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mein Mann und seine Erziehungsmethoden

Hallo,
ich melde mich zum Freitagabend zurück.
Mein Dank noch mal an Nordrheiner und Kurti. Eure Meinungen haben mir sehr geholfen.
Ich habe das gestern und heute gleich mal umgesetzt bzw. ausprobiert.

Hier meine Ergebnisse.

Die jüngere Tochter hatte ich gestern gebeten, abzuwaschen. Leider hatte sie "keine Zeit", da so viel für die Schule zu tun wäre. Worauf sie ins Zimmer verschwand um Musik zu hören. Mein Mann bat sie dann noch mal mehrmals - mit dem gleichen Ergebnis. Worauf er sich dann anbot, es selbst zu tun. Ich sagte ihm, dass ich die Tochter gebeten hätte und nicht ihn und dass ich es nun selbst tun würde.
Die ältere hatte am Vortag zwei (!) Teller abgewaschen und somit ihr Soll erfüllt🙄. Außerdem hatte ich mir jetzt auch einen Plan zurechtgelegt😀. Ich ließ gemäß Punkt 5 von Nordrheiner verlauten, dass ab jetzt das Prinzip "eine Hand wäscht die andere - wenn die eine nicht wäscht, tut's die andere auch nicht" gelten wird.

Heute morgen teilte ich beiden Damen mit, dass ab sofort nicht mehr über die Müllbeutel "gestiegen" wird, sondern dass jeder der aus dem Haus geht, Müll mitnimmt, so denn welcher an der Tür zum Mitnehmen steht. Meine jüngere Tochter ignorierte dies während die Ältere tatsächlich murrend etwas davon mitnahm.
Heute mittag hatte die Ältere im Nachbarort einen enggesteckten Termin und suchte bereits einen Bus heraus (merkte, dass die Stimmung ungünstig war, mich um etwas zu bitten😀). Ich schlug ihr vor, sie hinzufahren, wenn sie dafür die Wäsche aufhängt - "eine Hand wäscht die andere". Hat wunderbar geklappt.

Unsere Jüngere kam später aus der Schule und musste ebenfalls in den Nachbarort zum freitaglichen Sport, zudem ich sie auch meistens gefahren habe (frage mich jetzt, warum eigentlich?). Da ich unterwegs war, kam prompt der Anruf, wo ich denn bliebe. Darauf teilte ich ihr mit, dass ich heute für Fahrdienste nicht verfügbar bin. Sie hat sofort verstanden😉 und den Bus genommen. Nach dem Sport hat mein Mann sie dann natürlich abgeholt - lag ja auch gerade so auf seinem Weg🙄.
Interessanterweise sind beide Mädels überhaupt nicht sauer auf mich. Meine Große hat mich vorhin sogar umarmt. Ich habe die Sache konsequent durchgezogen. Mein Fehler war immer, dass ich zu schnell vergessen habe und die Mädels wie Erwachsene behandelt habe. So nach dem Motto -"ihr habt soviel für die Schule zu tun, dann mache ich es eben schnell selbst. Ihr müsst dort oder dort hin? Kein Problem, ich fahr' Euch schnell, kann ich gleich in der Zeit einkaufen." Und dann habe ich wohl erwartet, dass sie von selbst mal was tun. Wie blöd!!!

Auf jeden Fall habe ich wohl soviel Selbstbewusstsein und Willen zur Konsequenz gezeigt, dass es funktioniert hat.

Durch Selbstreflexion habe ich meine Fehler bemerkt. Ich war nach so vielen Jahren einfach zu bequem "zum Erziehen" geworden. Dachte auch, ist jetzt eh zu spät - und bin zu kraftlos.

Das war aber jetzt gar nicht so schwer und ich bin echt stolz auf mich.

Ich bin Euch echt dankbar - allen, die hier geschrieben haben und sich mit meinem Problem befasst haben. Danke für den Input.

Wünsche allen ein schönes, erholsames Wochenende (ohne größere Erziehungsprobleme🙂).
Eure
4711

P.S. Gestern ist die Verbindung zusammengebrochen, deshalb schicke ich den Beitrag erst heute ab.
 
Eine kleine Anekdote:

Als meine Mädchen klein waren, unter 10 Jahre alt, saßen wir mal wieder bei Tisch und ich bat eines der Mädchen darum, noch 2 Flaschen Wasser aus dem Keller zu holen. Sie zog ein langes Gesicht und bewegte sich wie eine Schnecke, ihren Unwillen deutlich zeigend. Anstatt zu schimpfen sprang ich auf und lief in den Keller. Ich ging nicht - ich lief. Als ich wieder oben bei Tisch saß, meinte sie "ich wollte gerade gehen". Da meinte ich ganz ruhig - ohne ärgerliche Stimme: "Ich freue mich, wenn Du etwas schneller und besser machen kannst, als ich. Langsam kann ich selber." Danach habe ich mehr und mehr jeden Wettkampf im Schneller- und Bessersein verloren.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Art des Zusammenlebens dazu beitrug, dass die Idee von "schneller und besser" dazu beitrug, daß meine Mädchen auch in Vorstellungsgesprächen und in ihrer Ausbildung gut abschnitten.

Es gibt gute Werte, die sich um so besser einprägen, wenn sie so früh wie möglich geübt werden.
Das Reden darüber macht alleine noch nicht den Meister.

LG, Nordrheiner
 
Das freut mich für dich, 4711, dass es so gut funktioniert. 🙂 Vor allem "freundlich konsequent" bleiben, ist ein wirkungsvoller Schlüssel, wie ich feststellen musste. 😉

Ich war oft zu nachlässig und habe mich leider zu oft bequatschen lassen, vor allem, wenn ich viel Stress von anderer Seite hatte und dadurch zu erschöpft war. War ich dann wieder konsequent, war mein Sohn für die Regeln fast dankbar. 😀

Und vergiss nicht, auch etwas für dich zu tun, nur für dich. 🙂

LG
 
Eine kleine Anekdote:

Als meine Mädchen klein waren, unter 10 Jahre alt, saßen wir mal wieder bei Tisch und ich bat eines der Mädchen darum, noch 2 Flaschen Wasser aus dem Keller zu holen. Sie zog ein langes Gesicht und bewegte sich wie eine Schnecke, ihren Unwillen deutlich zeigend. Anstatt zu schimpfen sprang ich auf und lief in den Keller. Ich ging nicht - ich lief. Als ich wieder oben bei Tisch saß, meinte sie "ich wollte gerade gehen". Da meinte ich ganz ruhig - ohne ärgerliche Stimme: "Ich freue mich, wenn Du etwas schneller und besser machen kannst, als ich. Langsam kann ich selber." Danach habe ich mehr und mehr jeden Wettkampf im Schneller- und Bessersein verloren.

Sehr schöne Geschichte, Vielen Dank
Ja es funktioniert wirklich 🙂
 
Es ist so ungewöhnlich nicht, dass Kinder ihre Eltern gegeneinander ausspielen. Ich erlebte das immer wieder bei meinen eigenen vier Kids, wie auch bei den jungen Menschen in der Schule.
Meine Ex hielt mir wiederholt vor, es gebe ein Wort, nämlich ein "Nein". Ich neigte tendenziell zur Nachsicht, sie zu Konsequenz. Das merken die Kids und sie beziehen ein solch unterschiedliches Vorgehen in ihre Taktik ein.
Ich machte übrigens über Jahre nicht nur als Vater, sondern auch als Pädagoge die Beobachtung, dass Mädchen eher dazu neigen, die Eltern gegeneinander auszuspielen als Jungen.
Das mag eine zufällige und statistisch nicht relevante Beobachtung sein, aber für mich war die Tendenz auffällig. Ebenso traten Väter überwiegend nachsichtiger gegenüber den Töchtern auf als die Mütter. In meiner Stammfamilie schon machte ich schon diese Erfahrung. Meine Schwester punktete regelmäßig bei unserem Vater, wir beiden Jungs eher bei der Mutter.
Ich halte deshalb viel von der These, dass sich Menschen bereits in der Familie eine gewisse Geschlechter-Rivalität in den Familien testen. Problematisch werden solche Muster, wenn die Beziehung zwischen den Eltern in Schieflage gerät und die Kids dann daraus eine eigene Strategie entwickeln.

Burbacher
 
Im Grunde schließe ich mich Nordreiner an. Möchte nur hinzufügen: Wie Nordi schon sagt: Wenn Dein Mann das alles für deine Töchter tun will und sie ihn auch immer wieder ausnützen, so ist das für Dich zwar auf der einen Seite nervig, aber: Was kümmerts Dich? Dein Mann ist erwachsen, also soll er. UND das ganze Theater ist für die Mädels nur so lange interessant, wie sie Dich damit aus der reserve locken können. Hier hat sich eine Eigendynamik entwickelt: Sie spielen euch gegeneinander auf, was ja viele Teenies tun. Das macht aber nur Spaß, solange Du mitmachst. Auch Deinem Mann wird es nur so lange "Spaß machen", den nachgiebigen Part zu spielen, solange Du Paroli bietest.
Im Grunde tust Du euch allen damit einen Gefallen, in dem Du dieses Spiel auflaufen lässt. Ich wette mit Dir: In dem Moment, wo Du sagst: "ICH mache das nicht und ob Vati das macht ist seine Sache- mir wurscht!". Wird es allen dreien zu langeweilig und es wird sich im Sand verlaufen!
Gerade Mädels in der Pubertät suchen die Opposition zur Mutter und die kriegen sie ja am besten, wenn sie den Vater springen lassen.
Solange Du mitmachst, ist das ganze interessant für alle drei. Spiel nicht mit und dann wird das ganze aufhören.
 
Hallo Ihr alle,

Ihr seid toll, das muss ich jetzt echt noch mal loswerden. Aus allen bisherigen Beiträgen konnte ich bisher viel für mich gewinnen.

Ich zitiere hier noch mal Kurti:
"Vor allem "freundlich konsequent" bleiben, ist ein wirkungsvoller Schlüssel, wie ich feststellen musste. 😉
Ich war oft zu nachlässig und habe mich leider zu oft bequatschen lassen, vor allem, wenn ich viel Stress von anderer Seite hatte und dadurch zu erschöpft war. War ich dann wieder konsequent, war mein Sohn für die Regeln fast dankbar. 😀"

Das bringt die Sache auf den Punkt. Ich finde mich Wort für Wort darin wieder. Meine Mädels sind auch für Regeln dankbar - und waren es eigentlich auch schon immer - wie konnte ich das nur vergessen😕!!!

Meinen Mann habe ich am Wochenende auch "erzogen". Er erzählte mir, dass er sich Sorgen um eine unserer Töchter macht, da sie so einen sonderbaren Freund/Kumpel habe und wir wohl mal ein Auge darauf haben sollten - sprich: ICH!
Ich kenne den Jungen und finde ihn ganz okay, bissel eigenartig vielleicht aber in meinen Augen überhaupt nichts, wo man sich Sorgen machen sollte.
Also - ich spürte förmlich, wie gerade die Verantwortung von meinem Mann auf mich übergehen sollte. Worauf ich ihm sagte, dass ich kein Problem sehe, er aber sehr gern mit der Tochter sprechen und seiner Sorge Ausdruck verleihen kann.
Meine Reaktion wäre früher wie folgt gewesen: "Echt? Hast Du diesen Eindruck? Na, ich spreche mal mir ihr." Und schon hätte ich mir den Schuh angezogen. Wie blöd, oder?

Und ich tu jetzt was für mich: Sprachkurs an der VHS - d. h. "Mama" ist ab jetzt zwei mal die Woche abends nicht zu Hause. Das wollte ich schon immer und jetzt "ist es soweit".

Dank Euer aller Beiträge bin ich jetzt echt auf einem guten Weg. Lasse entsprechend der Empfehlung von Violetta Valerie das Spiel jetzt auflaufen.

Ich berichte Euch immer mal wieder von Neuigkeiten aus dem Hause 4711🙂. Fühle mich gerade richtig gut.

Euch allen nur das Beste von Herzen!
LG
4711
 

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