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Master abbrechen/Mit BWL-BA in den Beruf?

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Waits

Gast
Hey Leute,

bevor ich zur eigentlichen Frage komme, muss ich etwas ausholen: 2008 habe ich mein Abi mit einem recht guten Schnitt (1,7) absolviert. Wie viele andere, wusste ich aber nie so recht, was ich studieren sollte bzw. später beruflich machen wollte. Ein Elternhaus, das mich bei allem unterstützten wollte, was ich nur anstrebte, ganz gleich, welche Richtung, war dabei ironischer Weise nicht sehr hilfreich. Viele Fächer, für die ich mich leidenschaftlich interessiere, wie beispielsweise Geschichte, Philosophie oder Politik, erschienen mir hinsichtlich der beruflichen Perspektiven eher unattraktiv, auch wenn viele Menschen in meinem Umfeld mich durchaus in solchen Studiengängen sahen. Da meine Familie schon seit Generationen selbstständig ist und ich der ganzen Thematik "Wirtschaft" auch nicht grundsätzlich abweisend gegenüber eingestellt bin/war, entschloss ich mich dann nach langer Planlosigkeit Wirtschaftswissenschaften (BWL+VWL+Soziologie) zu studieren.

Der Start meines Studiums war aber dann leider nicht so, wie ich es mir erträumt hätte. Nach eher durchschnittlichen Noten im 1. Semester kam dann der totale Absturz im 2. Semester. Nicht nur, dass ich mich wenig mit den Studieninhalten identifizieren konnte. Ich musste damals auch eine sehr schmerzvolle Trennung durchmachen. Neben ein paar anderen kleineren "Krisen" führte dies dazu, dass ich durch die meisten Prüfungen fiel und ich Angesichts des riesen Berg an Prüfungen, die noch kamen, völlig verzweifelte. Ich wusste nicht, was ich wirklich aus meinem Leben machen sollte und hatte das Exmatrikulationsformular schon in der Hand. Das ganze ging mit einer tiefen Depression einher, die tägliches Erbrechen mit sich brachte und sogar in Selbstmordgedanken mündeten. Eigentlich lächerlich, wenn man bedenkt, dass ich mit meinen damals 20 Jahren noch alle Zeit der Welt hatte, irgendetwas anderes zu studieren. Aber diese erste Enttäuschung warf mich damals vollkommen aus der Bahn.

Irgendwie - und ich weiß heute ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr, woher ich die Kraft genommen habe - habe ich mich dann doch am Riemen gerissen und das 2. Semester hinter mich gebracht. Von da an ging es erst einmal nur noch aufwärts. Die langweiligen und teils sehr schwierigen Grundlagenveranstaltungen wurden von Vertiefungsfächern abgelöst, in denen ich eher meinen Neigungen nach gehen konnte (auch wenn es teilweise Fächern waren, die durchschnittliche Klischee-BWLer als nutzlose Laberfächer erachten). Diese positive Wende hat mich derart zum Workaholic gemacht, dass ich anders als die meisten meiner Kommilitonen meinen Bachelor in der Regelstudienzeit von 6 Semestern geschafft habe und am Schluss einen BA-Schnitt von 2,2 sowie eine BA-Arbeitsnote von 1,0 auf meinem Abschlusszeugnis lesen durfte. An für sich vielleicht keine phänomenalen Leistungen, aber wenn ich bedenke, dass ich im 2. Semester fast abgebrochen hätte und dachte, ich bräuchte viel länger als meine Kommilitonen, bin ich doch mehr als zufrieden.

Nach meinem BA-Abschluss im letzten Sommer stellte sich dann die Frage, ob ich erst einmal arbeiten gehen sollte oder direkt den Master dran hänge. Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf die Uni. Meine Leistungen waren am Schluss äußerst gut, aber das institutionalistische Bulimie-Lernen, der ganze Bürokratie-Apparat und meine sehr konformistischen Kommilitonen gingen mir dennoch sehr auf die Nerven. Aber angesichts einer Studiendauer von nur 2 Jahren beim Master dachte ich mir "Mit dem BA. hat es am Schluss so gut geklappt, dann klappt das mit dem Master auch." Zudem wurden wir von unserer Uni mit dem Versprechen in den Master gelockt, dass man so viele Wahl- und Spezialisierungsmöglichkeiten hat. Formal stimmt das auch.

Doch dummerweise war und ist die Situation bei uns an der Uni immer noch die, dass sehr viele Professoren in den Ruhestand gegangen sind oder die Hochschulen gewechselt haben und somit die jeweiligen Lehrstühle unbesetzt sind. Und das sind ausgerechnet die Lehrstühle, für deren Fächer ich mich am meisten interessiert habe. Bei Beginn meines Master-Studiums stand ich deswegen vor der Tatsache, dass 50% der von mir gewählten Fächer Plan B oder C waren, also Fächer für die ich mich nicht interessiere und für die ich auch keine nennenswerten Vorkenntnisse mit bringe. Ich habe mich davon aber nicht entmutigen lassen und trotzdem den Master in Angriff genommen. Bei manchen Fächern entpuppte es sich sogar als Glück, dass ich sie quasi aus „Zwang“ gewählt hatte, da sie mir dann doch sehr gut gefielen. Aber im gesamten blieb die Unzufriedenheit. Einige Fächer habe ich dann nach dem ersten Semester gewechselt, weil mir einfach die Vorkenntnisse fehlten, die andere schon aus ihren jeweiligen BA-Vertiefungen hatten, um wirklich mit zu kommen. Ich habe mich dann an mehreren Stellen beraten lassen für alternative Fächer. Und erst war ich voller Hoffnung, bei all dem, was man mir von anderen Veranstaltungen erzählte. Geblieben ist dann aber nicht viel. Auch da viel dann wieder der größte Teil der Lehrveranstaltungen aus diversen Gründen ins Wasser weswegen ich teilweise bei Plan C und D in den Vorlesungsälen sitze.
Das ganze hat dann dazu geführt, dass die Zukunfts- und Versagensängste, die nach dem 2. Semester besiegt schienen, wieder an die Oberfläche brachen. Seit 6 Monaten leide ich wieder unter tiefen Depressionen und ich stelle mir andauernd die Frage, ob sich die ganze Plackerei für den Master-Titel lohnt, wenn ich eh schon meinen BA-Abschluss habe und eigentlich direkt in das Unternehmen meiner Eltern einsteigen könnte, was die sogar begrüßen würde, da sie mich so frühzeitig einarbeiten könnten. Aber die öffentliche Meinung bezüglich der Bologna-Reformen im Allgemeinen und des Bachelor-Abschluss im speziellen, gibt einem da nicht viel Orientierungshilfe. Ich verfolge diesbezüglich TÄGLICH die Nachrichten. Das eine mal heißt es, die Berufspraxis ist wichtig und hinterher sei es vollkommen unwichtig, welchen Titel man hat. Beim anderen mal heißt dann, der BA sei ja nur ein Vordiplom. Es ist wirklich kein schönes Gefühl, wenn man sich selbst für den BA ans Limit gebracht hat, und dann gesagt bekommt, dass man ja eigentlich noch nichts erreicht hat.

Naja, jedenfalls bin ich 23 und stehe seit ca. einem halben Jahr vor der Frage, ob ich abbrechen soll oder irgendwie weiter mache. Mein Frust über die Uni wird eigentlich nur jeden Tag größer. Gleichzeitig wächst aber auch meine Angst vor der Zukunft, die Angst, dass ich meine Zukunft verbaue. Da ich ein sehr grüblerischer Mensch bin, der dazu neigt, alles zu „zerdenken“, macht es glaube ich keinen Sinn, mich noch länger mit dieser Entscheidung abzuquelen.
Stattdessen wollte einfach mal völlig außenstehende Fragen, wie sie die Sache sehen? Auf den Master pfeifen und für das seelische Wohlbefinden, etwas machen, womit ich mich wirklich identifizieren kann (also im Familienunternehmen anfangen)?
 
Du hast jetzt noch keine nennenswerte Zeit für den Master verschwendet und würdest im Familienunternehmen unterkommen. - Dann mach das doch, wenn es dir damit besser geht! Der Master läuft dir nicht weg - den kannst du auch später noch machen oder vielleicht sogar neben dem Beruf. Dann möglicherweise auch mit Fächern, die dich wirklich interessieren...
Natürlich ist der Master höher angesiedelt, aber auch der Bachelor ist ein richtig guter akademischer Abschluss.
=> Steig im Familienbetrieb ein, arbeite etwas - und wenns auch nur eine gewisse Auszeit vom Studieren ist.
 
Erst einmal vielen Dank für deine Antwort 🙂

Aber kann ich später überhaupt meinen Master weiter machen, wenn ich mich jetzt exmatrikulieren würde?
 

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