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Mal etwas Positives

Blooser2018

Neues Mitglied
Hallo liebes Forum,

Vor ca. 1,5 Jahren habe ich mich (unter einem anderen Namen) hier im Forum angemeldet. Zu dem Zeitpunkt war ich stationär in einer geschlossenen Psychatrie untergebracht worden. Grund für meinen Aufenthalt waren mehrere ( weniger ernste und sehr ernste) Selbstmordversuche.
Der Grund für meinen letzten Selbstmordversuch war mein lange hinausgezögerter Studienabbruchim 6ten Semester an einer staatlichen Uni in Hessen.
Ich begann das Studium ca. ein halbes Jahr nach meinem Abi.
Ich komme aus einer sehr zerrüttelten Familie und zu meiner Studienzeit konnte ich nicht finanziell unterstützt werden. Mein Einkommen kam also aus Baustellenjobs (vollzeit) in den semesterferien und dem Bafög zusammen. Den Unterhalt meines Vaters behielt meine Mutter (ich wusste nicht das er zahlt). Das Kindergeld behielt auch sie ein. (Ich weiß ich hätte es einklagen sollen aber ich habe es iwie nicht gewagt).
Ein Zimmet in besagter Stadt kostet so um die 450 warm + Studiengebühren pro Semester von ca 400. Dazu kommt natürlich noch Essen ect.
Nun.. mit Bafög und den Nebenjobs kommt man damit dann gerade so hin.
Ein wirkliches Studentenleben hatte ich nicht, da kein Geld für Extras da war. Parties nur selten und Mädchen kennen lernen schon garnicht. Ich war/bin einfach nicht der typ auf den eine frau steht mit meiner finanziellen situation. (Nehme ich auch niemanden übel)
Ich wollte das unbedingt. Was sein. Ich wollte endlich ein gutes Leben führen. Vll mal einen Familie haben und meinen Kindern etwas bieten können. Egal hauptsache besser als früher. Also zog ich dieses Finanzstudium durch so gut es ging. Bis mich meine alten Dämonen aus meiner Kindheit einholten. Meine finanzielle Unsicherheit wurde zur Panik und dann zu einer Angststörung. Dann kam der Moment der alles veränderte. Ich bestand eine Klausur nicht. Nicht schlimm dachte ich mir, das passiert vielen. Doch dann wurde mein Bafögantrag abgelehnt und somit wurde der Rest des Studiums unfinanzierbar.
Und das alles so spät. Nach drei Jahren. Kurz vor der Bachelorarbeit. Was jetzt ? Dann kam der Zusammenbruch.
Habe ich 3 Jahre meines Lebens verschwendet? Stehe ich mit 23 mit Nichts da obwohl ich doch etwas geleistet hatte?
Das sind Gedanken die mich bis heute quälen. Über Zeit nachzudenken die ich hätte anders verbringen können. Andere machen Reisen haben ihre erste Ausbildung abgeschlossen oder haben ein angenehmes Leben und ich hatte Nichts. Vor allem hatte ich Versagt. Ich war ein Studienversager.
Ich war jemand der etwas nicht zuendebringt.

Nach dem Selbstmordversuch und 3 Monaten Klinikaufenthalt zog ich wieder zu meiner verhassten Mutter, die immer so tat alsob sie sich für mich aufopfern würde und mich vor ihren Freunden als krank darstellt um Anerkennung zu bekommen. Ihre verkorksten Beziehungen habe, laut ihr, ich zu verschulden.
Aber da kommt es wieder den Hass den ich in mir habe aber damit ist jetzt Schluss und ich sage euch warum.

Wie ich bereits erwähnt hatte war ich in den Semesterferien immer auf Baustellen arbeiten. Nach meinem Studienabbruch wollte ich mit 23/24 nicht bei 0 anfangen. (Was ich aber auch geschafft hätte und zu schaffen ist) Ich entschied mich für eine Lehre im Handwerk. Undzwar nicht Tischler oder Zimmermann (wie bei vielen ehemaligen Studenten beliebt weil ja so romantisch) sondern Maurer und Betonbau.
In den Augen von vielen das was Assis machen oder Leute mit wenig Bildung.
Ich bin jetzt seit einem Jahr in der Ausbildung und habe diese auf 2 Jahre verkürzt. Ich werde in drei Monaten einen erneuten Antrag auf Verkürzung stellen damit ich in ca. 6 Monaten meine Gesellenprüfung ablegen kann.
Ich komme in diesem Beruf extrem gut zurecht und für mich steht schon jetzt eine Fimengründung fest mit Schwerpunkt auf energetischer Altbausanierung (also KfW Fürder, EnEV 2014 etc).
Nach meiner Gesellenprüfung mache ich sofort den Meister. Der dauert ca. 7 Monate Vollzeit.
Finanzieren tue ich mir das indem ich jetzt Geld spare. Man verdient nämlich im Handwerk (besonders Sanierung) schon als Azubi sehr gut. (Nebenbei) ich verdiene jetzt Netto was ein durchschnittlicher Bachelor in den ersten Berufsjahren verdient.
Ausgezogen bin ich auch schon wieder und das Leben geht weiter. Ich fühle mich lebendig und mit einer Aufgabe gesegnet. Wer hätte das gedacht?

Was ich damit sagen will: Egal wie es jetzt bei dir aussieht. Glaub mir meine Welt war schwarz. Man hat mich auf Medikamente gesetzt und ans Bett gefesselt und mir gedroht mich dauerhaft festzuhalten.
Aber nichts kann dich aufhalten wenn du weitermachst. Es liegt immer an dir und an deiner Lebenseinstellung.
Ist es geil mit 24 in einer Ausbildung zu sein? Nein. Aber es ist geil am Leben zu sein und das zu machen worauf man bock hat. Es ist geil die dummen Fressen der Leute zu sehen die mich abgeschrieben haben. Es ist geil meiner scheiss Mutter und Familie den Mittelfinger zu zeigen und zu sagen "nicht mit mir"

Zeiht eure Sache durch. Macht was aus eurem Leben denn ihr habt nur eins. Und denkt dran es ist NIE zu spät.

Ich bin jetzt ein gesunder Mensch der immernoch manchmal heulen muss wenn er an früher denkt aber ich mache jetzt weiter.

In 6 Monaten schreibe ich euch wie es in der Meisterschule ist. Bis dann!
 
Ich teile da ganz deine Meinung und das predige ich in vielen Tutorien auch und auch bei Jugendlichen, wenn wir über unseren Studiengang erzählen.
Nicht jeder muss studieren. Nicht für jeden ist ein Studium was. Ich würde heute auch nicht noch einmal studieren.
Die vielen Rennereien, ständig muss man bei allen lieb und nett tun, ob man ein Referat bekommt oder dieses oder jenes.

Du kannst stolz auf dich sein und dass deinen Job nur Assis machen kann ich nicht teilen.
Ich kenne etliche Tischler, die wirklich intelligent sind.
Wichtig ist, dass man das macht was man gerne tut und sich nicht jeden Morgen auf Arbeit quält.
Da ist es egal ob man studiert oder eine Ausbildung gemacht hat oder gar nichts dergleichen.
Man hat nur ein Leben und das sollte man nutzen.

Und nicht studieren, weil es alle machen oder die Eltern schön finden.

Du bist deinen Weg gegangen und ich finde es gut, dass hier auch mal sowas im Forum mitgeteilt wird.

Mach weiter so.

Natürlich ist dein Lebenslauf ungeachtet der psychischen Probleme auch ein Zeichen dafür, wie hart man arbeiten muss wenn die Eltern nicht Anwälte oder Ärzte sind.

Dein aktuelles Leben ist bewundernswert und sollte auch ein gutes Beispiel für all diejenigen hier im Forum sein, die an sich zweifeln. Danke, dass du das mit uns teilst.
 
Danke das du deine Geschichte mit uns teilst. Es ist schön zu hören, dass es auch noch Perspektiven nach einem Studienabbruch gibt, da man heutzutage den Eindruck gibt, dass man nur mit Studium einen vernünftigen Job bekommt.

Ich studiere aktuell auch und möchte das Studium auch durchziehen, aber ob ich das schaffe ist noch nicht gewiss. Für den Fall der Fälle ist es natürlich gut eine Alternative parat zu haben, deswegen hab ich noch ein paar Fragen.

Also du hast deine Ausbildung auf 2 Jahre verkürzt und willst nochmal um ein halbes Jahr verkürzen, heißt das, dass deine Ausbildung nur 1,5 Jahre dauert?

Außerdem ist ja Maurer ein sehr körperlicher Job. Wie schätzt du die Belastung ein? Ich hab da immer die Befürchtung, dass man dann mit 50/60 massive gesundheitliche Probleme bekommt oder das man nur wenig Kraft für andere Aktivitäten hat.

Du sagst auch, dass du nebenbei Geld verdienst. Heißt das du arbeitest schwarz oder sind das legale Nebenverdienste? Ein Bachlorabsolvent verdient durchaus 2500netto zum Einstieg, das heißt du verdienst dir etwas 1200-1300€ im Monat dazu, wie genau machst du das? (Musst natürlich nicht antworten, wenn du sonst in rechtliche Schwierigkeiten kommst^^).

Mir freundlichen Grüßen
Sokraton
 
Danke das du deine Geschichte mit uns teilst. Es ist schön zu hören, dass es auch noch Perspektiven nach einem Studienabbruch gibt, da man heutzutage den Eindruck gibt, dass man nur mit Studium einen vernünftigen Job bekommt.

Ich studiere aktuell auch und möchte das Studium auch durchziehen, aber ob ich das schaffe ist noch nicht gewiss. Für den Fall der Fälle ist es natürlich gut eine Alternative parat zu haben, deswegen hab ich noch ein paar Fragen.

Also du hast deine Ausbildung auf 2 Jahre verkürzt und willst nochmal um ein halbes Jahr verkürzen, heißt das, dass deine Ausbildung nur 1,5 Jahre dauert?

Außerdem ist ja Maurer ein sehr körperlicher Job. Wie schätzt du die Belastung ein? Ich hab da immer die Befürchtung, dass man dann mit 50/60 massive gesundheitliche Probleme bekommt oder das man nur wenig Kraft für andere Aktivitäten hat.

Du sagst auch, dass du nebenbei Geld verdienst. Heißt das du arbeitest schwarz oder sind das legale Nebenverdienste? Ein Bachlorabsolvent verdient durchaus 2500netto zum Einstieg, das heißt du verdienst dir etwas 1200-1300€ im Monat dazu, wie genau machst du das? (Musst natürlich nicht antworten, wenn du sonst in rechtliche Schwierigkeiten kommst^^).

Mir freundlichen Grüßen
Sokraton


Hallo Sokraton!

1. Ja richtig. Von Beginn an wird der Ausbildungsverstrag auf 2 Jahre gesetzt. Man hat dann bis zur Zwischenprüfung (nach ca. einem Jahr) den Stoff aus dem ersten und zweiten Ausbildungsjahr zu lernen. Wenn man diese dann mit einer 2 oder besser besteht (setzt sich zusammen aus 1/2 Theorie und 1/2 Praxis) kann man das zweite Jahr nochmals um 6 Monate verkürzen.

2. Ja das stimmt Maurer und Betonbau sind sehr körperliche belastende Jobs. Allerdings bleibt es ja jedem selbst überlassen auf dem "Stand" eines einfachen Maurergesellen zu bleiben.
Eine der wohl bekanntesten Weiterbildungsmöglichkeiten ist der Meister (der übrigens KfW gefördert wird) und dauert ca. 7 Monate Vollzeit. Man wäre dann also Maurer- und Betonbaumeister in einer Industrie die händeringend nach Fachkräften sucht die sich in die Schnittstelle zwischen Organisation/Ausführungsüberwachung/Kundenberatung eingliedern können.
Ein Bekannter von mir hat nach seinem Gesellen ca. noch 3 Jahre auf dem "Bau" gearbeitet, bis er dann den Meister gemacht hat. (man kann übrigens direkt nach der Ausbildung den Meister machen)
Jetzt ist er in der Bauleitung tätig, sprich genau da wo sich Aufraggeber und Auftragsausführung treffen. Er arbeitet jetzt nur noch im Büro und bewacht die Arbeiten der Subunternehmer. Er war also ganze 3 Jahre am "schuften".
Es kommt also immer drauf an wie man weitermacht.
Das ist übrigens ein großer Vorteil bei dem Bauhauptgewerken wie zB. Maurer. Hier sind meist große Betriebe im Spiel bei denen (wie in anderen großen Firmen) Abteilungen unterteilt werden. Organisation und Kundenbetreuung, Bauplanung nehmen einen riesigen Teil ein.
Auch nach dem Meister geht es meist weiter. Den Energieberater nach HwK, KfW zu machen bietet die Möglichkeit Kunden bei Neubauten oder Altbausanierung energetisch zu beraten. Die Austellung eines Energieausweises ist heutzutage Pflicht will man zB. eine Förderung für eine energetische Sanierungsmaßnahme. Diesen Energieausweis können NUR Energieberater ausstellen.
Dann kann es zB. als Bausachverständiger weitergehen. Der Bruttostundensatz eines befreundeten Bausachverständigen (selbstständig, nicht studiert) beträgt 140! Euro.

Und das war nur ein Bruchteil wie es weitergehen kann. Bei dem Bauboom der gerade stattfindet kann man sich Arbeit aussuchen. Stellt man sich clever an, kommt man ans Ziel!


3. 2500 Netto zum Einstieg sind doch sehr selten und es kommt auf den Bereich an indem man arbeitet. Ein Geisteswissenschaftler wird wohl von so einem Einstiegsgehalt träumen können (vor allem Bachelor).

Ein guter BWLer, Single, nur Bachelor mit 2500 Netto ja das kann schon sein.

Ich verdiene im zweiten Ausbildungsjahr ca 950 Euro netto. (Und um es vorweg zu nehmen: In der Bauwirtschaft läuft ohne Schwarzgeld Garnichts.)
Am Wochenende oder durch Überstunden unter der Woche kommen bei einem "inoffiziellen" Stundenlohn von 20 Euro schon noch gut was zusammen. Darüber hinaus betreibe ich noch einen Youtubechannel der Bauprodukte vorstellt und deren Umgang zeigt. Man generiet zwar nicht viele Klicks aber diese kommen von einer "kaufkräftigeren" Gruppe als zB. die der Prankster 😀 Dafür bekommt man dann auch noch was Taschengeld.
Ob ich aber auf 2500 komme? sehr selten. Trotzdem gut für einen Azubi 😀


Ich hoffe ich konnte deine Fragen beantworten LG!
 
Besser Maurer oder etwas dergleichen als wenn du irgendwas brotloses studiert hättest.
Beispiele erspare ich mir. Soll sich ja keiner negativ angesprochen fühlen.
 

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