Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Medikamentenphobie - Wer hat es geschafft?

  • Starter*in Starter*in W24
  • Datum Start Datum Start
W

W24

Gast
Hallo zusammen,

ich wende mich heute mit einem Problem an euch, welches mein ganzes Leben zu vergiften scheint. Ich leide seit drei Jahren an einer immensen Medikamentenphobie und zudem an einer generalisierten Angststörung.

In der Vergangenheit hatte ich noch andere schwerwiegende psychische Probleme (u.a. SVV), die ich jedoch mit meiner Therapeutin und zu Beginn auch mit Psychopharmaka gut lösen konnte. Ich kann heute sagen, dass ich frei von Suizidgedanken, Depressionen und selbstzestörerischem Verhalten bin. Ich hab also schon viel geschafft.

Das Problem sind die Ängste. Ich werde sie einfach nicht los. Sie beziehen sich lediglich auf zwei Themen: Zahnarzt und Medikamente. Lassen wir die Dentalphobie erstmal außen vor.

Meine Medikamentenphobie wird mit der Zeit immer schlimmer und weitet sich mittlerweile auf jegliches Essen und Trinken aus und gipfelt zeitweise sogar in wahnhaften Vergiftungsphantasien. Migräne und Zahnschmerzen halte ich nun seit geraumer Zeit ohne Schmerzmittel aus und auch Antibiotika sind der Weltuntergang schlechthin. Ich habe deshalb Kontakt zu meiner Psychiaterin aufgenommen und sie hat mir ein Medikament aufgeschrieben, welches ich früher schon einmal gegen meine Ängste bekam (die allerdings nie einen Bezug zu Medikamenten hatten).

Ich mache eine Traumatherapie seit zwei Jahren und arbeite kontinuierlich an mir. Ich kann mich gut einschätzen und habe mein Leben im Griff. Ich schaffe mir Ausgleiche zu Studium und Job und habe nur noch gute Leute in meinem Leben. Trotzdem sind die Ängste so einschränkend und belastend, dass ich die Entscheidung getroffen habe, (zumindest eine Zeit lang) wieder medikamentöse Hilfe in Anspruch zu nehmen. Falls sie wieder so gut anschlagen wie das letzte Mal, ist es sogar durchaus möglich, dass tatsächlich hirnstoffwechselmäßig etwas verkehrt läuft bei mir, dem man mit Therapie nicht vollends beikommen kann. Liegt bei uns in der Familie.

Nun meine Frage: Gibt es hier Menschen, die auch eine Mediphobie hatten und diese überwunden haben? Und wenn ja, wie habt ihr das gemacht?! Ich hab das Medi hier liegen und die Entscheidung, es zu nehmen auch schon getroffen. Allerdings schaffe ich es einfach nicht, es zu schlucken.

Dinge, die ich schon versucht habe:

- Tablette zerbröseln und krümmelweise nehmen
- Tablette lutschen
- "Richtigen Moment" abwarten bzw. versuchen zu kreieren

Ängste, die ich habe:

- Dass ich allergisch sein könnte auf das Medikament
- Dass ich ersticken könnte
- Dass mir die Wirkung nicht gefällt, ich Panik bekomme und dann diesen Zustand aushalten muss, bis die Wirkung nachlässt

Ohje, ohje.. Hat jemand eine Idee? 🙁

GLG
 
Sag uns doch bitte den Namen des Medikamentes. Dann können wir dir da mehr Ratschläge dazu geben.

Du hast das Medi doch schon einmal genommen, wenn ich das richtig gelesen habe. Da du es schon einmal vertragen hast, passiert dieses mal ja auch nichts.

Zerbröseln würde ich dir jedenfalls nicht empfehlen. Wenn du eine Retard-Tablette zerbröselst, dann gibt sie evtl. ihren Wirkstoff nicht kontinuierlich über den ganzen Tag ab (wie das bei vielen Psychopharmaka derzeit der Fall ist), sondern du bekommst den gesamten Wirkstoff auf einen Schlag ab. Das ist nicht Sinn der Sache.
 
Hallo Nemo,

vielen Dank für deine Antwort. Das Medikament heißt Atarax und ich habe mich extra in der Apotheke erkundigt, ob ich die Tabletten zerbröseln darf. Es handelt sich hierbei um ein Antihistaminikum der ersten Generation, welches bei Angststörungen off-label angewandt wird. Es hat sowohl eine stark angstlösende als auch eine mäßig sedierende Wirkung. Ich soll es als Dauermedikation einnehmen, nicht als Bedarfsmedikament.

Mein Problem spezifisch bei diesem Medikament ist auch nicht die Angst vor der Allergie.. Das bezieht sich tatsächlich eher auf unbekannte Stoffe. Jedoch habe ich fürchterliche Angst vor der Wirkung. Ich habe Angst, dass ich den "veränderten Zustand" einfach nicht aushalte. Seit der letzten Einnahme hat es eine Überdosis mit illegalen Drogen und einen Medikamentenabusus von Schlaftabletten gegeben.. Ich denke aus diesen Ereignissen rührt die Angst teilweise.

Naja. Die Angst ist irrational, aber sie ist da. Vielleicht liegt die einzige Lösung in der mir noch unmöglich erscheinenden Überwindung und ich "muss da durch". Ich hatte irgendwie gehofft, jemanden zu finden, der diesen Kampf schon gekämpft und gewonnen hat. 🙁

GLG
 
Wäre es vielleicht eine Lösung wenn du erst einmal nur ein ganz klein wenig davon nimmst und dann bis auf die normale Dosis steigerst? Dann brauchst du auch nicht so eine Angst zu haben. Am besten einen festen Plan machen in dem du in so ca eine Woche auf eine Normale Dosis kommst.
 
Ich habe die gleiche Phobie, auch vor Allergie und vor allem die Angst vor der Wirkung. Ist mir schon zu oft passiert, dass es da riesige Probleme gab. Der eine Notarzt kam, um mir ne Spritze zu geben, der nächste kurz darauf, um ein Gegenmittel zu spritzen und ich war für Tage völlig daneben.
Wirklich überwunden habe ich das nicht. Wenn möglich, lasse ich mir immer zuerst von dem Mittel die Tropfenform verschreiben, fange dann mit einem Tropfen an und steigere langsam. Tabletten zerbastle ich auch und mir ist es egal, ob man das darf oder nicht, ist ja nur für den Anfang und so gab es auch bisher keine Probleme. Selbst Kapseln kann man auseinander nehmen. Dazu brauche ich dann auch noch einen Tag, wo es mir relativ gut geht, so dass ich den Stress, der durch die Medieinnahme dazu kommt, aushalten kann.
Ja, man kann eine Medikamentenphobie nun mal schlecht mit Medikamenten heilen. Ich bekomme wahnsinnige Panikanfälle, die halten dann auch sehr lange an, bei einem Antibiotikum beispielsweise genau so lange, wie ich das nehmen muss. Eine Allergie kann nun mal jederzeit auftreten, auch wenn ich das Mittel (oder was auch immer) bis gestern vertragen habe. Hab ich auch schon erlebt.
Bleibt also nichts weiter, als mit der kleinstmöglichen Dosierung in Krümeln zu beginnen und zu schauen, was macht es mit mir oder auch nicht. Hab es jetzt geschafft, ein Medikament relativ regelmäßig zu nehmen über längere Zeit. Was Neues dazu, da hätte ich schon wieder unüberwindbare Probleme.
LG und viel Mut, kiablue
 
Ein Versuch mit Homoeopathie könnte ein Weg aus dem Dilemma sein. Das aber mit einem Heilpraktiker erörtern.
 
@ SasaBo:

Ja, das war auch eigentlich mein Plan. Aber anscheinend bekomme ich es auch so nicht hin. 🙁 Mich beschleicht der Verdacht, dass ich auf der Suche nach einer Lösung bin, die es so nicht gibt 🙁

@ kiablue:

Oh mein Gott, was du da beschreibst, deckt sich zu 100% mit meinen Empfindungen. Ich habe einen mega Respekt vor dir, dass du es zumindest zeitweise schaffst, deine Angst zu überwinden und nötige Medis zu nehmen. Hut ab! 🙂 Das mit den Tropfen wäre auch meine Ideallösung gewesen.. Das Medi gabs tatsächlich auch mal in Tropfenform, jedoch wurden die vom Markt genommen. 🙁 Es ist wie verhext. Jetzt muss ich mich wohl oder übel der verflixten Tablette stellen.. Und das sind Höllenqualen für mich. Dass ich da auf einen "guten Tag" warten muss, sehe ich genauso wie du.
Eine Frage hätte ich jedoch: Das Medi, welches du nun regelmäßig nimmst, ist das gegen deine Angst-Symptomatik? Und falls ja, hilft es dir? Ich erhoffe mir von meinem Medi nämlich auch eine enorme Besserung der Phobie..

@ Pierre-Adrian:

Das würde mein Problem nicht lösen. Ich habe eine gute Homöopathin und sie hat mir vor einiger Zeit auch etwas verordnet. Auch dieses Präperat kann ich auf Grund der Angst nicht einnehmen. 🙁


GLG und Danke für eure vielen Antworten!
 
Ich nehme Insidon, wirkt beruhigend, weniger antidepressiv, dafür aber bei mir vor allem gegen die somatischen Beschwerden, zumindest werden die ein bisschen dadurch eingedämmt, so dass mir trotz Schmerzen auch ab und zu mal was möglich ist. Gegen die Phobie hilft es eher nicht. Ich sollte noch was dazu nehmen, ist mir nicht gelungen. Und glaub mir, ich habe eine ganze Kiste voller Medis, die ich nicht geschafft habe, zu nehmen. Meine Ärztin ist unheimlich glücklich, dass ich jetzt mal was nehme, wir was gefunden habe, was etwas hilft. Bekomme ich dieses Mittel mal von einer anderen Firma, geht das Problem gleich mal wieder von vorn los und ich muss mich rantasten. Mittlerweile sage ich mir, wenn ich allergisch reagiere und ich sterbe am Schock, dann ist das eben so. Bleibt nur noch die Angst vor der Wirkung und den Nebenwirkungen, ob ich das dann aushalte. Naja und da bewährt sich ja die Krümelmethode. 🙂
LG kiablue
 
(...)
Nun meine Frage: Gibt es hier Menschen, die auch eine Mediphobie hatten und diese überwunden haben? Und wenn ja, wie habt ihr das gemacht?! Ich hab das Medi hier liegen und die Entscheidung, es zu nehmen auch schon getroffen. Allerdings schaffe ich es einfach nicht, es zu schlucken.

Dinge, die ich schon versucht habe:

- Tablette zerbröseln und krümmelweise nehmen
- Tablette lutschen
- "Richtigen Moment" abwarten bzw. versuchen zu kreieren

Ängste, die ich habe:

- Dass ich allergisch sein könnte auf das Medikament
- Dass ich ersticken könnte
- Dass mir die Wirkung nicht gefällt, ich Panik bekomme und dann diesen Zustand aushalten muss, bis die Wirkung nachlässt

Ohje, ohje.. Hat jemand eine Idee? 🙁

GLG

Wie kommst Du darauf, es sei eine Phobie?
 
Hallo ihr Lieben,

danke wiedermal für eure Antworten! Ich habe in den letzten Tagen zum einen versucht, etwas emotionalen Abstand zu der ganzen Problematik zu bekommen und zum anderen nach einer rationales Lösung gesucht. - Und leider keine gefunden.

Fakt ist, dass ich das Medikament nehmen will und muss. Fakt ist aber auch, dass die Ängste vor der Einnahme immer schlimmer werden. Das ganze nimmt Dimensionen an, die wirklich nicht mehr gesund sind. Ich habe plötzlich diesen unaushaltbaren Gedanken, dass dann etwas "in meinem Kopf" (also tatsächlich physisch, hinter meiner Stirn) wirken wird und ich es nicht beeinflussen kann.. Oh man.. Meine Ärztin meinte schon zu mir, dass ich das Medi nehmen muss, da ich auf der Zufahrtsstraße zur Psychose einbiege im Moment.. Und ich merk es immer wieder in Momenten großen Drucks 🙁 Verdammt.

@ Landkaffee:

Weil ich dieses Thema sowohl bei meiner Ärztin, als auch bei meiner Therapeutin angesprochen habe. Im Endeffekt ist mir der Name für das Kind auch egal, welches da gerade in den Brunnen fällt.

@ kiablue:

Nochmal vielen Dank für deine Anteilnahme und deinen Bericht! Darf ich dich noch was fragen? Wie hälst du die sedierende Wirkung aus? Das ist ja auch einer der beiden Hauptwirkmechanismen meines Medikaments und ich habe total Angst vor einer Art "gefühltem Kontrollverlust".. Wie war das am Anfang für dich? Und jetzt?

GLG
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben