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Mehr als unglücklich in meinem Beruf

  • Starter*in Starter*in Satyriel
  • Datum Start Datum Start
S

Satyriel

Gast
Hallo zusammen,
ich wende mich hier einmal an euch, da ich mir derzeit sonst keinen Rat mehr weiß und auch ziemlich entmutigt bin.

Ich bin jetzt 28 Jahre alt, habe mit 21 meine Ausbildung zur Bürokauffrau abgeschlossen. Allerdings war das nie der Beruf, den ich erlernen wollte. Dummerweise war ich in meiner Jugend ziemlich rebellisch, was sich auf meine Noten ausgewirkt hat, und dies wiederum hat sich auf meine Ausbildungssuche damals ausgewirkt. Bürokauffrau war sozusagen der letzte Strohhalm, nach ettlichen Bewerbungen und dem Begraben einiger anderer Träume, die finanziell nicht machbar gewesen wären.
Schon recht früh während der Ausbildung merkte ich, dass mir Verwaltungs- und Büroarbeit, allem voran Buchhaltung und sich ständig wiederholende Arbeiten sehr schlecht liegen. Mit Kundentelefonaten hab ich's auch nicht wirklich, mein Herz rast sobald das Telefon klingelt. Damals kämpfte ich schon mit morgendlichen Bauchkrämpfen, wenn ich nur an die Arbeit dachte. Aber eine abgeschlossene Ausbildung ist ja schon wichtig, das habe ich damals schon eingesehen, und meine Eltern waren auch froh darüber. In der Berufsschule waren meine Noten in Fächern, die nichts mit dem Eigentlichen Beruf zu tun hatten (wie Deuscht, Religion, Englisch) super. Trotzdem hab ich die Ausbildung irgendwie abgeschlossen - mehr schlecht als recht. Direkt danach war ich 2 Jahre arbeitsuchend, war ziemlich orientierungs- und irgendwann auch mutlos. Inzwischen bin ich seit 5 Jahren bei einer Zeitarbeitsfirma um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Allerdings geht es mir dadurch nur noch schlimmer. Das alles ging so weit, dass ich im Oktober letzten Jahres einen Zusammenbruch hatte. Bin zum Arzt, der schickte mich zum Neurologen. Nach Erläuterungen meinerseits bekam ich ein Attest, welches mir bestätigte, dass jetziger Beruf und auch die derzeitige berufliche Situation nicht positiv zu meinem Zustand beitragen. Damit bin ich letztendlich zum Arbeitsamt um mich bezüglich einer Umschulung zu informieren. Die Dame sagte mir, dass wenn dann eine Rehamaßnahme in Frage käme. Weiter ging's an die Rehaabteilung. Der Arzt bestätigte, dass ich körperlich gesund sei. Also wurde ein berufspsychologisches Gutachten erstellt. War ich noch während des Gesprächs mit der Berufspsychologin recht hoffnungsvoll, wurde ich im späteren Verlauf bitter enttäuscht. Mein Antrag wurde abgelehnt, weil man mich auf gut Deutsch für nicht krank genug befindet. Seit dem weiß ich mir absolut keinen Rat mehr. Seit mehr als 2 Jahren schlafe ich unter der Woche kaum noch richtig, ich weine sehr viel und muss dafür sogar hin und wieder meinen Arbeitsplatz verlassen, nach Feierabend habe ich keine Motivation unter der Woche noch etwas zu unternehmen und selbst meinen Fernkurs für Fotodesign bekomme ich kaum hin, obwohl mich dieser wirklich sehr sehr interessiert. Ich würde beruflich sehr gerne in diese Richtung gehen. Leider belastet das alles obendrein auch noch meine recht frische Beziehung, da ich innerlich verdammt unruhig und rastlos bin. Ich weiß einfach nicht mehr, welchen Weg ich gehen soll oder am besten gehen könnte und wie ich das alles unter einen Hut bekommen soll. Ich wohne alleine, meine Wohnung muss ja auch irgendwie bezahlt werden, wenn ich daran denke, wird mir schon wieder Angst und Bange und ich denke mir, dass ich nichts ändern kann. Allerdings weiß ich auch, dass ich das gesundheitlich wohl nicht mehr lange durchhalten werde, wenn sich beruflich nichts ändert.

Hat jemand vielleicht schon ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ich danke euch jetzt schon mal für eure Vorschläge, Meinungen und Kritiken.
 
Hey Du,

als Erstes möchte ich Dir sagen, auch wenn sich Deine Situation momentan noch so sinnlos und verzweifelt für Dich anfühlt, gib nicht aus, denn es gibt einen Ausweg (wenn nicht sogar mehrere). Mir kommt das alles sehr bekannt vor. Mittlerweile bin ich 36J. alt und habe die ganze Prozedur hinter mir, wobei ich von Anfang an wußte, dass es ein langer und v.a. anstrengender Weg werden würde. Habe eine abgeschlossene Berufsausbildung zur Arzthelferin und sogar ein Studium im Sozialen Bereich. Leider kann ich Beides aufgrund meiner psychosomatischen Erkrankung nicht mehr ausüben. Ich dachte auch, jetzt habe ich zwei Berufsabschlüsse, bin also wirklich auch qualifiziert und kann damit nichts mehr anfangen??? Ne oder?! Allerdings muss ich sagen, das Beste was mir passieren konnte, war der Bruch mit in den "Helfer-Berufen". Ich habe viel gelernt und gute Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen gesammelt, es war also nicht "für die Katz". Meine Leidensgeschichte fing schon 2007 an, als ich bei der Wiedereröffnung eines Jugendclubs mit beteiligt war. Irgendwann machte mir die Arbeit keine Freude mehr und ich weinte nur noch auf dem Rückweg nach einem Arbeitstag. Auf dem Hinweg hatte ich Angst ohne Ende, einfach Angst vor dieser Arbeit. 2009 als ich in einem Kindergarten arbeitete, erkannte ich mich bald nicht wieder. Die Kinder freuten sich auf mich, ich liebte immer die Arbeit mit Kindern, auch wenn es mal hektisch und laut zuging. Doch nach einiger Zeit konnte ich sie nicht mehr ertragen, alles wurde mir zuviel. Kurz ich wechselte innerhalb von 4 Jahren (2005-2009) insgesamt 6 Mal die Arbeitsstelle und dann im Urlaub 2009 brach ich zusammen. Was folgte war: Aufsuchen eines Psychiaters, Tagesklinik, stationärer Aufenthalt, medizinische Rehabilitation, berufliche Rehabilitation usw. Das war mitunter sehr hart für mich und mein Umfeld, denn es mußte Vieles aufgearbeitet werden. Und nun bin ich froh, das alles getan zu haben. Auch bei mir wurden Anträge abgelehnt, aber dann bin ich in Widerspruch gegangen und ich hatte wirklich Gott sei Dank (er hat mir beigestanden während der Zeit) immer jemand Kompetentes an der Seite, der mir half. Z.B. die Beraterin von der Krankenkasse. Da kannst Du einen Termin vereinbaren, Deine Situation schildern und bekommst sicher Unterstützung. Ich hätte ohne Probleme eine Umschulung o.ä. bekommen, allerdings stellte sich heraus, dass ich nur noch unter 3 Stunden belastbar bin und daher habe ich einen Antrag auf ErwerbsminderungsRente gestellt, welcher auch bewilligt wurde. Nun bekomme ich diese Rente und arbeite nebenher am Computer, was für mich sehr angenehm ist. Ich brauche Ruhe und eine Sache, auf die ich mich voll konzentrieren kann. Bin auch medikamentös eingestellt und habe 20% Behinderung, was mir allerdings nicht viel einbringt, aber dennoch - ich habe es nicht bereut und mit geht es jetzt wieder besser.

Das einzig Schwierige ist, Du mußt Dich echt kümmern und Geduld haben. Auch um eine Hilfestellung zu bekommen, mußt Du den ersten Schritt machen und Hilfe aufsuchen! Es gibt soviele Beratungs-Möglichkeiten, die ich auch nutzte: Arzt, Rentenversicherung, Krankenkasse, Arbeitsamt (selbst dort half man mir), aber Du mußt ehrlich sein und ganz klar schildern, dass Du einfach nicht mehr so weiter kannst mit Deiner Arbeit und daran noch zerbrichst. Schreib Dir die Symptome auf, schreib auf, wie es Dir geht, was Dir durch den Kopf geht und erzähle das bei den Beratungsterminen! Ein erster Schritt wäre Dein Hausarzt, der überweist Dich dann weiter.

Du bekommst Hilfe, ganz sicher, aber bleib dran und sei ehrlich zu Dir und den anderen. Krankheit hat nichts mit Faulheit oder Dummheit zu tun, sie zeigt Dir eher Deine Grenzen und sagt Dir, dass Du einen anderen Weg brauchst.

Alles Gute für Dich!

Sandra
 
Hallo!

Ich kann in etwa nachfühlen, wie es bei dir in der "Birne" zugeht. Ich war selbst jahrelang unglücklich in meinem Kackberuf und befinde mich momentan im Umbruch, da ich mich selbst gefunden hab und nun im Stande bin, das zu tun. Wenn du so unglücklich in deinem Beruf bist, dann kündige. Die Medien, wie auch die Lehrer in der Ausbildung der Schule, wollen uns immermehr einpressen, dass man den Beruf, den man sich aussucht, sein Leben lang macht. Das stimmt überhaupt nicht. Es ist nicht die Wahrheit, doch ich hab es selbst geglaubt. Meine Noten und mein Lebenslauf waren mit Sicherheit schlimmer als deiner, aber auch ich hab es geschafft, man muss nur mutig sein. Und Mut macht spaß, glaub es mir!

Schritt für Schritt:

Du brauchst einfach genug Selbstbewusstsein, um zu erkennen, dass du auch nicht funktionieren darfst. Wenn du dieses Selbstbewusstsein hast, dann kündige deinen Job. Selbstbewusstsein kriegst du entweder von der Familie, vom Arzt, von Freunden oder durch ein Hobby.

Erkenne, dass wir in einem Sozialstatt leben. Wenn du kündigst und noch keinen Nachfolgejob hast, dann macht das nichts, das Amt wird dich nicht verhungern lassen. Du brauchst auch keine Angst vor deiner guten Erziehung oder deinem eigenen Stolz haben. Es ist kein Verbrechen, kurzzeitig arbeitslos zu sein. Es ist das Recht eines jeden! Stell dir folgende Frage: Kaputtgehen? Oder Job wechseln und vielleicht 3 Monate arbeitslos sein? <--- Die antwort liegt auf der Hand, oder?

Erfinde dich neu. Überlege dir, was du gerne machen würdest mit deinem Leben und: TU ES! Egal ob du dafür nochmal eine Ausbildung oder Ähnliches machen musst, es ist egal. Du willst den Job? - Hol ihn dir!
 

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