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Mitleid mit dem Schläger

Blondine

Mitglied
Ich überlege schon seit gestern Abend wie ich Anfangen soll... vielleicht gelingt es mir jetzt. Ich vesuche mal die Fragmente zusammen zu setzen, die mir so durch den Kopf schwirren.

Ich habe vorgestern Nachmittag meinen jetzt Ex-Freund verlassen. Er hat mich schon mehrere Male geschlagen, mich psychisch unter Druck gesetzt und alle meine Freunde und Bekannte vergrault. Angezeigt habe ich ihn nach den Schlägen auch. Ich liebe ihn schon seit einigen Monaten nicht mehr, konnte diesen Schritt aber erst jetzt spontan durchziehen. Ich habe nicht auf diesen Zeitpunkt hingearbeitet. Es ist einfach aus mir heraus gesprudelt.

Zu meinem Ex-Freund: Nach den unkontrollierten Wutausbrüchen, Verbote und Schläge die plötzlich begannen, bin ich nach nur 2 Monaten aus der gemeinsamen Wohnung wieder ausgezogen. Er ist ohne Arbeit, ohne Wohnung und mit seiner Familie zerstritten. Therapien hat er wieder abgebrochen, da er der Meinung ist, er sei nicht krank, ich würde es ihm nur einreden.

Aus Mitleid und auch weil er mich unter psychischen Druck ("Ich habe auch immer alles für dich getan, du kannst mich doch nicht auf der Straße sitzen lassen, so finde ich nie einen Job!" etc.) gesetzt hat, habe ich den riesen Fehler gemacht und ihn die letzten Monate in meinem 1-Zimmer Appartement mitwohnen lassen.

Vorgestern habe ich es nicht mehr ausgehalten und habe die Sache beendet. Er war völlig verzweifelt und hat stundenlang gebettelt. Er ist der Meinung meine Gefühle würden zurück kommen, wenn er wieder Arbeit hätte und wir uns nicht mehr ständig auf der Pelle hängen würden. Nachdem er gemerkt hat, dass er damit nicht durch kommt ist er völlig wütend geworden. Er hat diesmal aber nicht mich, sondern sich mit voller Wucht die Fäuste ins Gesicht geschlagen und ist mir mit einem Messer an der Plusader hinterher gelaufen und mich aufgefordert, mir den Schnitt anzusehen. Ich habe behauptet, dass wir zusammen bleiben würden und bat ihn zu gehen. Danach rief ich die Polizei. Die redeten mit ihm und mir und ließen ihn aber wieder laufen. Als ich später am Tag meinen Hund zu meinen Eltern bringen wollte fuhr er mir mit dem Auto hinterher und als ich nicht einsteigen wollte, schnitt er mir den Weg ab, zerrte an mir und befahl mir: "DU MACHST NICHT SCHLUSS!". Während ich versucht habe die Polizei zu rufen, nahm er mir das Handy ab und stieg ins Auto. Bis zur Polizeiwache fuhr er mir hinterher. Wieder redeten die Polizisten auf ihn ein und er sagte, er würde mich nun in Ruhe lassen. Ich war keine 5 Minuten aus der Wache raus, da ging dasselbe Theater wieder los. Ich nahm meinen Hund auf den Arm und rannte zurück zur Wache. Die Beamten führen mich dann zu meinen Eltern, mein Ex allerdings kam ungeschoren davon. Er rief mir noch aus dem Auto zu, dass er mir nun das Leben richtig zur Hölle machen würde. Die Polizei zuckte zu diesen Worten nur mit den Schultern: "Tja, wir kennen ihn ja nicht. Wir wissen doch auch nicht was ihm alles zuzutrauen ist!"

Darauf folgten noch unzählige Anrufe und der Vorwand er hätte noch eine Sache hier, die er abholen müsste. Ich legte sie in den Hausflur und schloss die Wohnungstür hinter mir ab. Er klopfte und klingelte wie verrückt und ich tat so, als würde ich erneut die Polizei rufen. Draufhin ist er abgehauen. Er hat nun versucht gestern Morgen und gestern Abend bei mir anzurufen. Ich bin nicht dran gegangen. Heute war Ruhe. Aber ich trau dem nicht, ist das die Ruhe vor dem großen Hurricane?

Ständig sehe ich dieses von Angst, Wut und Verzweiflung verzerrte Gesicht vor mir, es treibt mir die Tränen in die Augen und lässt mir das Herz bis zum Hals schlagen. Aus Angst, vorallem aber auch aus Mitleid. Am liebsten würde ich Anrufen und nachfragen ob alles in Ordnung ist, aber dann mache ich ihm Hoffnung und der Terror geht von vorne los.

Ich weiß nun nicht was ich fühlen soll. In einer Minute bin ich absolut traurig und aufgelöst, in der nächsten fühle ich nun die vollständige Einsamkeit, denn wie am Anfang beschrieben habe ich niemanden mehr, den ich treffen könnte um mich abzulenken oder das Gefühl zu haben, dass ich in dieser schwierigen Situation unterstützt werde. Und dann ist da noch diese Angst vor dem Ungewissen. Was kommt da noch? Ich traue ihm vieles zu.

Warum fühle ich mich nicht befreit und habe sogar noch Mitleid mit einem psychisch kranken Schläger, sowie das Bedürfnis mich um ihn zu kümmern?!

Gruß Blondine
 
Hallo,

Du musst jetzt standhaft sein und den Kontakt wirklich nicht wieder aufnehmen. Keine Anrufe,nicht auf Gespräche auf der Straße einlassen, keine Haustür öffnen. Nichts mehr.

Mitleid brauchst Du nicht haben. Denn wer nicht bereit ist selber was für sich zu tun kann auch nicht darauf hoffen, dass sein Jammern und flehen erhört wird.

Er hat gejammert und gefleht weil er wusste, dass Du nachgibst. Als er feststellte, dass er Dich mit seinem Jammern nicht mehr erweichen konnte wurde er gewalttätig und drohend. Jammerlappen.

Nicht er verdient Mitleid sondern Du. Ich kann mir Deine Angst gut vorstellen.

Gut, die Polizei kann nichts machen. Es ist nichts vorgefallen. Also sei vorsichtig.

Du bist so jung und auf dieser Welt gibt es so viele schöne und gute Sachen zu entdecken. Du wirst auch noch persönliche eigene Ziele und Wünsche haben.

Und all das kannst Du mit einem Mann erleben, der Dich schätzt, der Dich achtet, der Dich liebt. Was meinst Du wie sich das anfühlt?

Es soll solche Männer geben.🙂

Liebe Grüße
 
Danke für deine aufmunternden Worte. Ich hoffe du behältst recht, auch wenn ich mir das in meiner momentanen Gefühlslage und Situation gar nicht vorstellen kann. 🙄

Ich muss es jetzt irgendwie hinkriegen neue Kontakte zu knüpfen, ich weiß nur noch nicht wie. Sonst drehe ich bald durch. Ich bin kein Mensch der die Einsamkeit vorzieht. Ich brauche den Austauch mit anderen und Menschen mit denen ich schöne Erlebnisse teilen kann. Hab nur das Gefühl dass ich das irgendwie "verlernt" habe, wie man sowas macht.

LG Blondine
 
Hallo,

ja, wenn man auf der Suche ist fällt einem nichts ein. Ist man nicht auf der Suche ergeben sich 1000 Dinge.

Kann man nichts in der Uni am schwarzen Brett hinterlassen?

Text...., würde mich gerne anschließen.

Vielleicht eine blöde Idee.

LG
 
Hammer....ich find's so klasse...
Ist dir klar, was du geschafft hast ?
Ich kann dir nur so dermassen gratulieren...es freut mich, sowas zu lesen, wo ich so oft anderes mitbekomme, dass die Frauen eben bei den Misshandlern bleiben.
Dir wird das jetzt nicht bewusst sein und vielleicht fragst du dich, was die Olle sich so freut, aber hey, du hast den Absprung geschafft...
Jetzt kommt es wirklich darauf an, konsequent zu bleiben.
Du brauchst weder Mitleid noch Schuldgefühle zu haben.
Und das mit der Einsamkeit kriegen wir auch hin.
Du schaffst das !!!!
 
Hallo
ich finds auch super was du getan hast,es ist nicht leicht jemanden den man mal leibte so loszulassen.aber es muss sein. ich wollte dir nur nahelegen,dir eventuell durch eine frauenberatungsstelle jemanden zur unterstützung an die seite zu holen.für die schlimmen tage wo du vielleicht wieder etwas mit ihm erlebst oder so. da kannst du mal über dein erlebtes reden,das tut immer gut. 😉 und du wirst gestärkt, denn da sind andere frauen die dich verstehen.

alles gute
sonnenlichtlein 🙂
 
Danke für all den guten Zuspruch! Das tut wirklich gut, da ich teilweise selbst daran gezweifelt habe, ob ich standhaft bleiben kann.

Ich weiß dass ich es will und es auch muss, aber dieser Mensch reißt dann doch eine riesige Lücke in mein Leben. Egal was er getan und nicht getan hat. Was mir jetzt zurück bleibt ist dieses Gefühl von Leere. Es klingt absurd, ich sollte mich freuen. Trotzdem will mir das nicht so recht gelingen. Erwische mit teilweise selbst, dass ich auf mein Handy gucke ob er sich gemeldet hat. Ich würde nicht dran gehen, aber irgendwie waren die Anrufe noch beruhigend.

Jetzt hab ich Panik dass er irgendwas ausheckt. Man sagt ja immer dass in der Trennungsphase nach der Trauer die Wut kommt. Und wütend sein kann er ja... 😕

LG
 

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