Hallo ihr beiden,
tja euer Problem hört sich schon schlimm an. Eigentlich ist es relativ normal, wenn Jugendliche mal in eine Null-Bock-Phase verfallen und nur noch vorm PC rumgammeln und sich nichts mehr sagen lassen wollen. Aber euer Junge scheint schwerwiegende Probleme zu haben. Er hat sich ja von seinem komletten Umfeld gelöst. Und zwar emotional. Wenn ich ehrlich sein soll, tut er mir unheimlich leid. Es hört sich so an, als ob er sich selbst als Menschen komplett aufgegeben hat. Und sein Verhalten euch gegenüber ist vielleicht nicht gegen euch gerichtet, sondern gegen sich selbst, wie auch sein restliches Verhalten (mangelnde Hygiene, keine sozialen Kontakte, kein Bemühen um seinen beruflichen Fortgang). Es könnten eventuell sogar schwere Depressionen dahinter stecken. Das ist aber nur Spekulation. Jedenfalls deuten diese Sachen für mich darauf hin, dass er sich selbst nichts mehr wert ist. Das ist schrecklich. Und in einer solchen Situation ist es schwer als Angehöriger oder Aussenstehender dem Menschen zu helfen. Grade weil er sich aufgegeben hat, kann er Maßregelungen und Ratschläge nicht mehr brauchen. Ich würde seine Abwehr allerdings nicht als Angriff werten, sondern als Teil seiner Krankheit, seiner Selbstaufgabe. Ich glaube, dass es nicht richtig ist, ihn jetzt krass zu maßregeln.(PC sperren usw.) Klar Shalimar hat recht, dass man nicht alles durchgehen lassen soll usw., aber ich glaube, dass das Problem noch tiefer sitzt. Und da wäre es jetzt, jedenfalls meiner Ansicht nach falsch, ihn hängen zu lassen oder gar rauszuwerfen oder sonst in irgendeiner Weise etwas zu tun, was er aus sicht des Jugendlichen gegen sich werten könnte. Das würde ihn vielleicht noch tiefer reinstürtzen. Ich glaube nicht, dass das noch was mit einfachem Protestverhalten zu tun hat. Dann würde er sich nicht so gehen lassen, sondern nur zu Hause aufmüpfig sein. Er hat keine Freunde, verlässt das Haus nicht usw...ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. Die Probleme hierfür können überall liegen. Zb könnte es sein, dass er in der Schule stark gemobbt und gehänselt wurde und sich aus Scham keinem anvertraut hat. Das kann einen emfindlichen Menschen schon sehr schaden. Und das Verhalten seines Vaters war ja wohl auch nicht so toll. Die Fotos über das Bett zu hängen, kommt ja auch schon einer Verpsottung, einem Hänseln gleich. Vielleicht hat er das nicht verarbeitet. Vielleicht habt ihr ja auch irgendwelche Fehler in der Erziehung gemacht, wobei ich euch keinesfalls angreifen möchte, jeder Mensch macht Fehler, manchmal ist es einem auch nicht so bewusst, aber manchmal macht man vielleicht etwas, was man unbewusst in dem Moment für richtig hält. Ihr seid bestimmt gute Eltern, das merk ich ja daran, welche Sorgen ihr euch macht, aber man sollte nie ganz ausschließen, dass man selber auch ausversehen etwas dazu beigetragen haben könnte. Jedenfalls glaube ich, dass es ganz wichtig ist, dass er in die richtung geht, sein Selbstwertgefühl wieder zu gewinnen. Das ist nämlich so gut wie garnicht mehr vorhanden. Und da könnt ihr schon sehr viel tun, wenn ihr ihm zeigt, was er euch bedeutet. Nicht immer meckern, versuchen zu diskutieren, ihn auf den rechten Pfad zu führen. Das geht dann irgendwann an einem Ohr rein und am andern wieder raus (Ich bin ja eh ein schlechter Mensch, ich bin faul, ich kann nichts, was soll ich mich noch anstrengen, sollen die doch reden, bei mir nützt eh nichts mehr). Versteht ihr, was ich meine. Ihr müsst ihm ganz viel Liebe entgegenbringen, ihm immer wieder klarmachen, dass ihr ihn auch mögt, wenn er so ist, wie er ist, dass ihr ihn als Menschen mögt, und dass er ein sehr wertvoller Mensch ist, der unheimlich viel kann. Dass er sich nicht selbst aufgeben darf, weil ganz viel in ihm steckt und dass ihr an ihn glaubt. So kann er sich vielleicht wieder etwas aufpäppeln und dann kann man anfangen, daran zu arbeiten, dass er eine Therapie macht. Das ist alles unheimlich schwer, weil ihr natürlich das Gefühl habt, dass er gegen euch arbeitet, aber meiner Ansicht nach arbeitet er gegen sich selbst. Nehmt es also nicht als Angriff, sondern versucht ihn einfach zu lieben. Das ist jedenfalls meine Sicht nachdem, was ich so gelesen habe. Was da alles hintersteckt, müsst ihr noch rausfinden. Ich wünsche euch allen ganz viel Glück.
Gruß Esk