Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Leben versaut?

  • Starter*in Starter*in NoName12356
  • Datum Start Datum Start
N

NoName12356

Gast
Hallo zusammen,
ich weiß nicht mehr wo ich im Leben stehe. Mit 24 habe ich Maschinenbau bis zum B.Sc. studiert. Eigentlich sollte danach der Master folgen. Meine Bachelorarbeit habe in der Industrie geschrieben und bin da gehörig auf die Nase gefallen. Mein Chef war von der Sorte "Karrieregeil" und "ich gehe über Leichen, um nach oben zu kommen". Das hat mir jede Motivation und Freude an dem Job genommen. So wollte ich definitiv nicht werden und konnte ihn als Menschen damals nicht richtig einsortieren. Mit meinen Eltern habe ich darüber nicht sprechen können. Ich hatte parallel dazu eine Firma im Eventbereich, die mir Spaß gemacht hat. Die war mal als Zuverdienst zum Studium gedacht. Nach der Bachelorarbeit war der Master geplant - jedoch hat die Firma plötzlich so dermaßen gebrummt, dass ich nicht mehr zum studieren kam. Geldverdienen, Firma ausbauen und Spaß haben mit dem was man liebt (Hobby zum Beruf gemacht), wurde zum Lebensinhalt. Mit 30 kam der große Knall. Zwangsexmatrikulation an der Uni. Handfester Burnout, schwere Depression - aufgrund Überarbeitung. 4 Wochen Klinikaufenthalt. - Die Umsätze der letzten Jahre sind in die Firma in Form von Anschaffungen geflossen - welches noch vorhanden ist.

Ich habe den Eindruck mir mein zukünftiges Leben gehörig versaut zu haben - und ich merke gerade wer Freund und wer Feind ist. Läufts gut, stehen alle hinter Dir. Läufts schlecht, treten alle auf Dich ein - samt Eltern und Familie. Doppelmoral vom Feinsten - und das von engsten vertrauten. In der Klinik gab es den Verdacht auf ADS. Ich wollte nach dem Klinikaufenthalt mein Studium fortsetzen und mich in eine ambulante Anschlusstherapie begeben. Mein Vater hat mich in einen 40 Stunden Job steckt und mir gesagt "ich könne ja immer noch nebenbei studieren". 40 Stunden Job + Masterstudium führten dann fast zum nächsten Ausfall. Inzwischen bin ich da wieder raus, weil es mir einfach zu viel wird.

Die größte S**** ist aktuell die Zwangsexmatrikulation an der TU. Der Master war letztlich Wunschmaster und inhaltlich nicht wirklich eine Herausforderung. Ich konnte mich noch darum kümmern, dass ich in einem anderen Master unterkommen konnte. Zwar nur begrenzt fachlich ähnlich aber zumindest irgendein Master.

Seitdem dieser ganze Mist los ging, weiß ich nicht mehr wo mir Kopf und Kragen steht. Ich fühle mich nur noch so als ob ich es allen Recht machen müsste. Jeder quakt mich voll. Mach dies. Mach das. Mach Karriere, Mach es allen Recht, Was hast Du Dir nur dabei gedacht? Geh Arbeiten, geh Studieren! Aus Dir wird ja mal richtig was! Du musst nach oben auf der Karriereleiter sonst bist du nichts wert! Mach alles gleichzeitig! Selbstständig pah - also arbeitslos oder was?! Dazu kommen halt genug Selbstvorwürfe meinerseits. Ich habe gehofft, dass ich es mit der Firma "schaffe". Mein Perfektionismus und "Mach es allen Recht"-Antreiber macht es mir gerade doppelt schwer.

Ganz ehrlich? Ich fange an Menschen zu hassen. Ja, das mit der Firma war blöd oder zumindest dass ich nicht besser die Kontrolle darüber gehalten habe und mehr Aufträge abgesagt habe. Es war als Zuverdienst zum Studium geplant. Aber es lief. Die Aufträge waren da. Ich finds so geil. Ich habe einen Traum gelebt und es gewagt. Seit Jahren erzählt mir meine Tante wie gerne sie doch aus ihrem Sekretärinnenjob raus möchte, um ihr eigenes Cafe aufzumachen. Ich hab was gewagt und bin auf die Klappe gefallen. Ihre Worte: "Mensch! Aus Dir wird ja mal richtig was mit nem Bachelor!" - Die gleiche Tante wollte zwei Monat noch, dass ich eine Veranstaltung bei ihr umsetze. Doppelmoral. Ich hasse es.

Es fällt mir schwer mein Leben jetzt zu sortieren, sodass ich erstmal den Kontakt zu diversen Menschen unterbrochen habe. Hilft alles nichts, wenn Dich jeder nur vollquakt und Dir seine Meinung aufdrücken will. Mein Selbstvertrauen hat massiv gelitten, sodass ich mir den ganzen Mist auch sehrzu Herzen nehme.

Tut mir Leid. Genug gejammert.
 
👏 👏 👏 👍
Bravo! Du reagierst doch richtig! und da kann doch nichts anderes als etwas aus Dir werden!
Das, was Du Jammern nennst, ist doch eine prima Entladung! Musst nur noch etwas stärker im Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl werden, damit Du fester zu Dir und zu Deinen Ansichten stehst. Das wird, davon bin ich überzeugt.

Wohnst Du noch bei Deinen Eltern? So ganz verstehe ich nicht, wie Dein Vater dazu kommt, Dir mit 30 Jahren eine Arbeitsstelle zuzuweisen. Und dann, naja, die liebe Tante... Aber wie gut, dass Du von jetzt an klar Schiff in Deinen familiären Beziehungen machst. Das ist der erste Schritt zur Befreiung und wahrscheinlich auch zur Erlösung.

Dieses Burnout ist vielleicht gar nicht mal so eine schlechte Sache, es hat Dich wachgerüttelt, Du bist gesundet und kannst einen Neuanfang in Angriff nehmen. Und falls der nicht gleich so klappt oder sich als falsch erweist, nun, dann gibt es eben mehrere Neuanfänge. In unserer Epoche ist das doch eigentlich gar kein Problem.
 
Nein. Ich wohne seitdem ich 20 bin alleine. Wie mein Vater dazu kommt, weiß ich nicht. Warum ich das mitmache, weiß ich auch nicht. Das klingt so dämlich, dass ich mit 30 noch auf die Anerkennung meines Vaters achte.

Ich versuche im Moment das beste aus der Situation zu machen. Leider merke ich noch deutlich die Nachwirkungen des Burnouts und der Depression - und das ist jetzt 12 Monate her.

"Gesundet" klingt gut ;-) Hoffen wir mal, dass dem so ist.
 
"Gesundet" klingt gut ;-) Hoffen wir mal, dass dem so ist.
Ja, bestimmt! Das sieht man ja auch an Deiner Beschreibung, die so klar und Energie geladen ist, da machte ich mir überhaupt keine Bedenken. Natürlich kann es von Zeit zu Zeit noch Schwankungen geben, aber dann erinnere Dich einfach nur daran, was Du alles geleistet hast, nämlich am persönlichen Vorwärtskommen bzw. an Deiner Persönlichkeit.
Wenn Du jetzt auch noch lernst, Grenzen zu setzen, Dir ein Pensum pro Tag einrichtest, das nicht überschritten werden darf, dann wirst Du auch immer mehr bestärkt und von Deiner Umwelt geachtet und respektiert. Das geht natürlich nicht von heut auf morgen, daher habe vor allem Geduld mit Dir selber.

Die Anerkennung von seinem Vater zu erhalten, bleibt wohl ein ganzes Leben in uns. Darauf solltest Du aber nicht allein achten, sondern auch darauf, wieviel Liebe er Dir in Deinem Leben gegeben hat. Ich drücke es mal so aus, ich hoffe, Du verstehst mich.
 
Hallo NoName,

Du hast wirklich schon Beachtliches geleistet in Deinem Leben und Du bist noch recht jung.

Dein Perfektionismus hat dich da leider mit in einen Burnout geführt, weil Du vermutlich noch nicht gelernt hast, Grenzen zu setzen - weder Dir selbst, wenn Du es übertreibst arbeitsmäßig noch Deinem Vater, der nun wirklich kein Recht hat, Dir Dinge vorzuschreiben. Tröste Dich, viele sind mit 30 Jahren noch nicht abgenabelt, manche nabeln sich nie ab.

Du hast einige Dinge nun, mit denen Du Dich befassen möchtest, das ist klar. Je mehr Meinungen man sich einholt, umso verwirrter wird man - man fühlt sich wie verfolgt von einem Schwarm aggressiver Hornissen, die einem um die Ohren surren - grauenvoll. Zumal - -wie Du ja schriebst -sich öfter Leute auch anmaßen, dumme Sprüche loszulassen (Deine Tante), die nun auch nicht als Vorbild dienen können.

NoName - Dein Name, den Du Dir hier gegeben hast, klingt nicht so schön im ersten Moment: Namenlos, das klingt etwas traurig, aber andererseits, wenn man nachdenkt, bietet er auch eine Chance. Neu anfangen, Dir einen Namen - ein Leben geben - Dein eigenes Leben, genau das, was Du willst und was zu Dir passt. Nicht das Leben, was andere Dir aufdrücken wollen.

Dafür aber brauchst Du Ruhe, Stille, Einsamkeit meiner Meinung nach. Hättest Du zeitlich und finanziell die Möglichkeit, Dir eine Auszeit zu nehmen - Urlaub oder so? Leider ist ja coronabedingt nicht viel möglich, sonst hätte ich Dir einen Aufenthalt im Kloster oder sonstwo, wo es ruhig und meditativ ist, vorgeschlagen.

Lass Dich nicht verunsichern von Menschen, die meinen, sie wüssten, was das Beste für Dich ist und die selbst in ihrem Leben auch nicht das erreichen, was sie anderen predigen.

Komm zur Ruhe, schreib gerne hier weiter. Wie Du vielleicht gesehen hast, hast du hier auch die Möglichkeit in einem Forum, ein Tagebuch zu führen, Deine Gedanken zu sortieren, Punkt für Punkt durchzugehen - das kannst Du öffentlich machen, so dass Leute auch kommentieren können, aber auch privat - glaube ich - so dass nur Du lesen kannst.

Du schaffst das, wenn Du den Druck rausnimmst und etwas entspannt.
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
J Leben (damals ) mit einem PHK Beruf 6

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben