Hey Leute,
um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll, weil mein Leben rundherum kaputt ist. Gerade während ich diese Zeilen schreibe, ruft eine fremde Nummer an. Ich kann nicht abheben, speichere sie, suche auf WhatsApp und im Internet – nichts. Vor Kurzem habe ich selbst einen Antrag auf gerichtliche Erwachsenenvertretung gestellt, gestern hatte ich eine Untersuchung bei der PVA, gleichzeitig stecke ich im Konkurs. Der Anruf könnte von jedem kommen: etwas Bedrohliches oder vielleicht sogar jemand, der helfen will. Aber ich schaffe es nicht einmal abzuheben.
Ich kann einfach nicht mehr weitermachen. Ich habe einen Tag im Kopf, an dem ich herausfinden werde, ob ich den Mut habe, mir das Leben zu nehmen. Ein Teil von mir will das nicht und hat Angst vor diesem Tag. Auch dieser Beitrag ist ein letzter stiller Versuch, Hilfe zu finden – oder noch besser: wieder etwas zu finden, das mir Kraft gibt und wofür ich leben möchte.
Ich war in Gesprächstherapie und in der Psychiatrie. Immer wieder heißt es, ich müsse es selbst wollen, selbst aktiv werden und mich um alles kümmern. Aber genau das kann ich nicht mehr. Während meines stationären Aufenthalts bat ich um Hilfe bei einer gerichtlichen Erwachsenenvertretung. Man redete mir diese Möglichkeit aus und meinte, ich solle jemanden aus meinem privaten Umfeld nehmen. Ich wusste eigentlich, dass die Menschen dort mein komplexes Leben nicht richten können oder sich das nicht zutrauen. Trotzdem ließ ich mich nach zwanzig Minuten Einreden darauf ein. Wie so oft führte es ins Leere.
Nach zwei Wochen wurde ich aus der Psychiatrie entlassen, weil es mir angeblich gut genug ging. Ich sei selten im Zimmer, wirke nicht traurig genug, sitze am Raucherplatz, rede und lache mit anderen Patienten. Tut mir leid, dass ich den Crashkurs für das richtige Verhalten suizidaler Menschen nicht gemacht habe. Was andere sehen, ist eine Maske, die ich in Gegenwart anderer nicht ablegen kann. Ich habe nie gelernt, einfach ich zu sein. Obwohl ich jeden Tag sagte, dass ich vorhabe, mir nach der Entlassung das Leben zu nehmen, war ich offenbar nicht kaputt genug.
Es gab eine Zeit, in der mein Herz für Softwareentwicklung schlug. Ich glaube, ich könnte Großes bewirken, wenn ich mich wie ein normaler Mensch acht Stunden hinsetzen und konzentrieren könnte. Stattdessen brauche ich manchmal fünf Stunden, um aufzustehen und eine Tiefkühlpizza zu machen. Computerspiele fühlen sich inzwischen mehr nach Arbeit als nach Hobby an. Früher fuhr ich ganze Nächte mit dem Auto herum. Heute könnte man mir mein Traumauto vor die Tür stellen und ich würde trotzdem mit meinem alten fahren. Es gibt einfach nichts mehr, das ich wirklich will.
Ich hasse mich so sehr, dass ich kaum in den Spiegel schauen kann. Ich bin übergewichtig, habe kaputte Zähne, schlechten Bartwuchs, größer werdende Geheimratsecken und vernachlässige meine Hygiene. Aber ich weiß, dass darunter tiefere Gründe liegen. Ich weiß nur nicht, welcher davon der entscheidende ist: sexueller Missbrauch durch einen Mitschüler mit zehn oder elf Jahren, körperliche Gewalt durch Schüler, die in siebzig oder achtzig blauen Flecken endete, Vertrauensmissbrauch, das Schlachtfeld zu Hause oder die Vergewaltigung im Erwachsenenalter. Ich könnte noch mehr aufzählen, aber keinen einzigen Grund, warum ich den Mann im Spiegel würdigen sollte.
Ich dachte immer, harte Arbeit zahlt sich aus. Teilweise arbeitete ich im Ausland mehr als 350 Stunden im Monat. Mit 23 kaufte ich ein Haus und war stolz darauf. Ich wollte aber mehr aus meinem Leben machen, als im Ausland für etwas zu arbeiten, das ich nur gelegentlich nutzen konnte. Beim Versuch, mich selbstständig zu machen, stand ich wegen vieler kleiner Fehler und Missverständnisse plötzlich allein da – ohne Förderung und ohne echte Unterstützung.
Als ich zu Hause keine Maske mehr tragen musste, verlor ich mich vollständig. Ich war psychisch kaum noch in der Lage aufzustehen. Jetzt bin ich im Konkurs, verliere mein Haus und werde womöglich in wenigen Wochen obdachlos. Ich habe keine laufende finanzielle Unterstützung und werde auf einem riesigen Schuldenberg sitzen bleiben, weil das Haus weit unter dem offenen Betrag verkauft wird. Dazu kommen Gerichtsverfahren, Finanzamt und Rechnungen. Ich brauche eine Wohnung, die mehr kostet als meine frühere Kreditrate – bezahlt von Geld, das ich nicht habe. Ich habe lange in diese Systeme eingezahlt. Als ich selbst Hilfe brauchte, begann stattdessen eine Abwärtsspirale. WKO, Schuldnerberatung und andere Stellen konnten mir nicht helfen. Ich kann nur zusehen, wie alles zerbricht, weil ich es allein nicht schaffe.
Wofür soll ich noch leben? Um Schulden abzubezahlen? Um erneut zu versuchen, mir etwas aufzubauen? Um irgendwann psychisch gesund genug zu sein, Berührungen einer Frau zuzulassen, ohne innerlich dagegen anzukämpfen? Um keine Angst mehr davor zu haben, einer Frau in die Augen zu schauen und vielleicht eine Beziehung und Familie aufzubauen, während ich noch tausend andere Baustellen richten soll? Oft wird jedes Problem einzeln betrachtet: Dieses eine sei doch nicht schlimm genug, um sich dafür umzubringen. Aber es ist nicht dieses eine. Es ist alles zusammen, das mich umbringt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Beim Schreiben musste ich mehrere Stunden Pause machen. Erst kam der unbekannte Anruf. Dann eine Mail von der Erwachsenenvertretung, die sich nächste Woche mit mir treffen möchte – und gleichzeitig eine Mail vom Masseverwalter mit der Aufforderung, eine Krankenhausrechnung zu bezahlen. Mit Geld, das ich nicht habe. So sieht mein Alltag aus: Vielleicht öffnet sich irgendwo eine Tür, und im selben Moment fällt die nächste Wand auf mich.
Ich konsumiere derzeit Cannabis, und natürlich beeinflusst das meinen Umgang mit allem. Gleichzeitig ist es das Einzige, das den Teil von mir unterdrückt, der ohne Konsum zwanghaft männliche Onlinekontakte sucht, Treffen vereinbart und mein Trauma wiederholen will. Nüchtern habe ich theoretisch die freie Wahl, mich dagegen zu entscheiden. Praktisch kontrollieren mich diese Muster. Also entscheide ich mich für den Konsum, obwohl ich merke, dass auch er mir schadet. Ich kann mich entweder auf diese Weise sabotieren oder zusehen, wie ich meinen Körper wieder für Dinge zur Verfügung stelle, nach denen ich mich noch mehr hasse. Wenn andere das anders schaffen, haben sie meinen Respekt. Ich kann es momentan nicht. Belehrungen darüber, wie schlecht Cannabis ist, brauche ich nicht. Das weiß ich selbst, und ich hasse mich bereits genug dafür.
Viele Bereiche meines Lebens kann ich nicht so steuern, wie andere es von außen erwarten. Es fühlt sich an, als würden Muster mich kontrollieren und zu jemandem machen, der ich nicht sein will. Ich habe versucht, mein Leben auf die Reihe zu bekommen. Ich habe versucht, Hilfe zu holen. Niemand konnte mir bisher auf die Art helfen, die ich gebraucht hätte.
Ich verstehe nicht, was Menschen in meiner Situation noch antreibt. Ich kann die Realität nur durch etwas Computerspielen verdrängen. Ansonsten denke ich daran, nicht mehr existieren zu wollen, mich zu verabschieden und meine letzten Atemzüge zu verbringen. Soll ich für Freunde und Familie weiterleben, damit sie nicht trauern müssen, während ich selbst immer mehr Schmerz trage? Für eine Gesellschaft und ihre starren Systeme, die mit dazu beigetragen haben, dass ich so tief gefallen bin? Damit ich weiter Schulden, Steuern und Beiträge zahle, bis mich dieselben Systeme wieder im Stich lassen?
Früher wollte ich etwas verbessern. Obwohl ich viel Leid erlebt hatte, konnte ich das Gute sehen und wollte selbst etwas Positives bewirken. Dieser Gedanke gab mir Kraft. Heute verstehe ich nicht einmal mehr, was ich damals gesehen habe. Jetzt sehe ich Leere und Zeitverschwendung. Ich habe immer versucht, das Richtige zu tun, aber ich sehe keine zukünftige Version von mir mehr, die auch nur ansatzweise glücklich ist.
Manchmal frage ich mich, ob ich nur eine Diva bin, die um Aufmerksamkeit bettelt. Vielleicht ist das teilweise wahr. Vielleicht ist es aber auch der Versuch, offen zu zeigen, wie es in mir aussieht. Ich wollte erklären, warum ich keinen Ausweg mehr sehe, und Freunden und Familie vermitteln, dass sie nicht schuld sind. Gleichzeitig weiß ich, dass ein Teil von mir diesen Text schreibt, weil er eben doch noch gefunden und gesehen werden will.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein paar Nachrichten reichen, um an meiner Situation noch etwas zu verändern. Ein Freund hat mich inzwischen in die Psychiatrie gebracht. Ich weiß nicht, was daraus wird und auch nicht genau, was ich mir von diesem Beitrag erhoffe. Ich möchte hier niemandem eine Verantwortung auferlegen oder Forderungen stellen. Ich wollte einfach ehrlich sagen, was Sache ist und wie es gerade in mir und meinem Leben aussieht. Vielleicht liest es jemand, der etwas davon versteht oder sich in manchen Teilen selbst wiedererkennt. Vielleicht meldet sich jemand in den Kommentaren oder schreibt mir privat. Keine Ahnung. Aber der Teil von mir, der diesen Text geschrieben hat, wollte zumindest nicht aufgeben, ohne auch das noch versucht zu haben.
Nachtrag: demnächst 29 Jahre
um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll, weil mein Leben rundherum kaputt ist. Gerade während ich diese Zeilen schreibe, ruft eine fremde Nummer an. Ich kann nicht abheben, speichere sie, suche auf WhatsApp und im Internet – nichts. Vor Kurzem habe ich selbst einen Antrag auf gerichtliche Erwachsenenvertretung gestellt, gestern hatte ich eine Untersuchung bei der PVA, gleichzeitig stecke ich im Konkurs. Der Anruf könnte von jedem kommen: etwas Bedrohliches oder vielleicht sogar jemand, der helfen will. Aber ich schaffe es nicht einmal abzuheben.
Ich kann einfach nicht mehr weitermachen. Ich habe einen Tag im Kopf, an dem ich herausfinden werde, ob ich den Mut habe, mir das Leben zu nehmen. Ein Teil von mir will das nicht und hat Angst vor diesem Tag. Auch dieser Beitrag ist ein letzter stiller Versuch, Hilfe zu finden – oder noch besser: wieder etwas zu finden, das mir Kraft gibt und wofür ich leben möchte.
Ich war in Gesprächstherapie und in der Psychiatrie. Immer wieder heißt es, ich müsse es selbst wollen, selbst aktiv werden und mich um alles kümmern. Aber genau das kann ich nicht mehr. Während meines stationären Aufenthalts bat ich um Hilfe bei einer gerichtlichen Erwachsenenvertretung. Man redete mir diese Möglichkeit aus und meinte, ich solle jemanden aus meinem privaten Umfeld nehmen. Ich wusste eigentlich, dass die Menschen dort mein komplexes Leben nicht richten können oder sich das nicht zutrauen. Trotzdem ließ ich mich nach zwanzig Minuten Einreden darauf ein. Wie so oft führte es ins Leere.
Nach zwei Wochen wurde ich aus der Psychiatrie entlassen, weil es mir angeblich gut genug ging. Ich sei selten im Zimmer, wirke nicht traurig genug, sitze am Raucherplatz, rede und lache mit anderen Patienten. Tut mir leid, dass ich den Crashkurs für das richtige Verhalten suizidaler Menschen nicht gemacht habe. Was andere sehen, ist eine Maske, die ich in Gegenwart anderer nicht ablegen kann. Ich habe nie gelernt, einfach ich zu sein. Obwohl ich jeden Tag sagte, dass ich vorhabe, mir nach der Entlassung das Leben zu nehmen, war ich offenbar nicht kaputt genug.
Es gab eine Zeit, in der mein Herz für Softwareentwicklung schlug. Ich glaube, ich könnte Großes bewirken, wenn ich mich wie ein normaler Mensch acht Stunden hinsetzen und konzentrieren könnte. Stattdessen brauche ich manchmal fünf Stunden, um aufzustehen und eine Tiefkühlpizza zu machen. Computerspiele fühlen sich inzwischen mehr nach Arbeit als nach Hobby an. Früher fuhr ich ganze Nächte mit dem Auto herum. Heute könnte man mir mein Traumauto vor die Tür stellen und ich würde trotzdem mit meinem alten fahren. Es gibt einfach nichts mehr, das ich wirklich will.
Ich hasse mich so sehr, dass ich kaum in den Spiegel schauen kann. Ich bin übergewichtig, habe kaputte Zähne, schlechten Bartwuchs, größer werdende Geheimratsecken und vernachlässige meine Hygiene. Aber ich weiß, dass darunter tiefere Gründe liegen. Ich weiß nur nicht, welcher davon der entscheidende ist: sexueller Missbrauch durch einen Mitschüler mit zehn oder elf Jahren, körperliche Gewalt durch Schüler, die in siebzig oder achtzig blauen Flecken endete, Vertrauensmissbrauch, das Schlachtfeld zu Hause oder die Vergewaltigung im Erwachsenenalter. Ich könnte noch mehr aufzählen, aber keinen einzigen Grund, warum ich den Mann im Spiegel würdigen sollte.
Ich dachte immer, harte Arbeit zahlt sich aus. Teilweise arbeitete ich im Ausland mehr als 350 Stunden im Monat. Mit 23 kaufte ich ein Haus und war stolz darauf. Ich wollte aber mehr aus meinem Leben machen, als im Ausland für etwas zu arbeiten, das ich nur gelegentlich nutzen konnte. Beim Versuch, mich selbstständig zu machen, stand ich wegen vieler kleiner Fehler und Missverständnisse plötzlich allein da – ohne Förderung und ohne echte Unterstützung.
Als ich zu Hause keine Maske mehr tragen musste, verlor ich mich vollständig. Ich war psychisch kaum noch in der Lage aufzustehen. Jetzt bin ich im Konkurs, verliere mein Haus und werde womöglich in wenigen Wochen obdachlos. Ich habe keine laufende finanzielle Unterstützung und werde auf einem riesigen Schuldenberg sitzen bleiben, weil das Haus weit unter dem offenen Betrag verkauft wird. Dazu kommen Gerichtsverfahren, Finanzamt und Rechnungen. Ich brauche eine Wohnung, die mehr kostet als meine frühere Kreditrate – bezahlt von Geld, das ich nicht habe. Ich habe lange in diese Systeme eingezahlt. Als ich selbst Hilfe brauchte, begann stattdessen eine Abwärtsspirale. WKO, Schuldnerberatung und andere Stellen konnten mir nicht helfen. Ich kann nur zusehen, wie alles zerbricht, weil ich es allein nicht schaffe.
Wofür soll ich noch leben? Um Schulden abzubezahlen? Um erneut zu versuchen, mir etwas aufzubauen? Um irgendwann psychisch gesund genug zu sein, Berührungen einer Frau zuzulassen, ohne innerlich dagegen anzukämpfen? Um keine Angst mehr davor zu haben, einer Frau in die Augen zu schauen und vielleicht eine Beziehung und Familie aufzubauen, während ich noch tausend andere Baustellen richten soll? Oft wird jedes Problem einzeln betrachtet: Dieses eine sei doch nicht schlimm genug, um sich dafür umzubringen. Aber es ist nicht dieses eine. Es ist alles zusammen, das mich umbringt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Beim Schreiben musste ich mehrere Stunden Pause machen. Erst kam der unbekannte Anruf. Dann eine Mail von der Erwachsenenvertretung, die sich nächste Woche mit mir treffen möchte – und gleichzeitig eine Mail vom Masseverwalter mit der Aufforderung, eine Krankenhausrechnung zu bezahlen. Mit Geld, das ich nicht habe. So sieht mein Alltag aus: Vielleicht öffnet sich irgendwo eine Tür, und im selben Moment fällt die nächste Wand auf mich.
Ich konsumiere derzeit Cannabis, und natürlich beeinflusst das meinen Umgang mit allem. Gleichzeitig ist es das Einzige, das den Teil von mir unterdrückt, der ohne Konsum zwanghaft männliche Onlinekontakte sucht, Treffen vereinbart und mein Trauma wiederholen will. Nüchtern habe ich theoretisch die freie Wahl, mich dagegen zu entscheiden. Praktisch kontrollieren mich diese Muster. Also entscheide ich mich für den Konsum, obwohl ich merke, dass auch er mir schadet. Ich kann mich entweder auf diese Weise sabotieren oder zusehen, wie ich meinen Körper wieder für Dinge zur Verfügung stelle, nach denen ich mich noch mehr hasse. Wenn andere das anders schaffen, haben sie meinen Respekt. Ich kann es momentan nicht. Belehrungen darüber, wie schlecht Cannabis ist, brauche ich nicht. Das weiß ich selbst, und ich hasse mich bereits genug dafür.
Viele Bereiche meines Lebens kann ich nicht so steuern, wie andere es von außen erwarten. Es fühlt sich an, als würden Muster mich kontrollieren und zu jemandem machen, der ich nicht sein will. Ich habe versucht, mein Leben auf die Reihe zu bekommen. Ich habe versucht, Hilfe zu holen. Niemand konnte mir bisher auf die Art helfen, die ich gebraucht hätte.
Ich verstehe nicht, was Menschen in meiner Situation noch antreibt. Ich kann die Realität nur durch etwas Computerspielen verdrängen. Ansonsten denke ich daran, nicht mehr existieren zu wollen, mich zu verabschieden und meine letzten Atemzüge zu verbringen. Soll ich für Freunde und Familie weiterleben, damit sie nicht trauern müssen, während ich selbst immer mehr Schmerz trage? Für eine Gesellschaft und ihre starren Systeme, die mit dazu beigetragen haben, dass ich so tief gefallen bin? Damit ich weiter Schulden, Steuern und Beiträge zahle, bis mich dieselben Systeme wieder im Stich lassen?
Früher wollte ich etwas verbessern. Obwohl ich viel Leid erlebt hatte, konnte ich das Gute sehen und wollte selbst etwas Positives bewirken. Dieser Gedanke gab mir Kraft. Heute verstehe ich nicht einmal mehr, was ich damals gesehen habe. Jetzt sehe ich Leere und Zeitverschwendung. Ich habe immer versucht, das Richtige zu tun, aber ich sehe keine zukünftige Version von mir mehr, die auch nur ansatzweise glücklich ist.
Manchmal frage ich mich, ob ich nur eine Diva bin, die um Aufmerksamkeit bettelt. Vielleicht ist das teilweise wahr. Vielleicht ist es aber auch der Versuch, offen zu zeigen, wie es in mir aussieht. Ich wollte erklären, warum ich keinen Ausweg mehr sehe, und Freunden und Familie vermitteln, dass sie nicht schuld sind. Gleichzeitig weiß ich, dass ein Teil von mir diesen Text schreibt, weil er eben doch noch gefunden und gesehen werden will.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein paar Nachrichten reichen, um an meiner Situation noch etwas zu verändern. Ein Freund hat mich inzwischen in die Psychiatrie gebracht. Ich weiß nicht, was daraus wird und auch nicht genau, was ich mir von diesem Beitrag erhoffe. Ich möchte hier niemandem eine Verantwortung auferlegen oder Forderungen stellen. Ich wollte einfach ehrlich sagen, was Sache ist und wie es gerade in mir und meinem Leben aussieht. Vielleicht liest es jemand, der etwas davon versteht oder sich in manchen Teilen selbst wiedererkennt. Vielleicht meldet sich jemand in den Kommentaren oder schreibt mir privat. Keine Ahnung. Aber der Teil von mir, der diesen Text geschrieben hat, wollte zumindest nicht aufgeben, ohne auch das noch versucht zu haben.
Nachtrag: demnächst 29 Jahre