Hallo, Evslin,
das Nicht-Reden-Können ist etwas anderes als das Nicht-Sofort-Reden-Können.
Wenn Du mit Deiner Freundin einen Dauerlauf machst und sie Dich unvermittelt fragt, wieviel ist 25 X 13? Dann entsteht bei den meisten Menschen der Impuls, stehen zu bleiben um in Ruhe darüber nachzudenken. Das hat etwas mit der Gehirntätigkeit zu tun.
Das Gehirn benötigt Energie zur Selbstkontrolle (Beibehaltung der Laufgeschwindigkeit) sowie zum Nachdenken über eine ganz neue Aufgabenstellung. Gehirnforscher sagen, dass die Energie aus dem gleichen Topf geholt wird. Daher gibt es bei verschiedenen Aufgaben auch ein „entweder – oder“. Und das wirkt sich z.B. aus in „Selbstkontrolle zum Laufen oder über die neue Aufgabe nachdenken.“
Wenn wir uns jetzt über Haustiere unterhalten, stellt Gehirn 2 (das langsame Gehirn) dem Gehirn 1 (dem schnellen Gehirn) Worte und Assoziationen zur Verfügung. Daher ist es normal, jede Frage zu diesem Thema sofort beantworten zu können oder spontane Aussagen zu machen. Wenn das Thema jedoch spontan gewechselt wird, meldet sich Gehirn 1 bei Gehirn zwei und ruft: „Hallo, komm mal in die Gänge, ich brauche jetzt Infos und Assoziationen für das neue Thema“. Und das langsamere Gehirn antwortet: „Immer schön langsam. Ich muss jetzt erstmal suchen, wo ich die passenden Infos habe und diese hervorholen.“
Das langsamere Gehirn 2 ist in der Lage, auf schwere Fragen zu antworten. Es überlegt viel gründlicher, als das schnellere Gehirn 1. Im Prinzip ist Gehirn 1 der spontane Typ und das Gehirn 2 der tief überlegende Typ.
Wenn Du also auf schwere Fragen, die einer gründlichen Überlegung bedürfen, nicht spontan antworten kannst, dann ist das völlig in Ordnung. Deswegen solltest Du Dir keine Vorwürfe machen. Im Gegenteil. Meine Empfehlung: Gewöhne Dir an, Deinem Partner zu sagen: „Ich möchte Deine Frage beantworten. Dafür benötige ich etwas Zeit. Einen Moooooment bitte.“ In meinem Beruf habe ich mir in speziellen Situationen angewöhnt zu sagen: „Über Ihre Frage muß ich nachdenken. Reicht es Ihnen, wenn ich damit heute Nachmittag/morgen auf sie zukomme?“
Es gibt Menschen, bei denen Gehirn 2 schneller die benötigten Denkvorgänge abgeschlossen hat und Assoziationen und Infos dem Gehirn 1 zur Verfügung stellt. Bei einem Dauerlauf würden sie die o.g. Rechenaufgabe lösen, ohne einen Impuls „stehen bleiben“ unterdrücken zu müssen. Na gut, dann ist das bei diesen Menschen eben so.
Fazit: Nachdenken, auch wenn es Stunden dauert, ist besser als spontan etwas rausposaunen, was einem Raten ähnlicher ist als einem Denkvorgang.
Alles Gute,
LG, Nordrheiner