Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Misanthrop und doch so eine Sehnsucht

dioneus

Mitglied
Ich habe vor einigen Monaten schonmal ein Thema in der Rubrik "Freunde" eingestellt, weil ich mich gefragt habe, wieso alle meine Freundschaften den Bach runtergehen und alles was ich tue aussichtslos erscheint. Jetzt erscheint mir das nicht mehr die richtige Rubrik.

Ich fühle mich vollkommen ohnmächtig. Die Lage hat sich insofern verändert, dass ich inzwischen eigentlich niemanden mehr sehen will. Ich habe allein heute (Samstag) fünf Leuten, die etwas mit mir unternehmen wollten, nicht geantwortet. Trotzdem leide ich an meiner Einsamkeit. Ich fühle mich von den Menschen generell verraten und enttäuscht. Überall wohin ich schaue, verhalten sie sich scheiße zueinander, und haben trotzdem Freunde und Beziehung. Es erscheint mir eigentlich so, dass ich nie Freunde gehabt habe und eine Beziehung hatte ich auch nie. Und ich glaube, dass das auch niemals so sein wird. Es ist eben nicht einmal das Problem, dass niemand an mir interessiert wäre, eher das Gegenteil ist der Fall. Und ja, mir ist bewusst, dass ich überkritisch bin, deswegen habe ich in der Vergangenheit versucht, mich auf Menschen einzulassen, die mir nicht sofort zugesagt haben. Und das war ein fataler Fehler.

Auf einen Kaffee gehen, zusammen kochen, selbst ins Kino gehen. Alles erscheint mir anstrengend und unbefriedigend. Es ist schon so gewesen, dass ich in die Freundschaften investiert habe, auch wenn es lange Phasen gab, in denen ich mich nicht gemeldet habe. Aber insgesamt hatten diese Freundschaften keinen Mehrwert für mich. Das wäre alles auch gar nicht so schlimm, wenn ich nicht so große Sehnsucht danach hätte, ein erfülltes Freundes- und Beziehungsleben zu haben. Wenn ich allein bin, dann ist mir oft zum Weinen zumute, aber nach außen erscheine ich stolz und unnahbar. Ich lasse auch niemanden an mich ran, weil ich nie gelernt habe, dass von Menschen auch etwas Gutes kommen kann. Wenn jemand verliebt in mich ist, blocke ich sofort ab und schicke die Person dahin zurück, wo sie her gekommen ist. Dabei bin ich sehr offen, zurückhaltend und freundlich wenn ich neue Leute kennenlerne und auch ein guter Zuhörer. Da aber alle Leute in meinem Alter (Mitte 20) volle Terminkalender und volle Freundeskreise haben, bin ich immer nur ein peripheres Mitglied, selbst dann, wenn die Menschen mich urkomisch finden und sagen, dass ich sie insipiere. Wie einsam und verlassen ich in Wirklichkeit bin weiß dabei niemand, und ich habe eher Angst, dass das jemand herausfinden könnte. Schnell sind diese Menschen dann wieder verschwunden, als wären sie nie in meinem Leben gewesen. Während die meisten Freundschaften eine lange gemeinsame Linie ergeben, bin ich im Leben der Menschen immer nur ein Punkt gewesen. Es gelingt mir nie, die Menschen, die ich gern habe in meinem Leben zu halten. Im Moment habe ich niemanden, von dem ich glaube, dass er mich verstehen kann, mit dem ich reden kann oder der meine Interessen teilt. Ich koche allein, gehe alleine ins Theater, ins Museum, Wandern und selbst zum Sport. In der Familie gibt es keinen Ansprechpartner.
Oft habe ich den Wunsch einfach zu verschwinden. Ich möchte dann alle Kontakte und Nummern löschen, so dass mich niemand erreichen kann und keiner weiß, wo ich bin. Deswegen bin ich schon einige Male umgezogen. Gerade bereite ich einen neuen Umzug vor, indem ich angefangen habe, eine Fremdsprache zu lernen. Manchmal bin ich so mutlos, dass ich einfach gerne tot wäre. Ich mache schon eine Therapie, aber ich habe das Gefühl, dass sie mir gar nicht weiterhilft. Und ich weiß überhaupt nicht weiter.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo dioneus,

ich kann deinen Beitrag recht gut nachempfinden, habe auch dieses Einsamkeits-Problem, obwohl ich in meinen verschiedenen Lebensabschnitten (ich bin 30 Jahre alt) immer ein paar Leute hatte, mit denen ich was zu tun hatte.

Dieses Gefühl, nur ein "peripheres" Mitglied zu sein, kenne ich nur allzu gut und eben so dieses Gefühl, einfach zu verschwinden, was ich damals auch tat, als ich eine Band verlassen habe, in der es zwischenmenschliche starke Spannungen gab und ich das nicht mehr ausgehalten habe.

Ich fühle mich ebenso wie du schnell verraten und enttäuscht, eine mehrjährige partnerschaftliche Beziehung ist nun bei mir Ende letzten Jahres zerbrochen und ich fühle mich wie das Opfer, was psychisch sehr belastend ist, zumal ich mich selbst in dieser Beziehung auch zum Opfer habe machen lassen. D.h. ich fügte mich immer, obwohl ich mit vielen Aspekten auch total unzufrieden war (z.B. die unaufgearbeitete Eifersucht meiner Freundin, weswegen ich quasi außer zu ihr keinerlei soziale Kontakte zu Verwandte weiblichen Geschlechts mehr aufrechterhalten konnte).
Trotzdem wollte ich sie in meinem Leben halten, doch irgendwann hatte sie einen Freiheitsdrang und versucht jetzt, mehrere soziale Kontakte aufzubauen, während ich hunderte Kilometer von ihr entfernt hier dahinsieche und es nicht zustande bringe, Menschen zu finden, mit denen ich befreundet sein könnte.

Immerhin kannst du noch einige Aktivitäten alleine bewältigen. Vielleicht könntest du diese Stärken mehr für dich auf positive Weise nutzen und weiter nach geeigneten Gefährten suchen, die da einfach mitmachen wollen. Ich wäre froh, wenn ich so ein selbständiger Typ wäre, der viel unternimmt. Dann hätte ich wohl auch weniger Scheu, andere Leute in mein Leben "zu ziehen".

Schade, dass du aus Österreich kommst, das ist für mich zu weit weg. Sonst hätten wir vielleicht uns mal treffen können.

Lieben Gruß und alles Gute bei der Therapie,

Elis


PS:
Ich mache auch eine Verhaltenstherapie seit Ende vorletzten Jahres. Es hat bisher auch leider nur wenig geholfen. Vielleicht kannst du ja Leute in deinem Ort finden, die auch eine Therapie machen? Oder eine Selbsthilfegruppe aufsuchen?
 
Mir geht es ähnlich. Ich habe keine Freunde, noch nie wirkliche gehabt, würde so unendlich gerne welche haben, aber im täglichen Umgang miteinander merke ich, dass ich eigentlich auch am Liebsten ständig allein wäre und mich das Miteinander dermaßen anstrengt. Was paradox klingt, ist leider Realität. Vielleicht, weil ich es nie anders gelernt habe.
 
Die Beschreibung die du von dir gibst passt fast 1 zu 1 auf mich, nur dass nicht so viele Leute an mir Interesse haben 🙄, aber die würde ich dann nur doch wieder abblocken.
Bei mir ist halt das Problem, dass ich mein sonstiges Leben auch nicht auf die Kette bekomme. Nie eine Freundin, Studium nimmt kein Ende und ich bin nicht mal glücklich mit dem Fach, wohne noch bei den Eltern. Alles nichts worauf man stolz sein kann. Andere Menschen aus meiner Vergangenheit sind um ein so vieles weiter/reifer. Außerdem wenn die Leute sowas von einem erfahren steht man oftmals eh sofort auf der Abschussliste.
Da du schon in Therapie bist würde mich interessieren, ob bei dir eine konkrete psychische Störung oder Erkrankung diagnostiziert wurde.
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine misanthrope Einstellung kommt wohl daher, dass ich von Natur aus ein freundlicher und gutmütiger Mensch bin. Ich habe mich ziemlich ausnutzen lassen. Und inzwischen überwiegen die negativen Erfahrungen so sehr und ich werde ja auch nicht jünger, dass ich mich komplett verschlossen habe. Dadurch, dass mir andere immer das Gefühl gegeben haben und geben, dass ich nicht gut genug bin, habe ich immer hart an mir gearbeitet und viele Dinge gemacht, die ich mich vorher nicht getraut habe. Aber nie reicht es. Ich habe das Gefühl auf der Stelle zu treten. Und dazu kommt, dass mich die Traurigkeit so durchwachsen hat, dass sie ein integraler Bestandteil meiner Persönlichkeit geworden zu sein scheint.
Andere Menschen, die nicht solche negativen Erfahrungen gemacht haben, sondern die alles Gute als selbstverständlich nehmen und von Grund auf eine positive Einstellung haben, die sich nie fragen, dass sie nicht gut genug sein könnten und daher also mit sich selbst zufrieden sind wirken auf mich abstoßend und unverschämt. Wie Zombies und kleingeistig erscheinen sie mir.
Das kann ihnen natürlich egal sein. Wieso sollten sie jemanden in ihrem Leben haben, der sie am Ende noch kritisiert. Folglich bin ich allein.
Ich denke manchmal, dass ich gerne so wäre wie die anderen. Gut gelaunt, mit Freunden, vielen Aktivitäten, Hobbies und Sportarten, immer im Urlaub, immer braun gebraunt und immer am Lachen. Aber ich bin das nicht. Stattdessen habe ich einen regelrechten Hass auf diese satten, kleingeistigen Menschen entwickelt, die nicht so hart an sich arbeiten mussten.
Ich kann dafür viele andere Dinge, die einem leider überhaupt nicht helfen. Ich kenne die griechischen Sagen, Kunstgeschichte, etc. Aber das interessiert niemanden. Man hat mir schon oft gesagt, dass ich eine alte Seele hätte. Und so fühle ich mich auch. Wenn sich doch einmal Leute für mich interessieren bin ich so unsicher, dass ich instinktiv auf Abstand gehe, die Leute deuten das zunehmend als Desinteresse meinerseits, während sich auf meiner Seite nur eine Eifersucht entwickelt auf ihre anderen Freunde. Da sie sich ja aussuchen können, mit wem sie sich treffen und ich nicht zeigen will, wie sehr ich die Menschen eigentlich bräuchte, bleibe ich allein.
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine misanthrope Einstellung kommt wohl daher, dass ich von Natur aus ein freundlicher und gutmütiger Mensch bin. Ich habe mich ziemlich ausnutzen lassen. Und inzwischen überwiegen die negativen Erfahrungen so sehr und ich werde ja auch nicht jünger, dass ich mich komplett verschlossen habe. Dadurch, dass mir andere immer das Gefühl gegeben haben und geben, dass ich nicht gut genug bin, habe ich immer hart an mir gearbeitet und viele Dinge gemacht, die ich mich vorher nicht getraut habe. Aber nie reicht es. Ich habe das Gefühl auf der Stelle zu treten. Und dazu kommt, dass mich die Traurigkeit so durchwachsen hat, dass sie ein integraler Bestandteil meiner Persönlichkeit geworden zu sein scheint.
Andere Menschen, die nicht solche negativen Erfahrungen gemacht haben, sondern die alles Gute als selbstverständlich nehmen und von Grund auf eine positive Einstellung haben, die sich nie fragen, dass sie nicht gut genug sein könnten und daher also mit sich selbst zufrieden sind wirken auf mich abstoßend und unverschämt. Wie Zombies und kleingeistig erscheinen sie mir.
Das kann ihnen natürlich egal sein. Wieso sollten sie jemanden in ihrem Leben haben, der sie am Ende noch kritisiert. Folglich bin ich allein.
Ich denke manchmal, dass ich gerne so wäre wie die anderen. Gut gelaunt, mit Freunden, vielen Aktivitäten, Hobbies und Sportarten, immer im Urlaub, immer braun gebraunt und immer am Lachen. Aber ich bin das nicht. Stattdessen habe ich einen regelrechten Hass auf diese satten, kleingeistigen Menschen entwickelt, die nicht so hart an sich arbeiten mussten.
Ich kann dafür viele andere Dinge, die einem leider überhaupt nicht helfen. Ich kenne die griechischen Sagen, Kunstgeschichte, etc. Aber das interessiert niemanden. Man hat mir schon oft gesagt, dass ich eine alte Seele hätte. Und so fühle ich mich auch. Wenn sich doch einmal Leute für mich interessieren bin ich so unsicher, dass ich instinktiv auf Abstand gehe, die Leute deuten das zunehmend als Desinteresse meinerseits, während sich auf meiner Seite nur eine Eifersucht entwickelt auf ihre anderen Freunde. Da sie sich ja aussuchen können, mit wem sie sich treffen und ich nicht zeigen will, wie sehr ich die Menschen eigentlich bräuchte, bleibe ich allein.
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben