Ach Ihr, ach Sissy 😱:herz:
dankedankedanke...
sitze hier und weine...
bin eben nach Hause gekommen, war doch über Nacht dort um auch meine Schwägerin etwas zu stützen, uns gemeinsam zu stützen.
Der Tag gestern war schön. Mein Bruder war bei Bewusstsein und er musste sogar lächeln als ich ihm sagte, dass ich Schwarzwälder Kirschtorte aus der Dose mitgebracht habe.
Extra lange haltbar für das Wohnmobil.
Er dachte wohl ich mache einen Scherz.
Er konnte nicht sprechen, aber er atmet nun alleine, mit dem Schlauch im Hals natürlich und mit vielen anderen Schäuchen auch.
Ich habe ein paarmal versucht ihn zum Lachen zu bringen was mir auch gelang und das war das allergrößte Geschenk für mich.
Er konnte auch mit dem Kopf nicken oder schütteln und somit Frage beantworten, er konnte auch seine Hände etwas heben und auch meine Hand leicht drücken.
Wir waren ziemlich lange bei ihm, es war wunderschön.
Die Blutvergiftung ist nun wohl weg, aber die Bakterien noch nicht ganz, aber es scheint besser zu werden.
Wir mussten uns aber wieder völlig vermummen, aber er hat uns trotzdem in die Augen gesehen.
Anschließend bin ich mit meiner Schwägerin noch in die Stadt (Augsburg), wir bummelten etwas und waren sehr glücklich über die Fortschritte.
Heute sah er schon wieder schlechter aus, aber nur weil er ziemlich ziemlich erchöpft war.
Er wird nun nach und nach mobilisiert.
Sie setzten ihn vormittags zehn Minuten an den Bettrand udn ganz kurz ist er auch gestanden. Das hat ihn enorm geschlaucht, deshalb war der Besuch heute nicht ganz so kommunikativ, aber trotzdem sehr schön und innig.
Ich streichelte ihn und sagte auch, dass ich ihn arg lieb habe. Dann las ich von seinen schwachen Lippen: ich dich auch.
Ich sprach dann noch mit einem Arzt. Fragte ob er noch in Lebensgefahr ist.
Er meinte: akut nicht mehr, ein Stein fiel mir vom Herzen, aber er sagte... die Langzeitprognose sei wegen seiner Grunderkrankung (Krebs) sehr schlecht.
Das war natürlich ein Schlag ins Gesicht nach den vielen Lichtblicken.
Wir haben das auch irgendwie etwas ausgeblendet,weil seine Lebensgefahr wegen den Bakterien und der Blutvergiftung so präsent war und jetzt alles besser wurde.
Aber ja, er ist schwer schwer krank und wird, laut Arzt, nicht mehr lange leben.
Ich bin grade etwas schwermütig.
Und trotzdem gebe ich nicht auf. Alles ist möglich. Die Augen verschließen wir natürlich nicht, aber wir kämpfen weiter.
Unser Ziel ist nun ihn erstmal wieder auf die Beine zu bringen, dass er nochmal nach Hause kann, verwöhnt werden kann und vielleicht sogar gesunden kann... alles ist möglich.
Bei meinem letzten Besuch machte der Arzt auch wenig Hoffnung, dass er die nächsten Tage übersteht wegen der heftigen Infektion.
Aber das hat er geschafft, er kann noch mehr.
Und hinter der Schulmedizin liegen noch viele Bereiche.
Ich muss mir aber nun auch etwas Zeit für die Trauer geben, weinen, um dann wieder Kraft zu schöpfen und gemeinsam mit ihm weiter kämpfen.
Mein Bericht wurde nun recht lange, aber ich musste es mir von der Seele schreiben und ich glaube ihr wollt auch wissen wie es weitergeht.
Ihr habt ein Recht darauf.
Es ist auch kein Muss das hier alles zu lesen!
Liebe Sissy, du hast unrecht indem du sagt, dass ich hier kaum um Hilfe gerufen habe.
Anfangs tat ich das vor vielen Jahren und es wurde mir arg geholfen und es ist auch noch nicht so lange her als ihr mir beigestanden seid als meine zwei Miezen so krank waren und dann auch starben.
Ihr gabt mir schon viel Kraft.
Ihr seid wirklich wirklich so tolle Freunde, die in meinem realen Leben eine ganz grosse Rolle spielen!
Und wenn ich sage ich habe euch lieb, dann ist das nicht einfach so dahergeredet, das ist die Wahrheit und tut mir unheimlich gut. Es tut mir persönlich sehr gut jemanden lieb zu haben.
Danke ihr lieben lieben Menschen :herz:
Ohne euch wäre mein Bruder nicht über den Berg der Infektion.
Und ich glaube fest daran, dass er noch das Leben irgendwie eine Weile genießen kann.
Nun, er bekam eine schlechte Nachricht und wir setzen alles daran nun jeden Tag mit ihm zu genießen.
Aber das sollten alle Menschen tun, keiner weiss was morgen ist. Jeden einzelnen von uns kann es plötzlich erwischen.
Ja, wir sollten wirklich so leben, als dass jeder Tag der letzte sein könnte.
Viele Menschen sterben, Angehörige sterben oft plötzlich und oft macht man sich Vorwürfe, dass man nicht alles gesagt hat, seine Zuneigung nicht gezeigt hat, sich nicht geliebt hat, auch mit Worten und kleinen Gesten, manchmal aus Scham oder Sichertheit auf das Morgen wo man es ja noch machen kann.
Das sollten wir alle ablegen.
Umarme euch :herz:
P.S.
ich habe natürlich alle lieben Grüsse, Wünsche und Kraftgedanken von euch ausgerichtet.
Er wird sicher auch alles noch nachlesen können