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Langjährige enge Freundschaft entwickelt sich zu mehr – zwei bestehende Beziehungen betroffen

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 135228
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G

Gelöscht 135228

Gast
Hallo zusammen,
ich stecke gerade in einer emotional ziemlich komplexen Situation und würde gerne neutrale Meinungen hören.
Ich bin seit vielen Jahren verheiratet und habe Kinder. Die Ehe läuft allerdings schon lange schwierig. Viele Bedürfnisse von mir (Nähe, Humor, Wertschätzung, intellektueller Austausch, körperliche Nähe) sind über Jahre eher wenig erfüllt worden. Wir hatten vor einigen Jahren schon einmal eine kurze Trennung, sind aber wieder zusammengekommen.
Vor 6 Jahren habe ich eine Kollegin kennengelernt. Wir haben uns zunächst einfach sehr gut verstanden und wurden mit der Zeit sehr enge Freunde. Über mehrere Jahre ist daraus eine extrem tiefe Freundschaft geworden: wir reden über alles, unterstützen uns beruflich und privat, verbringen viel Zeit miteinander und haben eine sehr starke emotionale Verbindung.
In den letzten Monaten hat sich diese Verbindung weiter intensiviert. Es gibt viel Nähe, Vertrauen und auch körperliche Zuneigung (z.B. lange Umarmungen). Gleichzeitig sind wir beide noch in festen Beziehungen.
Ein weiterer Punkt ist, dass sich parallel dazu auch unsere beiden offiziellen Beziehungen zunehmend in Krisen befinden. Wir sprechen mittlerweile auch miteinander über diese Themen und unterstützen uns gegenseitig emotional.
Ich habe inzwischen das Gefühl, dass unsere Verbindung mehr als Freundschaft ist. Wir haben das aber nie offen ausgesprochen, vermutlich auch weil uns bewusst ist, dass das große Konsequenzen hätte.
Zusätzlich kompliziert ist, dass meine Ehe aktuell ebenfalls an einem Wendepunkt steht. Meine Frau hat kürzlich sogar selbst eine Scheidung angesprochen, hat danach aber wieder versucht, die Beziehung stark zu reparieren. Das führt bei mir zu einem starken inneren Konflikt.
Ich stehe deshalb gerade zwischen mehreren Fragen:
  • Wie geht man mit einer sehr tiefen emotionalen Verbindung zu jemand anderem um, wenn beide noch in Beziehungen sind?
  • Sollte man solche Gefühle komplett auf Abstand bringen oder erst die eigenen Beziehungen sortieren?
  • Wie erkennt man, ob eine langjährige Freundschaft tatsächlich eine tragfähige Partnerschaft werden könnte oder ob man das vielleicht idealisiert?
Mir geht es nicht darum, jemanden zu verletzen oder leichtfertige Entscheidungen zu treffen. Ich versuche gerade eher, mein Leben und meine Beziehungen ehrlich zu sortieren.
Mich würden vor allem Erfahrungen oder Perspektiven von außen interessieren.

Danke fürs Lesen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Da sie ja aber gerade selbst in der Sortierung ihrer Beziehung steckt, will ich ihr auch nicht zusätzlich das Leben schwer machen. Ich bin mir auch erst seit ein Paar Monaten bewusst, dass das Verhalten und die Bindungstiefe zwischen uns nur mit Freundschaft nicht mehr erklärbar ist. Hinter dem Wort haben wir uns beide sehr lange versteckt. Retrospektiv betrachtet, ist es das aber schon wesentlich länger nicht mehr. Vermutlich eher schon mindestens drei Jahre. Damals fingen wir an, absichtlich unsere Schichten so zu synchronisieren, dass wir fast immer zusammen arbeiten,
 
Wir hatten vor einigen Jahren schon einmal eine kurze Trennung, sind aber wieder zusammengekommen.
Warum? Man sollte alten Kaffee nicht aufwärmen.
Hattest du damals keine Frau für einen bekömmlichen warmen Wechsel zur Hand?
Ich würde zunächst die Kollegin fragen, ob sie auch bereit ist, ihre Beziehung aufzugeben, um mit mir zusammen zu kommen.
Falls nicht, ist das Problem ja vom Tisch.
Falls sie auch eine Beziehung mit dir möchte, rede mit deiner Frau.
Über mehrere Jahre ist daraus eine extrem tiefe Freundschaft geworden:
In den letzten Monaten hat sich diese Verbindung weiter intensiviert. Es gibt viel Nähe, Vertrauen und auch körperliche Zuneigung (z.B. lange Umarmungen).
Na, das liest sich doch gut!
Viele Bedürfnisse von mir (Nähe, Humor, Wertschätzung, intellektueller Austausch, körperliche Nähe) sind über Jahre eher wenig erfüllt worden.
Das ist schlimm.
Mir geht es nicht darum, jemanden zu verletzen
Ohne wird es nicht gehen, fürchte ich.
Meine Frau hat kürzlich sogar selbst eine Scheidung angesprochen, hat danach aber wieder versucht, die Beziehung stark zu reparieren.
Warum hat nur sie diese Reparaturarbeiten geleistet?
Ich würde an dem Punkt anknüpfen und sagen, du habest über alles nachgedacht und ihr Vorschlag mit der Scheidung sei gut.
Achtet auf die Kinder. Kein Theater, keine Szenen. Aber eure Ehe ist offenbar durch und warum weiter Zeit verlieren?
 
ich stecke gerade in einer emotional ziemlich komplexen Situation und würde gerne neutrale Meinungen hören.
(...)
Mich würden vor allem Erfahrungen oder Perspektiven von außen interessieren.
Hallo dunklewolken86,
eine "neutrale Meinung" ist schwierig, weil ich ja nur das weiß, was du an Informationen geteilt hast – aber eine Perspektive von außen will ich gerne versuchen ...

Erstens: Deine "emotional komplexe Situation" entsteht (auch) dadurch, dass du zwei Beziehungen miteinander in Beziehung setzt. Du könntest es auch so sehen: Du hast das Glück, eine Ehefrau und Kinder zu haben, also eine Familie – und zusätzlich hast du eine Kollegin, die gleichzeitig noch eine sehr gute Freundin ist und dir viel von dem schenkt, was du in deiner Ehe nicht findest. Wäre diese Kollegin ein Kollege, wo wäre das Problem?

Vielleicht magst du mal versuchen, die beiden Beziehungen getrennt zu betrachten und wertzuschätzen?

Zweitens: Du erhoffst dir (so wirkt es zumindest auf mich) von der Freundin eine Alternative zu deiner Ehe, die dir sowohl den Absprung ermöglicht/erleichtert und dir dann später "alles" bietet – also das, was du jetzt schon an deiner Ehe hast plus noch das, was dir die Freundschaft bietet. Also sehr hohe Erwartungen mit der Tendenz, zum großen Teil enttäuscht zu werden.

Denn die neue Situation nach der Scheidung wäre ja (vermute ich mal) sozialer Abstieg, hohe finanzielle Belastung, Stress, Umzüge, Belastung für die Kinder, Erklärungsbedarf am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis etc. – also sicher nicht ganz einfach. Ich verstehe gut, dass du dir deshalb sehr sehr gut überlegst, ob du diesen Schritt tatsächlich gehen willst.

Drittens: Es gibt eine Statistik, die besagt, dass die erste Beziehung nach einer längeren Ehe meistens nicht hält – wohl deshalb, weil man dazu neigt, in dieser genau das "Gegenstück" zur bisherigen Beziehung zu suchen und übersieht, was man an Positivem hatte (das in der neuen Beziehung zu kurz kommt). Sprich: Ich habe meine Zweifel, dass deine jetztige Freundin als Partnerin die beste Wahl ist.

Also wenn du über eine Trennung nachdenkst, dann mach' das unabhängig von der Freundin und ohne deren emotionales "Sicherheitsnetz". Stehe dazu, dass die Ehe nicht mehr trägt, übernimm dafür die Verantwortung (also für deinen Teil), organisiere die Trennung so gut es geht (vor allem für die Kinder), ohne unnötige Verletzungen, fair, großzügig, souverän – ohne die Freundin dabei mehr zu beteiligen als du es mit einem guten Freund machen würdest.

Und wenn sich dann – im Laufe von 2-3 Jahren – die Freundschaft zu deiner Freundin als stabil zeigt und sie auch "gut geschieden" ist – dann (!) könnt ihr schauen, ob ihr miteinander nicht nur emotional-intellektuell harmoniert, sondern auch im praktischen Alltagsleben. Ansonsten bleibt einfach sehr gute Freunde, die sich in einer herausfordernden Zeit ihres Lebens unterstützt und begleitet haben.

Alles Gute und vor allem den Mut und die Kraft, die deine Situation erfordert – speziell die Kraft, Nein zu dem zu sagen, was nicht zu dir und deinen Werten passt!
 
Ja, das würde ich. Das hätte ich vor vier Jahren schon machen sollen. Nach fast 20 Jahren hat man sich einfach schon zu viele unschöne Dinge gesagt. Und nur noch ein kleiner Teil von sich selbst sein zu dürfen und das über viele Jahre lässt einem zynisch werden. Ich will nicht so sein wie ich geworden bin. Daran bin ich schuld, daran ist sie schuld, daran ist das Leben schuld. Hilft aber ja nichts.

Und zur der Sache mit der Verliebtheit. Das ist keine klassische Verliebtheit. Die Bindung zu meiner Kollegin ist ruhig, sehr ruhig. Sie ist eigentlich nicht mal optisch mein Typ. Aber wir sind uns sehr ähnlich. Nur ist sie eher extrovertiert und ich introvertiert.
 
Sollte man solche Gefühle komplett auf Abstand bringen oder erst die eigenen Beziehungen sortieren?


Was immer du nun tust, diese Kollegin würde ich da raushalten.
Deine Ehe ist deine Sache, das hat mit ihr nichts zu tun.

Ich würde zu ihr sagen, dass ich mich eine Weile ein wenig zurückziehe, da ich meine Beziehung ordnen muss.

Und dann könntest du mit deiner Frau klären, wie es mit der Beziehung weitergehen soll.

Wieso solltet ihr noch mehr Zeit verschwenden und an etwas festhalten, das längst gestorben ist?

Scheidung?

Ein Arrangement als Eltern, ohne Paarbeziehung?
 
Mich würden vor allem Erfahrungen oder Perspektiven von außen interessieren.
Meine Erfahrung, jede langjährige Beziehung oder Ehe kommt an den Punkt, wo sie zu scheitern droht. Eine neue Bekanntschaft scheint dann immer verlockend. Der Reiz ist da, alles scheint so gut zu passen und man sieht in eine rosige Zukunft.
Nur, sieh einmal zurück. Diese Phase hattest du mit deiner Frau sicher auch, immerhin hast du sie geheiratet. Dann kommt das echte Leben. Alltag, Routine, Eintönigkeit, Enttäuschungen, all das verändert Beziehungen.
Solltest du dich scheiden lassen und mit deiner langjährigen Freundin eine Beziehung eingehen, werdet ihr wahrscheinlich an den selben Punkt kommen. Ihr werdet auch den Alltag bestreiten müssen, die körperliche Nähe wird irgendwann nachlassen, die Spannung und der Reiz verfliegen.
Letztlich ist es deine Entscheidung.
 

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