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Meine Tochter (27) hat ihr Leben wohl verpfuscht, mache mir viele Gedanken

  • Starter*in Starter*in Anni57
  • Datum Start Datum Start
@ Prima Vera: guter Beitrag :herz: Das mit deinen Eltern tut mir sehr leid. 🙁 Gerade im 2. Staatsi. :wein: :blume: Ich finde, dass du dich trotzdem enorm gut durchgebissen hast in deinem Leben. Chapeau. 🙂🙂🙂🙂🙂

@ all:
da ja einige das mit dem "nur Pech haben" erwähnen. Das sehe ich anders. Keiner kann nur Pech haben... damit stellt man sich außerdem zu sehr als Opfer hin bzw. als machtlos und auch total passiv. Ich habe auch mal so eine Sichtweise gehabt, dass ich nur Pech habe. Das ist jedoch Blödsinn. Natürlich ist das bei Gewalterfahrungen nicht so, dass man es selbst verschuldet, aber bei solchen Sachen auf der Arbeit kann es nicht permanent so sein, dass es nur an anderen Kollegen, am Chef usw. liegt. Nicht bei mehreren Ausbildungen.

Entweder liefert man den Leuten zu viel negatives Futter bzw. passt nicht ausreichend auf, was man wem erzählt und kommt somit ins Schussfeuer oder man ist vielleicht zu unkonzentriert bei der Arbeit o.ä.
Gerade dieses "sich zu auffällig" verhalten kommt nicht gerade wenig vor. Ich würde ja ehrlich gesagt, wenn ich das so oft hätte, mal zu nem Coach oder nem Therapeuten gehen, da ich das ehrlich gesagt nicht normal finde. Mit dem kann man dann auch ausarbeiten, wie man sich künftig besser mit so was schlägt.

Was noch hinzu kommt ist, dass viele Leute einfach zu empfindlich sind... viele sind ja wirklich im Berufsleben genauso empfindlich wie privat. (ich hatte das ja früher auch). Ohne Witz jetzt, aber ich kenne eine Reihe von Leuten, die ja schon behaupten, dass sie gemobbt werden, wenn sie mal schräge angeguckt werden oder wenn nur mal jemand auf der Arbeit zu ihnen sagt, sie seien zu still; obwohl dem die Wahrheit entspricht. Manche übertreiben da ganz gerne.
Ich will ja nicht behaupten, dass Mobbing gar nicht vorkommt... aber bei dem, was ich so mitbekommen habe, werden ja schon Kleinigkeiten oftmals als schweres Mobbing hingestellt.

Das mit dem Chef von der TE sehe ich ja ein, also der, der sie belästigt hat... aber mir kann doch jetzt keiner erzählen, dass so was der Regelfall wäre ? 😱 Also so paranoid und misstrauisch bin ja selbst ich nicht. -_-

Gerade wenn man in so einer Opferhaltung und Passivität gefangen ist, würde ich so was mal professionell aufarbeiten...
 
Es mag hart klingen, aber selbst wenn die Tochter ebenfalls sexuell missbraucht worden wäre, ist das kein Grund, beruflich nichts aus sich zu machen. Sie braucht dann eine nachhaltige Psychotherapie, um dieses Trauma aufzuarbeiten und gleichwohl arbeitsfähig zu sein bzw. es wieder zu werden. Ihr alles durchgehen zu lassen, nur nach den Gründen für ihr Verhalten zu forschen und sie damit in ihrer Opferrolle zu belassen, damit ist ihr nicht geholfen. Aus schlechtem Gewissen gegenüber der Tochter würde die Mutter sie durch ihre eigenen Gewissensbisse und Schuldgefühle erneut zum Opfer machen, indem sie "tolerant" zusieht, wie sie sich ihr Leben noch mehr verpfuscht.

Und vielleicht ist die Tochter ja auch nur maßlos verwöhnt.

Ja, auch nach einer schlimmen Vergangenheit sollte man SICH SELBST zuliebe dennoch so gut man kann etwas aus sich machen. Doch das Problem ist: Oft hat man keine Zeit die Probleme der Vergangenheit erstmal in Ruhe aufzuarbeiten und sich so weit in Ordnung zu bringen, dass man in dieser Arbeits-, Studien- oder Ausbildungswelt überhaupt funktionieren kann. Man soll einen möglichst geraden Lebensweg gehen, immer weiter marschieren, bloß keine Lücken im Lebenslauf haben. So schleppt man die alten, psychischen Probleme immer weiter und wie ein Schneeball vergrößern sie sich währenddessen immer mehr, bis sie zu einer alles platt machenden Lawine werden.

Ich weiß wovon ich spreche... mich hat man auch immer weiter voran getrieben und ich habe gehorcht, funktioniert. Um die Erwartungen zu erfüllen habe ich eine Ausbildung durchgezogen in der ich gemobbt und ausgenutzt wurde und bei der von Anfang an fest stand, dass ich niemals in diesem Beruf glücklich werden könnte. Zumal es eine komplette Ausbeuter-Branche war bei der man zwar Überstunden ohne Ende unter enormem Stress durchzieht, am Ende jedoch kaum genug zum leben verdient. Alles in allem also drei verschwendete Jahre, wenn man mal ehrlich ist. Was nutzt so eine Ausbildung auf dem Papier? Ja, ich kann mich heute als gut qualifiziert bewerben. Aber ich muss es weitestgehend auf Basis dieser Ausbildung tun, also in Arbeitsbereichen die mich so gar nicht erfüllen oder glücklich machen.

Im Gegensatz zu deiner Tochter "funktioniere" ich also und habe nie eine Atempause für eine Therapie gehabt. Aber was ist der Preis? Ich bin bis heute auf keinem richtigen "Weg" angekommen, sondern überlebe nur irgendwie von einem Tag zum anderen. Ich arbeite in einem Job der mich noch kränker macht, muss mich ausnutzen und herumschubsen lassen... für so wenig Geld, dass ich mich nichtmal für die Zukunft abgesichert fühle.

Mein Fazit: Wenn Deine Tochter derartige soziale Schwierigkeiten hat und so lange so herumeiert was ihre Ausbildung betrifft, gib ihr die Atempause sich ausgiebig in Therapie zu begeben und dadurch so an sich arbeiten zu können, dass sie überhaupt erstmal arbeitsfähig wird. Und wenn sie ständig in allen betrieblichen Ausbildungen menschlich so aneckte, kann es durchaus sein, dass sie schlicht in DIESE Arbeitsbereiche nicht hinein passt. Vielleicht ist nicht jeder für diese Art der heutigen Arbeitswelt geschaffen, bzw. passt dort tatsächlich nicht hinein. Wieso hat Eure Tochter denn mit ihrer extra erworbenen FH-Reife nicht lieber ein FH-Studium gemacht? Da müsste sie sich weit weniger anpassen. Ein Studium bedeutet oft auch Zutritt zu einer wesentlich freieren Arbeitswelt und im Gegensatz zu einer betrieblichen Ausbildung ist sie im Studium nicht auf das Anpassen in eine bestimmte Gruppe oder das reine Wohlwollen anderer angewiesen. Ich denke wer eher ein Individualist ist und Schwierigkeiten mit Anpassung hat, ist als "Einzelkämpfer" in einem Studium wirklich besser aufgehoben. Deine Tochter wird mit dieser jetzigen, einjährigen Ausbildung wahrscheinlich wirklich noch keine großen Chancen am Arbeitsmarkt haben. Aber vielleicht lässt sich da im Bereich Fremdsprachen noch ein Studium drauf satteln?

Jedenfalls ist sie ERST 27! Sie hat wahrscheinlich noch lange 40 Berufsjahre vor sich, da ist es wirklich unfair und bitter ihr jetzt schon zu sagen sie hätte ihr Leben verpfuscht und ihr so den Mut zu nehmen doch noch ihren Weg zu finden. Klar ist es bislang alles nicht rund gelaufen und es wird höchste Zeit, dass sie ihren Weg findet. Aber an Eurer Stelle würde ich diesmal wirklich zusehen ihr den Druck um jeden Preis "den Vernunftsweg" zu gehen abzunehmen und sie stattdessen aufzufordern sich genau zu überlegen was ihr beruflich wirklich Spaß machen und tatsächlich machbar erscheinen würde. Nur so kommt sie auf einen Lebensweg den sie auch dauerhaft und gesund durchhalten kann. Alles andere nutzt auf Dauer gar nichts.

Übrigens: Es gibt ettliche Leute die auch 10 Jahre älter als Deine Tochter jetzt ist nochmal ein Studium beginnen und durchziehen. Ich kenne sogar eine Dame die mit 50 Jahren noch Lehrerin wurde.... es ist nie zu spät und man sollte keinen Menschen zwingen sich auf einen Lebensweg festzulegen der ihn unglücklich macht.
 
ich verstehe deine unruhe, aber warte doch vlt erstmal die jetzige ausbildung ab. wenn sie diese hat, kann sie doch zb einen betriebswirt oben drauf setzen & damit verdient man doch schon ganz gut... haltet euch "einfach" daran, langsam, aber stetig nach vorn zu kommen. Gruß
 
Hallo nochmal und danke für das zahlreiche Feedback!

Dass ich bzw. wir als Eltern sie zu sehr verwöhnt haben, gut, da kann ich natürlich keine objektive Meinung geben. Prinzipiell weiß sie, was sich gehört, ist anderen gegenüber höflich, aufgeschlossen, freigiebig. Ich denke, wir haben ihr durchaus die richtigen Werte vermittelt. Sie war auch nie ein Kind, das bodenstampfend und heulend im Supermarkt rumlief, wenn ich ihr etwas nicht kaufen wollte. Sie war da wirklich sehr anspruchslos und ich denke nicht, dass sie verwöhnter war als andere Kinder.

Das merkwürdige ist auch, dass sie wirklich NIE Probleme hatte, Anschluss / Freunde zu finden. Egal ob Kindergarten, Grundschule, später Gymnasium, dann Berufskolleg, sie gehörte immer zu den Beliebtesten und musste nichtmal viel dafür tun, da die Leute auf sie zukamen. Im Kindergarten / Grundschule habe ich das noch zur Genüge selbst miterlebt, später dann brachte sie oftmals Freunde mit nachhause oder war unterwegs mit ihnen. Die Probleme entstanden erst, als es in Richtung Ausbildung ging. Auch hier ging sie gerne in die Berufsschule, mit den Mitschülern verstand sie sich ebenfalls, aber es waren leider in zweierlei Fällen die Kolleginnen, welche sie ziemlich respektlos zu behandeln schienen. Da ging es nicht nur um "schief anschauen" oder ähnliche Kinkerlitzchen.

Eine Ausbildung war Erzieherin, die andere Kauffrau für Bürokommunikation - also zwei Bereiche, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
 
Hier dreht sich soviel um Arbeit, Arbeit, Arbeit. Vielleicht einfach mal die Tochter fragen, was sie gerne tut, ihr vertrauen, dass sie ihren eigenen - für sie passenden - Weg finde. Sie wird schon nicht sterben, wenn nicht alles nach konventionellen Vorgaben läuft.😉
 
Nun muss ich doch sagen, dass mich die Reaktionen auf das erste Posting etwas irritieren.

Natürlich habt ihr alle Recht wenn ihr sagt, dass man nach der Ursache für dieses Problem suchen muss, dass sie plötzlich nicht mehr zurechtkommt mit Kollegen. ABER: Bitte unterschätzt doch nicht, dass es durchaus auch Zufall sein kann, dass ihr das wiederholt passiert ist. So abwegig ist das nicht einmal, vermutlich strahlt sie mittlerweile vor lauter Unsicherheit auch schon eine gewisse Opferrolle aus. Direkt auf Verwöhntheit oder mangelnden Willen zu schließen halte ich für höchst spekulativ und vermessen. Ihr kennt sie immerhin nicht und die Angaben sind zu rar, um solche Schlüsse zu ziehen.
Daher ist es eben auch leider schwer, gute Ratschläge zu geben. Wer weiß, was da psychisch im argen liegt, das ihr das Leben schwer macht.

Zu Dir, Threaderstellerin, möchte ich noch folgendes sagen: Wärst Du meine Mutter und ich würde einen Thread von Dir finden, der da heißt "meine Tochter hat ihr Leben verpfuscht", würde mich das treffen. Als ich den Thread anklickte rechnete ich schon mit Drogen, Prostitution oder der xten Schwangerschaft vor der Volljährigkeit....
Was ich dann aber letztlich laß ist die Beschreibung einer jungen Frau, die aus unbekannten Gründen seelisch sehr gebeutelt zu sein scheint und daher diverse Probleme hat.

Die es JEDOCH nichtsdestotrotz wieder und wieder versucht und sich zudem sogar therapeutisch helfen lässt. Und ehrlich gesagt bewundere ich Deine Tochter dafür, dass sie einfach nicht locker lässt und sich nicht aufgibt. Gewisse Tätigkeiten wie hier die Ausbildungen sind nunmal nicht für alle gleich einfach und gleich stressbehaftet, schon gar nicht für seelisch verwundete Menschen.

Verstehe mich nicht falsch, natürlich sollte Deine Tochter auf die Füße kommen, das wünscht ihr sicher jeder. Aber vielleicht solltest Du ihr auch mal ein Lob zukommen lassen dafür, dass sie sich nicht unterkriegen lässt (aber vielleicht tust Du das ja bereits, ich hoffs).

Ich jedenfalls finde, sein Leben verpfuschen, das sieht anders aus.
 
Hallo Anni!

Ich würde mir - sofern Deine Tochter bald die Kurve kriegt - nicht allzu viele Sorgen machen.
Ich selber bin 29 wenn ich mit meinem Studium fertig bin und das ist weiß Gott nicht zu spät, um in meinem Bereich noch Fuss zu fassen. Im Gegenteil gehen da einige Türen erst auf, weil die da keine "jungen Küken" brauchen können.
Für mich klingt das eher so, als wüsste Deine Tochter nicht, wo sie hin will... Erst was Soziales, dann was Kaufmännisches, jetzt Fremdsprachen... Das sieht für mich alles sehr unausgegoren und nach "Notlösungen" aus. Weißt Du denn etwas über ihre Ziele? Kann sie sagen, wo sie hin will, in welchem Beruf sie sich in ein paar Jahren sieht, wie sie sich ihr Privatleben vorstellt?
Auch wirkt es auf mich sehr so, als ob Deine Tochter sich kritische Äußerungen von Kollegen - mal dahingestellt, ob sie zutreffen oder nicht - sehr (zu sehr) zu Herzen nimmt. In meiner Ausbildung war auch nicht immer alles ein Zuckerschlecken, ich hab mir auch den einen oder anderen Spruch drücken lassen müssen - aber ich habe die Zähne zusammengebissen und durchgehalten. Gut, es war nicht der richtige Beruf für mich, ABER ich habe es geschafft und habe mich nicht unterkriegen lassen. Kann es vielleicht einfach sein, dass Deine Tochter nicht unbedingt das besitzt, was man wohl gemeinhin als "Kampfgeist" bezeichnet? Manchmal hilft eine gewisse "Jetzt erst recht!"-Haltung sehr, wenn man Gemeinheiten ausgesetzt ist. Möglicherweise kennt sie sowas auch einfach nicht, weil sie, wie Du schreibst, sonst immer gut ankommt? Sie müsste halt schon lernen, dass es auch Menschen gibt, die einen einfach nicht riechen können. Auf solche Personen wird sie in ihrem Leben immer wieder treffen und dann muss man eben lernen, sowas zu schlucken ohne sich davon gleich runterziehen zu lassen. (Trifft natürlich nicht auf richtig fieses Mobbing zu - das ist ne ganz andere Schiene und da sollte man sich schon wehren. Ich beziehe mich jetzt nur auf die übliche Büro-Stutenbeißerei.)

Noch kurz ein wenig Off-Topic @ Gast Ben:
Soziale Arbeit ist nichts für Unentschiedene. Gibt genug Sozialarbeiter, die das nur studieren, weil sie nicht wissen, was sie sonst mit ihrem Leben anfangen. Soziale Arbeit kann - je nach Bereich - ein verdammt harter, nervenaufreibender Job sein und ist mit Sicherheit nichts für Zartbesaitete. Und schon garkein Ausweichstudium. Nur, um das mal klar zu stellen. 😉

LG
Blackfield
 
Eine Ausbildung war Erzieherin, die andere Kauffrau für Bürokommunikation - also zwei Bereiche, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

*HUST* Wundert mich jetzt kein bisschen, dass es da Probleme gab.

Davon abgesehen - Es ist nicht selten, dass erwachsene Menschen ihre Minderwertigkeitskomplexe und ihren Frust an Auszubildenden und Praktikanten auslassen. Sind neu, sind unerfahren, kann man prima drauf rumhacken.
 
Mich irritiert, wie hier erstens vor allem auf der vermeintlichen Faulheit und Verwöhntheit der Tochter geschlossen wird und 2. finde ich das Argument "ich habe es auch nicht leicht gehabt, musste mich durchbeißen - dann sollen andere das auch tun2 - einfach widerlich. Anstatt rumzuheulen wie schlecht man es hatte, darf man sich freuen, wenn man über die seelischen Widerständkräfte verfügt. Das hat nicht jeder. Ich bin auch ein Stehauf-Männchen, weiß aber, dass es Menschen gibt, die einfach nicht so viel Stress, Druck, etc... ertragen. Das hat mit Üben oder sich auf den Hosenboden setzen nichts zu tun. Die einen sind seelisch robuster und verstehen Probleme als Herausforderung und andere sind seelisch nicht so stabil und brauchen mehr Verständnis. Und nicht mehr Druck.

Und 3. bin ich immer immer wieder ganz erstaunt, wie selbstverständlich viele davon ausgehen, dass sich seelische Leiden genauso wie körperliche einfach durch eine Therapie oder Kur behandeln lassen. Eine psychische Beeinträchtigung lässt sich nicht durch eine psychlogische Behandlung wie Kopfschmerzen mit Aspirin wegzaubern. "Einfach mal alle Probleme aus der Vergangenheit" aufarbeiten und "dann frei nach vorne schauen, mit höherem Arbeitswillen und stärkerem Selbstbewusst sein" ist einfacg nicht.
 

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