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Gast
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🙂 - mein Mann ist alles andere als ein Ich-Mensch. Er tickt nur anders als ich, und er tickt auch anders als die meisten Männer, die ich kennen gelernt habe. Er hat mir in der Kennenlernphase ganz locker erzählt, daß er sich als Kind z.B. nie an Wasserplantschereien mit Kumpels auf dem Floß beteiligt hat, weil er dafür zu feige sei. Fand ich sehr selbstbewußt von ihm, das hat mir gezeigt, daß er zu sich selbst stehen kann. Und ich wußte, daß er es nicht "schlimm" findet, daß ich eher ein "Raufbold" bin, wenn's drauf ankommt. Wir sind extrem verschieden, aber zusammen sind wir ein starkes Team.
Ich denke, daß es in einer Beziehung wichtig ist, sich erstmal von Wertungen (jemand als Ich-Mensch zu sehen, ist eine Wertung) frei zu machen. Gut, ich hatte einen Vorteil: ich habe die meisten Beziehungen mit anderen Frauen geführt. Es wird zwar gerne behauptet, daß in Homo-Beziehungen immer einer die "Frauenrolle" und der andere die "Männerrolle" übernimmt, aber das ist eher selten der Fall. Und wenn man keine feste, vorgegebene "Rolle" hat, müssen beide Beziehungspartner sozusagen miteinander "aushandeln", wer wann wie reagiert, was gibt, wann nimmt usw. Diesen "Übungsvorteil" hatte ich also schon.
Und heute merke ich gelegentlich, daß das, was man ganz selbstverständlich erwartet vom "Mann" oder von der "Frau" - nicht immer stimmt. Heißt: je nachdem, wo jemand aufgewachsen ist, in welcher Familie, gibt es ganz unterschiedliche Erwartungen, wie sich jemand zu benehmen hat.
Mal weg von der Theorie: wenn ich erwarte, daß mein Mann mir ganz selbstverständlich bei der Hausarbeit zur Hand geht, dann wird das nüscht. KANN er einfach nicht. Was haben wir in der Anfangszeit deswegen gekabbelt, ich dachte, er müsse doch SEHEN, daß ich neben der Arbeit jeden Tag koche, die Küche saubermache, mich um die Wäsche kümmere, und ich habe ganz selbstverständlich erwartet, daß er SIEHT, wenn das Bad, der Fußboden oder die Wohnstube schmutzig ist. Tut er aber nicht, er kriegt's nicht mit. Und wenn ich sage: "Ey: DU heute Bad und Stube, ich heute Küche und Wäsche" - dann klappt das kommentarlos. Genau ein Mal - danach ist er sehr zufrieden mit sich und der sauberen Wohnung - und das war's. Nächste Woche: gleiches Spiel. Als ich mal ausgeflippt bin deswegen, war mein Mann am Boden zerstört. Und zählte auf: er kümmert sich um's Auto, er kümmert sich um's Einkaufen, er kümmert sich darum, wenn die Heizung ausfällt usw. - alles Dinge, die ich überhaupt nicht mitgekriegt habe.
Merkst du was? Es ist kein böser Wille, auch keine Ich-Bezogenheit. Sondern einfach unterschiedliche Wahrnehmungen und Bedürfnisse. Das meine ich mit "Kennenlernen" - erstmal herausfinden, warum etwas bei euch offenbar nicht so läuft, daß ihr beide damit zufrieden seid.
Bei uns läuft es jetzt so: wir besprechen, wer für was zuständig ist - wir haben eine feste Aufgabenverteilung. Mein Mann wäscht und legt Wäsche zusammen, ich bügle. Ich bin in der Küche zuständig für Kochen, er räumt gelegentlich den Geschirrspüler ein und aus. Ganz klar geplant und immer so. Wenn ich früher die Krise kriegte, weil er mir NIE eine Blume geschenkt hat, weiß ich inzwischen, daß das kein böser Wille ist - eine witzige Mail, eine ausgedruckte rote Gerbera (meine Lieblingsblume), ein Wiki, das er mir speziell für meine Kakteen eingerichtet hat sind eben SEINE Art, mir Zuneigung zu zeigen. So wie er "lernen" mußte, daß das Kochen oft meine Art ist, ihm meine Fürsorglichkeit zu zeigen (er ißt sehr gerne, ich auch - aber für mich alleine würd ich mich nicht in die Küche stellen).
Viel Text jetzt, ne? Es ist nur eine Möglichkeit, über die ich hier schreibe. Nämlich: euch zusammensetzen, ohne Vorwurf, einfach nur mal fragen: "Sag mal, Schatz, wie ist das für dich, wenn ich koche, dich betüddle, dir Tee mache usw." (und nicht beleidigt sein, falls die Antwort lauten sollte: "Ist manchmal ganz schön lästig" 😀) - und ruhig auch sagen: "Ich möchte gerne genauso oft mit dir chatten wie du mit deinen Freunden" - oder: "Ich möchte jetzt von dir in den Arm genommen werden!" (nicht: "Nimm mich doch öfter mal in den Arm, Herrgottnochmal!" - das klingt nach ungenauen Anweisungen, die dein Freund nicht genau einordnen kann - außer vielleicht als Vorwurf).
Vielleicht kannst du damit was anfangen. Klingt nach Betriebsanleitung 😀 - aber sowas kann richtig Spaß machen, vor allem wenn der Partner da mitspielt.
Hehe ganz schön lustig das zu lesen =D
Also bei meinem Freund ist das auch so, dass er den Schmutz nicht sieht und wenn ich sage mach, dann macht er ohne zu meckern komische Sache aber ist so. Ich werde mich mal mit ihm heute hinsetzt und mal drüber reden mal schauen was er sagt und denkt =) Ich denke aber auch, dass es an der Erziehung liegt und wie er aufgewachsen ist. Ich finde es aber immer noch schade, dass die meisten Männer so sind. Naja kann man nichts machen, aussehr mal drüber zu reden.
Lg