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Meine Freundin ist depressiv

Ich weiss nicht, ich weiss nicht, für mich liest sich das seltsam.

In meinen Augen ist Pierre-Adrian völlig zurecht genau über den Satz gestolpert, den er in diesem Beitrag extra rot markiert hatte.

Und ansonsten sind für mich deine Schilderungen, Harry Haller, irgendwie nicht stimmig. Sie sind sehr lieb und brav, sprechen aber doch irgendwie öfters mal widersprüchliche oder gerne auch die andere Seite hören wollende Bände zwischen den Zeilen.

Vor allem müsste doch eigentlich mit einer Heirat noch der gute alte Wert gelten: „In guten wie in schlechten Zeiten“. Du brauchst deine Partnerin offenbar aber für dich in ihrer fröhlichen und unbeschwerten Art, wie früher. Also auch für dich "gut funktionierend". Ausserdem drückt dir Pierre-Adrian seine Vermutung aus, dass sie dir vielleicht schon ein bisschen wie ein Klotz am Bein sein könnte bzw. du ihr evtll. dieses Gefühl vermittelst, und du erklärst in einem langen Absatz daraufhin, inwiefern es vielleicht stimmen könne, dass sie sich wie ein Klotz am Bein fühle.

Für mich drückst du in deinen Beiträgen aus, dass du dieser Situation „auch in schlechten Zeiten“ nicht gewachsen bist, und ich vermute ehrlich gesagt ganz stark, dass du ihre Situation dadurch ungewollt mit verschlimmert hast. Deine ganzen angebotenen Hilfen beim Lernen klingen alle grossartig, aber nur ein neutraler Beobachter der direkten Situation könnte vielleicht wissen, ob du dabei nicht selber auch eine Methodik anwendest, die manch einen, der nicht einfach unkompliziert handlebar ist, sich eher abwenden lässt.

Ansonsten stimme ich übrigens nicht Pierre-Adrians Vermutung zu, dass ihr Ausspruch „dass es niemals wieder in ihrem Leben irgend etwas geben wird, für das sich das Leben lohnt“ ein Schlüssel zu ihrem Seelenleben zu sein scheint. Ich muss da bei Pierre ganz stark vermuten, dass er noch nie eine handfeste und länger anhaltende Depression hatte, denn das ist die ganz „normale“ Sichtweise, die man da dann fatalerweise leider hat. Es fühlt sich genauso an, als würde es ein Leben lang anhalten und nie wieder besser werden können. Leider. Das raubt einem zusätzlich noch Hoffnungen und Energien.

Ich kann aus meinen ganzen Eindrücken heraus zu dieser Situation nur sagen, dass entweder du, Harry Haller, vielleicht selber einen Therapeuten im Sinne von beratender und unterstützender Mediation oder sogar Betrachtung von möglichen ungewollten Reaktionsmustern besuchst, um bessere und wirklich effektive Unterstützung anbieten zu können und dich auch auffangen zu lassen oder dass ihr euch für eine gewisse Zeit mal trennt. In ihrem Sinne. Entweder ist sie wirklich von sich aus so negativ blockiert, dass ihr nur noch dieser Tritt (womöglich aber auch nicht, aber andersrum ganz sicher nicht) helfen kann oder du selber stellst für sie auch mit eine ursächliche Blockade dar. Das kann leider sein, denn es ist eine wirklich harte Prüfung der eigenen Stärke, Liebesfähigkeit und Gefestigtheit, soetwas so gut wie möglich im Sinne des anderen aufzufangen.
 
Ich weiss nicht, ich weiss nicht, für mich liest sich das seltsam.
In meinen Augen ist Pierre-Adrian völlig zurecht genau über den Satz gestolpert, den er in diesem Beitrag extra rot markiert hatte.

ja, ich verstehe, dass man über diesen Satz stolpert... Würde ich selber wahrscheinlich auch. Ich weiß gerade nicht mehr genau, wie ich diesen Satz geschrieben habe... Ich war heute nacht einfach ziemlich verzweifelt, weil gerade ein großer Streit hochgekocht war, ich einfach nicht schlafen konnte, da mir alles immer wieder im Kopf herumging. So wie sie gestern Abend drauf war, hatte ich Angst, dass sie sich wirklich etwas antun könnte, oder zumindest Lebensmüde handeln könnte. Sie sagt zwar meist (leider auch nicht immer), dass sie sich auf keinen Fall etwas tun wird, aber eigentlich dann nur, wegen den Schmerzen die die meisten Selbstmordmethoden mit sich bringen. Ich mache mir da sorgen um sie, dass es eben nur ein kurzer Schritt sein könnte, vielleicht ein Rückschlag mehr, und ihr dann plötzlich die Schmerzen ebenfalls egal sind. Klar, sie dafür einzuweisen, ist definitiv keine Lösung, und eigentlich halte ich von Psychatrie sowieso ganz und gar nix... Da kriegt man nur Medikamente aber keine Hilfe, das wäre nicht das richtige für sie.

Und ansonsten sind für mich deine Schilderungen, Harry Haller, irgendwie nicht stimmig. Sie sind sehr lieb und brav, sprechen aber doch irgendwie öfters mal widersprüchliche oder gerne auch die andere Seite hören wollende Bände zwischen den Zeilen.

Leider kann ich die andere Seite nicht hier her holen, weil ich hier annonym bleiben will und nicht mal sie weiß, dass ich hier um Hilfe suche. Klar weiß ich auch, dass ich hier natürlich nur meine Sicht der Dinge schildern kann, und ich auch mit Sicherheit eine Menge Mist gebaut habe in der Beziehung, der auch an ihrer Situation schuld ist. Ich bin Pierre-Adrian definitiv dankbar, dass er mich darauf aufmerksam gemacht hat, wie sehr sie sich durch mich manchmal als Klotz am Bein fühlen muss. Und es tut mir verdammt leid, dass ich zu dumm war das früher selber zu kapieren. Daher immer gerne her mit den Widersprüchen, vielleicht sind das ähnliche Dinge, auf die ich einfach aus meiner Lage heraus nicht gekommen bin...


Vor allem müsste doch eigentlich mit einer Heirat noch der gute alte Wert gelten: „In guten wie in schlechten Zeiten“. Du brauchst deine Partnerin offenbar aber für dich in ihrer fröhlichen und unbeschwerten Art, wie früher. Also auch für dich "gut funktionierend". Ausserdem drückt dir Pierre-Adrian seine Vermutung aus, dass sie dir vielleicht schon ein bisschen wie ein Klotz am Bein sein könnte bzw. du ihr evtll. dieses Gefühl vermittelst, und du erklärst in einem langen Absatz daraufhin, inwiefern es vielleicht stimmen könne, dass sie sich wie ein Klotz am Bein fühle.

Ja, für mich drückt eine Heirat das ebenfalls aus. Man sagt damit, dass man für den anderen immer da sein will, egal was passiert. Vielleicht ist das falsch rübergekommen, aber ich halte das im Moment auch für eine gute Idee, die Hochzeit abzusagen, gerade eben weil ich mir im Moment nicht sicher bin ob ich ihr auch in diesen Zeiten beistehen kann, also ob ich die Kraft habe damit umzugehen, wie es ihr jetzt gerade geht. Ich bin mir da immer noch nicht sicher, und solange ich mir da nicht sicherer sein kann, dass ich das versprechen halten kann, will ich für sie da sein.

Für mich drückst du in deinen Beiträgen aus, dass du dieser Situation „auch in schlechten Zeiten“ nicht gewachsen bist, und ich vermute ehrlich gesagt ganz stark, dass du ihre Situation dadurch ungewollt mit verschlimmert hast. Deine ganzen angebotenen Hilfen beim Lernen klingen alle grossartig, aber nur ein neutraler Beobachter der direkten Situation könnte vielleicht wissen, ob du dabei nicht selber auch eine Methodik anwendest, die manch einen, der nicht einfach unkompliziert handlebar ist, sich eher abwenden lässt.

Ich wünschte ich hätte da einen neutralen Beobachter, der mir helfen könnte ihr die Sachen in einer Form zu vermitteln, die ihr wirklich hilft. Denn im Moment habe ich nicht das Gefühl ihr in der Hinsicht wirklich gut zu tun, sondern eher im Gegenteil. Was ein wenig in deinen Zeilen durchzukmmen scheint (korrigier mich bitte wenn ich da zu viel hineininterpretiere), das du mir sagst, ich würde ihr vielleicht absichtlich die Sachen so schlecht wie möglich beibrigen (obwohl ich da über die Gründe spekulieren müsste, die du mir in dem Fall unterstellen willst). Das denke ich aber nicht, zumindest erscheint mir meine Motivation da nicht so... Ja, ich habe eklatante Fehler gemacht, die ich auch sehr bereue... Z.b. habe ich das System, dass sie zur Zeit benutzen muss vorher selber auf meiner Arbeit verwenden müssen, und bin oft genervt davon abends nach Hause gekommen und habe mich dann darüber ausgelassen was für ein Schrott das ist... Das war bevor ich wusste, dass sie dasselbe sehr bald ebenfalls verwenden musste. Jetzt hat sie natürlich nicht sonderlich viel Lust das zu lernen, aber es gibt eben auch in diesem Fall keine Alternative... Ich wünschte ich hätte damals meine Klappe gehalten.

Ansonsten stimme ich übrigens nicht Pierre-Adrians Vermutung zu, dass ihr Ausspruch „dass es niemals wieder in ihrem Leben irgend etwas geben wird, für das sich das Leben lohnt“ ein Schlüssel zu ihrem Seelenleben zu sein scheint. Ich muss da bei Pierre ganz stark vermuten, dass er noch nie eine handfeste und länger anhaltende Depression hatte, denn das ist die ganz „normale“ Sichtweise, die man da dann fatalerweise leider hat. Es fühlt sich genauso an, als würde es ein Leben lang anhalten und nie wieder besser werden können. Leider. Das raubt einem zusätzlich noch Hoffnungen und Energien.

Heute hatte sie sogar wieder eine ganze Menge Hoffnung gezeigt, und ich bin gerade unheimlich glücklich darüber. Sie meinte vorhin, dass ihre Hoffnungslosigkeit wahrscheinlich nur Burn-Out ist, und sie einfach mal wieder einen langen Urlaub am Strand ohne Arbeitssorgen braucht, damit es ihr wieder gut geht. Ich hoffe es so sehr... Der nächste Urlaub ist schon geplant. Es würde zumindest sinn ergeben, dass sie der Stress auf der Arbeit am meisten fertig macht. Sie hat so viel durchgemacht, und eigentlich hatte ich schon mit einem Burnout gerechnet als sie diese Stelle angetreten hat... Aber ich war verwundert wie lange sie dann doch durchgehalten hat.

Ich kann aus meinen ganzen Eindrücken heraus zu dieser Situation nur sagen, dass entweder du, Harry Haller, vielleicht selber einen Therapeuten im Sinne von beratender und unterstützender Mediation oder sogar Betrachtung von möglichen ungewollten Reaktionsmustern besuchst, um bessere und wirklich effektive Unterstützung anbieten zu können und dich auch auffangen zu lassen oder dass ihr euch für eine gewisse Zeit mal trennt. In ihrem Sinne. Entweder ist sie wirklich von sich aus so negativ blockiert, dass ihr nur noch dieser Tritt (womöglich aber auch nicht, aber andersrum ganz sicher nicht) helfen kann oder du selber stellst für sie auch mit eine ursächliche Blockade dar. Das kann leider sein, denn es ist eine wirklich harte Prüfung der eigenen Stärke, Liebesfähigkeit und Gefestigtheit, soetwas so gut wie möglich im Sinne des anderen aufzufangen.

Ja, genau deswegen bin ich hergekommen. Ein Therapeut kommt bei mir im Moment nicht in Frage, da ich bereits einige Male in Therapie war und die Versicherung im Moment nichts bezahlen würde. Aber ich habe auf den Rat von John hin eine Beratungsstelle angeschriebem, vielleicht könnnen die mir in dieser Situation weiterhelfen. Ansonsten muss ich darauf hoffen hier weitere Tipps zu finden, was ich vielleicht besser machen kann. Obwohl mir natürlich klar ist, dass so ein Forum keinen Therapeuten ersetzen kann.
 
Ich bin Pierre-Adrian definitiv dankbar, dass er mich darauf aufmerksam gemacht hat, wie sehr sie sich durch mich manchmal als Klotz am Bein fühlen muss.
Aber nein, das hat er doch eben so nicht geschrieben, dass sie sich wie ein Klotz am Bein fühlen könnte (tut sie aber vielleicht auch), sondern er hatte sich gefragt, ob du sie vielleicht wie ein Klotz am Bein empfinden könntest bzw. ihr dieses Gefühl vermittelst. Ich verstehe zwar schon, warum du das im Kopf minimal umdrehst und darin lieber eine ihr ehrenvoll zuzuschreibende Geste machst, dass sie sich dir zu Liebe einen Kopf darum macht, aber es geht hier eigentlich viel mehr um eine eventuelle Übermittlung deinerseits von Lieblosigkeit, die man aber nur unterdrückt durchsickern spürt.



Was ein wenig in deinen Zeilen durchzukmmen scheint (korrigier mich bitte wenn ich da zu viel hineininterpretiere), das du mir sagst, ich würde ihr vielleicht absichtlich die Sachen so schlecht wie möglich beibrigen
Nein, niemals. Wenn, dann belügt man sich nur ungewollt (also unterbewusst) selber, indem man sich als positiv motiviert empfindet aber gar nicht erkennt, was vielleicht an Ungeduld oder vergleichbarem in einem mitschwingt. Da gibt es z.B. die Möglichkeit, dass zwischen euch beiden ganz unbewusste Mechanismen, die wie Schlüssel in ihre dazugehörigen Schlüssellöcher passen, ineinandergreifen. Du in ihr durch irgendeine mitschwingende Ungeduld aus Versehen auslöst, sich gegängelt oder unter Druck zu fühlen, während sie damit nicht ruhig und sich erklärend umgehen kann sondern blockt, und das alles führt in einen Kreislauf der gegenseitigen Ablehnung des gerade gezeigten Verhaltens des anderen.



Jedenfalls wendest du für deine Geschichte hier viel Energie und Mühe auf, das ist eine starke Leistung!
 
Nein, niemals. Wenn, dann belügt man sich nur ungewollt (also unterbewusst) selber, indem man sich als positiv motiviert empfindet aber gar nicht erkennt, was vielleicht an Ungeduld oder vergleichbarem in einem mitschwingt. Da gibt es z.B. die Möglichkeit, dass zwischen euch beiden ganz unbewusste Mechanismen, die wie Schlüssel in ihre dazugehörigen Schlüssellöcher passen, ineinandergreifen. Du in ihr durch irgendeine mitschwingende Ungeduld aus Versehen auslöst, sich gegängelt oder unter Druck zu fühlen, während sie damit nicht ruhig und sich erklärend umgehen kann sondern blockt, und das alles führt in einen Kreislauf der gegenseitigen Ablehnung des gerade gezeigten Verhaltens des anderen.

Dein Einwand macht mich immer noch sehr nachdenklich, so dass ich ihn wirklich nicht so einfach von der Hand weisen kann. Das will ich auch gar nicht. Ich merke selbst, dass ich noch nie jemand hatte, dem es so extrem schwer war etwas beizubringen. Und dass obwohl ich eigentlich schon mehrere Jahre Erfahrung im Unterrichten habe (sowohl im persönlichen Umfeld als auch beruflich)... Aber irgendwas ist in diesem Fall anders und ich kann immer noch nicht so ganz den Finger drauf legen und es erfassen...


Einen guten Hinweis habe ich gestern bekommen, was eigentlich genauer das Problem ist... Ich hatte versucht ihr etwas beizubringen und vor allem das Gefühl, dass sie im Moment mehr versteht als sonst. Aber als ich ihr Versucht habe das zu kommunizieren hat sie sich nicht gefreut sondern ist statt dessen genervter geworden und hat dann schnell aufgegeben. Ich habe versucht ihr zu vermitteln, dass ich gerade das Gefühl habe es bringt etwas ihr die Sachen beizubringen, aber es kam das genau Gegenteil davon an... Da ich nicht das Gefühl hatte ihr wirklich sagen zu können, was mir eigentlich wichtig war, und so habe ich andere Formulierungen versucht, aber das hat es nicht besser gemacht. Irgendwann war sie dann so genervt, dass sie mir vorgeworfen hat, sie würde sich gerade wie dumm oder Lernbehindert von mir behandelt fühlen. Dabei wollte ich eigentlich das genau Gegenteil von dem sagen...

Ich bin in der Hinsicht gerade ziemlich ratlos. Vielleicht liegt es daran, dass sie das lernen gestern einfach nicht als Erfolgserlebnis wahrgenommen hat. So wie es aussieht scheint es da für sie keine Teilerfolge zu geben. Entweder sie lernt genau das, was sie braucht oder eben nicht. Und wenn sie es nicht in kurzer Zeit vollständig lernt, dann scheint sie das nicht als Erfolg verbuchen zu können. Leider geht es dabei um Sachen, die selbst in Mathematikvorlesungen erst nach drei oder vier Vorlesungsstunden behandelt werden, da man dafür zunächst einiges an Grundlagen braucht. Und die Grundlagen kann ich ihr nicht innerhalb einer halben Stunde vollständig beibringen. Und feststellen, dass sie einen Fortschritt macht, darf ich auch nicht. Beim nächsten mal, bin ich dann fast schon gezwunge, wieder von vorne anzufangen, da sie auf alle Fragen, was sie denn vom letzten mal behält eigentlich nur mit "nichts" antwortet.

Ich weiß da gerade nicht wirklich, wie ich es besser machen kann... Vielleicht war auch meine Formulierung einfach unglücklich mit der ich festgestellt habe, dass sie vorwärts kommt. Ich würde da ja gerne eine Möglichkeit finden eine andere Formulierung zu wählen oder es irgendwie geschickter zu sagen, aber sie hat mir klar gemacht, dass für sie nicht die Formulierung, sondern die zugrundeliegende Botschaft selbst das Problem ist.

Meine Erfahrung ist, dass die meisten Leute, die nicht viel Erfahrung mit Mathe haben, kaum ein Gefühl dafür haben, wann sie auf dem richtigen Weg sind und wann sie einen totalen Holzweg einschlagen. Und dass es eben nicht nur ausreicht einfach eine konkrete Formel oder einen Sachverhalt zu lernen oder beigebracht zu kommen, sondern vor allem auch noch viel mehr genau dieses Gefühl zu erlernen. Aber ich weiß nicht, wie ich ihr dieses Gefühl vermitteln kann, da mir sämtliche Fortschrittsbotschaften auf diese Art verboten sind....

Ich würde es gerne irgendwie besser machen. Aber so habe ich im Moment keine Ahnung, wie ich ihr wirklich etwas beibringen soll.
 
Harry Haller, ich würde schonmal grundsätzlich sagen, dass es eine sehr unglückliche Konstellation ist, wenn ein Beziehungspartner einem anderen etwas gezielt und dauerhaft „beibringt“. Ihr könnt euch so nicht mehr absolut ebenbürtig begegnen. Die zugrunde liegende Botschaft, die deine Freundin ziemlich sicher meinte, ist die, dass sie es mit sog. manipulativen Motivationsmechanismen zu tun hat, auf die man oft schon als Mensch im allgemeinen, vor allem aber als Partner/in, wo man authentische Liebe erwartet, einfach keine Lust hat.

Und ebenfalls ganz prinzipiell ist auch das einem anderen Helfen eine sehr heikle Angelegenheit. Wirkliche Hilfe ist nur eine sich zur Verfügung stellende, die jede Bedingung (ausser es handelt sich um gezielt ausnutzende) des anderen zu kompensieren in der Lage ist.

Du hast jedenfalls in deinem Beitrag heute morgen für mich sehr gut beschrieben, was da bei euch abläuft, bei dem auch ich früher selber auf Dauer (natürlich nur im Zusammenspiel mit anderen Konstellationen, die hatte ich auch) depressiv geworden wäre.
 
@Schwänli: Ich bin gerade etwas verunsicher über das Bild, dass du da anscheinend von mir hast. Nach dem was du da schreibst, erscheine ich dir wohl vor allem manipulativ, von unehrlichen unbewusten Trieben gesteuert usw. Falls das dein generelles Menschenbild ist, dann ok, dann sehe ich mich da nicht abgewertet. Ansonsten wundere ich mich, wie du meinst jemanden auf der Basis von den paar Sachen, die ich bisher geschrieben habe so verurteilen zu können.

Dennoch hast du mit Sicherheit auch mit einigen Sachen recht, daher versuche ich diese extreme Bewertung einfach auch so weit wie möglich zu ignorieren.

Harry Haller, ich würde schonmal grundsätzlich sagen, dass es eine sehr unglückliche Konstellation ist, wenn ein Beziehungspartner einem anderen etwas gezielt und dauerhaft „beibringt“. Ihr könnt euch so nicht mehr absolut ebenbürtig begegnen.

Ja, das ist für mich auch der größte Grund, so bald wie möglich etwas an dieser Situation etwas zu ändern. Um ein paar Möglichkeiten zu finden, wie ich das ändern kann bin ich vor allem hier. Ich glaube wir sind beide nicht sonderlich über diese Situation glücklich. Allerdings ist es auch so, dass sie selbst sagt, dass sie meine Hilfe braucht, da sie sonst ihre Arbeit nicht machen kann. Sie braucht für ihre Arbeit eine ganze Menge Mathematik, und sie hat davon kaum etwas in ihrem Studium vermittelt bekommen (ich selbst war dafür immer extrem gut in Mathematik). Daher versuche ich ihr so gut es geht mit der Mathematik zu helfen, die sie braucht, also Formeln herleiten, etc. Zum einen ist es aber so, dass ich das natürlich nicht ewig machen kann. Zum einen weil sie, je mehr sie in dem Thema arbeitet, immer komplexere und mehr Formeln braucht und ich nicht die Zeit habe immer mehr für sie zu tun, zum anderen aber auch, weil sie sich dadurch abhängig von mir fühlt. Und das wollen wir beide ganz klar nicht. Das beibrigen war für mich also in erster Linie ein Versuch einen Weg aus dieser schädlichen Abhängigkeit zu finden. Aber klar, ein Verhältnis zwischen einer Person die Beibringt und einer Person die etwas beigebracht bekommt ist absolut assymetrisch. Und das will ich auf dauer nicht, sie wahrscheinlich ebensowenig (wahrscheinlich auch jetzt schon nicht). Und so sehe ich gerade keinen wirklichen Ausweg aus der Lage. Ihr einfach statt dessen eines von meinen Mathebüchern in die Hand zu drücken und zu sagen "versuch es selbst" hat auch nichts gebracht, da sie dann das Buch nicht anfasst und ich ihr nach ein paar Tagen wieder die kompletten Formeln herleiten muss.

Die zugrunde liegende Botschaft, die deine Freundin ziemlich sicher meinte, ist die, dass sie es mit sog. manipulativen Motivationsmechanismen zu tun hat, auf die man oft schon als Mensch im allgemeinen, vor allem aber als Partner/in, wo man authentische Liebe erwartet, einfach keine Lust hat.

Die zugrundeliegende Botschaft die ich hier heraushöre ist, dass du wohl der Meinung bist, ich würde meine Freundin nicht wirklich lieben. Ich weiß leider nicht, wie du darauf kommst, denn ich bin mir eigentlich sehr sicher, was ich für sie empfinde. Und ich denke auch, dass ich ihr das oft genug (zumindest in anderen Situationen) zeigen kann. Klar, ich gestehe ein, dass so etwas in einer Lehrer/Schüler-Situation (ich benutze gerade einmal jetzt dieses Ausdruck aus Ermangelung von aussagekräftigen Alternativen) in der per se ein Ungleichgewicht besteht schwer oder gar nicht möglich ist. Aber ich sehe zur Zeit auch keine Möglichkeit wie wir gemeinsam diese Situationen vermeiden können, da sie sonst der Meinung ist, dass sie ihre Arbeit an den Nagel hängen kann.

Es geht mir ja bei den Fortschrittsbekundungen auch nicht um Motivation oder Manipulation. Vielleicht ein Beispiel:

Wenn sie versucht eine Formel herzuleiten, dann macht sie am Anfang meist Termumformungen, die nicht zulässig sind, da ihr das Prinzip von Termumformungen noch nicht so ganz klar ist (das wird auch meines Erachtens in den meisten Schulen schlecht beigebracht). Wenn ich dann mit ihr arbeite, dann merke ich sehr schnell, dass die schlichtweg nicht zulässigen Umformungen weniger werden. Das heißt dann zwar, dass der weg mathematisch korrekt ist, aber immer noch nicht, dass sie die endgültige Formel herleiten kann, da die Umformungen möglicherweise in die falsche Richtung sind oder komplizierte als notwendig. Und diesen Unterschied würde ich ihr gerne mitteilen. Dabei geht es mir nicht um Manipulation oder Motivation, sondern um die schlichte Feststellung, dass ihre Vorgehensweise am Anfang aus mathematischer Sicht fehlerhafter war als am Ende. Was sie mir abverlangt ist, dass ich ihr gegenüber nur einen Erfolg feststellen darf, wenn sie am Ende die wirklich korrekte Formel gefunden hat und diese Teilerfolge nicht ausprechen darf. Das führt aber leider auch dazu, dass sie beim nächsten mal erst wieder mit den falschen Termumformungen anfängt, da ich ihr nicht sagen darf, dass die anderen korrekter waren und wir auf der Stelle treten.

Und ebenfalls ganz prinzipiell ist auch das einem anderen Helfen eine sehr heikle Angelegenheit. Wirkliche Hilfe ist nur eine sich zur Verfügung stellende, die jede Bedingung (ausser es handelt sich um gezielt ausnutzende) des anderen zu kompensieren in der Lage ist.

Ich bin mir an der Stelle nicht sicher wie ich den Satz verstehen soll in diesem Zusammenhang. Zum einen Frage ich mich, wieso die Person, die Hilfe haben will alleine die Bedingungen diktieren können soll. Klar, die Hilfe bringt sehr leicht ein Ungleichgewicht in die Beziehung, und die Person, die gerade Hilfe bekommt soll auf jeden Fall die Möglichkeit habe sich dagegen ausuzusprechen, insbesondere wenn es ihr damit nicht gut geht.

In dem konkreten Fall: Ich wäre ja fast schon bereit, ihre Bedingungen zu akzeptieren. Leider ist es so, dass ich schlichtweg keine Ahnung habe, wie ich Mathematik beibringen soll (denn das ist ja die Hilfe um die es konkret geht), wenn ihre Bedingung ist, dass ich gewisse Inhalte nicht beibringen darf. Bzw, die Inhalte würde sie wahrscheinlich an sich nicht ablehnen, aber ich habe keine andere Art ihr diese Inhalte beizubringen, so dass es darauf hinausläuft, dass ich in der Menge der vermittelbaren Inhalte eingeschränkt bin. Ich wüsste also nicht, wie ich ihre Bedingung kompensieren sollte und die einzige Lösung dafür ist, ihr nichts mehr beizubringen. Das bedeutet aber auch, dass ich ihr auf Dauer nicht mehr mit der Menge an Mathematischer Arbeit helfen kann, die sie benötigt, womit sie auch nicht glücklich ist.

Also insgesamt eine sehr verstrickte Situation denke ich. Es geht mir ja auch nicht darum, in der Situation einen Buhmann zu finden, z.B. in dem ich sage "meine Freundin ist mathematisch unfähig" (ist sie eigentlich nicht, auch wenn sie das von sich selbst denkt), oder indem ich mir einrede "ich bin einfach unfähig etwas beizubringen" (bin ich nicht, dazu habe ich zu viele Lehrerfolge bisher gehabt). Es geht mir vielmehr darum einen klaren Ausweg aus der Situation zu finden und eine Möglichkeit wie wir wieder eine glückliche Beziehung haben können, ohne ein Ungleichgewicht weil ich ihr so viel bei ihrer Arbeit helfen muss, oder weil ich in die Rolle des Lehrers und sie in die Rolle der Schülerin versetzt wird... Beides ist schlecht für unsere Beziehung, und ich will nicht, dass wir darunter leiden müssen.
 
Du hast mich so wenig verstanden, Harry Haller, dass ich selber dazu glaube ich nicht mehr allzu Effektives beisteuern kann. Ich müsste z.B. jetzt genau erklären, was mit der Formulierung "sog. manipulativer Motivationsmechanismus" genannt ist. Wie wichtig dabei das Wort "sogenannt" ist, dass es sich dabei nur um den im anderen ausgelösten Effekt handelt und dich nicht in eine Wertung von unbewusst unehrlichem Trieb bringen sollte.

Vielleicht findest du irgendwo gute Literatur über die unterschiedlichen Facetten vom Helfen und über Ebenen von Ebenbürtigkeit und ähnliche Themen.
 
ich geb jetzt auch noch mal meinen senf dazu:
deine freundin -so finde ich- hat dir gegenüber 2 verpflichtungen:

a) wenn es ihr schlecht geht, muss sie selbst herausfinden woan es liegt und etwas daran ändern
b) wenn sie will, dass du ihr hilfst, muss SIE zu dir kommen.

du hast folgende verpflichtung:

a) nicht hier zu schreiben, sondern mit ihr zu sprechen. hier kennt keiner deine freundin.

vielleicht hat sie deshalb depressionen.....
 
Du hast mich so wenig verstanden, Harry Haller, dass ich selber dazu glaube ich nicht mehr allzu Effektives beisteuern kann. Ich müsste z.B. jetzt genau erklären, was mit der Formulierung "sog. manipulativer Motivationsmechanismus" genannt ist. Wie wichtig dabei das Wort "sogenannt" ist, dass es sich dabei nur um den im anderen ausgelösten Effekt handelt und dich nicht in eine Wertung von unbewusst unehrlichem Trieb bringen sollte.

Schade... Ich hatte versucht etwas bei Google zu diesem Begriff zu finden, aber leider hatte ich da nichts brauchbares finden können. Hast du vielleicht irgendwelche Webseiten o.Ä. bei denen ich da etwas nachlesen kenn?

Vielleicht findest du irgendwo gute Literatur über die unterschiedlichen Facetten vom Helfen und über Ebenen von Ebenbürtigkeit und ähnliche Themen.

Leider wüsste ich da bisher nichts, was mir in meiner aktuellen Lage wirklich helfen kann. Ich weiß, dass es da ein paar Abschnitte in der "Aussöhnung mit dem inneren Kind" gibt, aber bin mir gerade auch nicht sicher ob mir das jetzt gerade helfen kann.

Hättest du da etwas, was besser passen würde zu dem Thema?
 
Nein Harry, ich kann dir nichts an Literatur empfehlen.

Ich möchte nicht so anmassend sein und mit starrhalsiger Sicherheit behaupten, dass meine Empfindung zu deiner Geschichte richtig liegt, aber ich glaube, dass dir hier, nicht nur von mir, die für dich zielführenden Anregungen gegeben worden sind. Mich würde sehr interessieren, was dir ein zu Beratungszwecken aufgesuchter Psychologe anregend sagen würde, wenn er deinen hier hinterlassenen langen Beiträgen mit den Schilderungen über z.B. eure Lern-/Beibringsituation komplett lauschen würde.

Ich selber habe das Gefühl, dass eben ein sehr entscheidender Kernpunkt in den von dir hier hinterlassen ganzen Inhalten deiner Alltags-Schilderungen zwischen euch beiden liegt, und du selber besitzt eine dich eher schonende Sichtweise auf alles. Deine Art, wie eventuell tief verurteilt oder ausweichend du auf die dir entgegengebrachten Eindrücke reagiert hast, sobald sie dich selber kritischer betreffen könnten, macht mich stutzig.
 

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