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Mein Engel ist bei mir...

  • Starter*in Starter*in charlyz
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C

charlyz

Gast
Hallo und einen lieben Osterabend an alle!

Nicht wirklich weiß ich, ob diese Seite die Richtige ist, um das los werden zu können, was mir auf dem Herzen liegt.

Zuerst zu mir...ich bin die Mutter von Charlyz. Sie ist meine am 04.02.2005 geborene Tochter und sie verstarb am 15.02.2005 nach 11/2 Std. in meinem Arm. Nur 11 Tage alt.
Nicht wirklich habe ich bis jetzt die Gelegenheit gehabt, mit einem Menschen sprechen zu können, der nur Ansatzweise verstehen kann, welche Qualen ich in mir trage. Und ich habe mich so darauf gefreut Mutter sein zu dürfen. Nach solanger Zeit, nach zwei Fehlgeburten, in einem Alter von 38 Jahren. Da, wo die innere Uhr schon fast aufhört zu schlagen.

Die Entscheidung über ihren Tod beruhte auf Fairness. Fairness einem Wesen gegenüber, das ein Leben an Maschinen und unzähligen Operationen ausgesetzt worden wäre. Wir nannten es:"Zum Leben verurteilt!"
Wir trafen die Entscheidung, nahmen ihr die Schmerzen um ein Leben in Trauer zu verbringen..sie zu erlösen!

Als sie auf die Welt kam, war sie gesund...zu früh...Anfang 7.ten Monat, aber gesund. Das Schicksal nahm seinen Lauf.
Erst ein offener Ductus, der die Durchblutung erschwert..nach drei Tagen ein Loch im Darm, nach zwei stündiger Operation erstaunlich gut überstanden, Hoffnung,das sie es schaffen wird.
Tage des Wartens und der ewigen Besuche. Nach einem Kaiserschnitt eine Zumutung,erbärmlich fühlend um das Leben fortzuführen.

Neunter Tag, die erste Offenbarung der Ärzte...wahrscheinlich bleibt eine Behinderung zurück...meine Entscheidung stand da schon fest...ich will das nicht für mein Mäuschen..lasst die Natur entscheiden.
Ihr Vater war dagegen, es kann eine Legastenie sein, es kann auch bis zu einer spastischer Behinderung ausaten. Wo fängt Lebensqualität an, wer entscheidet über Leben und Tod?
Meine Meinung...die Natur!

Elfter Tag, die zweite Offenbarung...zu 98% behindert...kein selbstständiges Atmen..keine selbstständige Nahrungsaufnahme...nach der Darm-OP mit zwei künstlichen Darmausgängen, ein Leben mit weiteren Darm-OP`s und das Schlimmste, keine Kommunikationsmöglichkeit!!!

Und ihr Vater und ich waren uns einig...nur mit den Augen...das wollen wir für unser Mäuschen nicht.

Und so spannte ihre Seele weit die Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
so, als flöge sie nach Haus.
(Eichendorf)

Sie wurde im Krankenhaus mit Schläuchen auf meine Brust gelegt,
noch im Krankenhaus getauft auf den Namen Charlyz Kimberly,
dann wurden die Schläuche entfernt
und meine Hand schützte ihre Seele...sie war nicht alleine.
Nie zuvor habe ich so etwas in meiner Hand gefühlt.
Jeden Atemzug verfolgte ich...und die Züge kamen immer seltener...bis ich nichts mehr spürte, sie keinen Atemzug mehr tat.

Wenn ich heute den Himmel anschaue,
ist mir, als lachten alle Sterne,
weil sie auf einem wohnt,
weil sie auf einem lacht.
Ich alleine werde Sterne haben, die lachen können
auf dem einen lacht meine Tochter.

Heute ist der 27.03.2005 und ich trage Trauer in mir, jedoch eines möchte ich alle wissen lassen, alle die mit dem Tod auf grausame Weise konfrantiert werden,
vertraue darauf das der geliebte Mensch bei Euch ist.
Dann wenn es am schlimmsten weh tut, bitte ihn darum Dir mit dem Schmerz zu helfen.
Engel dürfen nur helfen, wenn ihr sie mit Worten darum bittet.
Mein Engel nahm mir den Schmerz, in dem Moment als ich es darum bat.
Belächelt das nicht, sondern sprecht mit ihnen, sie warten darauf helfen zu können.

Seitdem ich ganz fest glaube, das meine Tochter mein Engel geworden ist, habe ich tiefe Trauer in mir, jedoch keinen lähmenden Schmerz und so kann ich mein Leben leben.
Auch wieder mit Zielen und Wünschen.
Sie will es so.
 
Liebe Charlyz,
Ich sitze hier und bemühe mich die Tasten zu finden, denn die Tränen laufen mir über das Gesicht und ich verneige mich tief vor soviel Mutterliebe, die zur rechten Zeit imstande ist loszulassen.
Deine ganze Einstellung zu Deiner Handlung und den daraus resultierenden Gefühlen ist meinem Verständnis von Leben und Tod so vertraut.
Die Trauer wird Dich Dein Leben lang begleiten, aber den Schmerz hat Dein Engel mit sich genommen. Mit der Trauer im Herzen bist Du offen und frei für das Leben, dass noch viele Ansprüche an Dich stellen wird, der Schmerz hätte Dir diese Freiheit genommen. Kein Schmerz kann größer sein, als der um sein eigenes Kind.
Mein Herz ist erfüllt von Dankbarkeit für Deinen kleinen Engel, der den Schmerz mit sich nahm.
Dein Fühlen und Denken und vor allem Deine menschliche, mütterliche Entscheidung haben mein Herz zutiefst bewegt.
Meine Gedanken sind bei Dir und Deinem Engel.
In tiefer Verbundenheit grüßt Dich
Luiserl
 
der kleine engel wird jetzt von großen engeln in einem kinderparadies großgezogen.

aber du wirst deinen kleinen engel einmal wiedersehen - und es war richtig so, vor allem richtig, loszulassen, dein kleiner engel wollte es so.

manchmal ist das leben als mensch eine unglaublich harte prüfung - aber es kommt noch was besserers danach.

ich wünsch dir viel kraft und liebe.

peter
 
Liebe Charlyz,

mir laufen die Tränen übers Gesicht aber ich habe große Hochachtung vor Dir und Deiner Entscheidung. Es ist unglaublich, wieviel Mutterliebe Du dafür aufbringen mustest. Sie aus meiner Sicht 100%ig richtig - andere mögen anders darüber denken. Deine Tochter wird Dir aber dankbar sein.

Ich verneige mich vor Dir
Peter
 
Liebe Charlyz-mama,

da ich auch Mutter bin, kann ich mir vorstellen, wie schrecklich das für Dich ist, Deinen Schatz verloren zu haben. Auch für mich wäre es ein Horror, wenn mein Kind sich so quälen müsste, mit all diesen lebenserhaltenden Geräten.....
Du hast Deinem Engel dieses Leiden und diese Ängste vor immer neuen Schmerzen erspart.
Luiserl gebe ich recht:
Das ist große Mutterliebe!

Und mit 38 bist Du nicht an der Grenze......ich kenne eine Frau, die mit 42 und eine, die mit 44 Jahren ein Kind bekam.

Ich möchte Dir noch etwas aus meinem Leben erzählen:
Als ich im Krankenhaus auf die Geburt meiner Tochter wartete, lernte ich eine Frau kennen und wir merkten, dass wir nur 4 Häuser weit voneinander wohnten. Wir verabredeten uns auf dem Spielplatz in der Nähe. meine Tochter wurde einen Tag nach ihrem Sohn geboren.
Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ging ich immer wieder zum Spielplatz....vergeblich.
4 Monate später traf ich beim Spaziergang ein Paar, Hand in Hand. Die Frau sah traurig aus, hatte schwarze Ringe unter den Augen. Als die beiden an mir vorbeigehen wollte, bat mich die Frau:
"Darf ich bitte mal das Baby sehen?"
"natürlich", antwortete ich. Sie sah sich meine Tochter genau an und meinte dann: " Ich wünsche Ihnen viiiiiel Glück und Gesundheit und genießt die Zeit miteinander, jeden einzelnen Tag!"
Berührt schaute ich sie an, kannte diese Stimme....
" Mein Sohn wäre jetzt auch so alt...." sprach sie weiter.
Mein Gott! Ich hatte sie nicht erkannt, so hatte die Trauer ihr Gesicht verändert......
Eineinhalb Jahre später traf ich sie mit Kinderwagen. Sie hatte ihr Lächeln wiedergefunden und sagte: " Wie hätte sich mein Sohn über seine Schwester gefreut!" Er wird immer bei ihr bleiben.....und bei seiner kleinen Schwester!

Ich wünsche Dir viel Kraft und die Hilfe Deines Engelchens, dass es auch ein kleines Geschwisterchen auf dieser Erde bekommt........
Herzlich umarmt Dich
Annalina
 
Hallo ihr Alle,
die mir mit Worten so sehr helft.

Vielen lieben Dank...alles was ihr auf meinen Bericht schreibt, bedeutet mir soviel. Es geht nicht um Mitleid und ja, ich denke auch das man ganz viel Stärke für diese Entscheidung haben muß und ehrlich, weiß ich manchmal nicht, wo ich diese her nehme.

Morgen ist die Beerdigung und dadurch, das es hier Menschen gibt, die auch diesen unsagbaren Schmerz fühlen, sind mein Mann und ich nicht alleine.

Die Tränen, die ich durch Euer Geschriebenes hier am Computer weinen darf, sind Tränen, die ich im normalen Altag nicht weine.
Ich möchte meiner Familie und Freunden oder gar Bekannten diesen Schmerz nicht geben.
Es ist zu furchtbar, als das man andere Menschen, die dieses Schicksal nicht ereilte, durch das Erzählen, damit zu belastet.

In diesem Forum kenne ich die Menschen nicht und durch ein gemeinsames Schicksal fühle ich mich Euch näher, als Familie, Freunden ect.

Vielen lieben Dank für die Worte. Morgen denke ich, wird ein sehr befreiender Tag, auch wenn es der Schwerste für mich ist, denn Morgen können all die Tränen fließen, die sich in den vergangenen Wochen anstauten.

Ich glaube so fest daran, das meine Kleine nicht will das ich leide. Nein, leiden tu ich für sie nicht. Ich empfinde so tiefe Sehnsucht, aber auch Hoffnung darauf, das es jetzt nicht ihr Körper war und sie wieder kommt.
In zwei Monaten darf ich es wieder probieren und das werde ich auch...was denkt ihr, wird sie wiederkommen?
Ich glaube daran, ganz fest.

Ich wünsche mir sehr, mit Euch in Verbindung bleiben zu können und Euch ein wenig an der weiteren Entwicklung teil haben zu lassen.

Vielleicht hat einer Lust mit mir per E-Mail in Kontakt zu bleiben. Es tut so gut reden zu können.

Vielen lieben Dank und trotz allem, einen schönen Ostermontag

Birthe alias Charlyz
 
hallo birthe,

ich weiß jetzt gar nicht was ich schreiben soll. ich bin total aufgewühlt jetzt, das erinnert mich so sehr an mein sternenkindlein. ich habe mir jetzt gerade eine ganze weile vorgestellt, wie unsere kinder dort oben jetzt wohl die feiertage verbracht haben. hoffentlich hatten sie spaß! ich weiß, viele denken sich jetzt bestimmt - die spinnt doch... aber ich glaube fest daran, dass unsere sternchen einen gemeinsamen ort haben wo sie zusammen sind!
es tut mir so unsagbar leid für dich, dass du deine kleine charlyz hast wieder gehen lassen müssen....

fühl dich umarmt von mir
sg

http://de.wrs.yahoo.com/S=211471801....meta.org/monatlich/0310_sternenhimmel2_k.jpg

Du warst ein Kind der Hoffnung,
unsere Liebe umhüllte dich,
unsere Fantasie schmückte dein Leben aus.

Du warst ein Kind der Freude.
Wie eine Blüte ging unser Herz auf,
denn wir erwarteten dich voller Sehnsucht.

Du warst ein Kind des Lebens.
Wir wollten Leben weitergeben
und uns selbst beschenken lassen.

Du bleibst unser Kind.
du bist ein Kind der Sehnsucht,
das zu einem Kind der Trauer wurde.

Du hast sie nicht gesehen,
den Sonnenglanz und die Mondsichel.
Du hast nicht in unsere leuchtenden Augen geschaut.

Nun aber siehst du das Licht,
das strahlende, wärmende Licht
der Liebe Gottes.
auch du wohnst im Hause Gottes,
wo viele Wohnungen sind.

Du bist gesegnet
du Kind der Hoffnung, der Freude
und des Lebens.
Und mit dir ist gesegnet
unsere Trauer um dich,
du Kind bei Gott.
 
Shadowgirl, Dein Gedicht ist wunderschön. es hat mich schon wieder zum Weinen gebracht.

Liebe Charlyz, ich wünsche Dir für den letzten Weg viel Mut und Kraft. Denke daran, die Erde fällt nur auf den Körper, das Lebenskleid, die Seele hat den Körper längst verlassen und ist dort, wo Du sie siehst in Gestalt Deines Engelchens. Vielleicht hilft Dir auf diesem Weg der Gedanke daran, dass Du nicht mehr Dein Baby begräbst, sondern nur die leere Hülle.

Ich glaube ganz fest daran, dass die Seelen unserer Verstorbenen noch eine Weile im feinstofflichen Zwischenreich verweilen, um uns bei der Trauerarbeit zu helfen. Sie ziehen erst dann weiter zu ihrem neuen Bestimmungsort, wenn wir sie mit allen guten Wünschen frei geben. Erst dann können Sie sich auf eine erneute Inkarnation vorbereiten. Irgendwann wird Dein Engelchen wieder auf dieser Erde zuhause sein, aber wann das ist, in kurzer oder sehr langer Zeit, das weiß nur die Seele alleine, denn auch in der anderen Welt muss sie sich erst bewähren, um zum für sie richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu inkarnieren. Sollte Dir das Glück zuteilwerden, das Du noch einmal Mama wirst, so denke daran, dass es wieder ein Seelchen war, das Dich als Mutter ausgesucht hat und sich vertrauensvoll in Deine Hände begibt.

Ich bin in Gedanken viel bei Dir und möchte Dir den Spruch mitgeben, der mich am gleichen Tag getröstet hat, wie er Dich heute trösten soll: Im Ja zum Willen Gottes verliert das Leiden seine Macht.
Sei Umarmt von Luiserl
 

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