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Mein Zustand ist kein Guter! (lang, 12 Seiten in OpenOffice)

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Zuständin

Gast
Hallo,


ich habe Probleme, viele Probleme, Baustellen sozusagen. Eigentlich könnte ich in jedem Unterforum ein neues Thema eröffnen, denke aber nicht, dass das sinnvoll wäre und habe mich aus diesem Grund für das recht allgemeine „Ich“ entschieden.


Zunächst zu meiner Person ich bin weiblich und werde die Tage 23 Jahre alt. Mir war das so gar nicht bewusst, also dass jetzt schon so „alt“ bin. Richtig klar wurde mir das jetzt erst als meine Krankenversicherung mir den Rauswurf aus der Familienversicherung ankündigte. Dieses Ereignis hat mich noch nachdenklicher gestimmt als ich so schon nachdenklich bin. Eigentlich kann man sagen, dass ich die letzten 4 Jahre nichts weiter getan habe als nachzudenken und das ohne Ergebnis. Um es reichlich euphemistisch darzustellen : „ I`m fucked!“


Ich werde jetzt einfach mal mein bisheriges Leben schildern und anschließend meine Probleme beschreiben und bitte einfach um eine Einschätzung durch Leute die es schaffen zumindest nach Außen am normalen Leben teilzuhaben. Wie ihr sehen werdet ich schaffe das nämlich nicht.


Schule: Ich kam in die Schule mit sechs Jahren. Dazu muss man sagen, dass ich den Einschulungstest gar nicht bestanden hatte, aber da ich intelligente, redegewandte Eltern mit Abitur und abgebrochenem Studium (Grund Ich) habe konnten sie sich durchsetzen und ich wurde nicht noch ein Jahr laufen gelassen. Klingt blöd, aber ich erinnere mich noch an den Test und auch daran, dass ich panische Angst hatte und geweint habe und durch mein Theater durchsetzen konnte, dass meine Mama während des gesamten Tests bei mir bleiben konnte. Ich konnte keine Mengen erfassen, nicht bis 10 zählen und auf einem Bein stehen und hüpfen wollte ich nicht, das fand ich entwürdigend und als zu großen Eingriff in meine Privatsphäre.


Davor war ich auch ein Jahr im Kindergarten. Gegen meinen Willen, ich habe gekämpft wie ein Löwe, aber ich wurde Tag für Tag weinend dort abgeliefert und da ich nicht mit den andern Kindern spielen wollte musste ich mich immer in die Leseecke/Strafecke setzten. Irgendwann hatte ich verstanden und setze mich gleich beim reinkommen in die Ecke und sah mir Bücher an, viel lieber hätte ich gemalt, aber im Kindergarten durfte man nicht malen was man will also habe ich mich ganz geweigert. Ähnlich verhielt es sich mit der Vorschulmappe, einmal die Woche wurde so für die Schule trainiert. Mir war das zu blöd, ja klar auf dem Blatt sind kleine, große und mittelgroße Kerzen und ich soll alle Kerzen einer Größe mit einer Farbe anmalen, aber reicht es nicht die Großen mit einem blauen Strich und die Kleinen mit einem grünen zu kennzeichnen? Logischerweise sind die übrigen doch mittelgroß (diese Mappe liegt gerade neben mir).
Mein beiden größten Probleme aber waren das Klo und die anderen Kinder. Ich bin als Kind ständig zur Kontrolle aufs Klo um sicher zu sein, dass ich nicht in die Hose mache. Das war den Erzieherinnen wohl zu viel Arbeit und ich durfte nicht mehr so oft gehen. Resultat: Ich traute mich nicht mehr zu sagen wenn ich musste und kam so fast täglich mit nasser Hose nach hause. Wofür ich mich sehr schämte.


Die Einschulung war mein Todesurteil. Bis zu diesem Tag wusste ich gar nicht recht was Schule ist und was man dort von mir erwarten würde. Es war schrecklich, bis dahin bestanden meine Tage hauptsächlich daraus mit meinem Opa durch Wälder zu wandern und Tiere zu beobachten. Damit war plötzlich Schluss. Ich habe das nicht verstanden, schon in der ersten Klasse wurden besonders Hausaufgaben zu meinem Feind. Stundenlang weinte ich weil ich „lauter lustige Girlanden und großes Bäumchen kleines Bäumchen“ malen sollte. Ich glaube in dieser Zeit habe nicht nur ich sehr gelitten sondern noch vielmehr meine Eltern. Irgendwann machte einfach meine Mama (aus Verzweiflung?) meine Hausaufgaben und ich spiele draußen auf dem Feld. So wurstete ich mich durch die Grundschulzeit. Von Anfang an geplagt durch mobbing, das ich nie zur Sprache brachte. Im ersten Schuljahr hatte ich keinen Hunger mehr und schlimme Bauch-und Kopfschmerzen. Dann verschwanden die Schmerzen und der Hunger stieg, stieg ins unermessliche und ich frass alles was süß schmeckte. Die Mobbereien wurden schlimmer, besonders der Sportunterricht war als kleinstes, dickstes und unbeliebtestes Kind nicht gerade angenehm. Aber ich hatte ja einen neuen Freund er hieß Fernseher und viele Trösterlein sie hießen Süßigkeiten.
Bis meine Oma Wind davon bekam, dass ich, mittlerweile in der vierten Klasse angekommen, in Rechtschreibung eine 5 hatte (das war noch gnädig), das kleine Einmaleins nicht beherrschte. Sie erreichte allerdings nur, dass ich statt Fern zu sehen während ich auf meine Mama wartete weinend unter der Essbank Platz nahm und die Nahrungsaufnahme verweigerte. Fatalerweise kam hinzu, dass meine Mama meine Oma hasst und sich daher auf meine Seite schlug (leider?). Außerdem kam noch hinzu, dass mein zweiter Opa, der Vater meiner Mutter, in diesem Jahr starb und ich zur Kommunion musste. Ich lernte also nix und bekam die Empfehlung auf eine Hauptschule oder gar Sonderschule zu gehen. Da wären wir wieder bei den intelligenten und wortgewandten Eltern angelangt, so wurde aus der Empfehlung für die Sonderschule eine Empfehlung einen mittleren Bildungsabschluss anzustreben.


Das Problem war nur ich strebte nicht. Auf die Frage was ich später einmal werden möchte antwortete ich „Tierärztin, aber wahrscheinlich kaufe ich mir einen Hund und grabe mir im Wald eine Höhle“. Letzteres ziehe ich noch heute ab und an in Erwägung.
Jedenfalls kam ich letztlich auf eine Erweiterte Realschule (hier werden Haupt- und Realschüler in der 5. und 6. Klasse zusammen unterrichtet und danach wird, abhängig von den Noten, in Haupt-und Realschulzweig getrennt). Da stand ich also und konnte weder lesen, schreiben noch rechnen. Der Unterricht war die reinste Katastrophe und während die ersten früh Pubertierenden anfingen hippe Klamotten zu tragen, coole Musik zu hören weigerte ich mich aufgrund meines Übergewichtes Jeans mit Schlag zu tragen und bevorzugte schwarze Leggings, tja mobblingtechnisch war das fast so schlimm als wäre ich im Schlafanzug zur Schule gegangen. Nur an einem Tag in der Woche quetschte ich mich in eine Jeans, das war der Tag an dem Schulsport auf dem Stundenplan stand. Mit Jeans durfte man nämlich nicht teilnehmen. Irgendwie hatte ich das manipulieren andere Menschen zu meinen Gunsten schon sehr gut gelernt (vermutlich von meinen Eltern) anders lässt sich eine befriedigend auf dem Zeugnis bei 99% Leistungsverweigerung schwer erklären. Mit Englisch konnte ich mich auch gar nicht anfreunden, kein Problem ich vereinbarte einfach mit meiner Mama , dass es besser für sie wäre wenn sie meine Hausaufgaben für mich erledigt. Trotzdem litt ich wie ein geprügelter Hund, ich bekam Zettelchen deren Inhalt ich hier nicht wiedergeben möchte, täglich, der Weg zur Schule war ein Spießrutenlauf, täglich, der Kampf gegen meine Tränen und gegen meine Verletzlichkeit war hart, sehr hart. Ich hasste mich, ich hasste meinen Körper, ich hasste alle Menschen und ich war wütend sehr wütend. Ich hatte Selbstmord und Mord Gedanken sehr detailliert und auch das täglich. Ich weinte nächtelang durch und betete zu Gott es möge doch besser werden, es müsse ja nicht ganz aufhören, aber etwas besser werden, bitte. Ich drohte Ihm auch, damit mich und andere zu töten...


Ob nun mein Bitten oder mein Drohen half, ich weiß nur es wurde besser. Wir zogen in der Haus meines verstorbenen Opas ein und ich bekam meine Kaninchen und meinen Hund. Den Hund wünschte ich mir schon seit ich sprechen kann. Nach Mama und Dada kam Wauwau. Zeitweise hatte ich durch die Hundeschule sogar so etwas wie Freunde gefunden. Außerdem machte ich eine enormen Entwicklungssprung. Ich erkannte, dass ich intelligenter war als die meisten in meiner Klasse. Ich erkannte, dass ich nicht dumm sondern nur anders war. Ich entwickelte mein eigenes Werte-und Normensystem das ich sogar in einem etwa 80-seitigen „Buch“ niederschrieb und beschloss von nun an nach dem Motto: „Tu was du willst, aber schade niemandem dabei“, zu handeln. Den Zusatz, aber schade niemandem sollte ich später noch einmal großzügig, zu Gunsten des Gegenteils, überdenken.
So lernte ich also wie eine Irre. Ich lernte alles auswendig Wort für Wort, Seite für Seite, in jedem Fach in dem das möglich war. In Deutsch, Englisch und Mathe also den wichtigen Fächern war ich immer noch schwach, aber es reichte am Ende der 6ten Klasse für den Realschulzweig. Das machte mich unglaublich stolz und glücklich. Ich fühlte mich vielen die mich gequält hatten überlegen. Leider wurde diese Freude schwer getrübt dadurch, dass mein zweiter Opa starb und meine Oma dadurch zu einem großen Problem für meine Mama wurde. Sie versteckte sich vor ihr, ich musste sie am Telefon leugnen, sie verschwand stundenlang mit MEINEM Hund im Wald, mein Papa war natürlich wütend. Immerhin war sein Papa gestorben und seine Mama wurde durch seine Familie enttäuscht. Desweiteren erlitt meine Tante, die Schwester meiner Mutter, eine Hirnblutung und sollte fortan für den Rest ihres Lebens im Wachkoma ein Sichtum erster Klasse erleben. Kurz darauf verstab mein Onkel, der liebende und pflegende Ehemann, der Komatante. Ich muss dazu sagen, dass Krankenhäuser für mich nichts neues waren, auch meine Opas starben nicht einfach so friedlich nach einem langen glücklichen Leben. Mein Hauptproblem zu der Zeit war nicht wirklich der allgegenwärtige Tod oder ein Mangel an Aufmerksamkeit für mich das Kind, das eventuell doch noch normal zu werden schien, sondern vielmehr wurde mir meine Gefühlsarmut bewusst. Ich war nie traurig wenn einer meiner Verwandten starb, nicht so richtig, ich hatte bloß Angst vor den dadurch entstehenden Veränderungen oder ich freute mich. Als mein Papa mir damals sage, dass mein erster Opa gestorben ist dachte ich ernsthaft „oh, dann können wir da nachher nicht zum Kaffee hin und als zweites dann ist das Haus jetzt frei und ich bekomme einen Hund“, das wurde mir jetzt bewusst. Ich habe kein Mitgefühl für andere Menschen.


Die nächsten beiden Jahre verliefen sehr unspektakulär, durch mein enorm gutes Kurzzeitgedächtnis und mein vorbildliches Verhalten im Unterricht mutierte ich zur Klassenbesten, die dadurch entstehende Anerkennung durch meine Lehrer und meine Eltern ließen mich vergessen, dass ich ein sozial völlig abgeschottetes belächeltes Wesen war. Ich lernte hier schließlich gerade für meine Zukunft und das ist wichtiger als der erste Freund, das erlernen sozialer Kompetenz oder die erste Zigarette. Eine kleine Satanistenphase (Gott hatte es nur erträglich gemacht, vielleicht macht Satan es perfekt?) führte auch dazu, dass die Hänseleien wieder das erträgliche Maß überschritten und die Panik vor der Schule wieder zu groß wurde, meine Schulangst in Schlaflosigkeit mündete und ich drohte Hosengröße 44 zu sprängen.


Nun war ich also 15 und in der 9ten Klasse und gestand mir ein, dass das so nix wird mit mir. Am letzten Schultag vor den großen Ferien sagte ich am Schulteich sitzend zu Gott: Ich gebe uns beiden Zeit bis nach den großen Ferien, wenn sich bis dahin nicht dramatisch was geändert hat, bringe ich mich um. Hinter dieser Aussage stehe ich noch heute und ich denke, es wäre auch so gekommen.


Was soll ich sagen, die Ereignisse überschlugen sich, ich landete auf einem Schülerferienfest, das erste Fest meines Lebens, ich landete bei meinem erwachsenen Cousin, freundete mich mit der Schwester seiner Frau (damals 16) an, trank den ersten Alk, redete über Sex und hatte ne geile Zeit. Das alles wäre ja nicht schlimm sondern sehr positiv gewesen, wäre nicht dieser eine Tag gewesen. An dem ich Anne anrief sie aber keine Zeit hatte weil sie zum Geburtstag eines Freundes ihrer Schwester musste und ich schließlich mitkam. Ich setzte meine gesamte euphorische Energie dazu ein mit Anne ein Plakat für diesen Bekannten/Freund zu seinem 35ten Geburtstag zu malen, verziert mit nackten Barbie Puppen und Kondomen. Was danach geschah fasse ich einfach ohne viel Tamtam zusammen. Dieser Bekannte, nennen wir ihn Ernst, denn die Sache war Ernst, hat sich in mich verliebt oder ich mich in Ihn? Spielt keine Rolle jedenfalls machte ich meine ersten sexuelle Enerfahrungen mit 15 mit einem 35igjährigen. Stimmt nicht ganz vorher hatte ich noch meinen ersten Kuss und mein erstes Gefummel mit einem vergebenen 20-jährigen, dessen 15-jährige Freundin mich als hässlicher Gnom bezeichnet hatte. Ja, dass war sie meine erste sexuelle Erfahrung war ein billiger Racheakt. Die ernste Sache mit Ernst versuchten mein Cousin und dessen Frau noch zu verhindern indem sie meiner Mama den Tipp gaben da man ein Auge drauf zu haben. Ich habe natürlich unter Tränen des Protests versichert das da nix is und nie was sein wird. Der Ernst hat meiner Mama gestanden mal in geistiger Umnachtung die 14-jährige Tochter eines Freundes geküsst zu haben und er habe daher so einen komischen Ruf im Bekanntenkreis, aber da sei ja nix dran.
Meine Mama war nun der Meinung, dass mein Cousin und der gesamte Bekanntenkreis nicht zu den intelligentesten Menschen zählt und man daher nicht auf sie hören braucht (damit hat sie recht, aber deswegen kann man ihnen schlecht absprechen in diesem Fall etwas Gutes gewollt zu haben)
Gut da meine Mama ja als intelligente und wortgewandte Frau, trotzdem irgendetwas tun musste tat sie etwas, sie schickte mich zum Frauenarzt um mir die Pille verschreiben zu lassen und schwor mich darauf ein niemals meinem Papa auch nur ein Sterbenswörtchen von dieser Sache zu sagen.
Wie sollte es anders sein die Sache mit Ernst lief nicht rund, er schämte sich für mich vor Freunden und hatte Angst, Angst hatte ich auch. Angst davor den vermeintlich einzigen Menschen der mich versteht zu verlieren. Es begann es dramatisches hin und her, der Ernst hatte noch die ein oder andere interessante Ex und insgesamt einige schwere psychische Probleme und nein ich denke nicht, dass er pädophil ist/war. Er wurde von mir manipuliert, regelrecht gezwungen sich immer wieder auf mich einzulassen. Das gelang eben gerade weil er psychisch instabil, sehr sensibel und recht einfach gestrickt war. Bestes Beispiel und mein größter „Männerquälerfolg“ hatte ich mit ihm: Zu einem Zeitpunkt als ich schon gar nicht mehr mit ihm schlafen wollte konnte ich ihn mit der Behauptung die Pille nicht mehr nehmen zu wollen, Kondome blöd zu finden zu einer Vasektomi überreden, unter der er später sehr litt. Darauf war ich damals sehr stolz. Heute schäme ich mich dafür.


Nach den Sommerferien machte ich meinen Realschulabschluss mit ich glaube 1,4 außerdem bescheinigte man mir eine sehr gute Mitarbeit und Teamfähigkeit (spätestens jetzt musste mir klar sein wie diese Welt funktioniert, ich kann an einer Hand abzählen wie oft ich mich freiwillig gemeldet hatte und Team=toll ein Andere machts, ich war der andere, immer und freiwillig) und wurde daraufhin von meiner Mama, mangels Alternativen auf dem Gymnasium angemeldet. Ja, ich war stolz auf diesen Erfolg, aber mir war der „Ernst“ des Lebens wichtiger, ich frage mich auch was das bringen soll weiter Schule zu machen, aber akzeptierte es schließlich und war auch froh noch einmal davon gekommen zu sein ohne mir ernsthaft Gedanken um meine Zukunft machen zu müssen.


Ansonsten verbrachte ich meine Zeit damit meinen Ex-Ernst mit Affären mit anderen Männern Eifersüchtig zu machen. Dabei lernte ich was für ein Spaß es macht Männer zu quälen. Männern die große Liebe vor zuspielen und sie dann fallen lassen. Es gab einen über SMS-Chat kennen gelernten offiziellen ersten Freund, der auch meinen Papa vorgestellt wurde. Er war „nur“ 29 und wohnte 250 km weit weg, er fuhr die Strecke regelmäßig. Es gab einen 32-jährigen Arbeitslosen ohne Strom und Geld, es gab einen verheirateten mit zwei Kindern, oft war Alkohol im Spiel. Irgendwo war es Ekelhaft und gegen meine eigene Norm verstoßend, aber es war mein Ausgleich zu der bitterbösen Enttäuschung mit dem ernsten, Ernst und zur Schule die mir alles Abverlangte. Ich bemerkte, dass es auf dem Gymnasium schwieriger ist mit starker Rechtschreibschwäche, ohne Kopfrechenfähigkeit, der Unfähigkeit Fremdsprachen zu erlernen und dem eigenen Anspruch immer die Beste zu sein zu überleben.


Eigentlich gab es in der Zeit nur eine normale sexuelle Begegnung mit einem ehemaligen Mitschüler aus der Realschulzeit auf einem Campingplatz im benachbarten Ausland. Ich hätte mir damals in den Hintern beißen können, dass ich diese Chance vertan habe bloß weil ich eine Telefonphobie habe.


Die Zeit heilt alle Wunden? Zum Teil, eines Tages fühlte ich wenn ich an Ernst dachte nix mehr keine Liebe und kein Hass ich interpretierte das als „ich bin drüber weg“, es hat insgesamt doch reichlich 4 Schuljahre gedauert und mich wohl wichtige Entwicklungszeit gekostet.


Wie die Zeit vergeht, da stand ich plötzlich mit einem Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife in der Hand da, Durchschnitt 1,6 . Oh, Gott war diese Schule wirklich so schlecht oder wie kommt`s, dass das möglich ist ohne wirklich eine Fremdsprache gelernt zu haben, ohne das kleine Einmaleins zu können und mit einer immer noch nicht von der Hand zu weisenden Rechtschreibschwäche. Ich fühlte mich nicht gut an diesem Tag, mir war zum heulen. Ich habe die Prüfungen alle ohne Betrug bestanden also steht es mir zu dieses Zeugnis rechtmäßig zu, aber es fühlt sich trotzdem falsch an ich habe es meinem Kurzzeitgedächtnis zu verdanken und der Tatsache Menschen ins Gesicht lächeln zu können während meine Gedanken den jugendfreien Schimpfwortbereich verlassen.
Ich hatte immer ein riesen Glück mit Lehrern so waren alle wichtigen wirklich nett und sympathisch und die wenigen die es nicht waren ließen sich wohl dazu „überreden“ nett zu sein.
So standen zwar unter fasst allen meinen Arbeiten immer Kommentare wie: „Bitte auf die Rechtschreibung achten“ oder einmal schreib mein Deutschleistungskursleiter unter eine Textanalyse „Das hätte ich nicht besser gekonnt, wenn nur die Rechtschreibung nicht wäre“, aber wirklich dran gestoßen hat sich nie jemand (unverschämtes Glück, das ich vielleicht gar nicht verdient hatte). Ähnlich verhält es sich mit meiner nicht vorhandenen Mitarbeit, aus Angst etwas dummes zu sagen oder schlicht aus Langeweile und Niveaulosigkeit der gestellten Frage (letzteres eher auf der Realschule).
Mit meinen Mitschülern hatte ich auf dem Gymnasium keine Probleme mehr, es waren keine Freunde, aber gute Bekannte. Ich habe sogar im Sportunterricht mitgemacht, ohne Erfolg und nach wie vor mit Bauchschmerzen, aber es war erträglich. Hier muss ich noch einfügen, dass ich seit der 9ten Klasse nicht mehr zugenommen habe sondern ab, zeit weiße war es schon das andere Extrem also fast Magersucht, aber meiner Liebe zum Essen sei dank kam es nie wirklich dazu. Jedenfalls hat man mit knapp 1,60 m und Null Kondition Null Chancen den Leistungserwartungen eines gymnasialen Sportunterrichts gerecht zu werden. Aber es ging... wie? Das fragt den lieben Gott, mit nächsten Liebe vermutlich...


Schule abgeschlossen und jetzt? Keine Ahnung, nicht einmal eine Spur einer Ahnung hatte ich. So kam es zu meinem verspäteten zusätzlichen Kindergartenjahr. Ich machte gar nix. Ich chattete im Netz und verliebte mich wirklich richtig, ohne die Absicht mein zorniges Männerspiel zu spielen . Ich lernte dann denjenigen auch real kennen und es bestand auf beiden Seiten große Sympathie, es folgten weitere Treffen (selten da 500 km dazwischen lagen) und eine zögerliche Annäherung, leider wurde meine Liebeserklärung nicht in der Form erwidert wie ich es mir gewünscht hätte, aber ich bleib am Ball. Er erbat sich Zeit, aber es wurde nicht konkret. Scheinbar waren es Missverständnisse jedenfalls glaubte ich er sei an mehr als einer etwas zu guten Freundschaft nicht interessiert und ich machte mir viele Gedanken und Sorgen über meine Zukunft.


Um genau zu sein ich sah keine Zukunft. Da kamen wieder meine intelligenten und redegewandten Eltern ins Spiel, ich wurde an der Uni zum Chemiestudium eingeschrieben. Ich saß mit Tränen in den Augen in der Vorstellungsvorlesung und mir war klar ich habe keine Kraft mehr, ich kann nicht schon wieder Jahrelang irgendwelches Zeug auswendig lernen was mich nicht die Bohne interessiert, was ich nicht mal verstehe. Ich lasse mich nicht wieder mit anderen Menschen vor denen ich Angst habe nutzloser weise in kleine, sauerstoffarmen Zimmer einsperren und weine mich Abends still und einsam in den Schlaf weil sich die Welt ohne mich dreht. Ich ging da also nicht hin sondern bewarb mich um einen Platz zum Tiermedizinstudium, es war klar, dass mein Schnitt nicht gut genug ist, aber mit 1-2 Wartesemestern sollte das schon was werden. In der Zwischenzeit könnte ich ja mit meinem Hund in den Wald eine Höhle graben gehen... oder, wie meine Mama utopischer weise meinte jobben um Geld zu sparen fürs Studium. Jobben? Ich? Ich kann nicht mal ohne Begleitung Passfotos machen lassen, beim Gedanken an ein Vorstellungsgespräch breche ich in Tränen aus, fange an zu zittern und muss ganz dringend was essen. Also hieß es abwarten, vielleicht wenigstens den Führerschein machen? Ich hatte das schon mal versucht kurz vor meinem 18ten Geburtstag, aber die Abänderung meines Tagesablaufs durch Theoriestunden , die deutliche Überforderung im Straßenverkehr und die Tatsache, dass das Fahrschulauto für mich zierliches Persöhnchen eher ein Panzer war ließ mich schnell davon abkommen. Aber jetzt war ich ja schließlich, richtig erwachsen und hatte Zeit, aber auch Angst aus dem Haus zu gehen. Letztlich überwand ich diese Angst machte den Theorietest und nahm Fahrstunden für viele 100te €, ich sah keinen Fortschritt ich kann nicht Autofahren, der Fahrlehrer hingegen sah das anders und es kam zur Prüfung. Ich wusste, dass ich diese nicht bestehen würde, ich würde 500 € meiner Eltern einfach so verschwenden. Diese Prüfung war wohl das demütigendste und wohl auch gefährlichste was ich in meinem Leben bis dahin erlebt habe. Nie wieder schwor ich mir! Ich bin schon schlecht genug im zu Fuß gehen! Aber das würde jetzt wohl auch Unabhängigkeit ade bedeuten...


Jedenfalls wurde die Situation zu Hause immer unerträglicher ich fühlte mich für das verantwortlich was sich vor meinen Augen abspielte. Meine Eltern waren glaube ich noch nie wirklich glücklich miteinander was hauptsächlich daran lag, dass meine Oma ein ich zitiere „intrigantes Miststück“ sei, dass meinen Opa „alleine in seinem Krankenbett hat verrecken lassen“ und natürlich daran, dass ich geboren wurde. Wenn ich Gesprächen von ihnen lauschte hörte ich immer heraus, dass sie sich große Vorwürfe machen weil ich „so“ geworden bin. Ich möchte nicht abstreiten, dass ihre Erziehung suboptimal war, aber es ist genauso denkbar, dass ich an angeborenen Defekten leide. Man hätte es herausfinden können als ich mit etwa 14 meine Mama bat mit mir zum Psychologen zu gehen. Das war das war mein einziger Versuch mit meiner Mama bezüglich meiner Andersartigkeit in Kontakt zu treten, eigentlich war es mein insgesamt erster und bis heute einziger Versuch ein ernsthaftes Gespräch zu führen. Sie meinte damals ich bräuchte keinen Psycho nur etwas Ablenkung von der Schule, die habe ich mir ja dann gesucht...


Um es kurz zu machen jetzt wo ich nicht mehr zur Schule ging sondern nur noch vorm Pc saß wurde mir bewusst wie kaputt auch meine Eltern sind. Meine Mama steht morgens auf geht zu spät zur Arbeit welche sie hasst (Sekretärin), kommt zu früh wieder nach hause, und spielt den Rest des Tages am Pc und unterbricht dies nur um zu kochen, einzukaufen, das Nötigste im Haushalt zu machen und ab und an mit dem Hund zu gehen. Freund und Hobbys bei denen man das Haus verlassen muss hat sie nicht. Mein Papa steht morgens um 5 auf und Duscht eine Stunde, fährt zur Arbeit und kommt zwischen 16 und 17 Uhr zurück, dann sitzt er stumm in der Küche, schaut die um 20 Uhr die Tagesschau und trinkt dann etwa 7-8 Bier und das täglich. Ins Bett geht er nie vor um 2. Am Wochenende holt er den verpassten Schlaf nach, verständlich. Freunde und Hobbys hat er nicht. Er leidet außerdem stark darunter, dass ich und meine Mama die Oma so ablehnen. Wir gehen dort nur noch an Feiertagen hin und das nicht freiwillig. Papa ist zweimal die Woche dort, auch das nicht freiwillig. Sie jammert, sie heult und das nun ja ich würde sagen nicht wirklich mit Grund. Sie hat Freunde, sie hat Hobbys, wir nicht.
Jedenfalls konnte ich die Luft in unserem Haus nicht mehr ertragen, nicht einmal mehr die unsere Stadt, es schnürte mir regelrecht die Luft ab, wenn ich den Schlüssel ins Schloss steckte. Hinzu kam die zwar erwartete aber dennoch enttäuschende Absage bezüglich meines Studiums.


Meine Lösung? Wieder einen Mann ausnutzen, der war schnell Gefunden: 42 Jahre, unglücklich verheiratet, zwei Kinder eines davon ein Kuckuckskind, psychisch labil, finanzkräftig, nicht unintelligent (also eine Herausforderung) kurz ideal. Also schnell mal die „große Liebe“ draus gemacht darin hatte ich ja Erfahrung und ließ mir ein recht teures Hobby von ihm bezahlen. Im nach hinein war es Prostitution zumindest für mich, sonst hatte mir ja wenigstens der Sex Spaß gemacht, aber diesmal war es reine Verzweiflung ich musste einfach einen Weg weg von zu Hause finden. Irgendwann kam der arme Trottel auf die Idee mit mir in den Süden „aus zuwandern“ , mir war klar, dass das ohne Fremdsprache mit wenigen tausend Euro mit einem Mann vor dem ich mich ekelte nicht machbar war, aber lieber im warmen sterben und noch bissel was von der Welt sehen, dachte ich mir. Das ganze endete in einem Dilemma, nach nur einer Woche hatte er verraten wo wir sind, nach drei Wochen war das Geld knapp geworden und ich vermisste meinen Internetfreund den ich ja wirklich liebte.
Die Rückfahrt übertraf meine Fahrprüfung. Er versuchte sich das Leben mit irgendwelchen Psychopharmaka zu nehmen, weil ich ihn nicht lieb aber außer, dass er sehr langsam und fahruntüchtig wurde hatte er keinen Erfolg. Wieder im feindlichen Bundesland angelangt, hatte ich richtige körperliche Krankheitssymptome und mir war klar hier kann ich nicht bleiben. Durch Zufall fand ich dann heraus, dass meine Internetliebe wirklich eine Liebe ist und er mich genauso vermisst wie ich ihn. Also bin ich zu ihm gezogen, hier bin ich noch immer.
Er liebt mich noch immer, ich liebe ihn noch immer, aber ich kann es ihm nicht zeigen. Meine letzte Männerverfehlung war einfach eine Spur zu hart für mich. Ich ekle mich vor meinem Körper und denke das muss jeder sehen.


Nun sitz ich hier und gleich wenn mein Freund nach Hause kommt soll ich mit ihm zu meiner Krankenversicherung und denen von meinem gescheiterten Leben berichten. Meine Vernunft sagt mir, dass ist dem oder der Sachbearbeiterin doch scheiß egal. Die wollen nur wissen ob du ab dem nächsten Monat 150 € für eine „freiwillige Versicherung“ bezahlst oder ob du ab Herbst studierst und es dann also billiger wird, aber für mich ist das Seelenstrip vor einem Unbekannten. Dieser rechtschaffene Mensch wird denken wieder so ein verzogener Mensch ohne Reife, der uns allen mal auf der Tasche liegen wird. Tja, recht hat er es tut nur so weh sich das einzugestehen. Ich habe versagt.


Letzte Woche waren wir zusammen ein Konto für mich eröffnen damit ich die Beiträge für die Krankenkasse überhaupt überweisen kann. Ich hatte Tage vorher Schlafstörungen und Angst vor diesem Termin. Als wir dann im Auto saßen hatte ich Tränen in den Augen und war am zittern. Am Schalter konnte ich noch recht souverän sagen was ich will, aber dann wars vorbei. Mein Freund hat das mehr oder weniger geregelt ich hab nur die Schlüsselfragen beantwortet und verlegen gegrinst, wie ein kleines Kind. Sie werden also ab Herbst studieren? Und was, wenn ich fragen darf? Weiß ich noch nicht und nein man muss sich nicht für jedes Studienfach bewerben es gibt offene Studienfächer und gedacht habe ich und jetzt frag mich bloß nicht was ich die ganzen Jahre gemacht hab. Hat sie nicht... zum Glück. Das war demütigend, sehr sogar. Ich würde gern anders, aber ich kann nicht.


Ich bin ein Sozialversager, durchs Raster gefallen, wünscht ich wäre unsichtbar.
Letztes Jahr gab es einen ähnlichen Fall, mein Ausweis war abgelaufen und das schon lange. Ich hatte Angst vor dem Amt daher schon lange. Inzwischen waren Wahlen die offizielle Seite Deutschlands konnte mich nicht anschreiben, weil ich aus Angst meinen Namen nirgends angebracht hatte und so wurde ich als unbekannt verzogen gemeldet und musste eine peinliche Erklärung schreiben, dass ich wirklich die ganze Zeit dort gewohnt habe und mir keiner Schuld bewusst war blabla. Diese Frau dort hat mich behandelt wie einen Schwerverbrecher ich weiß nicht ob ich je wieder dazu in der Lage sein werde ein Bürgeramt zu betreten. Wäre mein Freund nicht dabei gewesen wäre ich dort raus gerannt, nein falsch ich wäre nie dort hinein gegangen. Denk ich drüber nach ist das Blödsinn, aber das ist nur was ich weiß nicht das was ich fühle.


Jetzt könnte man auf den dummen Gedanken kommen, dass mein einziges Problem die Angst Die vor offiziellen Behördengängen sei und ich ansonsten einfach nur faul bin, aber dem ist leider nicht so. Vor dem oben geschilderten Hintergrund Versuche ich nun meine Alltäglichen Kämpfe mit dem Leben und der Gesellschaft zu schildern. Ich hoffe ich schaffe halbwegs darzustellen wie tief diese Probleme/Einschränkungen in mir verwurzelt sind. Die allermeisten bestehen schon seit meinen ersten Erinnerungen und die habe ich so etwa ab meinem 2-3 Lebensjahr.


  • Ich habe Angst davor alleine das Haus zu verlassen. Schon als Kind viel es mir Phasenweise sehr, sehr schwer morgens zur Schule zu gehen, überwunden habe ich mich nur wegen meiner „preußischen Pünktlichkeit“ (O-Ton meine Mama). Oft hatte ich zur moralischen Unterstützung zwei Küchenmesser für die Jackentaschen mit. Zur Zeit kann ich gar nicht alleine raus. Das letzte mal war ich im Dezember alleine draußen und das nur weil mein Freund am nächsten Tag Geburtstag hatte und so ganz ohne Geschenk wollte ich dann doch nicht dastehen.
  • Ich habe Angst wenn es an der Tür Klingelt oder wenn das Telefon geht. Ist mein Freund zu Hause „flüchte“ ich ins Bad, bin ich alleine erhöht sich mein Pulsschlag, Tränen schießen mir in die Augen, ich hüpfe in die nächste Ecke, hocke mich hin und halte mir die Ohren zu. So verharre ich je nach dem unterschiedlich lange. Auch als Kind zeigte ich ein ähnliches Verhalten, heimlich natürlich. Ich habe auch Angst selbst zu telefonieren, mache das nie freiwillig.
  • Ich war das letzte mal mit 15 bei einem Arzt, von klein auf hasse ich Arztbesuche. Ich will mich von niemand Fremden anfassen lassen. Als kleines Kind sagte ich zu meinem Kinderarzt als er mich impfen wollte „eh man lass das“, zur allgemein Untersuchung mussten mich meist zwei Helfer festhalten. Meine Kieferorthopädin habe ich mit glaube ich 11 Jahren wirklich heftig gebissen, im beisein meiner Mutter. Mit etwa 8 konnte man mich das erste mal beim Zahnarzt dazu überreden den Mund zu öffnen, es sollte eines der letzten Male gewesen sein. Frauenärzte verschreiben einem schon mal die Pille ohne Untersuchung wenn man behauptet noch Jungfrau zu sein, aber irgendwann glauben die das nicht mehr besonders wenn die Stadt in der man lebt nicht allzu groß ist. Klar ich könnte einfach nie mehr zum Arzt gehen, es stirbt sich auch von alleine, aber gerade meine Zähne machen mir schon sorgen, trotz gründlichstem putzen hat glaube ich mittlerweile jeder Backenzahn ein Loch (ich hatte schon immer kariesanfällige Zähne) Vor Schmerzen habe ich keine Angst, die wenigen Male bei denen gebohrt wurde hatte ich nicht mal eine Betäubungsspritze, Spritzen machen mir auch nix aus, es ist wirklich nur der behandelnde Mensch. Friseurbesuche sind fast noch schlimmer die wollen nämlich auch noch mit einem reden. Ich habe fremden Menschen aber nichts zu sagen.
  • Ich bin Meister der Ablenkung und Verdrängung. In den letzten Jahren habe ich das backen von Kuchen und Torten perfektioniert und kann es glaube ich mittlerweile mit so manchem Konditormeister aufnehmen. Immer wenn mich unangenehme Gedanken plagten ging ich in die Küche und habe einen Kuchen gebacken, teilweise bis zu 4 Stück die Woche. In letzter Zeit habe ich leider keinen Spaß mehr daran. Ich befürchte es hat sich einfach abgenutzt...
  • Ich bin unfähig. Ich habe mir geschworen nie mehr irgendwas zu tun was ich nicht wirklich
    will. Schön, aber was will ich denn? Was kann ich überhaupt leisten? Klingt wohl lächerlich aber ich bin durchaus sehr leistungsfähig und auch leistungswillig, vorausgesetzt ich sehe mich dadurch einem Ziel näher kommen oder die Leistung macht mir einfach Spaß.
  • Kritik und Lob sind beides eher Feinde für mich. Beides macht mir Angst, bringt mich Menschen ein Stück zu nah, macht mich verlegen. Am liebsten mag ich einen Zustand in dem ich mich völlig verausgaben kann und andere mir, bis auf belanglosen Smalltalk (dazu kann ich mich mittlerweile halbwegs durchringen), in Ruhe lassen.
  • Ich habe Freude am Leid andere Menschen. Ich hasse mich dafür, aber ich erwische mich bei widerlichsten Gedanken. Beispiele: Manchmal stelle ich mir vor wie interessant es wäre die Charakterliche Veränderung von Bekannten zu beobachten, würde eines ihrer Kinder auf tragische weise ums Leben kommen. Wenn an einer Kreuzung ein Radfahrer gerade noch so an einem Auto vorbei kommt denke ich spontan „oh, schade“. Als 2001 die Anschläge auf das WTC in Amerika verübt wurden hatte ich eine gute Zeit und dachte „endlich passiert mal was interessantes“. Ich liebe Sendungen am Fernsehen bei denen man das Leid kranker und behinderter Menschen ausschlachtet. Eigentlich denke ich bin ich gar nicht so, aber ich kann mich mit dem Lebewesen Mensch einfach nicht so recht identifizieren.
  • Nach dem letzten Punkt mag es paradox klingen, aber ich freue mich wenn ich anderen Menschen (so ich sie denn als „wertig“ empfinde) eine Freude machen kann, ich schenke unheimlich gerne. Ich bin bekannt für meine toll verzierten Geschenke die als Kunstwerke betrachtet werden. (riesige Schlaraffenländer aus Süßigkeiten für Kinder, Windeltorten für werdende Eltern, selbst gemachte Pralinen in selbst gemachten Schachteln, Bilder)
  • Ich interessiere mich für alles und wieder für nichts. Genauso wie ich die allermeisten Menschen nach einer gewissen Zeit als langweilig und nutzlos ad acta lege (will heißen Kontaktabbruch, ich bin unerreichbar für die Menschen ohne Erklärung von meiner Seite), verhält es sich mit anderen Interessen. Ich kann wochenlang täglich malen und zeichnen und dann jahrelang nicht mehr, ich habe in der Schule das Lösen von Gleichungen geliebt. Das einzige Interesse das geblieben ist sind Tiere und Natur. Ansonsten habe ich mir auf Gebieten „gefährliches“ Halbwissen an gelesen.
  • Ich will immer perfekt sein. Wenn ich etwas mache dann richtig, ein zurück gibt es dann nicht mehr. Ich lebe dann für diese eine Sache. Ich habe nur einen Tag in meiner 13 Jährigen Schulzeit gefehlt und das nur weinend und unter Protest das war der erste Termin beim Kieferorthopäden, sonst habe ich auch schon mal die ein oder andere Klassenarbeit mit starkem Fieber geschrieben und das mit Erfolg (und das vor dem Hintergrund, dass ich in der Schule gelitten habe). Ich war jeden Tag schon eine halbe Stunde zu früh an der Schule, nur in der Grundschulzeit kam ich ab und an zu spät, weil ich noch von meinen Eltern gebracht wurde und ich habe es gehasst. Ich habe kein vertrauen in andere Menschen, überhaupt nicht ich verlasse mich bei wichtigen Dingen nur auf mich.
  • Ich vermisse Tiere. So schmerzhaft wie Frauen fühlen die einen unerfüllten Kinderwunsch hegen, zumindest treffen die Schilderungen die ich dazu im Netz gefunden habe auf mich zu. Ich fühle mich unvollständig ohne Tiere in meiner Nähe. Mein Freund sagte dazu, als ich einen meiner Weinkrämpfe hatte (normalerweise bemühe ich mich in seiner Gegenwart die Fassung zu wahren, da er sich sonst schuldig fühlt und ich einfach keine Antworten auf seine Fragen finde), dass er weiß, dass ich hier in der Großstadt leide aufs Land in ein Haus mit vielen eigenen Tieren gehöre, aber er das finanziell alleine nicht schafft und ich ihm dabei helfen muss. Er hat so recht und er liebt mich wirklich. Ich hasse es so ihn ständig enttäuschen zu müssen. Ich schaffe es einfach nicht über meine Gefühle zu reden alles was ich in so einem Moment raus bekomme ist „ich weiß“.
  • Ich sehe mich völlig ausserstande irgendetwas anderes zu tun als mich möglichst still und leise in irgendeinem Fach an der Uni einzuschreiben. Wie würde ich in einem Vorstellungsgespräch wirken? Auf die Frage: „Was haben sie in den Jahren nach ihrem Abitur getan?“, ehrlicher weise antworten:“ Ich habe nachgedacht und mich vor der Welt gefürchtet.“? Auf die nächste Frage ob ich denn für mich eine Lösung gefunden hätte. Müsste ich dann antworten:“Nein eigentlich nicht, jetzt fürchte ich mich nur noch mehr und denke es wäre besser gewesen wenn ich nie geboren worden wäre, aber hey glauben sie mir ich bin wirklich belastbar, überpünktlich und verlässlich!“ Ja nee, is klar... also ich würde mich nicht einstellen...
  • Ich habe ein großes Problem mit meiner Sexualität. Bis zu dem Zeitpunkt an dem ich nur mit Männern geschlafen habe mit denen ich auch wirklich schlafen wollte hatte ich Spaß am Sex, richtig Lust und war offen für Neues. Aber jetzt ist da nur noch Ekel und Selbsthass und mein Freund muss das jetzt ausbaden. Er ist liebevoll, einfühlsam, geduldig und selbstlos, mehr geht gar nicht. Ich kann mich trotzdem nicht zu sexuellen Handlungen überwinden einfach weil mein Kopf da nicht mitspielt. Ich denke sofort an Dinge die ich getan, aber besser gelassen hätte und fühle mich schmutzig, schuldig und unwert für ihn. Ganz ehrlich ich hätte vollstes Verständnis wenn er mich betrügen oder verlassen würde. Ich hasse mich so dafür, dass ich ihm nicht zeigen kann, dass ich ihn wirklich liebe, will und auch begehre. Er denkt ich finde ihn unattraktiv, was völliger Blödsinn ist, aber was soll er auch denken wenn ich schmerzverzerrt gucke wenn er mich anfasst? Sebstbefriedige ich mich auch nur noch ganz, ganz selten (früher fast täglich) wenn es gar nicht mehr anders geht und dann nur mich aussergewöhnlichen Fantasien, da normale negativ besetzt sind.
  • Ich kann widerlich gefühlskalt sein. Ich kann Menschen ganz für mich einnehmen, zu meinen Zwecken missbrauchen und dann einfach von einem auf den anderen Tag komplett aus meinem Leben verbannen. Sie sind Für mich dann wie tot, langweilig, einfach Müll. Ich habe auch Probleme Gefühle überhaupt richtig zu deuten, ich finde vieles was andere als traurig oder schlimm empfinden ganz normal oder unwichtig. Das ist schwer für mich zu beschreiben. Ich fühle mich oft unmenschlich weil meine Gedanken und Gefühle nicht korrekt sind. Irgendwie wie ein Hund unter Katzen. Wenn ich knurre denken die andern ich fühle mich wohl (schnurren), wenn ich mit dem Schwanz wedle denken die andern ich bin nervös (dabei freue ich mich). Ich kann das teilweise durch bewusstes Schauspielen lenken, aber lange nicht in jeder Situation.
  • Ich gönne mir nichts Schönes. Immer wenn ich etwas erlebe worüber ich mich im ersten Moment freue, sei es ein leckeres Eis, ein neues T-Shirt, einen Hund zu streicheln, in der Sonne liegen, beim Wandern mit meinem Freund die Ankunft auf dem Berg, kommt im nächsten Moment der Gedanke „das hast du nicht verdient“. Du hast keinen Job, keine Ausbildung, keine Zukunft, was wagst du es jetzt zu lächeln? Ähnliche Gedanken hatte ich auch schon in meiner Kindheit.
  • Ich ekel mich vor Babys und habe Angst vor kleinen Kindern. Auch darunter habe ich schon von Kindesbeinen an zu leiden. So mit Beginn der Pubertät werden aus diesen Wesen Menschen und ich fürchte mich aus anderen Gründen vor ihnen. Der Ekel vor Babys ist richtiger Ekel so wie ihn andere Menschen beim Anblick von Spinnen, Schlangen oder Maden empfinden. Ich habe im laufe der Zeit gelernt, dass ich dieses Problem auf alle Fälle immer für mich behalten muss da es in der Gesellschaft wirklich nicht so gut ankommt. Wenn ich Kindern etwas schenke kann ich mich auch mit freuen wenn das „Ding“ sich freut, aber mit einem Kind spielen oder gar ein Baby freiwillig auf den Arm nehmen... keine Chance da reden wir ab einem Angebot von 100€ nochmal drüber.
  • Ich habe noch ein zweites Leben, also in meinen Gedanken. In diesem fantastischen Leben bin ich das krasse Gegenteil der Realität. Ich bin mutig, Selbstbewusst und sehr erfolgreich, gesellschaftlich angepasst und integriert. Diese Fantasiewelt habe ich auch schon seit ich ein Kind bin und vermutlich hat mir die Flucht dorthin so manches Mal das Leben gerettet.
  • Die Beziehung zu meinen Eltern ist gar keine und war noch nie eine. Wir haben immer nur Smalltalk geführt, ernsthafte Gespräche gab es nie. Es gibt wohl auch noch das ein oder andere Geheimnis was ich noch nicht herausgefunden habe. Ein Vertrauensverhältnis gab es nie. Meine Mutter hat meine Briefe und Tagebücher gelesen, also habe ich die ihren gelesen. Ich weiß auch, dass mein Papa die Tagebücher meiner Mama auch gelesen hat nur war er im Gegensatz zu mir zu dumm sie wieder an den richtigen Platz zurück zulegen. Ich sehe meine Eltern eigentlich recht neutral. Sie tun mir als Menschen auch leid, weil sie sich wohl von mir mehr erhofft haben, aber da ist nicht mehr weder auf Leistungsebene noch auf emotionaler Ebene. Zur Zeit herrscht mal wieder Funkstille natürlich durch mich ausgelöst. Hab eben keine Lust auf Smalltalk und unterschwellige Erwartungshaltungen denen ich nicht gerecht werden kann.
  • Ich habe eine schlimme Rechtschreibschwäche. Ich denke es sind die Klassiker wie: ein h zu viel ein h zu wenig, i oder ie, k oder g, ch oder sch, ist das ein Verb oder Nomen, heißt es morgens oder morgends usw. oft weiß ich es nicht, ohne Rechtschreibprogramm und Google wäre dieser Text hier völlig unleserlich. Dabei lese ich viel und gerne und ich lese keine Groschenromane sondern gehobene Unterhaltungsliteratur und auch Klassiker wie Schiller, Goethe und Thomas Mann. Außerdem denke ich habe ich ein ganz gutes Gefühl für Sprache und schreiben macht mir Spaß (leider eingeschlafen da seit Jahren kaum gebraucht) anders hätte ich ja auch einen Deutsch-LK nicht überleben können. Kommata sind mir aber auch ein großes Rätsel, mein Lehrer meinte dazu ich setze sie nach dem Gießkannenprinzip. Ich Schäme mich jedenfalls dafür und kann mir kaum vorstellen wie ich damit durch ein Studium kommen soll. Ist das jetzt Legasthenie, denn laut vorlesen kann ich auch ohne Probleme auch schwierige Texte mit unbekannten Fremdwörtern.
  • Ich kann keine Fremdsprachen lernen. Die englische Sprache habe ich wirklich versucht zu lernen, ab der 11 Klasse, aber hätte meine Mama nicht doch wieder meine Hausaufgaben gemacht und ich das Fach nicht abgewählt hätte ich kein Abi machen können. Auf eigene Faust bin ich mittlerweile so weit, dass ich langsam gesprochenes alltags Englisch halbwegs verstehe und Texte ganz gut lesen kann, aber selbst einen vollständigen richtigen Satz schreiben oder gar sprechen? Geht einfach nicht. Das passt nicht in unsere globalisierte Gesellschaft.
  • Nur was mich wirklich aus tiefster innere Überzeugung interessiert/berührt schafft es in mein Langzeitgedächtnis. Beispiel lange Zeit konnte ich mir die 16 Bundesländer nicht merken, dafür kann ich aber über 400 Hunderassen von einander unterscheiden.
  • Kopfrechnen geht gar nicht. 7*8=? Tja, 5*8 weiß ich dann muss ich noch zweimal 8 dazu zählen. Dafür hatte ich mit höherer Mathematik keine Probleme Formeln, mehrere Ebenen kein Thema solange ein Taschenrechner neben mir lag habe ich Einsen geschrieben. Auch das ist mir peinlich.
  • Ich bin Depressiv, meine erste Phase mit Selbstmordgedanken und Schwierigkeiten morgens aufzustehen hatte ich zu beginn der Einschulung. Im Moment habe ich wieder eine ganz schlimme Phase, eigentlich bin ich Frühaufsteherin zur Zeit liege ich aber meist bis um 10 oder 11 Uhr im Bett und alles alltägliche wie Zähneputzen, Spülmaschine ausräumen rauben mir alle Kräfte und ich frage mich wozu ich das überhaupt mache. Ich hasse es wenn die Sonne scheint und mache meistens nicht mal die Jalousien hoch um keine Reize von außen nach innen zu lassen. Ich bin sehr darauf bedacht gepflegt zu sein und meine Umgebung ordentlich und hygienisch einwandfrei zu halten, aber das ist dann auch alles was ich zur Zeit halbwegs auf die Reihe bekomme. Manchmal ist es aber auch schon für eine Stunde schwierig genug zu atmen. Bin wohl auch zeitweise suizidgefährdet.
  • Ich neige zu selbstverletzendem Verhalten, dabei füge ich mir eher psychische als physische Schmerzen zu. Nicht als würde ich mir nicht auch körperlich ab und an zu nahe treten, aber das hat für mich nicht den befreienden Effekt wie er von Ritzen gerne beschrieben wird, da ich ziemlich schmerzunempfindlich bin. Ramme ich mir die Fingernägel ind en Arm bis es blutet hat das für mich eher experimentellen Charakter so nach dem Motto: „Oh, das tut jetzt aber gar nicht weh, sollte es das nicht aber? Schön ausschauen tut das allerdings nicht.“ Auch denke ich, dass man mich als kolerischen Menschen bezeichnen kann. Würde ich mich nicht dahingehend kontrollieren wäre ich sicher besonders der Wohnungseinrichtung gegenüber sehr gewalttätig.
  • Mir fehlt das Gespür oder vielmehr das Bewusstsein für reelle Gefahr. Ich habe als noch Minderjährige Dinge getan wie mit dem Zug von zu hause 200 km wegzufahren mich dort mit zwei fremden Männern zu treffen und mit denen dann zu einer Party zu fahren. Keiner wusste das ich das getan habe. Zu hause dachte meine Mutter ich sein bei einer Klassenkameradin. Wenn ich so etwas getan habe dachte ich immer „Die Gesellschaft in der ich lebe findet mein Verhalten gefährlich und verantwortungslos, ich aber finde es vertretbar“. Tja, hatte ich immer wahnsinniges Glück oder habe ich doch ein ganz besonderes Gespür ohne es zu wissen?
  • Ich leide unter starken Stimmungsschwankungen. Ich kann an einem Tag mehrmals zwischen absoluter Euphorie und tiefer Traurigkeit schwanken.
  • Ich denke oft, dass ich eine ganz andere Sprache spreche als die andern. Das ein und das selbe Wort aus meinen Mund und im Vergleich dazu, aus dem eines Normalos eine ganz andere Bedeutung bekommt. Meine Meinung ist wohl immer eine Spur zu kompromisslos, mein Ausdruck eine Spur zu Bildhaft und mein Humor eine Spur zu ironisch, schlimmer noch zu sarkastisch.
Fassen wir also zusammen, ganz normal bin ich nicht. Manchmal wünsche ich mir ich wäre es aber ich befürchte das ist utopisch. Mir wurde teilweise auch schon, von selbsternannten Hobbypsychiatern, Schizophrenie, das Borderline-Syndrom, Dissozialität und autistische Züge attestiert. Nun zähle ich auch mich selbst auch zu den Hobbypsychologen und muss sagen sicher bin ich mir nur dahingehend, dass ich unter Depressionen, Angstneurosen, und dem ein oder andere frühkindlichen Trauma leide. Natürlich habe ich mich auch mit den „schlimmeren“ oben erwähnten Krankheitsbildern auseinander gesetzt, aber da bin ich mir unsicher manches könnte aber schon passen.


Nunja, ich habe lange noch nicht alles beschrieben, aber so hoffe ich doch das Wichtigste. Die Fragen die sich mir jetzt aufdrängen sind:


Kann mir geholfen werden?
Wer kann mir helfen?
Kann ich mir selbst helfen?
Bin ich gefährlich?


Ich weiß euer Tipp wird sein geh zum Arzt, dann zum Psychologen, aber ihr müsst auch verstehen, dass ich diesen Text hier öffentlich, (aber ganz wichtig anonym) niederschreibe erfordert eine ganz große Überwindung meiner bisherigen unverletzlichkeits Strategie und ich werde sicher nicht morgen dazu bereit sein den nächsten Schritt zu gehen, aber ich bin jetzt an einem Punkt angelangt an dem mir klar ist, dass es so nicht weiter gehen kann.


Bin gespannt ob es wirklich jemand schafft das alles zu lesen...


Liebe Grüße
 
Danke, aber ich warte erstmal ab, vielleicht versucht es ja noch jemand länger als vier Minuten 🙂.

Außerdem würde mir auch ein Kommentar oder ein Hilfeversuch zu einer einzelnen Baustelle genügen.
 
Ich sehe es so:

Dein Leben ist nicht perfekt verlaufen. Aber wesen ist das schon?

Du bist sehr intelligent, sonst haettest du dich trotz deiner anfaenglichen Probleme in der Schule nicht doch so gut behaupten koennen.

Auf Grund deiner Inteligenz versehst du ganz gut was fuer Fehler du in deinem Leben getan hast und wie sie dich heute beeinflussen. Ausserdem machen dir kleine Dinge oft viel zu sehr zu schaffen

Viele Menschen haben Probleme mit ihrem Langzeitgedaechtnis. Glaub mir die meisten Menschen sind nicht das was sie zu scheinen sein.

Du bist nicht so schlecht wie du denkst. Dein Leben ist nicht so extrem schlimm verlaufen wie du dir das gerne einredest. Du hast einfach ein gutes Umfeld und vergleichst dich gerne mit diesem.

Das ist aber nicht die Norm.
Sei nicht so kritisch.

Das Leben kann nicht immer perfekt verlaufen. Manchmal muss man eben auch aus einem Scheisshaufen das beste machen.

Du bekommst nichts geschenkt, die Kunst des Lebens ist es trotzdem das beste daraus zu machen.

Ich finde du solltest mal zu einem Therapeuten gehen. Denn das eigentliche Problem ist nicht dein Leben, sondern deine Einstellung und wenn dort bekommst du vielleicht mal ein paar Anregungen wie du sie aendern kannst.

Liebe Gruesse
 
... hallo, also ich habe Deinen Text gelesen ... Für mich ist aber ziemlich vieles recht widersprüchlich ... und manche Sachen, die Du beschreibst, schließen sich für mein Daherhalten eigentlich aus ... Ich kann nicht zu dem gesamten Text etwas schreiben, mir wären einzelne "Baustellen" auch lieber ...
Beim Lesen habe ich ehrlich gesagt, gedacht: Psycho ...



Kann mir geholfen werden?
Wer kann mir helfen?
Kann ich mir selbst helfen?
Bin ich gefährlich?

Zu Deiner ersten Frage:
Professionelle Hilfe wäre wohl am meisten angebracht.

Zu Frage 2 und 3 kann ich nichts beitragen, weil ich meine, dass Du in professionelle Hilfe gehörst.

Ich denke, dass Dein Verhalten und Du für Dich und andere eine Gefahr birgt.

Eisherz
 
Ich habe es jetzt auch gelesen.
Raten kann ich dir leider nur das, was du nicht hören möchtest.

Ohne fachärztliche Hilfe wirst du da nicht raus kommen.

In deiner Kindheit ist sehr viel falsch gelaufen, was deine emotionale Entwicklung beeinträchtigt hat. Das kannst du in einem Forum nicht aufarbeiten.
Angstzustände, Depression, gehören vom Arzt behandelt.
Bei dir kommen viele Dinge zusammen. Es müsste vieles abgeklärt werden, z.B. ob deine Stimmungsschwankungen von einer Depression herrühren oder eine andere Erkrankung vorliegt, ob deine Fähigkeit schwere Dinge lernen zu können und leichte nicht, vielleicht mit Hochbegabung zu tun haben, usw.

Selbst helfen kannst dir nur mit fachlicher Unterstützung. Da kommt natürlich deine Angst ins Spiel, was ich verstehe. Aber dir wird dieser Weg nicht erspart bleiben. Bei deinen vielschichtigen Problemen kann man dir virtuell nicht helfen, man kann dir nur Mut zusprechen, dass du den Weg zu einem Arzt wagst.

Ich wünsche dir sehr, dass du diesbezüglich an dir arbeitest und es schaffst, deine Ängste zu überwinden. Denn so ist das kein Leben.

Gemini
 
Hallo Zuständin,

ich bin es nochmals und möchte dir gerne etwas zu deinem doch sehr, sehr langen Eingangspost sagen.
Das soll keine Kritk sein, sondern ein Ratschlag damit du auch hier Unterstützung erhälst.

Ich finde es toll, dass du es geschafft hast dich so zu öffnen und kann mir nur annähernd vorstellen welch ein Kraftakt dies für dich war.

Für uns Leser, die wir überwiegend Laien sind, ist das aber enorm viel Input. Das sind komplexe Zusammenhänge und viele Infos zu diversen Problemen. Ich bin ja schon eine Weile hier und weiß, das solch lange Posts eher abschreckend wirken.

Bei der 1. Sitzung beim Therapeuten erzählt man auch nicht gleich sein ganzes Leben. Das setzt sich Stück für Stück zusammen.

Mein Vorschlag wäre du nimmst ein Thema heraus und eröffnest damit einen Thread und sprichst dann im Laufe des Gespräches weitere Probleme an. So kann der Leser sich mit und mit ein Bild machen und muss sich nicht auf 1000 Baustellen konzentrieren.
Ich würde an deiner Stelle mit diesem Prob anfangen, weil ich denke, du musst unbedingt deine Angst vor Ärzten in den Griff bekommen, um professionelle Hilfe zu erhalten.

[*]Ich war das letzte mal mit 15 bei einem Arzt, von klein auf hasse ich Arztbesuche. Ich will mich von niemand Fremden anfassen lassen. Als kleines Kind sagte ich zu meinem Kinderarzt als er mich impfen wollte „eh man lass das“, zur allgemein Untersuchung mussten mich meist zwei Helfer festhalten. Meine Kieferorthopädin habe ich mit glaube ich 11 Jahren wirklich heftig gebissen, im beisein meiner Mutter. Mit etwa 8 konnte man mich das erste mal beim Zahnarzt dazu überreden den Mund zu öffnen, es sollte eines der letzten Male gewesen sein. Frauenärzte verschreiben einem schon mal die Pille ohne Untersuchung wenn man behauptet noch Jungfrau zu sein, aber irgendwann glauben die das nicht mehr besonders wenn die Stadt in der man lebt nicht allzu groß ist. Klar ich könnte einfach nie mehr zum Arzt gehen, es stirbt sich auch von alleine, aber gerade meine Zähne machen mir schon sorgen, trotz gründlichstem putzen hat glaube ich mittlerweile jeder Backenzahn ein Loch (ich hatte schon immer kariesanfällige Zähne) Vor Schmerzen habe ich keine Angst, die wenigen Male bei denen gebohrt wurde hatte ich nicht mal eine Betäubungsspritze, Spritzen machen mir auch nix aus, es ist wirklich nur der behandelnde Mensch. Friseurbesuche sind fast noch schlimmer die wollen nämlich auch noch mit einem reden. Ich habe fremden Menschen aber nichts zu sagen.
Ich hoffe sehr, du verstehst meinen Kommentar richtig. Es ist nicht negativ gemeint und soll dir nur helfen, auch hier Hilfe zu erhalten, soweit dies möglich ist. Ich bin der Meinung, die kannst du sehr gut gebrauchen, damit du bald den Weg zu fachlicher Hilfe einschlagen kannst.

Grüsse
Gemini
 
Hallo,

Ich habs durchgelesen...und war zeitweise überrascht, wie reflektiert Du dich selbst betrachtest. Du bist offenbar eine gute Beobachterin, intelligent und eine gute Schreiberin (mal das Thema Rechtschreibung außen vor gelassen, da du ja selbst meintest, ohne Rechtschreibprogramm ginge nix). Das meiste davon weißt Du aber vermutlich schon.

Ich fände es schade, wenn Du all deine Eigenarten, zu denen ja offenbar auch dein geschärfter Beobachtungssinn und kritische Denkfähigkeit gehören, als "krank" abhandeln würdest. Tatsache ist aber auch, dass es ohne eine gewissen "Überlebensfähigkeit" im Alltag nicht gehen wird. Aus meiner Sicht wird die Angst-Erkrankung (von einer solchen gehe in anhand deiner Schilderung jetzt mal tatsächlich aus) nur mit psychologischer Hilfe in den Griff zu bekommen sein. Okay, wenn Du da nicht morgen hingehen kannst. Aber vielleicht in ein paar Wochen?

Was mir noch aufgefallen ist: dein Verhältnis zu deinen Eltern. Vielleicht ist da doch mehr Gefühl drin, als du sehen magst? Manche Eltern können aus welchem Grund auch immer, ihren Kindern Liebe schlecht zeigen. Trotzdem ist diese Liebe da...vielleicht geht "Reden" ja jetzt wo du erwachsen bist, doch nochmal? Nur so als Idee.

Wünsche Dir, dass du einen Weg für dich findest.
 
Ich denke, Du musst Dir nicht so arg Gedanken machen. Einige der Dinge, die Du beschreibst, kenne ich auch. Ich halte Dich nicht für gefährlich in diesem Sinne. Deine Grausamkeiten gegenüber Männern sind unschön, aber letzlich nicht so ungewöhnlich. Viele Leute machen Dinge, die S**** sind, aber die meisten reflektieren sie nicht. Das ist eigentlich das, was dich von der Mehrheit unterscheidet.


Was Deine Rechtschreibung angeht- ist mir jetzt nicht so aufgefallen, oder hast du den text erst durch eine Korrektur geschoben? (Ich weiß, dass ich selbst nicht so auf Rechtschreibung und vor allem Groß- und Kleinschreibung achte, aber ich denke ich würde eine krasse Rechtschreibschwäche schon sehen....)

Wie auch immer ist weder Diskalkulie noch Rechtschreibschwäche ein Probem auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt ja Taschenrechner und Korrketurprogramme für die Rechtschreibung, und wo schreibt man schonmal mit der Hand? Abgesehen davon denke ich nicht, dass Du unter diesen beiden leidest, sondern lediglich in der Grundschule versäumt hast, dir diese Grundlagen anzueignen. Im Prinzip könnte Dir vielleicht einfach helfen, den Stoff der 1.-4. Klasse noch einmal durchzugehen.

Dass Du ohne diese Grundlagen einen derartig guten Abschluss zusammengekriegt hat, zeugt von extremer Intelligenz. Und ehrlich gesagt würde ich viele Deiner Probleme auf diese zurückführen. Hohe Intelligenz kann sehr viele Probleme mit sich bringen, intelligente Menschen sind anfälliger für soziale Probleme.

Wegen der Länge habe ich den Text nur überflogen, Mordgedanken habe ich darin nicht gefunden, dagegen aber tatsächlich eine beschränkte Fähigkeit des Mitgefühls (welche mir nun doch eher fremd ist), so de Beschreibungen zu 9/11. Mein erster Gedanke war ebenfalls Autismus (welchen Du ja schon erwähntest). Andererseits vielleicht auch einfach Misanthropie. Als Soziophobiker verbindet dich ja anscheinend mit den meisten Menschen (Eltern inklusive) eher wenig. In einer Hinsicht kann ich Dich aber auch verstehen. Es ist durchaus interessant, das Verhalten von Menschen zu analysieren. So hat es mir zum Beispiel auch Freude bereitet, den Vater meiner Stiefmutter, welcher sich totgetrunken hat, von außen zu beobachten, zu verstehen, was er da tut, warum, wo es hinführt und so weiter. Das ist schon etwas kühl. Ich habe in Deiner Beschreibung etwas ähnliches gesehen. Merkwürdig, kühl, ja - gefährlich? Eigentlich nicht.
Angst vor Behördengängen ist nicht so ungewöhnlich. Hab ich auch(und andere die ich kenne). Es kommt aber immer auf das Maß an. Wenn Du ein nicht unbedingt normales, aber Dir gefallendes Leben auf die Beine stellen willst, musst Du Dich in jedem Fall mit diesen Ängsten konfrontieren, wird nicht anders gehen. Vielleicht kannst Du in einer Selbsthilfegruppe für Soziophobiker Hilfe finden.
Hier ein Selbsthilfegruppenlink:
http://www.sozphobie.de/
Auch eine SHG für Hochbegabte könnte Dir helfen, die sind aber eher rar gestreut.
Auch das mit dem Sex kenne ich (nicht ganz so extrem). In meiner jetzigen Beziehung darf ich mich NIE unter Druck gesetzt fühlen, dann geht es eigentlich. Das bedeutet schon Geduld des Mannes, aber es geht. Habt ihr gar keinen Sex?
Therapie halte ich für ratsam, aber ich fürchte, dass es für Dich schwer sein wird, einen geeigneten Therapeuten zu finden. Da Du eben sehr intelligent bist und Deinen Mitmenschen sehr kritisch gegenüber stehst, wird es schwierig werden, jemanden zu finden, der Dir gewachsen ist und den Du ernst nehmen kannst. Da könnte eine lange Suche auf Dich warten. Ich kenne mich da nicht so gut aus, habe ma Therapie gemacht, aber das ist schon wieder eine Weile her... Du kannst Leute fragen, evtl vorher in der Praxis fragen, ob unverbindliche "Probestunden" möglich sind, etc etc...
Das mit dem Studium, weil das einzige was geht, find ich nicht sooo gut. Du solltest vielleicht versuchen, dich nicht zu fragen, was du "kannst" sondern was du "willst" (in deiner Parallelwelt zum Beispel), was sich davon verwirklichen ließe und welche Dinge du überwinden musst um eine Verwirklichung zu ermöglichen. Eigentlich hast Du mit dem Ziel "Tierarzt" ja schon ein Leben lang einen klaren Wunsch vor Augen (oder schätze ich das falsch ein)? Inzwischen solltest Du ja genügend Wartesemester haben. Ich weiß, dass Du Dir das nicht vorstellen kannst, aber vor dem Studium kannst Du ja ein Praktikum bei nem Tierarzt machen. Das könnte als studienvorbereitend gezählt werden und du bliebest in der Krankenkasse (falls die nächste Bewerbungsfrist verstrichen ist). Das in Angriff zu nehmen ist sehr schwierig, aber guck mal: je länger Du Deine Lebensplanung vor Dir herschiebst, desto schwieriger wird sie. Um Dich auf ein Praktikum zu bewerben, musst Du zunächst nur einen Brief (oder evtl im digitalen Zeitalter eine email) schreiben, um eine Anfrage zu stellen. Dir wird nix passieren, Du musst mit niemandem reden. Wenn Du viele dieser Briefe schreibst, wird sich einer von denen vielleicht selbst zurückmelden, ohne dass Du noch einmal anrufen musst. Irgendwann wird der Punkt kommen, da Du sowieso mit irgendeiner Art von Beruf anfangen musst.
Na ja. So viel erstmal🙂.
 
Hey,
der Thread ist schon etwas älter, aber vielleicht liest du noch meine Antwort 🙂
Habe mich in deiner Geschichte teilweise selber wiedergefunden, daher verstehe ich, was du durchmachst.

Der Unterschied bei mir war nur, dass ich verdammt stur bin, also selbst wenn ich vor etwas Angst habe, wie Arztbesuch oder Vorstellungsgesprächen ziehe ich es durch. Dabei half mir auch, dass sich meine ganze Persönlichkeit nach dem Auszug bei meinen Eltern geändert hat und viele Probleme, die ich ähnlich wie du als Kind oder Jugendliche hatte, gar nicht mehr existent sind.

Denke auch, dass du sehr intelligent bist. Und ich glaube, dein Widerwillen gegenüber persönliche Interaktion mit manchen Leuten/Autoritätspersonen rührt von dem Mobbing in deiner Kindheit her. Daher assozierst du die Vergangenheit vielleicht auch mit den Kleinkindern, weil Kinder in diesem Alter dich geärgert haben.

Manche Kinder, besonders sehr intelligente, brauchen länger für ihre emotionale Entwicklung. Daher war die Schule bei dir, wie auch bei mir, wahrscheinlich wirklich zu früh. Meine emotionale Entwicklung hängt daher so ca. 6 Jahre hinter meiner tatsächlichen hinterher- vielleicht ist es bei dir auch so.

Ich würd mir keine großen Gedanken machen, auch nicht wegen dem Studium.
Es gibt sich alles, du musst dem ganzen nur mehr Zeit geben, dass du dich selber findest. Mir haben dabei Umfeldveränderungen geholfen. Andere Stadt, andere Menschen. Teilweise sogar ein anderes Land. Notfalls schreib dich einfach in irgendeinen Massenstudiengang ein- irgendwas, was du auf Tiermedizin anrechnen kannst. Wie Agrarwissenschaften (da ist auch Tierzucht, biologie, etc drin) oder Biologie selber.
Sobald du genügend Selbstvertrauen gesammlt hast, kannst du immer noch wechseln.

Wenn du neu irgendwo hin kommst hast du eine Chance, dich selber neu zu erfinden -weil dich keiner kennt oder weiß, was vorher war.
Und dadurch hast du weniger Stress, und kannst dich leichter entfalten.
Habe das immer einen Urlaub von mir selbst genannt 😀
 
@Zuständin

Ich würde mir für Dich die Zeit nehmen Dir eine ausführliche Antwort zu schreiben mit einigen meiner Meinung nach guten Tipps...dummerweise weiß ich nicht ob Du das hier lesen überhaupt noch lesen wirst. Laut dem Forumssystem hast Du dich das letzte Mal am Tag Deines Postings eingeloggt, soll heißen wenn ich jetzt eine "fette Replik" schreibe, dann wärs ja vielleicht für die Katz!

Dummerweise kann man Dir auch keine Privatnachricht schreiben...sonst hätte ich Dich das mit privater Nachricht gefragt.

Entweder hast Du die privaten Nachrichten also deaktiviert oder sie sind vom Forum aus standardmäßig für neue User deaktiviert...auf alle Fälle kann man die privaten Nachrichten irgendwo im Kontrollzentrum einschalten...

Liebe Grüße

Medizinmann
 

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