Moral sagt: "das ist nicht menschenwürdig". Ethik geht der Frage nach: Was ist Menschenwürde?
Menschenwürde ist eine menschliche Erfindung, und zwar eine relativ neue. Konstruiert, um daran Gesetze aufzuhängen wie z. B. Folterverbot, Verbot der Sklaverei, den Rest der Menschenrechte wie sie im GG zu finden sind.
Der Mensch hat Menschenwürde weil er ein Mensch ist, und das erstreckt sich auch auf Einzelteile des Menschen, die z. B. "würdig" bestattet werden müssen - allerdings nur solange es Sachen sind, die der Mensch nicht eh ständig von sich gibt wie z. B. Haare oder Hautschuppen, oder ekligere Dinge. Für die reicht die normale Müllabfuhr bzw. die Kanalisation.
😀
Ein Hund z. B. hat keine Menschenwürde, weil er kein Mensch ist, für einen Baum oder Stein gilt das gleiche.
Menschenaffen, die uns ziemlich ähnlich sind in allem, sind ein Streitthema, ob Menschenwürde für sie gelten sollte oder nicht.
Aber Menschenwürde ist kein Naturgesetz. Die Natur steht dem Menschen und den Gesetzen, die er sich selber gibt, teilnahmslos gegenüber, keine Menschenwürde wird einen Menschen davor schützen, im Wasser zu ertrinken, von einem Blitz getroffen zu werden, im Urwald vom Tiger gefressen zu werden oder von einem Moskito mit einer tödlichen Krankheit infiziert zu werden. Oder vor den Gefahren der zivilisierten Umgebung, vor Autounfällen oder entgleisenden Zügen oder fallenden Dachziegeln oder dem Stolpern über einen Randstein.
"Menschenwürde" gilt also allein im Umgang der Menschen miteinander. Sie beruht auf Konsens und Akzeptanz. Verliert sie das, aus welchem Grund auch immer - wird sie als Konzept und Gesetzesgrundlage abgeschafft und verschwindet. Menschliche Kulturen haben tausende von Jahren ohne "Menschenwürde" existiert und tun das in vielen Teilen der Welt bis heute.
Man könnte sagen, sie ist (meistens) ein Plus. Aber kein Muß.