Hallo lisakol,
Wer also sagt, dass man nicht sein eigenständiges Leben führen kann, obwohl man im selben Grundstück wie die Eltern wohnt?
Diese Frage hast Du Dir mit all Deinen Aufzählungen bereits selbst beantwortet:
Was wenn ich mal in Quarantäne bin und nicht mutterseelenalleine zuhause sein möchte?
Wenn Du in Quarantäne bist, dann wirst Du diese Zeit "mutterseelenallein" verbringen. In Deinem Wohnreich. Und dabei ist es völlig egal, ob auf 125m² oder auf 25m². Schließlich ist der Sinn einer Quarantäne, Abstand zu halten. Vor allem dann auch, um Deine Eltern zu schützen.
Was wenn ich mal im Stress bin und meine Eltern mir bei Dingen unter die Arme greifen? (Mein Vater zb wechselt mir die Reifen)
Bestimmt würde Dein Vater auch die Reifen wechseln (können), wenn Du in einer Wohnung leben würdest, die 10 km weiter entfernt liegt.
Was wenn es mir mal schlecht geht und ich jemanden zum reden brauche? Dann brauche ich nur ein Stockwerk tiefer gehen und kann mit meiner Mutter quatschen.
Ein Telefonat - mit der Mitteilung, dass Du Deine Mutter brauchst oder einfach sie selbst besuchen fahren, das wären Möglichkeiten.... *denk*
Was ist (ist zwar eher unwahrscheinlich aber könnte doch sein) wenn mal ein Einbrecher kommt, der würde mich töten, wenn ich alleine wäre, aber mein Vater rettet mir das Leben?
Dieser Satz zeigt völlig Deine Abhängigkeit zu Deinen Eltern. Der Papa als Held, vor dem Bösewicht, der töten will.....
Ich beziehe nächsten Monat das Stockwerk und dann werde ich putzen, kochen, Rechnungen bezahlen etc. alles alleine machen, also wer sagt, dass ich mich nicht "abnabeln" kann?
Rechnungen bezahlen, Putzen, kochen, Einkaufen, Termine selbstständig wahrnehmen, Reifen allein zu wechseln, auf "Kaffeeklatsch" verzichten",
all das hat nichts mit "Abnabeln" zu tun, sondern eher mit "Werten", mit "Bedürfnissen", mit "Selbstständigkeit".
Sich "abnabeln" ist ein emotionaler Prozess:
Ein Gefühl von "ich bekomme das hin". Ein Gefühl von "ich kann mir selbst helfen, mich selbst "retten".
Wenn ich etwas nicht hinbekomme, dann darf ich um Unterstützung bitten. Ich weiß, wen/wo ich fragen kann. (später hinzugefügt).
Ich möchte unabhängig der Nährstoffe der Eltern mein eigenes Leben entdecken. Schauen, was das Leben mir bieten kann. Herausforderungen annehmen, die das Leben bereit hält.
Ich habe eine "Vision".
Die "Wurzeln" (Abstammung) bleibt bewahrt. Und doch werden neue gebildet. Eigene Wurzeln.
Wie bei Ureinwohnern es klischee... oder tatsächlich so (gewesen) ist,
dass der Nachwuchs ab einem bestimmten Alter "in die Welt geschickt" wird.
Dort einige Wochen, Monate verbringen muss, damit auf dieser Weise neue Wurzeln (Erfahrungen - in sich Selbst, aber auch Außerhalb), entstehen können. In sich selbst ein Vertrauen finden - die eigene "Bestimmung"; die eigene Intuition.
Auch, wenn all das ein Klischee ist, brauchen diesen Weg einige Menschen.
Wenn ich Deine Worte so lese, dann Du auch.
Weil Deine Argumentationen sehr eng gestrickt zu sein scheinen.
Da ist auch gar kein Platz für Freunde oder ähnliches.
Sondern alle Beispiele haben sich auf Mama und Papa bezogen.
Auch kein "dann kann ich meine Eltern unterstützen", kam nicht vor....
oder eben das, was Deine Eltern davon für einen Nutzen haben.
Im übrigen sage ich NICHT - in KEINEM FALL, dass diese Lebensweise etwas "Schlechtes" ist.
Denn diese Form der Generationen kann auch Bindung bringen, ein Miteinander.
Aber eben nur, wenn es tatsächlich eine Abnablung kam. Wenn es ein "Du und Ich" gibt und kein "Wir" und erst Recht keine "Retter-Opfer-Dynamik".
Vielleicht ist es möglich, dass Du die Wohnung behalten kannst - oder das die Wohnung zwischenvermietet wird. Vielleicht auch für die Flüchtlinge bereit gestellt werden....
Dass Du 1-3 Jahre erst Deine eigenen Wurzeln findest.
In einer eigenen Wohnung. Ein eigenes Umfeld aufbaust.
Verschiedene Erfahrungen machen kannst und darfst - herausfindest, wie das Leben funktioniert.
Denn Du schreibst von Kindern: was möchtest Du Deinen Kindern auf ihren Weg mitgeben?
"Bleibt alle bei mir. Opa wird uns retten".
Ja, ich habe selbst ein schlechtes Gewissen, dass ich diesen Punkt so oft verwende.
Denn das kann "böse" und etwas zynisch aufgefasst werden.
Mir ist es aber ernst.
Und offenbar möchtest Du auch verstehen, was mit den Worten gemeint ist.
Und Du brauchst nicht zustimmen.
Denn Deinen Weg wirst Du sowieso selbst bestimmen.
Und vielleicht beziehen Dich Deine Eltern auch mehr in die Verantwortung ein.
Denn solch ein Reich, das muss auch Instand gehalten werden. Da werden auch einiges an Kosten anfallen. Deine Eltern werden auch älter, sodass immer mehr Verantwortung auf Dich übergehen wird, die Du dann selbstständig annehmen musst.
Dann werden andere Punkte stehen, weswegen Du nicht ausziehen magst.
Oder Du wirst ausziehen, weil Du mit all der Verantwortung nicht umgehen kannst/wirst.
Ganz liebe Grüße an Dich.
🙂