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Leben am Abgrund (Angststörung)

  • Starter*in Starter*in Lila-
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L

Lila-

Gast
Ich möchte die Wahrheit über mich loswerden. Ich kann sie nicht meiner Familie gegenüber aussprechen, kann mich vor Freunden nicht offenbaren. Daher tue ich dies hier.
(Im Übrigen würde ich mich über Kontakt und Antworten freuen.)

Aufgrund einer genetischen Disposition und schwierigen Jugendjahren entwickelten sich in mir tiefgreifende Unsicherheiten. Ich dachte für lange Zeit, jedem Menschen ginge es tief drinnen so wie mir. Bald fühlte ich mich minderwertig, weil es mir nicht so gut wie scheinbar allen anderen gelang, meine Ängste zu verdrängen oder zumindest so kontrolliert zu halten, dass meine Umwelt nichts davon mit bekommt. Ich war dem Irrtum erlegen, dass jeder Mensch in vergleichbaren Situationen auch ähnlich fühlt und es nur eine Sache der inneren Kontrolle ist, inwieweit diese Gefühle spürbar für denjenigen selbst und sichtbar für die Umwelt würden.
Ich verheimliche meine Probleme vor jedem außer vor einer Person
[...]
Mein Alltag sieht also so aus, dass ich fast immer nur Zuhause bin. Was mich aber ehrlich gesagt nicht stört, ich fühle mich sehr wohl in meinem Zuhause. Andere ziehen los und machen Bungeejumping, wo mir schon eine Fahrt mit den Öffentlichen reichen würde um dasselbe Gefühl auszulösen. Ich genieße die Reizarmut und Ruhe sehr, selbst in der Stille ist es mir bisweilen zu laut. Langeweile kenne ich nicht. Ich gehe auch mal gerne raus in die Natur, dort wo sonst niemand ist. Und zu Hause kann ich mich auf vielfältige Weise beschäftigen und meinen Hobbies nachgehen.
[...]
Aber ich habe die Geschichte hier mit eingearbeitet, weil sie eine Reihe von Denkprozessen in mir in Gang gesetzt hat, die mir sogar ein Stück weit geholfen haben. Ich habe nun nicht weniger Angst als früher, aber meine Sicht auf mich selbst hat sich durch dieses Ereignis allmählich verändert. Ich sah mich früher nur als die „schlechte Gesunde“, die alles mögliche nicht oder nur mit Mühe zustande bringt, was anderen scheinbar sogar noch Spaß zu machen schien. Ob es sich dabei nun um Feiern, Shoppen oder sonst etwas handelt.
[...]
Es kam zu einem innerlichen Umbruch. Dadurch, dass mir von außen verboten wurde, was ich mir selbst ja schon jahrelang verboten hatte, nämlich mein Problem zu thematisieren und anzuerkennen, wurde mir klar, dass dieses Problem maßgeblich mein Leben geprägt hat. Wer sich nach über 10 Jahren nicht mehr recht daran erinnern kann, ohne ein Angstproblem zu sein, dem fällt es mitunter schwer, zwischen Angststörung und der eigenen Persönlichkeit zu differenzieren. Merkwürdig, wie der Mensch bisweilen funktioniert und auf welche Weise er wachgerüttelt werden kann.
Ich versuche daher mittlerweile, mich als „gute Kranke“ zu sehen
[...]
Trotz des schwierigen Weges lasse ich mich nicht unterkriegen. Irgendwann werde ich „ankommen“. Das war die Beschreibung einer der gewichtigsten Facetten meines Lebens. Mein dunkles Geheimnis. Vielleicht hilft es jemandem, zu lesen, wie ich mittlerweile damit umzugehen versuche. Nun danke ich euch dafür, dass ihr zugehört habt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Lila,

du kannst sehr stolz auf dich sein, dass du trotz deiner Ängste dein Abi, Studium (kurz vor Ende) und deinen Führerschein geschafft hast.
Kennt sonst noch jemand, außer deiner Ärztin, deine Ängste? Dein Freund? Ich meine er wird ja sicherlich fragen, wenn du so gut wie nie mit eikaufen gehst, warum nicht?
Wie lange hat das bei dir mit der Suche nach einen Therapeuten und erstes Gespräch gedauert?
Eins möchte ich noch loswerden: Du musst dich für nichts schämen!
 
Es gibt Menschen, die leisten im Stillen mehr als so manch andere, deren "Heldengeschichte" in den Medien präsentiert wird.
 
Hey Lila,

auch ich möchte dir meinen tiefsten Respekt aussprechen. Ich weiß, an welchem Platz du im Leben stehst.. Angefangen von deinen realen Ängsten bis hin zu der Angst vor dem drohenden Versagen, weil man die Last nicht mehr schultern kann. Lass dir eines gesagt sein: Du hast so viel mehr geschafft, als die meisten in einer vergleichbaren Situation - inkl. mir.
An der Art und Weise, wie du dich artikulieren kannst und deinem Willen, die vorhandenen Probleme nun anzugehen, kann ich dir nur eine Prognose geben: Du wirst es schaffen! Du wirst den Weg aus diesem Modder finden und wirst ihn langsam aber stetig gehen.
Ich wünsche dir viel Kraft, Mut und alles Gute dafür!

GLG
 
Ich danke euch für die netten Worte, jedoch gebührt mir kein Respekt wegen meines Verhaltens: Ich gehe ja letztlich nur den "einfacheren" Weg, weil ich mich von meiner Angst leiten lasse. Ich versuche zumeist, meinen Lebensweg so zu beschreiten, dass das Leid (bestehend aus Angst und Selbstvorwürfen) möglichst gering gehalten wird.
 
Ich danke euch für die netten Worte, jedoch gebührt mir kein Respekt wegen meines Verhaltens: Ich gehe ja letztlich nur den "einfacheren" Weg, weil ich mich von meiner Angst leiten lasse. Ich versuche zumeist, meinen Lebensweg so zu beschreiten, dass das Leid (bestehend aus Angst und Selbstvorwürfen) möglichst gering gehalten wird.

Du kannst es selbstverständlich so sehen und bewerten, wie du es tust - es ist dein Ding.

Ich erlaube mir aber es anders zu sehen: Was du trotz der immensen Angst vollbracht hast.

Nicht jeder hat die gleiche Last zu tragen. Nicht jeder hat die gleichen "Startbedingungen" im Leben.
Die eine wird in eine verhungernde Familie in Afrika hineingeboren, der andere wird Sohn eines Millionärs in der Schweiz.
So auch im Seelischen.
 
Hallo lila,

keine Ahnung inwieweit wir uns ähneln, aber ich sehe zumindest emotional gewisse Parallelen.
Mir hat eine Depression den Boden unter den Füßen weggezogen. Davor bin ich immer sehr planvoll und systematisch vorgegangen, diese Charaktereigenschaft macht mir momentan Probleme.

Ich habe jahrelang alles emotional Unangenehme weggedrückt, "Logos über alles" quasi ("Emotionen stören ja oft nur") und bin vielleicht auch deshalb depressiv geworden. "Meterdicke Maske" kommt mir auch bekannt vor, allerdings hielt ich die Rolle nur für ein kurzes Zeitfenster durch, Leute mit feineren Antennen (einige Frauen) blickten mitunter durch.

Ich glaube mittlerweile auch, dass ich so etwas wie eine genetische Disposition zur Depression habe, nur hilft mir das nichts. Ebenso wenig wie das Wissen, dass sich durch die D. Hormonbalance und etliches mehr ändert; ich kann mich psychisch nicht "austricksen", einfach ein paar Kontakte neu schalten und sagen: passt schon.

Angst ist auch bei mir ein Thema. Habe versucht, sie einzuschätzen (wie realistisch... usw.), klappte aber nicht.
Selbstwertgefühl, -bild, der Zugriff auf eigene Fähigkeiten oder Interessen (welche waren das noch gleich...), all das ist aus dem Lot geraten. Und man beginnt zu glauben, alle Welt sähe einem an, dass man krank ist (wie ein Kainsmal auf der Stirn) und muss sich dagegen wehren eine Art Paranoia zu entwickeln...
Mein Problemlösungs-Katalog hat nicht die geeigneten Konzepte für diesen "psychischen Mist".
 
Wobei ich sagen muss, dass ich durchaus ein emotionaler Mensch bin. Gleichzeitig bin ich auch ein Vernunftsmensch. Für mich schließt sich das nicht aus und ich erlaube mir generell jedes Gefühl. Nur die Angst versuche ich zu verstecken.
 
Eine Beschreibung meines gestrigen Tages. Es ist nichts enorm außergewöhnliches vorgefallen, ich hatte einfach Lust es niederzuschreiben:

[...]
 
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