S
Sina02
Gast
Meine allerliebste Oma ist am 03.10.2004 verstorben...
Ich weiß es ist zu früh um damit auch nur ein bischen umgehen zu können...ich glaube ich bin Schuld an ihrem Tod.
An meinem Geburtstag im August rief sie mich an um mir zu gratulieren. Auf die Frage wie es ihr ginge antwortete sie nur zögerlich. Sie sagte mir sie hätte ein wenig Bauchschmerzen, und ich weiß, jetzt wenn meine Oma über Schmerzen klagt, ist es schlimm. Das wusste ich da noch nicht und sagte ihr sie solle Kamillentee trinken, das würde die Bakterien schon abtöten. Und ich habe mir keine großen Gedanken darüber gemacht.
Zu dieser Zeit waren meine Eltern im Urlaub und ich habe sie nicht darüber informiert, weil ich es wirklich nicht für schlimm empfand. Doch als meine Eltern 2 Wochen später zurück kamen und bei Oma anriefen, erzählten sie mir, dass sie sofort zu ihr fahren müssen. Am selben Abend wurde sie vom Notarzt abgeholt und es folgte eine Notoperation.
DARMKREBS...das war die schlimme Diagnose die wir bekamen. Man sagte mir meine Oma würde noch bis Weihnachten leben. Doch schnell ging es ihr besser, nach nur 3 Wochen Krankenhausaufenthalt durfte sie wieder nach Hause und ihr künstlicher Darmausgang schien ihr keine Probleme zu bereiten.
Mitte September sollte der Darmausgang wieder zurückverlegt werden und man operierte meine Oma wieder. Nach der OP rief man uns an und teilte uns den Misserfolg dieser mit. Der ganze Bauch sei voller Geschwüre. Ab da ging es Oma sehr schlecht.
Sie lag noch 2 Wochen im Krankenhaus. Am Sonntag, dem 03.10., war ich bei meinen Eltern zum Frühstücken und danach wollten wir Oma besuchen. Den Tag davor ging es ihr so gut, dass die Ärzte erlaubten, dass wir zu viert mit der ganzen Familie hindürften.
Doch um 9:00 kam ein schrecklicher Anruf. Wir sollten uns beeilen und schnell hinfahren. Also fuhren wir los. Es war die schlimmste Fahrt meines Lebens, wir haben im Auto Todesängste gehabt so schrecklich ist mein Vater gefahren. Für eine Strecke wo wir sonst 45 min. brauchten haben wir 20 min. gebraucht.
Als wir ankamen lag meine Oma in einem Einzelzimmer, direkt am Schwesternzimmer (im Nachhinein erfuhren wir, dass dort alle Patienten liegen, die sterben). Meine Oma war an ein Sauerstoffgerät angeschlossen und man hörte bei jedem Atemzug das Wasser in der Lunge. Sie war so blass und brachte fast kein Wort raus.
Plötzlich waren alle aus der Familie da, die Schwestern haben wohl alle verständigt. Meine Oma freute sich sehr über unseren Besuch. Durch das Morphium nahm sie aber nicht mehr viel war. Sie dachte wir wären bei ihr zu Hause und freute sich über den Kuchen den wir mitgebracht hatten (dabei lagen auf dem Tisch nur unsere Jacken). Ich war mit meiner Schwester bis 16 Uhr da. Im Zimmer meiner Oma war ich nur 2 mal für wenige Minuten. Mir war so schlecht und mein Kreislauf spielte verrückt, als ich sie da liegen sah.
Ich verabschiedete mich von ihr ein letztes Mal. Um 18 Uhr rief mein Vater mich an und teilte mir mit, dass sie jetzt zu Hause sind. Mehr konnte er nicht sagen.
Seit dem gibt es keinen Tag an dem ich nicht das Gesicht meiner sterbenden Oma sehe. Seit dem gibt es keinen Tag an dem ich mich nicht frage ob es meine Schuld ist, weil ich nichts gemacht habe. Und seit ich weiß dass es kein Krebs war sondern "nur" eine Magen-Darm-Entzündung, wie ich sie im Juli hatte, mache ich mir noch größere Vorwürfe. Ich habe es überlebt (trotz Notaufnahme im Krankenhaus) und sie nicht, weil ich nicht für sie da war.
Jeden Tag weine ich, wenn ich ihr Gesicht sehe. Jeden Tag muss ich die Worte meines Freundes hören: "Du kannst daran nichts ändern, also hör auf zu weinen!" Er versteht mich nicht. Mit meinem Vater konnte ich nicht darüber reden. Ich weiß nicht wie sehr er um seine Mutter trauert. Ich traue mich nicht mit jemandem aus meiner Familie zu reden.
Für uns war und ist sie der beste Mensch auf Erden gewesen. Sie hat für andere gelebt. Nie für sich. Alle Zeit hat sie aufgeopfert um für ihre Mutter da zu sein. Alles Geld hat sie gespendet. Und sie hatte noch soviel vor.
Immer hat sie gesagt "Wenn die Oma (also meine Uroma) einmal nicht mehr ist, dann mache ich eine Weltreise. Dann besuche ich meine ganze Familie und jeden Kontinent." Sie hat nicht einmal das Haus meiner Eltern gesehen, indem sie nun seit 4 Jahren leben, meine Wohnung konnte sie auch nie sehen.
Warum?? Warum musste sie im Alter von 68 Jahren schon sterben? Ich dachte immer die Medizin sei heute schon so weit? Warum habe ich niemandem von unserem Telefonat erzählt???
Ich weiß es ist zu früh um damit auch nur ein bischen umgehen zu können...ich glaube ich bin Schuld an ihrem Tod.
An meinem Geburtstag im August rief sie mich an um mir zu gratulieren. Auf die Frage wie es ihr ginge antwortete sie nur zögerlich. Sie sagte mir sie hätte ein wenig Bauchschmerzen, und ich weiß, jetzt wenn meine Oma über Schmerzen klagt, ist es schlimm. Das wusste ich da noch nicht und sagte ihr sie solle Kamillentee trinken, das würde die Bakterien schon abtöten. Und ich habe mir keine großen Gedanken darüber gemacht.
Zu dieser Zeit waren meine Eltern im Urlaub und ich habe sie nicht darüber informiert, weil ich es wirklich nicht für schlimm empfand. Doch als meine Eltern 2 Wochen später zurück kamen und bei Oma anriefen, erzählten sie mir, dass sie sofort zu ihr fahren müssen. Am selben Abend wurde sie vom Notarzt abgeholt und es folgte eine Notoperation.
DARMKREBS...das war die schlimme Diagnose die wir bekamen. Man sagte mir meine Oma würde noch bis Weihnachten leben. Doch schnell ging es ihr besser, nach nur 3 Wochen Krankenhausaufenthalt durfte sie wieder nach Hause und ihr künstlicher Darmausgang schien ihr keine Probleme zu bereiten.
Mitte September sollte der Darmausgang wieder zurückverlegt werden und man operierte meine Oma wieder. Nach der OP rief man uns an und teilte uns den Misserfolg dieser mit. Der ganze Bauch sei voller Geschwüre. Ab da ging es Oma sehr schlecht.
Sie lag noch 2 Wochen im Krankenhaus. Am Sonntag, dem 03.10., war ich bei meinen Eltern zum Frühstücken und danach wollten wir Oma besuchen. Den Tag davor ging es ihr so gut, dass die Ärzte erlaubten, dass wir zu viert mit der ganzen Familie hindürften.
Doch um 9:00 kam ein schrecklicher Anruf. Wir sollten uns beeilen und schnell hinfahren. Also fuhren wir los. Es war die schlimmste Fahrt meines Lebens, wir haben im Auto Todesängste gehabt so schrecklich ist mein Vater gefahren. Für eine Strecke wo wir sonst 45 min. brauchten haben wir 20 min. gebraucht.
Als wir ankamen lag meine Oma in einem Einzelzimmer, direkt am Schwesternzimmer (im Nachhinein erfuhren wir, dass dort alle Patienten liegen, die sterben). Meine Oma war an ein Sauerstoffgerät angeschlossen und man hörte bei jedem Atemzug das Wasser in der Lunge. Sie war so blass und brachte fast kein Wort raus.
Plötzlich waren alle aus der Familie da, die Schwestern haben wohl alle verständigt. Meine Oma freute sich sehr über unseren Besuch. Durch das Morphium nahm sie aber nicht mehr viel war. Sie dachte wir wären bei ihr zu Hause und freute sich über den Kuchen den wir mitgebracht hatten (dabei lagen auf dem Tisch nur unsere Jacken). Ich war mit meiner Schwester bis 16 Uhr da. Im Zimmer meiner Oma war ich nur 2 mal für wenige Minuten. Mir war so schlecht und mein Kreislauf spielte verrückt, als ich sie da liegen sah.
Ich verabschiedete mich von ihr ein letztes Mal. Um 18 Uhr rief mein Vater mich an und teilte mir mit, dass sie jetzt zu Hause sind. Mehr konnte er nicht sagen.
Seit dem gibt es keinen Tag an dem ich nicht das Gesicht meiner sterbenden Oma sehe. Seit dem gibt es keinen Tag an dem ich mich nicht frage ob es meine Schuld ist, weil ich nichts gemacht habe. Und seit ich weiß dass es kein Krebs war sondern "nur" eine Magen-Darm-Entzündung, wie ich sie im Juli hatte, mache ich mir noch größere Vorwürfe. Ich habe es überlebt (trotz Notaufnahme im Krankenhaus) und sie nicht, weil ich nicht für sie da war.
Jeden Tag weine ich, wenn ich ihr Gesicht sehe. Jeden Tag muss ich die Worte meines Freundes hören: "Du kannst daran nichts ändern, also hör auf zu weinen!" Er versteht mich nicht. Mit meinem Vater konnte ich nicht darüber reden. Ich weiß nicht wie sehr er um seine Mutter trauert. Ich traue mich nicht mit jemandem aus meiner Familie zu reden.
Für uns war und ist sie der beste Mensch auf Erden gewesen. Sie hat für andere gelebt. Nie für sich. Alle Zeit hat sie aufgeopfert um für ihre Mutter da zu sein. Alles Geld hat sie gespendet. Und sie hatte noch soviel vor.
Immer hat sie gesagt "Wenn die Oma (also meine Uroma) einmal nicht mehr ist, dann mache ich eine Weltreise. Dann besuche ich meine ganze Familie und jeden Kontinent." Sie hat nicht einmal das Haus meiner Eltern gesehen, indem sie nun seit 4 Jahren leben, meine Wohnung konnte sie auch nie sehen.
Warum?? Warum musste sie im Alter von 68 Jahren schon sterben? Ich dachte immer die Medizin sei heute schon so weit? Warum habe ich niemandem von unserem Telefonat erzählt???