Dein Sohn ist 23 und damit erwachsen. So hart das ist: Du kannst sein Leben nicht mehr steuern, nicht reparieren und nicht durch Geld oder Hilfe „in Ordnung bringen“. Was Du beschreibst, klingt nicht nach Undank, sondern nach Abgrenzung. Die ist oft unschön, manchmal brutal, aber sie ist ein normaler Schritt, wenn jemand das Gefühl hat, er müsse sich selbst sortieren.
Wichtig und klar: Ständiges Helfen, Finanzspritzen und „Auffangen“ haben ihm offenbar nicht geholfen, sondern eher den Druck erhöht. Hilfe, die nicht angenommen wird, ist keine Hilfe mehr. Dein anderer Sohn hat damit nicht Unrecht.
Ihn wirklich in Ruhe zu lassen heisst nicht, ihn fallen zu lassen. Es heisst: seine Entscheidung zu respektieren. Du kannst einmal ruhig und sachlich sagen: „Wir akzeptieren Deinen Wunsch nach Abstand. Wenn Du reden willst oder Hilfe brauchst, sind wir da.“ Und dann musst Du das auch einhalten. Keine Vorwürfe, keine Kontrolle, keine Geldangebote, kein Nachbohren.
Deine Angst, dass „etwas Schlimmes passiert“, ist verständlich. Aber sie ist kein guter Ratgeber. Du kannst sein Leben nicht absichern. Wenn er sich meldet, ist das gut. Wenn nicht, musst Du das aushalten, auch wenn es weh tut. Alles andere treibt ihn eher weiter weg.
Kümmere Dich jetzt um Dich. Sprich mit jemandem ausserhalb der Familie, wenn Dich die Sorge auffrisst. Das ist kein Versagen, sondern Selbstschutz. Auch das Forum ist genau für solche Momente da.
Kurz gesagt: Ja, lass ihn in Ruhe. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Respekt. Das ist oft die einzige Chance, dass der Kontakt später wieder möglich wird.
Alles Gute für Dich und natürlich auch für Deine Angehörigen.