Hi Jord,
auch ich habe Angst, bzw. eher Respekt vor dem Tod..und gerade deshalb würde ich alles tun um mich gegen Aggressoren zu wehren.
Du kannst nicht mit der Gnade deiner Angreifer rechnen..sie gehen so weit wie sie gehen wollen, manchmal verlieren sie total die Kontrolle und bringen dich um...da hilft Opferhaltung und Opferstarre und sich ohnmächtig stellen oder in ne Ohnmacht flüchten gar nix. Ich würde dir raten einen Weg zu finden um auf Nummer Sicher zu gehen. Manchmal hilft nur Gegenangriff und konsequente Selbstverteidigung.
Gewalttätige Menschen wittern ihre Beute an ner gewissen Grundhaltung...wenig selbstbewusste Menschen verteidigen sich nicht und darauf fahren einige üble Charaktere total ab..sie suchen sich ihre Opfer und suhlen sich in ihrer Macht alles mit ihnen machen zu können was sie nur wollen...und jemand, der sich ohnmächtig gibt ist da hochwillkommen.
Mag sein, dass es bei einem Angriff einer Überzahl an Aggressoren richtig ist sich FÜR DEN MOMENT passiv zu verhalten bis die unmittelbare Gefahr vorüber ist..aber dann ist es wichtig sich anschließend zu wehren um die Gegner "auszuschalten", bzw. Contra zu geben. Das ist total wichtig für einen selber aber auch die Allgemeinheit..ansonsten machen solche Regelbrecher so weiter..wenn sie damit einfach zu durchkommen.
Menschen sind hochspezialisierte Raubtiere, du auch! Wir alle haben einen langen kriegerischen Weg in der Evolution hinter uns...wir alle sind mit ähnlichen Emotionen unter denen auch die Aggression vorhanden ist, ausgestattet...nur jeder geht unterschiedlich damit um...die eigene Grundeinstellung, wie man sich selber sieht ist ein mächtiges Instrument sich zu kontrollieren...ich denke Wut und Aggressionspotenzial steckt in jedem..nur nicht jeder lässt sie zu...die Frage die sich stellt ist warum das so ist..was ne Therapie gut klären kann. Es herrschen auch heute in unserer recht friedlichen Gesellschaft untergründig immer noch eherne Naturgesetze: survival of the fittest..nur die stärksten überleben..wer sich von vornherein selber als schwach und wehrlos ansieht/definiert ist stets mehr gefährdet Opfer zu werden als diejenigen, die ihre inneren Stärken erkennen und gezielt aufbauen und auch ausnutzen, und wenn es notwendig ist anwenden.
Menschen sind weder gut noch böse, sondern wie alle Naturgeschöpfe das was sie sind. Menschen entscheiden sich für Rechte und Moral und Kultur oder dagegen. Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Macht und Gewalt, unser gesamter Alltag ist durchzogen von Machtstrukturen. Gewalt ist ein uraltes Machtmittel, dass immer noch und wohl auch für immer Anwendung finden wird. Wichtig oder eher überlebensnotwendig ist es daher für jeden von uns einen Weg zu finden mit diesen Realitäten angemessen umzugehen. Genau hinsehen, das Beste draus machen!
Ich denke du trägst in dir ein recht unrealistisches Bild vom Menschen, idealisierst vielleicht...vielleicht hast du Angst vor dem was du siehst, willst wegschauen und lieber wegillusionieren in eine bessere Welt..aber diese Taktik wird dich leider nicht weiterbringen..Meditation ist wichtig...auch beim Kampfsport aber nur Meditation und das Festhalten an einer Opferhaltung wird dich eher gefährden als stärken.
Nach einem erlebten Gewalttrauma ist es auch notwendig genügend zu verarbeiten, zu reflektieren.
Pete hat Recht und Unrecht mit der These, dass alle Menschen verschieden sind, ja wir sind alle unterschiedlich, aber wir haben auch sehr viele Gemeinsamkeiten..wir sind körperlich und geistig auf zellulärer Ebene sehr ähnlich strukturiert, haben eine gemeinsame evolutionäre Vorgeschichte, die uns körperlich und geistig entscheidend mitgeprägt hat, und hier kann man ansetzen um zu Verstehen und mit diesem Verstehen einen Weg zu finden zu kommunizieren. Gewalt, die sich in unterschiedlichen Formen wiederfindet (psychische Gewalt oder körperliche Gewalt) ist auch ne Kommunikationsform..sie sagt dir: du bist klein und schwach und untergeordnet...der Täter will dich beherrschen und nur sein Wille zählt. Auf diese Art der Kommunikation muss man antworten: NEIN, ich bin nicht schwach, sondern ein ernstzunehmender Gegner, daher lass die Pfoten von mir, ich ordne mich dir nicht unter!" Antwortet man auf eine Kommunikation der Macht unter Gewaltanwendung mit Ohn-macht beugt man sich vor der Macht des/der Täter und fügt sich in ein Sklavendasein. Du hast da die WAhl.
Wähle weise, du hast nur ein Leben und solltest das Beste für Dich dabei rausholen. Dabei wünsche ich dir viel Erfolg!
Gruß
Tyra
P.S Verhaltensbiologen haben herausgefunden, dass tit for tat..wie du mir so ich dir die günstigste Verhaltensstrategie ist. Grundhaltung freundlich, aber wenn man mit körperlicher oder psychicher Gewalt angegriffen wird ohne zu Zögern direkt zurückschlagen. Das hält potenzielle Aggressoren auf Abstand. Im Alltag ist es wichtig genügend Selbstbewusstsein zu präsentieren...es zeigt sich bereits in deiner Körperhaltung, der Art wie du gehst, stehst, sprichst etc...Menschen können sich in Sekundenbruchteilen ganz gut ein Bild voneinander machen, einen ersten Eindruck verschaffen, das alles läuft unterbewußt oder teilbewußt ab und kann oft darüber entscheiden ob man angegriffen wird oder nicht...natürlich kann man das Pech haben von einer Überzahl und Übermacht von Aggressoren angegriffen zu werden...man kann sich niemals hundertprozentig schützen...aber in unseren Breiten hilft es schon sich ausreichend zu schützen, Gefahrenzonen zu meiden, wachsam und achtsam zu bleiben, sich ein wenig kampffit zu machen. Irgendwo hat Kampfgeist auch was mit der eigenen Würde zu tun.
Es gibt übrigens Seminare und Kurse zum Thema Umgang mit Gewalt...egal ob körperlicher oder psychischer Gewalt...die sind oft Augenöffner in Hinsicht deren Strukturen bewußt wahrnzunehmen und dann nen Weg zu finden wie man damit umgehen kann.