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Mutter trauert noch stark nach Tod des Partners

zahnfee97

Mitglied
Hallo ihr Lieben! Wie man in meinem ersten Beitrag lesen kann ist mein Vater vor fast genau einem Jahr und 2 Monaten plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben. Damals war es riesiger Schock für die ganze Familie. Inzwischen mach ich mir aber langsam wirklich Sorgen um meine Mutter, weil sie immer noch sehr tief in der Trauer zu stecken scheint und es auch nicht wirklich voran geht. Äußerlich hat sie ihr Leben bemerkenswert gut umgekrempelt und viel Stärke gezeigt. Sie hat wieder angefangen einigen Hobbys nachzugehen (Tanzen, Chor) und trifft sich hin und wieder mit Bekannten und Freunden. Jedoch merke ich ihr an, dass sie nicht mit dem Herzen dabei ist. Sie macht es, weil sie weiß, dass sie muss und dass es von ihr erwartet wird, aber nicht, weil sie es wirklich will oder Spaß daran hat. Ich glaube im Inneren würde sie sich am liebsten weiterhin zu Hause vergraben und einfach nur heulen. Der Rest der Familie scheint die Situation irgendwie zu akzeptieren und langsam weiterzuziehen, vor allem emotional. Sie aber scheint in einem Loch festzustecken. Sie kann sich immer noch kaum Bilder anschauen von Papa, bei alten Geschichten blockt sie schnell ab, sie meidet viele Orte komplett, an denen sie oft mit ihm war, hat Schlafstörungen, driftet oft in endlos lange tiefpsychologische Gespräche und Gedanken über Papa ab. Dazu kommen einige persönliche Veränderungen, die ich als sehr schwierig empfinde. Zusammengefasst könnte man es wohl „Nerven wie eine Katze in der Waschmaschine“ nennen. Unglaubliche Vorsicht, fast Paranoia gegenüber anderen Menschen, unglaublich pessimistisch, glaubt dass keiner sie mag, keiner was mit ihr zu tun haben will, sie jeden nur nerven würde... sie lässt auch nur ganz wenige Menschen wirklich an sich heran. Ihre (Schwieger-) Eltern, mich und noch 2 alte Freunde, die aber auch weit weg wohnen. Sonst hält sie jeden auf Abstand. Ihr fehlt komplett diese Lockerheit und Leichtigkeit. Sie scheint bloß zu "überleben", statt zu leben.
Ist das immer noch normal nach dieser Zeit? Wann sollte ich mir Sorgen machen? Wie kann ich ihr vielleicht helfen?
Lieben Dank schon mal fürs Lesen!
 

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Eva

Aktives Mitglied
Ob du dir ernsthaft Sorgen machen musst, kann ich nicht beurteilen, aber wenn deine Eltern eine relativ gute Ehe geführt haben, finde ich nichts unnormales an der Trauer. Nur mal so als Gegenbeispiel, obwohl es kein wirkliches Beispiel ist. Ich hatte vor über 20 J. mal einen Freund. Die Beziehung hielt kein Jahr, und ich habe ihm wirklich 5 Jahre nachgetrauert. Und er lebte noch, es war einfach "nur" Schluß.

Jeder Mensch trauert unterschiedlich lange und unterschiedlich intensiv. Meiner Meinung nach liegt es auch an der heutigen Zeit, wie sich deine Mutter verhält, denn die Mitmenschen wollen oder können nicht mit Trauer umgehen. Damit meine ich nicht dich, sondern die Mitmenschen deiner Mutter. Ich habe das selbst erlebt. Erst als mein Vater starb und dann 9 Jahre später als meine Mutter starb. Ich war alleine mit meiner Trauer, obwohl ich haufenweise angebliche Freunde hatte. So kann man das dann noch schlechter verarbeiten.

Sorry, ich weiß nicht, ob du weißt, was ich ausdrücken will.

Der Unterschied zwischen dir und deiner Mutter ist ja auch noch, dass dir als Kind klar ist, dass "normalerweise" die Eltern zuerst gehen. Aber für deine Mutter war es der Lebenspartner. Da kann eine Umstellung auf ein Leben alleine schon noch eine Weile dauern.
 

Joergii

Aktives Mitglied
Eine schwierige Situation. Sehr gut, dass deine Mutti zumindest nach außen versucht stark zu sein. Das ist ein sehr wichtiger Schritt. Deine Mutti hat gegenüber andere Familienmitglieder ganz eigene Probleme mit ihrer Trauerbewältigung.

Die eigene kleine perfekte Familie ist zum Beispiel oft das Endszenario was man sich für das Leben wünscht oder worin man dem eigenen Leben einen Sinn gibt. Durch den plötzlichen Tod fällt ein sehr wichtiger Teil dieses Bildes weg, welcher nicht so leicht zu ersetzen ist. Für dich ist zwar die Situation genau so hart, aber du kannst noch dein Lebenstraum zu ende verwirklichen. Dein Vater wäre zwar eine sehr wichtige oder liebensvolle Nebenrolle gewesen, aber nicht lebenswichtig für dein Lebensziel - wohlmöglich nur sehr viel schöner mit ihm neben dir an deiner Seite.

Deine Mutti hat so vieles, was sie an ihn jede Sekunde erinnert.. sie brauch zum Beispiel nur dir in deine Augen schauen. Dabei werden ihre Gefühle viel chaotischer sein, mit den zusätzlich verlorenen Lebenszeiten, da der Tod mit Sicherheit viel zu früh kam. Zudem gehört bei viele die Liebe dazu, um sich lebendig zu fühlen. Dort wird sie auch Probleme haben sich auf etwas Neues einlassen zu können. Möglicherweise möchte sie über den Tod hinweg treu bleiben, oder hat Schwierigkeiten ihr altes Traumbild zu überschreiben oder euch Rest der Familie irgendwann klar zu machen, dass sie auf einmal auch einen anderen Mann lieben würde oder könnte. Während ihr trotz allem einen neuen Partner nach dem anderen abseits von diesem Schicksalsschlag haben könnt und Liebe geben und empfangen könnt. Gleichzeitig wird sie Angst haben wieder jemand plötzlich zu verlieren und erneut mit ihren Gefühlen "alleine" dazustehen, weswegen eventuell der Abstand zu anderen Menschen kommen könnte. In ihr wird die Hoffnung wieder selbst lieben oder geliebt zu werden sehr klein sein. Das wird eventuell die generellen Lebensgefühle schrumpfen lassen.

Viel was man tun kann weiß ich leider auch nicht. Aber zeigen, dass du sie verstehst.. für sie da zu sein und ihr auch dabei helfen weiter äußerlich stark zu sein. Denn eventuell bietet darunter genau eine Situation, wodurch sie auch irgendwann jemand Neues kennenlernen kann - was sehr wichtig ist. Und auch dabei auf jeden Fall unterstützen.. .
 

zahnfee97

Mitglied
@ Eva, danke für deine Antwort. Ich weiß schon was du sagen möchtest und das waren auch meine Gedanken. Jeder trauert unterschiedlich lange und hat seine eigene Art damit umzugehen. Die Ehe meiner Eltern war gut und immerhin 25 Jahre lang. Sie haben sich gegenseitig sehr gestützt. Da ist einfach ein riesiger Teil weggebrochen. Auch interessant zu hören, dass du tatsächlich so lange gebraucht hat, bei einer viel weniger "intensiven" Beziehung.
@Joergii danke auch dir für die Antwort. Ja du hast recht, vermutlich spielen da so viele Aspekte in ihre Trauer rein, dass ich gar nicht alle sehen kann. Mit meinem Vater ist ein unglaublich wichtiger Teil weggebrochen, wie schon gesagt- meine Eltern haben sich gegenseitig sehr gestützt, vor allem psychisch. Ich habe schon manchmal ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Partner habe und eine schöne Zukunft vor mir. Sinnlos, das weiß ich auch. Ich wünsche ihr auch glaube ich nichts mehr, als dass sie irgendwann wieder einen anderen Partner findet, mit dem sie alt werden kann, mit dem sie wieder reisen und Fahrradtouren machen kann... aber das scheint momentan noch unglaublich weit weg zu sein.

Es ist nur schwer mitanzuschauen wie unglücklich sie ist. Sie hat auch schon angedeutet, dass sie der Meinung ist, dass ihre schönsten Zeiten nun vorbei sind und jetzt könne ja nicht mehr viel kommen, dass sie ja auch nur noch mich hätte. Als würde sie mit Mitte 50 nur noch auf den Tod warten. Meine Mutter ist einfach eine tolle Person, hat im Leben viel für ihre Ziele kämpfen müssen und hängt sich auch im Beruf immer 100% rein. Ich wünsche ihr sooo sehr, dass sie wieder glücklich wird und auch eine schöne Rente genießen und noch einige Ziele erreichen kann, denn das hat sie wirklich verdient.
 

Zauberfee78

Aktives Mitglied
Gib´ deiner Mutter etwas Zeit. Ich finde es besser so als schon 2-3 Monate nach dem Tod des Partners nach einem neuen Lebensgefährten Ausschau zu halten.
 

Joergii

Aktives Mitglied
Ich wünsche ihr auch glaube ich nichts mehr, als dass sie irgendwann wieder einen anderen Partner findet, mit dem sie alt werden kann, mit dem sie wieder reisen und Fahrradtouren machen kann... aber das scheint momentan noch unglaublich weit weg zu sein.
Es muss ja nicht mal unbedingt ein Partner in dem Sinne sein, Hauptsache ein Mensch mit dem sie wieder Gefühle erlebt und mit dem sie Gefühle teilen kann. Denn oft machen Erlebnisse uns erst dann mehr Spaß und glücklich, wenn wir sie teilen können.

Versuche am besten irgendwie deiner Mutti zeigen, dass zumindest die Außenwelt ihr eine neue Liebe erlauben würde, damit sie eventuell auch lernt sich selbst das wieder zu erlauben. Damit sie nicht vollständig die Augen davor verschließt und somit nur in diese schwarze einsame Zukunft blickt. Denn es bedarf dort sehr viel Zuspruch, denn da kommen nochmals so viele Aspekte hinzu, wieso sich ein Mensch eventuell eine neue Liebe selbst nicht erlaubt. Mag es auch nur der Glaube sein, dass der Mann nun in Himmel ist alles sehen könnte.. und man ihm das nicht antun möchte, weil dann die Liebe im nachhinein als unbedeutend gewertet werden würde. Da brauch es viel Zuspruch und neue Ansichtsmöglichkeiten... irgendwie muss ich gerade dabei an den Film P.S. Ich liebe dich denken .
 

Alopecia

Namhaftes Mitglied
Sehr gut, dass deine Mutti zumindest nach außen versucht stark zu sein. Das ist ein sehr wichtiger Schritt.
ich bin mir nicht sicher, ob das sehr gut ist, wenn es innen drin ganz anders aussieht. für mich wäre ein wichtiger schritt, die trauer zu akzeptieren und nicht den starken zu machen, und dann nach erfolgreicher aufarbeitung, mit der sache "abzuschliessen" - nach aussen stark sein und weitermachen, obwohl es innen drin scheisse aussieht, ist nichts als verdrängung, und ich sehe nicht, wo das auf lange sicht dafür sorgen könnte, dass man halbwegs erträglich weiterleben will?

liebe TE, ich finde es toll dass du dich um deine mutter sorgst. an deiner stelle würde ich ihr vor allem anbieten, dass du immer für sie da bist, mit ihr reden willst, wenn sie eine stimme zum zuhören oder trostspenden sucht, und sie immer zu dir kommen kann und dass sie ihre trauer zulassen soll und nicht nach aussen hin stark tun muss, wenn sie sich schwach fühlt. dafür gibts keinen grund. trauer ist GUT, solange sie rausgelassen wird.

ansonsten stimmt, was meine vorposter schrieben, jeder trauert anders, und vielleicht ist der weg deiner mutter halt der einzige, den sie "KENNT" oder gehen kann.
 

Joergii

Aktives Mitglied
ich bin mir nicht sicher, ob das sehr gut ist, wenn es innen drin ganz anders aussieht. für mich wäre ein wichtiger schritt, die trauer zu akzeptieren und nicht den starken zu machen, und dann nach erfolgreicher aufarbeitung, mit der sache "abzuschliessen" - nach aussen stark sein und weitermachen, obwohl es innen drin scheisse aussieht, ist nichts als verdrängung, und ich sehe nicht, wo das auf lange sicht dafür sorgen könnte, dass man halbwegs erträglich weiterleben will?
Meiner Meinung nach gibt nichts Schlimmeres als sich mit seiner Trauer vom Leben zurückzuziehen, denn dann dreht man sich irgendwann nur noch im Kreis. Eigentlich wie bei jeder andere Situation im Leben auch. Dadurch, dass sie ihren Hobbies nachgeht - Tanzen, Chor.. besteht die Möglichkeit von Ablenkungen und vor allem neue Kontakte und Situationen, die einem über die Trauer hinaus helfen. Mir ging es mehr darum mit meiner Aussage und nicht, dass sie ihre Trauer "überspielt" und nicht akzeptiert. Wichtig ist dass ein äußeres Leben, vor allem außerhalb der vier Wänden stattfindet und am besten sich daraus noch mehr neues Leben entwickelt. Es würde wortwörtlich den Gedanken zeigen, dass nun alles vorbei ist und keine schöne Zeiten mehr kommen werden, wenn man sich selbst seinen Gefühlen hingibt und sich so lange einsperrt. Denn Stillstand würde nur die negativen Gedanken füttern, statt die Zeit für bessere Verarbeitung zu nutzen. Mit alleiniger Gedankeverarbeitung kommen wir meist nicht weit, wir brauch öfters eher neue und positive Erfahrungen, die uns anders wieder die Augen öffnen. Dazu muss man stark genug sein, auch wenn man innen zerbrechlich ist und lieber aufgeben möchte.
 

Wildkatz

Aktives Mitglied
Die restliche Familie ist darüber mehr oder minder hinweg, weil sie eben nicht der langjährige Gefährte deiner Mutter war. Paare haben eine komplett andere Beziehung zueinander als jedes andere Familienmitglied. Paare begegnen sich auf einer ganz anderen, intensiven Ebene. Das kann sonst keiner nachempfinden.

Ich kann nachvollziehen, dass es deiner Mutter elend geht. Dass sie glaubt, dass ihre schönste Zeit vorbei ist, spiegelt wieder, wie schlecht es ihr geht – und wie sehr sie ihn geliebt hat. Für sie ist das die Realität. Es bringt nichts, als Außenstehender dagegen ankämpfen zu wollen. Jemand wie deine Mutter muss das Gefühl haben, dass ihre Trauer anerkannt und akzeptiert wird.

Wenn nun jemand daher kommt und sie "glücklich" sehen will, dann wird das dazu führen, dass sie nur noch mehr Druck hat glücklich zu wirken. Das wird sie aber, wie Alopecia gut erklärt hat, zerstören. Es ist also wichtig, dass ihre Trauer nicht von anderen unterdrückt wird. Das geht sowieso nicht. Nur sie kann das bewältigen.

Allerdings kann ich einen Tapetenwechsel empfehlen. Es muss keine große Reise und wochenlanger Urlaub sein. Ein Wochenende an einem fremden Ort mit vielen neuen Eindrücken reicht manchmal schon, um auf andere Gedanken zu kommen. Versuche aber niemals, Glück zu erzwingen.
 

zahnfee97

Mitglied
Also danke nochmal allen für eure Antworten. Ihr scheint ja doch alle der selben Meinung zu sein, dass wir einfach für sie da sein und abwarten sollten. Ob das jetzt gut ist, dass sie sich nach außen hin stark zeigt oder nicht ist eigentlich gar nicht wichtig, weil sie es eh weiter machen wird. Sie hat leider einen Job (selbstständig), in dem auch eine gewissen psychische Stärke gefragt ist, um nicht unter zu gehen. Daran wird das wohl auch liegen. Und ich kann ihre Trauer natürlich auch verstehen, das sollte jetzt nicht unsensibel rüber kommen. Wie gesagt- es ist einfach nur schwer mit anzuschauen wie sehr sie sich zurück zieht und wie traurig sie ist. Aber vermutlich dauert das einfach noch... Ob jetzt mit Partner oder nicht- irgendwann wird sie hoffentlich wieder glücklich werden. Und natürlich bin ich auch immer für sie da, das weiß sie auch. Was ich aber nicht in Ordnung fände, ist, wenn sie mich quasi als "Ersatz" für Papa sehen würde. Also zB. nur noch mit mir in den Urlaub fährt, nur noch mit mir bestimmte Wege geht, nur noch mit mir kocht... oder halt gar nichts davon mehr macht. Das setzt auch mich unter einen gewissen Druck. Aber das weiß sie auch und versucht es nicht soweit kommen lassen.
Einen Tapetenwechsel hat sie selber schon geplant und kleine Kurzurlaube bei Freunden quer durch Deutschland vor. Da bin ich auch froh drum...
Es hat sich in dem einen Jahr ja nun schon einiges getan. Mal sehen wie es nächstes Jahr aussieht...
 

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