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Loslassen oder an die Hoffnung glauben?!!

C

Cara

Gast
Hallo

Mein Leben dreht sich nun seit etwas mehr als einer Woche nur noch im Kreis. Vor Rund einer Woche musste sich mein Papi einer Herz-operation unterziehen. Bei jeder Op gibt es Risiken, dass ist sich jeder bewusst aber nun ja, wieso sollte es unsere Familie treffen? Zu Tausenden werden solche Op's gemacht...Am letzten Sonntag dann, der Anruf des Krankenhauses: Etwas stimmt nicht, er ist nicht ansprechbar und dann die niederschmetternde Diagnose: Hirnschlag. Am Montag dann die Notoperation und seit dem, er atmet zwar einigermassen, aber er ist weder aufgewacht noch zeigen sich irgendwelche zeichen. In mir drin läuft alles wie in einem Film ab, jeden Moment denke ich: Jetzt wach ich auf, alles ist nicht wahr! Ein Erwachen aus einem bösen Alptraum....aber es ist Realität und es tut so weh, so verdammt weh! Die Ärzte sagen uns, dass er fast keine Chance mehr hat und doch..........Kann man den Ärzten glauben? Gibt es da nicht die Chance das es eine Besserung gibt?? Soll ich Loslassen oder Kämpfen? Wie geht es ihm dabei? Warum ist das Leben so verdammt unfair? Und was wäre wenn, diese elende quälende Frage, was wäre wenn er diese erste Op nicht gemacht hätte? Haben wir die Risiken unterschätzt?

Ich wünsche mir für meinen Papi nicht's mehr, als das er von all dem nichts mehr mitbekommt, dass er bereits irgendwo ist und er sich wohl fühlt - ich versuche Loszulassen, aber was ist wenn wir uns alle täuschen, und er eine Chance verdient hat? Meine Wut und Trauer im Bauch wird von Minute zu Minute grösser.....Wieso ist das leben so unfair?

Cara
 
Hallo Cara,

glaub mir ich kann sehr gut nachvollziehen wie es dir geht. Mein Vater liegt seit einiger Zeit aufgrund eines Herzinfarktes im Koma. Naja Wachkoma. - Er atmet, aber wacht nicht auf. Bekommt laut Ärzten auch nichts mehr mit.

Du darfst einen Fehler nicht machen: Wut haben, dass das mit der OP nicht geklappt hat. Die Ärzte haben sicherlich ihr bestmögliches getan. Die OP war ja auch notwendig, sonst wäre sie ja nicht gemacht worden. Und du darfst dich auch nicht fragen "was wäre wenn". - Glaub mir ich hab mich so oft gefragt, "was wäre wenn das nicht passiert wäre". Es gibt kein "was wäre wenn" sondern nur ein "es ist". Mit dem Gedanken an "hätte, wäre, könnte" zermürbst du dich nur selbst, in dem Kreis in dem du dich drehst.

Als meinem Vater das passiert war, war es wie als wenn mir jemand mit ner Pfanne so heftig aufn Kopf geschlagen hätte, so das ich nicht mehr wusste, wo ich bin, wie ich bin und wie ich überhaupt damit klar kommen sollte. Ich bin damit irgendwie aber klar gekommen.

Die Ärzte machen immer wenig Hoffnung. Und "Wunder gibt es selten", so hat mir der Arzt meines Vaters mal gesagt. Aber, du solltest versuchen in der Situation in der du jetzt bist mit deiner Familie klar zu kommen, ihnen helfen, dir helfen lassen. Trost in den eigenen Reihen bringt sehr viel.

Und wenn ich dir einen wichtigen Tipp geben darf: Vernachlässige dein Leben nicht. Hört sich jetzt vielleicht krass an. Aber versuch, wenigstens etwas, den Alltag nicht ganz aus den Augen zu verlieren.

Ob du Loslassen sollst oder kämpfen sollst... das ist deine Entscheidung. Ich würde nie loslassen. Du wirst es auch nie wirklich können. Er ist dein Vater, auch wenn er nur da liegt. Du wirst aber das kämpfen anders machen. Du wirst öfter an ihn denken und auch bei ihm sein, im Krankenhaus. Kämpfen kann nur er. Du kannst ihn dabei unterstützen. Wenn er nochwas mitbekommt. Du musst dir in deinem Herzen klar werden, dass du ihn niemals loslassen kannst, und das muss deine Art zu Kämpfen werden.

Ich weis, das ist alles sehr leicht gesagt. Aber ich weis von was ich rede.
Glaub mir.

Liebe Grüße
Castaway84
 
Hallo Caro
Bin gerade sehr traurig beim Lesen deiner Zeilen.
Ich denke nicht das du schon lassen solltest, er ist noch da auch wenn du es nicht so siehst wie zuvor.
Doch mache dir nicht zu große Hoffnungen, sonst wirst du noch mehr Entäuscht.
Versuche dich ein wenig darauf vorzubereiten, auf verschiedene Möglichkeiten, zb Tot, Leben, Behindert usw sei dir bewusst das vielleicht alles passieren kann aber eben auch nicht mußt.

Ich denke es ist verständlich das es dir im Moment nicht gut geht und du nicht völlig normal leben kannst, dies sollte jeder verstehen und akzeptieren.

Das Leben macht nicht alles was wir wollen, im Gegenteil, sonst würde es dieses Leid wie du es gerade hast nicht geben.

Trauer nicht zu früh, denn das wirst du leider noch eine Weile tun, wenn die Ärzte Recht haben.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf diesem Weg, der hoffentlich bald positiv enden wird.
 
Hallo ihr,

*ich würde nie loslassen* .....ja,auch so kann man einem geliebten Menschen sein Sterben erschweren.
Auch wenn ihr das nicht verstehen könnt,ich spreche aus Erfahrung bedingt durch meine Arbeit in der Begleitung sterbender Menschen.

Loslassen bedeutet *du darfst gehen* zu sagen,nicht mehr oder weniger.

Nie loszulassen.......wäre egoistisch.

lg
anny
 
Hallo an alle die mir schreiben

castaway84: ich glaube du verstehst die Gefühle und Gedanken, welche in mir sind sehr gut. Es ist ein Hoffen, ein Wunsch - vielleicht ein Wunschtraum. Und doch - ich habe mich für das Loslassen entschieden.

Seit 26 Jahren begleitete mich meine Vater durch mein Leben - ich kenne keinen Vater der Aktiver war, der Zuverlässiger war oder der sein Leben nicht in jeder Minute bis beinahe auf's Maximum ausgekostet hat. Der Gedanke, ihn aufgrund dieser sehr schweren Hirnverletztung in eine Box zu sperren, in welcher er weder mit der Aussenwelt kommunizieren, noch verstehen kann, ist für mich unmöglich. Er wäre bestimmt hier, rein körperlich, aber es wäre reiner Egoismus von uns, ihn um jeden Preis in dieses Leben zu drücken.

anny2: und genau an diesem Punkt verstehe ich sehr sehr gut was du meinst...darum stand ich auch gestern Nacht an seinem Bett, ich habe ihm gesagt wie tief ich ihn für immer im Herzen tragen werde und dass er - egal wo er gerade ist - dahin gehen soll, wo es ihm gut geht...Es mag blöd klingen, es mag unverständlich erscheinen, aber ich habe gefühlt, gewusst, dass er sich entscheiden wird und dass es ihm einfach nur gut geht. Mein allergrösster Wunsch - es soll ihm gut gehen und er soll keine Schmerzen haben. Und er konnte gehen......

Es tut weh und wahrscheinlich kann ich noch nicht einmal einen winzig kleinen Teil des ganzen Schmerzes, welcher auf mich zukommt, erkennen. Die Fragen die mich quälen, lassen mich nicht in Ruhe und ich hadere mit dem Herrgott: Warum er? Und trotzdem: es zaubert mir ein Lächeln auf das Gesicht, wenn ich daran denke, dass es ihm jetzt gut geht. Und dieser Gedanke begleitet mich.

Cara
 
So oft lese ich hier in diesem Forum von Menschen, die keinen Sinn mehr im Leben sehen. Menschen, die sich fragen, wie sie sich kurz und schmerz los für immer verabschieden können. Es tut weh, dies zu hören.

Ich habe vor gut einer Woche meinen Vater verloren. Denn einzigen Vater den ich auf dieser ganzen Welt je haben werde. Er hat gekämpft um sein Leben, er wollte Leben, er war so voller Energie und Tatendrang. und doch musste er gehen. Auf der einen Seite bin ich dankbar, dass es ihm jetzt bestimmt gut geht, aber ich vermisse ihn so schrecklich. Jeder Tag ohne ihn erscheint mir traurig und einsam. Und es werden noch so viele Tage folgen, an denen alles noch viel viel schlimmer werden wird. Und auch wenn ich das Gefühl habe, die Welt sollte stillstehen - sie dreht sich weiter und immer weiter. Mein Leben geht weiter und gerade im Job muss man "funktionieren". Am Anfang ist das Verständnis bestimmt noch da, wenn man nicht 150% da ist, aber was ist in 3 Monaten?

Nun ja, alles erscheint schrecklich und doch...kein Leben kann so schlimm sein, als das es nicht lebenswert ist. Jeder Einzelne ist dafür verantwortlich, dass sein Leben einen positiven Inhalt erhält und jeder hat die Chance zu fühlen, wie wichtig das eigene Leben ist. Denkt nur mal daran, was Angehörige durchmachen, wenn sich ein geliebter Mensch freiwillig das Leben nimmt? Ein ganzes Leben lang werden sie sich fragen, wieso...was hätte ich tun können...Und auch wenn alles noch so traurig und hoffnungslos erscheint, genau DU bist dafür verantwortlich, dass ein Sonnenstrahl dein Herz erreicht! Versuche zu Lächeln, auch wenn du denkst, es geht nicht! Versuche dich an kleinen Dingen zu freuen - gibt es etwas schöneres als die Ruhe der Natur, das Grün der Bäume - die eigene Freiheit, selber entscheiden zu können?

Okay, vielleicht wird es einen Moment in meinem Leben geben, in welchem auch ich der Verzweiflung so nahe bin, vielleicht kann ich dann die Empfindung, nicht mehr leben zu wollen, nachvollziehen.....Ich möchte auch niemanden verletzen mit meinen Worten! Jeder hat das Recht traurig und verzweifelt zu sein.....aber wer die Chance bekommt, weiterleben zu dürfen, sollte diese packen und nutzen!

Cara
 
Hi Cara,

ich glaub das wir alle einmal an diesen Punkt kommen.
Wo wir uns sagen ....*ich möchte endlich gehen dürfen*...will es nicht so ausdrücken *ich will nicht mehr leben*. Denn das klingt doch etwas anders.

Irgendwann wenn wir selbst im Sterbebett liegen möchten auch wir nach Hause gehen.
Bis es einmal soweit ist haben wir die Möglichkeit sehr viel aus unserem Leben zu machen,wenn wir es denn auch wollen.

Du hast vor kurzer Zeit deinen Vater verloren,wie rasch nun die Zeit vergehen wird wirst du noch merken.
Als Mum vor fast 3 Jahren starb war ich dort wo du nun bist........lass dir Zeit.

Liebe Grüße
anny
 

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