und der Beginn dieser letzten Beziehung überlappen einander. ich war sehr verliebt. gleichzeitig zutiefst getroffen. und wie sich dann zeigte eben der Einzige, bei dem die Verliebtheit für ernsthafte Beziehung gereicht hätte.
Jetzt fühlt es sich an, als sähe ich mein damaliges Ich hinter Glas… und ich fühle mich hilflos.
ich habe meine Examina gerade so bestanden, dabei bin ich mit einer 1,3 als Vornote rein.
völlige Lernblockade, Angst vor Blackout, Prüfungsangst. früher hatte ich so etwas nie. früher bin ich durch jede Prüfung durch spaziert und war meistens der Beste.
irgendwie fühlte es sich so an, als starre ich im Dunkeln auf die Scheinwerfer, die rasch näher kommen.
Am Abend der Bekanntgabe über das Bestehen machte sie Schluss mit mir.
ich hätte mir gewünscht, dass mein Kind bei der Examensfeier dabei ist. das wäre machbar gewesen.
ich hätte mich auch sehr gefreut, wenn meine damalige Partnerin gekommen wäre, aber sie hätte zwei Tage freinehmen müssen dafür.
so saß ich da, mit meinen Eltern, und wollte nur noch weg.
es gab auch den einen Moment wo ich im Dienst bemerkte, dass es nicht mehr so weiter gehen kann. normale Benzodiapine sind nicht BTM-pflichtig. die liegen bei uns griffbereit im Schrank, eine Schublade über den Antipsychotika.
mir war trotzdem sofort klar, dass ich hier die Grenze definitiv überschreite.
nicht deswegen, sondern wegen zu vieler Fehltage und des Eindrucks, dass ich überfordert sei, legten mir meine Vorgesetzten eine Versetzung nahe - die für mich aber so auch nicht infrage kommt.
es ist komplex… ursprünglich hatte ich mit meinem Haus eine ganz andere Vereinbarung. könnte ich noch mal zurück würde ich Pflege dual studieren.
So stand ich da, auf einer semi-professionellen Intensivstation ohne Praxisanleitung aber selbst schon mit den Symptomen einer schweren Anpassungsstörung.
neben, oder nicht nur neben, sondern eigentlich schon sehr zentral wird es also auch um die Frage gehen, wie es beruflich bei mir weiter gehen kann und soll.
Alles ist zerbrochen, die ganze Welt sagt 'Nein'
und ich kann mir kein gutes Narrativ denken, keine Erzählung darüber wie das gut ausgehen soll…
Sorry für‘s Ausschweifen. ich hab schon versucht mich kurz zu fassen; bin da nicht so gut drin.
wie konnte es soweit kommen, dass ich kaum noch meinen Haushalt bewältigen kann? ich bin 49 und seit einem halben Jahr examinierte Pflegefachkraft. eigentlich sollte ich mich jetzt auf unserer Intensivstation um schwerstkranke Menschen und deren Angehörige kümmern, vielleicht auf einen Rea-Ruf laufen.
Stattdessen bin ich krank geschrieben, auf unbestimmte Zeit. Alle paar Tage kommt die Existenzangst, aber die Tage kommen und gehen und sind schlicht zu warm und zu heiß, endlose Überlegungen nicht mehr leben zu wollen sind der einzige rote Faden, Existenzangst greift da nicht, kann gar nicht.
ich habe einen Termin Ende nächsten Monats für ein Vorgespräch in der Tagesklinik. um überhaupt einen Gesprächstermin zu bekommen braucht es hier eine fachärztliche Überweisung, die hausärztliche reicht nicht mehr. Und ich hatte Glück! eigentlich wollten wir den kurzen Dienstweg: die Ärzte kennen sich. die MFAs kennen sich. es wäre nur darum gegangen dieselbe Überweisung nochmal mit Facharztstempel zu machen und der Ärztin zum Unterschreiben vorzulegen. aber sie wollte sich selbst einen Eindruck machen (btw ich arbeite ja in einer Art medizinischem Beruf: persönliche Inaugenscheinnahme ist durch nichts zu ersetzen außer persönlicher Inaugenscheinnahme).
fragt ua wie es um meine Libido bestellt sei.
ich bin extrem horny. und das fühlt sich nicht gerade gut an. jeden zweiten Tag umnebelt mich das vollkommen, warum?
Eros und Thanatos…
und eigentlich geht‘s auch nicht darum. auf eine wesentliche Art schon auf die eigentliche geht‘s um Beziehung, um Partnerschaft vor allem, bzw. das Alleinsein.
es tut mir nicht gut, allein zu sein und immer auf mich selbst zurück geworfen zu werden. es ist nicht so, dass ich nicht allein sein kann. manchmal bin ich ganz gern allein.
inzwischen fühlt es sich aber mehr danach an verloren zu sein und verloren gegangen.
Dabei hab ich diese Ausbildung in der Pflege auch mit 45 Jahren begonnen um ein neues Kapitel aufzuschlagen. und es war eine spannende, bewegte und bewegende Zeit. Zwei gescheiterte Beziehungen. In der ersten habe ich nie die Gefühle entwickeln können, die ich gern entwickelt hätte, in der zweiten reichten meine Gefühle für uns beide aber auch das nur knapp bis zum Examen.
Drei Beziehungen und der Verlust der dritten ist wie eine Wunde, die sich nicht schließen kann: meine Tochter, inzwischen 12 hat den Kontakt zu mir seit Jahresbeginn abgebrochen. Dass das alles vor dem Hintergrund eines Loyalitätskonfliktes geschehen ist, den ich nie für notwendig oder sinnvoll hielt und ihn deshalb nicht ernst genommen hatte?
aber die Frage nach der Schuld erreicht mich gar nicht - es tut einfach nur weh.
Alle paar Monate schreibe ich ihr. ohne Druck, ohne Vorwurf. ich schreibe nicht viel aber sehr bewusst, und beseelt von der unendlichen Liebe die ich für sie empfinde.
Wir hatten auch immer ein sehr inniges Verhältnis. Selbst als wir uns wegen des Wegzuges von ihrer Mutter und ihr nur noch jedes zweite Wochenende sehen konnten… wir waren es gewohnt zwei bis dreimal die Woche zu telefonieren.
ich habe mit Sicherheit nicht alles immer richtig gemacht, aber ich wüsste wirklich nicht, was ich so falsch gemacht haben könnte, dass es einen Kontaktabbruch rechtfertigt.
und es tut einfach weh und macht hilflos.
das Heraufziehen dieses Kontaktabbruchs und der Beginn dieser letzten Beziehung überlappen einander. ich war sehr verliebt. gleichzeitig zutiefst getroffen. und wie sich dann zeigte eben der Einzige, bei dem die Verliebtheit für ernsthafte Beziehung gereicht hätte.
Jetzt fühlt es sich an, als sähe ich mein damaliges Ich hinter Glas… und ich fühle mich hilflos.
ich habe meine Examina gerade so bestanden, dabei bin ich mit einer 1,3 als Vornote rein.
völlige Lernblockade, Angst vor Blackout, Prüfungsangst. früher hatte ich so etwas nie. früher bin ich durch jede Prüfung durch spaziert und war meistens der Beste.
irgendwie fühlte es sich so an, als starre ich im Dunkeln auf die Scheinwerfer, die rasch näher kommen.
Am Abend der Bekanntgabe über das Bestehen machte sie Schluss mit mir.
ich hätte mir gewünscht, dass mein Kind bei der Examensfeier dabei ist. das wäre machbar gewesen.
ich hätte mich auch sehr gefreut, wenn meine damalige Partnerin gekommen wäre, aber sie hätte zwei Tage freinehmen müssen dafür.
so saß ich da, mit meinen Eltern, und wollte nur noch weg.
es gab auch den einen Moment wo ich im Dienst bemerkte, dass es nicht mehr so weiter gehen kann. normale Benzodiapine sind nicht BTM-pflichtig. die liegen bei uns griffbereit im Schrank, eine Schublade über den Antipsychotika.
mir war trotzdem sofort klar, dass ich hier die Grenze definitiv überschreite.
nicht deswegen, sondern wegen zu vieler Fehltage und des Eindrucks, dass ich überfordert sei, legten mir meine Vorgesetzten eine Versetzung nahe - die für mich aber so auch nicht infrage kommt.
es ist komplex… ursprünglich hatte ich mit meinem Haus eine ganz andere Vereinbarung. könnte ich noch mal zurück würde ich Pflege dual studieren.
So stand ich da, auf einer semi-professionellen Intensivstation ohne Praxisanleitung aber selbst schon mit den Symptomen einer schweren Anpassungsstörung.
neben, oder nicht nur neben, sondern eigentlich schon sehr zentral wird es also auch um die Frage gehen, wie es beruflich bei mir weiter gehen kann und soll.
Alles ist zerbrochen, die ganze Welt sagt 'Nein'
und ich kann mir kein gutes Narrativ denken, keine Erzählung darüber wie das gut ausgehen soll…
Sorry für‘s Ausschweifen. ich hab schon versucht mich kurz zu fassen; bin da nicht so gut drin.