Ich dachte nicht dass der Text jetzt so lang wird und eigentlich sollte es nur um ein eher konkretes psychisches Problem gehen, aber jetzt hab ich wohl meine halbe Lebensgeschichte einfach runtergeschrieben. Sorry dafür, aber vielleicht kann ja jemand seine Gedanken dazu äußern.
Ich bin Anfang 30 und hatte damals mit 15 den bisher wahrscheinlich tiefsten Einschnitt in meine Psyche. Mein Leben hat sich vor dem PC Bildschirm abgespielt und ich hatte schon immer kaum sozialen Kontakte. Ich hab damals grade irgendeinen Film geschaut und es kam mir ein Gedanke über die Existenz der in einer Abwärtsspirale in kürzester Zeit eine extreme Panikattacke ausgelöst hat. Aber es war viel mehr als nur eine Panikattacke, ich würde es heute als eine Psychose beschreiben weil sich auf einmal meine ganze Wahrnehmung der Realität verändert hat. Es war ein so dreckiges Gefühl dass ich mir später gesagt habe ich würde lieber sterben als sowas nochmal zu erleben. Das Gefühl blieb dann auch noch Jahre später, ich dachte nicht dass es jemals wieder normal werden könnte.
Ich konnte es damals auch niemandem verständlich beschreiben, konnte nur ausdrücken dass es mir gar nicht gut ging. Sogar mein Vater der normalerweise kaum Verständnis oder Einfühlungsvermögen gezeigt hat, hat gesehen dass es was ernstes ist.
Ich glaube es war der Gedanke, dass das Leben begrenzt ist und wir nicht wissen was danach kommt und man dieser Tatsache einfach ausgeliefert ist. Nicht nur ist das Leben für einen selbst als Individuum begrenzt, sondern alles Leben auf der Erde wird irgendwann enden, nur dauert es etwas länger als die Zeitspanne eines Menschenlebens. Die Unendlichkeit des Universums und die Unverständlichkeit der Wirklichkeit haben damals irgendwie eine richtig krasse Psychose getriggert. Ich hab diese quälenden Gedanken manchmal wenn das Gehirn nicht so ganz wach ist, wenn ich nachts aufwache oder mal einen Nickerchen mache. Aus der Perspektive scheint irgendwie alles was ich so tue sinnlos, weil irgendwie nichts anderes Zählt als in der begrenzten Zeit Dinge zu erleben.
Wir sind dann irgendwann ins Krankenhaus und ich konnte mit einem Psychiater reden.
Das hat aber alles nicht viel gebracht, weil es kein objektiv traumatisches Ereignis gab was so einen Zustand begründen konnte. Ich hatte zu der Zeit ein paar Besäufnisse und einmal eine Alkoholvergiftung mit Krankenhausaufenthalt mit 2,3 Promille. Hatte da auch erst 1x von nem Joint gezogen aber das schien nicht die Ursache gewesen zu sein.
Meine Eltern haben soweit ich weiß versucht mein Gesucht nach psychiatrischer Hilfe erstmal zu blockieren und mir einzureden dass ich das nicht brauche. Haben mir beide irgendwelche komplett unbegründeten Stories erzählt dass man mich in eine Klinik einliefern könnte wo ich gegen meinen Willen Spritzen erhalte oder dass ich nie einen Führerschein machen könnte und mir einfach eingeredet dass es nichts schlimmes ist. Mein Vater wollte auch dass ich vor dem Psychiater im Krankenhaus wichtige Dinge verheimliche, wie dass ich eine Alkoholvergiftung habe, angeblich auch wegen Führerschein Issues. Aber mir war das egal, ich hab nichts verschwiegen weil ich alles getan hätte um das Gefühl zu verändern.
Irgendwie hab ichs geschafft, bei einem Kinderpsychologen aufgenommen zu werden, weil meine Eltern dachten er könnte meine Computersucht einfach weg machen und das ist alles worum es geht. Hab mich bei ihm zum ersten mal von jemandem verstanden gefühlt und es war eine mega Erleichterung. Aber die Computersucht ging nie wirklich weg. Ich hatte öfters mal strenge Verbote bekommen indem meine Eltern mir einfach den Zugang verwehrt oder die Tastatur versteckt haben, aber dann bin ich alleine draußen rumgelungert und hab mich gelangweilt, oder mich manchmal alleine mit Bier abgeschossen. Aber trotzdem auch immer geschafft die Verbote irgendwie zu umgehen, spätestens nach 1-2 Wochen war das sowieso wieder egal und die Regel war scheinbar wieder vergessen. Ging auch eher von meiner Mutter und ihren unberechenbaren Wutausbrüchen aus. Meinem Vater war alles ziemlich egal was nicht ihn selbst betrifft.
Zum Glück hatte ich keine Kontakte für andere Drogen, denn ich hätte alles probiert um meinen Gefühlszustand zu verändern. Nur Schade dass Alkohol so leicht verfügbar war, nicht aber Psychedelika wie Pilze, welche mich wahrscheinlich aus dem Loch rausgeholt hätten.
Nachdem die Gesprächstherapie nicht viel gebracht hat, wurde ich zu einer Psychiaterin weitergeleitet wo es dann auch endlich Medikamente gegen Angst und Depression gab, denn nach der vermeintlichen Psychose kam auch eine Depression. Ich hab der Ärztin gesagt dass ich oft Suizidgedanken hab, dann hat sie gefragt wie konkret, ich habe gesagt dass ich dran denke irgendwo runter zu springen. Ich hab auch heute noch manchmal diese Gedanken, aber hätte glaube ich nie danach gehandelt weil die Endgültigkeit davon viel zu schwer wiegt...hatte auch nie einen durchgeführten Versuch.
Das Fluoxetin hab ich dann mit 16 oder 17 zum ersten mal bekommen und hab es dann die nächsten 10 Jahre mit einigen Pausen weiter eingenommen. Ich mochte die Psychiaterin nicht, weil sie Dinge von mir verlangt hat die mir sehr unangenehm waren, wie z.B. die Computernutzung stark reduzieren und mehr soziale Kontakte aufbauen. Ich weiß heute natürlich dass das die wichtigen Maßnahmen gewesen wären, aber damals war mein Denken so kurzfristig dass ich nur den Termin hinter mich bringen wollte um wieder genauso weiter zu machen wie bisher. Ich hab die Aufgaben die sie mir gestellt hat nicht ernst genommen. Mir hat es gereicht, ein Medikament einzuwerfen was die Angst und Depression wegmacht und dann einfach weiter unbewusst meine Identität als Gamer fortzuführen. Damals waren Spiele wie World of Warcraft auch noch so faszinierend dass ich ernsthaft dachte, auch im Erwachsenenalter genauso weiter zu machen. Ich dachte, der Traum wird wahr wenn ich meine eigene Wohnung und ein bisschen Geld habe um nichts anderes mehr tun zu müssen.
Ich bin Anfang 30 und hatte damals mit 15 den bisher wahrscheinlich tiefsten Einschnitt in meine Psyche. Mein Leben hat sich vor dem PC Bildschirm abgespielt und ich hatte schon immer kaum sozialen Kontakte. Ich hab damals grade irgendeinen Film geschaut und es kam mir ein Gedanke über die Existenz der in einer Abwärtsspirale in kürzester Zeit eine extreme Panikattacke ausgelöst hat. Aber es war viel mehr als nur eine Panikattacke, ich würde es heute als eine Psychose beschreiben weil sich auf einmal meine ganze Wahrnehmung der Realität verändert hat. Es war ein so dreckiges Gefühl dass ich mir später gesagt habe ich würde lieber sterben als sowas nochmal zu erleben. Das Gefühl blieb dann auch noch Jahre später, ich dachte nicht dass es jemals wieder normal werden könnte.
Ich konnte es damals auch niemandem verständlich beschreiben, konnte nur ausdrücken dass es mir gar nicht gut ging. Sogar mein Vater der normalerweise kaum Verständnis oder Einfühlungsvermögen gezeigt hat, hat gesehen dass es was ernstes ist.
Ich glaube es war der Gedanke, dass das Leben begrenzt ist und wir nicht wissen was danach kommt und man dieser Tatsache einfach ausgeliefert ist. Nicht nur ist das Leben für einen selbst als Individuum begrenzt, sondern alles Leben auf der Erde wird irgendwann enden, nur dauert es etwas länger als die Zeitspanne eines Menschenlebens. Die Unendlichkeit des Universums und die Unverständlichkeit der Wirklichkeit haben damals irgendwie eine richtig krasse Psychose getriggert. Ich hab diese quälenden Gedanken manchmal wenn das Gehirn nicht so ganz wach ist, wenn ich nachts aufwache oder mal einen Nickerchen mache. Aus der Perspektive scheint irgendwie alles was ich so tue sinnlos, weil irgendwie nichts anderes Zählt als in der begrenzten Zeit Dinge zu erleben.
Wir sind dann irgendwann ins Krankenhaus und ich konnte mit einem Psychiater reden.
Das hat aber alles nicht viel gebracht, weil es kein objektiv traumatisches Ereignis gab was so einen Zustand begründen konnte. Ich hatte zu der Zeit ein paar Besäufnisse und einmal eine Alkoholvergiftung mit Krankenhausaufenthalt mit 2,3 Promille. Hatte da auch erst 1x von nem Joint gezogen aber das schien nicht die Ursache gewesen zu sein.
Meine Eltern haben soweit ich weiß versucht mein Gesucht nach psychiatrischer Hilfe erstmal zu blockieren und mir einzureden dass ich das nicht brauche. Haben mir beide irgendwelche komplett unbegründeten Stories erzählt dass man mich in eine Klinik einliefern könnte wo ich gegen meinen Willen Spritzen erhalte oder dass ich nie einen Führerschein machen könnte und mir einfach eingeredet dass es nichts schlimmes ist. Mein Vater wollte auch dass ich vor dem Psychiater im Krankenhaus wichtige Dinge verheimliche, wie dass ich eine Alkoholvergiftung habe, angeblich auch wegen Führerschein Issues. Aber mir war das egal, ich hab nichts verschwiegen weil ich alles getan hätte um das Gefühl zu verändern.
Irgendwie hab ichs geschafft, bei einem Kinderpsychologen aufgenommen zu werden, weil meine Eltern dachten er könnte meine Computersucht einfach weg machen und das ist alles worum es geht. Hab mich bei ihm zum ersten mal von jemandem verstanden gefühlt und es war eine mega Erleichterung. Aber die Computersucht ging nie wirklich weg. Ich hatte öfters mal strenge Verbote bekommen indem meine Eltern mir einfach den Zugang verwehrt oder die Tastatur versteckt haben, aber dann bin ich alleine draußen rumgelungert und hab mich gelangweilt, oder mich manchmal alleine mit Bier abgeschossen. Aber trotzdem auch immer geschafft die Verbote irgendwie zu umgehen, spätestens nach 1-2 Wochen war das sowieso wieder egal und die Regel war scheinbar wieder vergessen. Ging auch eher von meiner Mutter und ihren unberechenbaren Wutausbrüchen aus. Meinem Vater war alles ziemlich egal was nicht ihn selbst betrifft.
Zum Glück hatte ich keine Kontakte für andere Drogen, denn ich hätte alles probiert um meinen Gefühlszustand zu verändern. Nur Schade dass Alkohol so leicht verfügbar war, nicht aber Psychedelika wie Pilze, welche mich wahrscheinlich aus dem Loch rausgeholt hätten.
Nachdem die Gesprächstherapie nicht viel gebracht hat, wurde ich zu einer Psychiaterin weitergeleitet wo es dann auch endlich Medikamente gegen Angst und Depression gab, denn nach der vermeintlichen Psychose kam auch eine Depression. Ich hab der Ärztin gesagt dass ich oft Suizidgedanken hab, dann hat sie gefragt wie konkret, ich habe gesagt dass ich dran denke irgendwo runter zu springen. Ich hab auch heute noch manchmal diese Gedanken, aber hätte glaube ich nie danach gehandelt weil die Endgültigkeit davon viel zu schwer wiegt...hatte auch nie einen durchgeführten Versuch.
Das Fluoxetin hab ich dann mit 16 oder 17 zum ersten mal bekommen und hab es dann die nächsten 10 Jahre mit einigen Pausen weiter eingenommen. Ich mochte die Psychiaterin nicht, weil sie Dinge von mir verlangt hat die mir sehr unangenehm waren, wie z.B. die Computernutzung stark reduzieren und mehr soziale Kontakte aufbauen. Ich weiß heute natürlich dass das die wichtigen Maßnahmen gewesen wären, aber damals war mein Denken so kurzfristig dass ich nur den Termin hinter mich bringen wollte um wieder genauso weiter zu machen wie bisher. Ich hab die Aufgaben die sie mir gestellt hat nicht ernst genommen. Mir hat es gereicht, ein Medikament einzuwerfen was die Angst und Depression wegmacht und dann einfach weiter unbewusst meine Identität als Gamer fortzuführen. Damals waren Spiele wie World of Warcraft auch noch so faszinierend dass ich ernsthaft dachte, auch im Erwachsenenalter genauso weiter zu machen. Ich dachte, der Traum wird wahr wenn ich meine eigene Wohnung und ein bisschen Geld habe um nichts anderes mehr tun zu müssen.