Hallo alle zusammen...
...ich hab mir die Seiten hier durchgelesen und hab Tränen in den Augen...ich kann euern Schmerz so gut nachempfinden...bei mir war es fast ähnlich nur ohne direkte Schuldzuweisungen von außerhalb, dafür habe ich sie mir selber gemacht, bis ich erkannt habe, das ich an der Situation nichts hätte ändern können...
...vor eineinhalb Jahren ist mein dad ganz unerwartet im Alter von 56 Jahren verstorben, zwei Tage vor Weihnachten, an meinem 30. geburtstag...unfassbar war, das keiner aus der Familie oder dem Freundeskreis gekommen ist um meine mam, die sehr schwer krank ist, meine Schwestern oder mich zu unterstützen...ich war sehr überfordert mit der Situation, hatte meine beiden kleinen Kinder,hatte eine große Party geplant, die ich irgendwie absagen mußte und war wie gelähmt...keiner war bereit mir wenigstens die Kinder abzunehmen, da ja Weihnachten vor der Türe stand...eine Freundin meiner Mutter sagte, sie würde es ihren Kindern (mein Alter) erst nach dem Weihnachtsfest erzählen, damit nicht alle weinend unter dem Baum sitzen *Kopfschüttel*...ich kann dieses Verhalten bis heute nicht verstehen...meine oma sagte ein Jahr später zu meiner mam,sie würde mir nicht mehr zum Geburtstag gratulieren, damit sie mich nicht an dieses schreckliche Ereigniss erinnert- glaubt sie im Ernst, ich könnte das jemals vergessen???
...zu den Schuldzuweisungen möchte ich noch sagen, daß die Menschen, die anderen die Schuld geben unter ihrem eigenen schlechten Gewissen leiden, weil sie sich im Grunde selber schuldig fühlen, aber so von ihrem eigenen Schmerz gefangen sind, daß sie es für sich selber nicht reflektieren können...
...mir hat damals ein Text von Thomas D. über die schwere Zeit hinweg geholfen,die noch oft in mir aufkeimt...er beschreibt genau den Zustand, indem ich mich damals und manchmal noch heute befand/befinde:
Das hier geht an alle Hinterbliebenen,
an alle über den Tod hinaus Liebenden. An jene, die am Leben geblieben sind,
um Trauer zu tragen.
So wahr wir verschieden sind,
ich möchte euch sagen,
dass ich weiß, wie ihr euch fühlt.
Da wird der Boden unter Einem einfach weggespült,
wenn etwas Großes wie der Tod
sich durch das Leben wühlt
und dennoch dauert es Tage,
bis man irgendwas fühlt,
bis man verletzt am Boden liegt.
Was soll dich jetzt noch berühren?
Du hast verloren, was du liebst
und diese Leere lässt dich spüren,
dass du lebst.
Wie grotesk.
Wie verzehrt sich Liebe in Schmerz,
zerfetzt dich und bricht dir das Herz.
Und du zitterst und frierst und
dir ist kühl von innen
und du kriegst das Gefühl,
nei wieder lieben zu können.
Auf diese Ohnmacht folgt Wut,
die kaum Grenzen kennt.
Das ist die Liebe,
die in deinem Herzen brennt.
Und obwohl du sie kennst, die Zeit
und ihre Regeln,
steht das dem Leid dem Moment
nicht entgegen.
Also lässt du es zu,
und es dringt in dich ein.
Du wehrst dich nicht mehr,
du lässt es herein.
Und dann begreifst du,
wenn du daran nicht zerbrichst,
dann reifst du.
Und dann entdeckst du,
wenn du das überstehst,
dann wächst du.
An alle Hinterbliebenen.
Das hier geht an alle Hinterbliebenen,
an alle über den Tod hinaus Liebenden.
Damit ihr mit den Schmerzen nicht allein seit.
...ich drücke euch ganz doll, es werden immer Tage kommen, an denen man sich besser fühlt, an denen man wieder ein Tief hat, aber es wird nie ein tag vergehen, an dem ich nicht an meinen Dad denke...🙂
Holla die Waldfee...