Ich hätte es niemals geschafft, den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen.
Ich bin aber, wenn ich zu Besuch war, einfach gegangen, wenn sie einen gewissen Pegel überschritten hatte. Oder wenn sie mich zu betrunken angerufen hat, dann habe ich gesagt, ich habe keine Zeit.
Dass ich ihr nicht helfen kann, habe ich irgendwann eingesehen und versucht, kein schlechtes Gewissen zu haben. Und all den Verwandten und Bekannten, die mich angerufen haben um mir zu erklären, "dass ich doch etwas tun müsste", habe ich zugehört und "jaja" gesagt. Danach war DEREN schlechtes Gewissen wieder beruhigt. Denn sie hatten ja was unternommen... nämlich mich voll gejammert.
Letztendlich habe ich den Alkoholismus meiner Mutter als das akzeptiert was es ist. Nämlich eine Krankheit. Und wieso soll ich einen kranken Angehörigen fallen lassen? Mach ich ja auch nicht, wenn jemand Krebs bekommt.
Natürlich ist es etwas anderes, wenn jemand aktiv geschädigt wird. Kinder geschlagen oder vernachlässigt werden zum Beispiel. Aber wenn man nicht mehr zu Hause lebt und eine gewisse Distanz waren kann, braucht man jemanden nicht ganz fallen zu lassen. Würde man ja eben bei einer anderen Krankheit auch nicht tun. Und jede Krankheit ist letztendlich belastend und man leidet mit. So ist nun mal das Leben.