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Lebensentscheidung - Unzufrieden im Beruf-Kündigung-Studium?

T

Tebur

Gast
Hallo,
wie schon in der Überschrift zu lesen stehe ich derzeit vor der schwierigsten
Entscheidung meines Lebens.
Ich bin derzeit (noch) Polizeibeamter im mittleren Dienst, habe aber für das WS
11/12 einen Medizin Studienplatz. Ich zerbreche mir seit Wochen den Kopf was ich nun
tun soll, bin verzweifelt, kann nicht mehr schlafen.

Nach dem Abi hab ich mir gedacht gehste halt mal zur Polizei, studieren kannst du
immer noch. Mittlerweile bin ich 27 und mir läuft die Zeit davon.

Wirklich zufrieden war ich mit dem Job und der Ausbildung nie, habe mir schon oft
überlegt zu kündigen, wusste aber nie so genau was ich eigentlich machen will.
Beim Staat gibts halt für den Anfang gut Geld und der Job kotzt mich zwar nicht
wirklich an, ausfüllen oder Spass machen ist aber was anderes. Ich dümpel halt
einfach so dahin. Ich fühle aber seit längeren so eine dermaßene...ja... auch
wenns sichs doof anhört...innere Leere, es ist der Hammer. Diese
"Bulleneinstellung" hab ich auch nicht wirklich dh alles anzuzeigen was nicht bei 3
auf dem Baum ist 😉, groß Karriere werd ich dort jedenfalls nicht mehr machen...
auch nicht gerade motivierend. Ich möcht mich garnicht in 20 Jahren sehen,
wahrscheinlich wär ich so ein alter, mürrischer und vergrämter Beamter.

Das Positive ist: Es ist ein extrem sicherer Job, was mir sehr wichtig ist. Man
arbeitet sich beim besten Willen nicht tot und hat ( zumindest auf meiner
Dienststelle) kaum Druck bei der Arbeit; und der Schichtdienst macht mir auch (noch)
nichts aus. Der Verdienst ist zwar nicht Bombe, aber man kommt gut damit klar.

Nun ist es so, daß ich zur Zeit quasi immer noch auf der Suche bin. Ich kann mich
einfach für nichts wirklich begeistern (vllt liegt das auch an meiner generellen
Job-Unzufriedenheit, die sich nun schon über Jahre hinwegzieht) würde aber gerne
noch was anderes machen und studieren. Während des Studiums müsste ich wohl bei
den 8000 prüfungen, die anstehen, mit meiner extremen Prüfungsangst/Versagensangst
klarkommen, was meine Hauptsorge ist. Wenn ich jetzt (!) nur an das Physikum oä
denke, dreht sich mir jetzt schon der Magen um, schlimm. Ich seh mich dann nach ein
paar versauten Prüfungen bestimmt schon in der Gosse.

Ich bin niemand der schon immer unbedingt Arzt werden wollte, sonst hätte ich wohl
auch nicht solche Probleme mich zu entscheiden. Es ist aber das, was mich zur Zeit
am meisten interessiert, sonst hätte ich mich ja nicht beworben. Außerdem denke
ich, dass es ein abwechslungsreicher, fordernder, interessanter und sicherer Job
ist. Eigentlich auch die Gründe warum ich ursprünglich zur Polizei gegangen bin.

Ich würde mit einem Studium mein bisheriges Leben hinter mir lassen und könnte mit
hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zurück, dh wieder im alten Job einsteigen, da
hab ich mich schon schlau gemacht. Schon irgendwie krass, hätt ich Bürokaufmann
oder so gelernt, könnt ich mich zumindest wieder bewerben und hätte noch nen
doppelten Boden. Bin ja auch nicht mehr der jüngste 😉.

Ich erhoffe mir natürlich nicht, dass mir hier die Entscheidung abgenommen wird,
aber ein paar Denkanstöße wären super. Vllt
erleichtert mir das ja die "richtige Entscheidung". Ich weis halt einfach nicht mehr
weiter. Sorry für den langen Text, aber das musste sein.

Danke für die Aufmerksamkeit.
 
Also das ist wirklich eine äußerst schwierige Entscheidung, finde ich.
Aber erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Deinem Medizin-Studienplatz! Das ist hierzulande wirklich nicht einfach, in diesem Fach einen Studienplatz zu bekommen.

Rein aus Interesse: Wieso bist Du denn im mittleren Dienst? Mit Abitur kann man doch in den gehobenen Dienst und Kommissar werden. In einigen Bundesländern ist der mD zudem ein "Auslaufmodell" - in NRW zB werden schon seit Jahren nur noch Kommissaranwärter eingestellt.


Zu Deiner Frage:
Ich halte es schon für sehr wichtig, dass man beruflich seine Erfüllung findet. Der Beruf ist nunmal das, was den Durchschnittsmenschen heute für einen wesentlichen Teil seines Lebens prägt. Wenn es also irgendwie geht, sollte man das machen, was einen ausfüllt. Bei Dir hört es sich so an, als sei der Polizeiberuf eher eine "Verlegenheitslösung" gewesen. Das spricht grundsätzlich dafür, noch etwas Neues zu probieren.
Allerdings sollte man natürlich die berufliche Erfüllung nicht über alles andere stellen. In Deinem Fall gibt es ja durchaus einige Risiko-Faktoren: Du gibst - quasi ohne Not - einen sicheren Beamtenstatus auf und stürzt Dich - ohne zu wissen wie es ausgeht - in ein wirklich langes, schweres Studium. Das ist schon ziemlich riskant. Wenn Du jetzt anfängst (mit 27) müsstest Du ca. Ende 30 sein, wenn Du endlich fertig ausgebildeter Arzt bist. Die lange Ausbildungsdauer hat jeder Mediziner, aber wenn Du mit Mitte 30 noch mitten im Studium bist und Deine Freunde und Bekannten alle arbeiten/Häuser bauen/Familien gründen kann das ziemlich belastend sein.

Tja, ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, wie ich mich entscheiden würde.
Ich stand aber vor einigen Jahren vor einer ähnlichen Entscheidung: Ich war ebenfalls Beamter (gD, allg. Verw.). Dann habe ich mich entlassen lassen um Jura zu studieren (das war im Nachhinein betrachtet ziemlich riskant; wenn das Studium schief gegangen wäre, hätte ich ein Riesenproblem bekommen). Jetzt bin ich endlich fertig und habe sogar meinen Traumjob (Richter), aber ich habe während des Studiums öfter unter starker Zukunftsangst gelitten, besonders vor den Prüfungen. Von daher kann ich die Tragweite der Entscheidung einigermaßen nachvollziehen. Und Medizin dauert ja noch etwas länger als Jura. Ich kann für mich heute natürlich sagen, dass die Entscheidung goldrichtig war, aber ich möchte mir nicht ausmalen, wo ich jetzt stünde, wenn es schiefgegangen wäre.
 
Hallo Tebur,

auch von mir herzlichen Glückwunsch zum Studienplatz.

Mein Sohn ist Mediziner (jetzt 33 Jahre alt), einer unserer Verwandten ist Polizist im mittleren Dienst (50Jahre alt).

So, erst einmal zu meinem Sohn.

In der Grundschule tat er sich schwer mit dem Lernen. Er hat keinen Sinn darin gesehen, dass es toll ist, 5+13 zu addieren. Und er weigerte sich zu akzeptieren, dass es Fronleichnam heißt und nicht Frohenleichenwagen 😉.
Die Lehrerin schlug nach der Grundschulzeit die Gesamtschule als Zukunftsweg vor, ich setzte durch, dass Sohnemann auf die Realschule kam.

Das erste Jahr auf der Realschule drehte er eine "Ehrenrunde", er konnte mit den anderen Kindern nicht mithalten.
Danach ging es mühsam millimeterweise bergauf. Er äußerte damals seinen Berufswunsch. Arzt wollter er werden.
Arzt. Hahahaaaa. Ich bin ein humorvoller Mensch, aber, dass hat mir fast die Sprache verschlagen.
Warum er Arzt werden wollte ? Weil er eines Tages mal einen Ferrari fahren wollte.
Na ja, ich sagte ihm dann, dass er alles schaffen könnte, wenn er es denn wirklich WOLLEN würde. Dann WOLLTE er.

Nach einem recht guten Realschulabschluss hat er ein Wirtschaftsgymnasium besucht. Ohne naturwissenschaftliche Fächer auf dem Plan, also null Chemie.
Er ist gut durch's Abi gekommen, Abinote 2,3.
Danach hat er sich um einen Studienplatz in Medizin beworben.
Nach den Montaten des Zivildienstes und ein Jahr Wartezeit konnt er endlich loslegen.

Meinen Rat, Nachhilfe in Chemie zu ordern hat er weit von sich gewiesen. Mamaaaa ich schaffe das auch so.

Er hat seit Beginn des Studiums viel, viel gebüfftelt. Allerdings nicht so sehr, dass er keine Freizeit mehr hatte.
Irgendeine Freundin hatte er immer am Start, Party am Wochenende war immer angesagt.
Ausnahme, direkt vor den Klausuren, da hat er verstärkt gelernt.
Einige Studienkollegen haben das alles mit links geschmissen. Die haben alles sofort begriffen, denen lief das Studium wie Öl von der Backe.

Das schreckliche Physikum ist im Grunde gar nicht so schrecklich !!! Eigentlich ist es nur ein Meilenstein im Medi-Studium. Also, alles nicht ganz so wild.
Das Physikum hat mein Sohn jedoch versemmelt. Es haperte am Chemiewissen.
Nach diesem Rückschlag hat er endlich das Angebot Nachhilfe Chemie angenommen.
Beim zweiten Anlauf klappte es dann.
Das Staatsexamen ist ebenfalls, wenn man sich vorbereitet, kein Ding der Unmöglichkeit für einen Normalo-Menschen ohne Superhirn.
Es gibt Vorbereitungsbücher für das große Ereignis, in denen man sich durch Kreuzen austoben kann.
Ach ja, nicht zu vergessen, zwischendurch noch Beginn der Doktorarbeit.

Mein Sohn litt ebenfalls unter Prüfungsangst. Halt unter normaler Nervösität, nicht extrem, mit Schweißausbrüchen oder Ähnlichem.
So, dann war alles geschafft.
Er hat sofort eine Anstellung gefunden, zur damaligen Zeit, sowie heute sind Ärzte Mangelware und heiß begehrt.

Sohnemann ist also auf dem Weg zum Facharzt, in 2 Jahren ist er fertig.

Dass dieser Beruf stressig ist, ist keine Frage. Manchmal steht er von morgens bis zum späten Nachmittag im OP, gegessen wird zwischendurch, eine 5-Min.Terrine muss reichen. Zusätzlich fällt Stationsarbeit an und der schriftliche Kram muss ebenfalls erledigt werden. Pünktlichen Dienstschluss hat er fast nie, aber länger als 1,5 Stunden bleibt er auch nicht im Krankenhaus.
Die Überstunden kann er aufschreiben, dafür kann er sich irgendwann frei nehmen.
Die Nachtdienste sind ganz verschieden. Mal kann er durchschlafen, im nächsten Dienst muss er 3x nachts raus und helfen. Vor kurzem hat er eine zusätzliche Notarztausbildung gemacht, er fährt also auch Dienste RTW-Notarzt.
Aber, der Stress ist halt von Klinik zu Klinik verschieden. Klar, dass es in einem kleinen Krankenhaus weniger zu tun gibt, als in einer Uniklinik.
Die finanziellen Einbußen durch das Studieren relativieren sich irgendwann.
Im Moment schwankt sein Netto-Gehalt, je nachdem, wie viele Nacht-, bzw. Notdienste er macht um die 3.500 €.

Ihm macht der Job Spaß, er geht voll in seinem Beruf auf und lebt recht gut.
NOCH sind die Berufschancen sehr gut, aber das kann sich ja auch innerhalb der nächsten Jahre mal ändern.

Unser Polizist

Kürzlich hatte er Geburtstag und war ziemlich down.
Er konnte nie die höhere Laufbahn angehen, weil er "nur" einen Realschulabschluss hat.
Die Einsätze machen ihm zu schaffen, die Knochen werden nicht jünger.
Ich glaube, er war immer gerne Polizist, aber je älter er wird, desto anstrengender wird der Job.
Heute sagt er : Hätte ich das doch damals alles anders gemacht. Hätte ich mal das Abitur gemacht, dann wäre ich heute bei der Kripo und nicht bei Castor-Einsätzen bei Nacht und Nebel.

Überlege dir gut Tebor, was du machen möchtest.
Man kann schlecht einen Rat geben, das musst DU ganz alleine spüren, was dir mehr Erfüllung bringt.
Auch ohne eine Intelligenzbestie zu sein, könntest du ein Medizinstudium schaffen, darum habe ich das auch geschildert. Allerdings solltest du schon richtiges Interesse an diesem Beruf haben.
Sicher, was du hast, das weißt du. Aber ob du auf Dauer damit zufrieden bist, wenn du schon jetzt zweifelst.

Vielleicht konnte ich dir mit dem kleinen Einblick des Werdegangs meines Sohnes ein wenig helfen.

Liebe Grüße
Geli
 
Eine Frage an Geli:

Wenn Dein Sohn jetzt 33 Jahre alt ist und in zwei Jahren (mit 35) Facharzt ist, wie lange hat er denn dann gebraucht? Das wäre ja für den Threadersteller eine wichtige Information, da er ja jetzt bereits 27 Jahre alt ist.
 
Hallo Gast,

das Medizinstudium dauert 12 Semester (Regelzeit).
Die anschließende Facharztausbildung dauert je nach Fachrichtung 5-6 Jahre.

Tebur ist erst 27 Jahre JUNG !, lach. Ich habe das nicht erwähnt, weil...ich denke mal, wenn er sich zum Studium angemeldet hat, dann wird er auch wissen, wie lange die Ausbildung dauert.

Gruß
Geli
 
Hallo,
wie schon in der Überschrift zu lesen stehe ich derzeit vor der schwierigsten
Entscheidung meines Lebens. Ich bin derzeit (noch) Polizeibeamter im mittleren Dienst, habe aber für das WS
11/12 einen Medizin Studienplatz. Ich zerbreche mir seit Wochen den Kopf was ich nun
tun soll, bin verzweifelt, kann nicht mehr schlafen.
Deine Frage müsste sich längst erledigt haben, denn die Einschreibungstermine für zulassungsbeschränkte Studiengänge sind lange verstrichen und das WS 2011/12 hat für die Erstsemester bereits mit den Einführungswochen angefangen.
 
Auch von mir: Glückwunsch zu Deinem Studienplatz!
Medizin war jahrelang mein Traumstudium und manchmal bereue ich immer noch, dass ich zur richtigen Zeit nicht die Kurve gekriegt habe und diesen Weg gegangen bin.
Also: sei mutig und tue das, was Dich erfüllt. 🙂
Es ist allerdings wichtig, dass Du herausfindest, um was es sich dabei handelt.
Du willst Action und Abwechslung? Glaubst Du, Du wirst das vor dem Physikum finden? Der vorklinische Teil des Medizinstudiums soll langweiliger als so ziemlich alles sein, was es auf unserer Welt gibt. Da muss man schon ein ausgesprochener Fan der Biochemie sein, um sich an diesem Teil des Studiums zu erfreuen.
Und danach?
Der klinische Teil hat den Ruf interessanter zu sein, vorausgesetzt, Du interessierst Dich für Medizin.
Um zu sehen, ob ein Beruf der richtige ist oder nicht, stellt man sich am besten die folgenden Fragen:
Warum möchtest Du Arzt werden?
Um anderen zu helfen? Da wäre eventuell auch Krankenpflege, Logopädie oder Beratung (Wirtschaft oder Psychologie) geeignete Tätigkeitsfelder.
Oder interessierst Du Dich für Naturwissenschaften? Neben Medizin gebe es da noch Biologie, Physik, Chemie und vieles mehr.
Du willst Action und kein vergrämter Beamter werden? Schon mal an Jobs in der Sicherheitsbranche gedacht? Security-Firmen boomen. Wie wäre es mit einer Ausbildung zum Bodyguard, Detektiv oder einer anderen Richtung in der Sicherheitsbranche? Sowohl Jobs mit Action als auch Bürojobs sollten dort zu finden sein (also für jemanden wie Dich mit dieser Vorerfahrung & der körperlichen Fitness).
Möchtest Du einem Job, bei dem Du Dich bewegst oder lieber eine Tätigkeit am Schreibtisch?
Was ist Dir in Deinem Beruf wichtig?
Mentale Herausforderung?
Sicherheit?
oder körperlich gefordert zu sein?
Arbeitest Du lieber mit dem Kopf (wie die meisten Ärzte, Journalisten, Forscher, usw) oder Deinen Händen (Handwerk, Pflege, usw)?
Wie wichtig sind Dir Geld und Anerkennung?
Und der Umgang mit Menschen?
Ich denke, wenn Du diese Fragen beantwortet hast, kannst Du die Zahl der möglichen Berufe schon mal etwas reduzieren...und dann siehste ja, was übrig bleibt. Mit 27 hast Du noch viel Zeit. Mach Dir bitte keinen Druck...andere beginnen mit 40 ein Studium oder eine (neue) Ausbildung. 🙂
Vor einem Medizinstudium musst Du ja ohnehin ein dreimonatiges Praktikum im Krankenhaus absolvieren (oder während des Vorstudiums). Kennst Du einen Arzt? Im Internet gibt es ein Forum, das heißt Das Portal fr Studienbewerber, Medizinstudenten und junge Ärzte
Vielleicht erfährst Du dort etwas über den Arbeitsalltag von Ärzten in Deiner angestrebten Fachrichtung (auch ein Punkt, über den man sich im Vorfeld des Studiums am besten ein paar Gedanken macht, denn das Leben eines Psychiaters, eines Chirurgen und eines Pathologen unterscheiden sich sehr stark voneinander.)

Viel Glück mit Deiner Entscheidung! 🙂
 
Danke für die vielen Antworten.

Darüber, wie lange das Studium dauert bin ich mir sehr wohl bewusst: 6 Jahre und 3 Monate bis zum Assistenzarzt und dann nochmal ca. 5-7 Jahre zum Facharzt.

@nikke:
Ich bin ja schon eingeschrieben.

@Geli:
Es ist ja nicht so dass ich mich da als Beamter kaputtarbeite... und dein Sohn ist 33 und der Beamte 50... lass deinen Sohn erstmal 50 werden *g*. Soll ja nicht wenige Ärzte geben die an dem Stress (vor allem in den Kliniken) zugrunde gehen. Bei nem Castor oder so rumstehen würde ich als Beamter auf meiner Dienststelle sicher nicht machen; da werden in ruhigen Nachtschichten im Winter eher die Gesellschaftsspiele ausgepackt 😉.


Wie gesagt, am wichtigsten ist mir wohl die Sicherheit. Ich würde gerne nochmal was neues probieren... aber was wenn es nicht klappt? Ich muss ja noch nichtmal das Studium vergeigen, sondern zB einfach nur im Studium merken, dass es nix für mich ist.
Dann bin ich Anfang 30 und steh mit Abi mit absolut leeren Händen da. Mein absoluter Albtraum.
 
Hallo Tebur, hallo an alle anderen!
Mit großem Interesse habe ich die Beiträge gelesen.
Ich kann dich, Tebur, sehr gut verstehen, ich befinde mich gerade in einer sehr ähnlichen Situation.
Ich bin 30 Jahre alt und von Beruf Polizistin. Mein Beruf füllt mich nicht aus, ich fühle ebenso wie du, Tebur, diese "Leere" in mir. An manchen Tagen geht es, da macht mir die Arbeit Spaß, aber die Zeiten mehren sich, in denen ich mir nicht vorstellen kann, diesen Beruf noch weitere 35 Jahre auszuüben.
Vielleicht noch ein paar Dinge zur Erklärung. Ich bin Landespolizistin, im ermittelnden Bereich, sprich "Kripo". Ein Dienstposten, um den mich vielleicht auch einige Kollegen/Kolleginnen beneiden würden. Dennoch sehe ich mich nicht als Polizistin. Dieser Beruf füllt mich nicht aus.
Nach dem Abitur habe ich kurze Zeit auf Lehramt studiert, was ich dann aber abgebrochen habe. Im Nachhinein lag es nicht am Studium selbst, sondern an den Rahmenbedingungen, die nicht passten (Kommilitonen, Studienort). Nach kurzer Orientierungslosigkeit und großer Verzweiflung, zu nichts zu taugen, bin ich dann, glücklich, etwas gefunden zu haben, bei der Polizei "untergekommen".
Nachdem ich das Studium gD abgeschlossen habe, sogar gut, wurde ich schwanger. Wenn ich mich mehr mit dem Beruf identifizieren würde, hätte ich sicher zunächst einmal arbeiten wollen. Aber so kamen dann unsere beiden Wunschkinder. Ich habe auch schnell wieder angefangen zu arbeiten, um Berufspraxis zu bekommen, allerdings nur in Teilzeit. Nun aber, da die Kinder "aus dem Gröbsten raus" sind, kommt die berufliche Unzufriedenheit und sogar Panik vor der beruflichen Zukunft immer stärker zurück.
Ich bereue zutiefst, mir damals, als ich am beruflichen Scheideweg stand, nicht mehr Gedanken über mich und das, was ich wirklich kann und will, gemacht zu haben. Nun bin ich natürlich familiär und finanziell gebunden und ein Berufswechsel wird immer schwieriger. Wie gesagt, ich bin 30.
Was ich mir vorstellen kann ist, das Lehramtsstudium wieder aufzunehmen.
Bedeutet auch viel Stress, noch weniger Zeit für Kinder+Familie, Haus+Garten und mich. Und keine finanzielle Sicherheit mehr. Was ist, wenn mir das alles zu viel wird? Geht das überhaupt, ein (Vollzeit-)-Studium, Kinder, nebenbei in dem alten Beruf noch arbeiten, um zum Familieneinkommen auch etwas beizusteuern? Was wäre, wenn der Lehrerberuf mich ebenso frustiert wie der des Polizisten? Wie überzeuge ich meinen Mann von meinen Plänen/Ideen, der meinen "Flausen" alles andere als offen gegenüber steht?
Entschuldige bitte, Tebur, dass ich in deine Diskussionsrunde mit meinen Problemen hineinplatze, aber das liegt mir echt auf dem Herzen. Ich habe großen Respekt vor deiner Entscheidung. Probiere es mit dem Studium, du würdest dir sonst immer Vorwürfe machen, dass du es nicht versucht hast.
Danke für's Lesen!
 

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