Daniela75 meinte:
Oh je, Micky, wie schrecklich. Das muss die Hölle gewesen sein. Wie gehst Du damit um? Wie hast Du diese Zeiten ertragen?
Hallo Daniela,
das ist schwer zu beantworten. Aber es ist gegangen. Ich habe erst mal den Schreck verdaut, dann war ich für diejenigen da, habe sie getröstet und motiviert, wenn es ihnen schlecht ging und bin ganz normal mit ihnen umgegangen, wenn sie wieder Kraft geschöpft hatten. Bei mir selbst, war es etwas anders, aber ich hatte damals einen Sohn von knapp 1,5 Jahren und beim zweiten Mal war er knapp 3. Da blieb mir gar keine Zeit mich zu verkriechen. Durch ihn habe ich Kraft geschöpft. Und du siehst, es hatte Erfolg. Es ist jetzt schon 23 Jahre her. Vor einiger Zeit haben sie auch bei mir Zysten in der Brust gefunden. Das, was ich tun kann, ist regelmäßig zur Untersuchung gehen. Wird jedes halbe Jahr gemacht, aufgrund unserer Familiengeschichte. Ich habe keine Angst und mache mich auch nicht verrückt. Das wäre genau das Verkehrte. Sicher gehe ich zu jeder Untersuchung mit einem mulmigen Gefühl, aber sollte sich da was ändern, sind die Wege ja bekannt, die ich gehen muss und gehen werde. Würde auch nie diese Gen-Untersuchung machen lassen, wie Marina schrieb, das könnte nach hinten losgehen, weil man dann nur darauf wartet, dass einem auch sowas passieren könnte.
Für deinen Vater kann man nur hoffen, dass er Kraft hat sich zu wehren. Manchmal genügt es, wenn man denjenigen einfach in den Arm nimmt ohne großen Worte. Auch, wie du schriebst, keine Vorwürfe, wenn er sich ein bisschen seine Angewohnheiten (Rauchen) z.B. nicht abgewöhnen kann. Mein Onkel hat auch nicht aufgehört, aber betonte immer, es ginge ihm schlecht genug und habe deshalb keine Lust auf sein Laster zu verzichten. Er war ein eigenständig denkender Mensch und für sich selbst verantwortlich. Das sollte man immer bedenken.
Sicher tut es einem in der Seele weh, wenn geliebte Menschen aufgrund dieser Krankheit gehen müssen. Aber man kann ihnen mit Jammer und Weh überhaupt nicht helfen. Man kann nur die Zeit nutzen, die einem evtl. bleibt, egal wie lange oder wie kurz. Meine Schwester und ich reden ab und an darüber, aber nicht andauernd. Es gibt soviele schöne Dinge auf der Welt, über die es sich lohnt zu reden. Wir fixieren uns nicht auf ihre Krankheit, das wäre wesentlich schlimmer, als lockerer mit allem umzugehen. Denn wenn der Krebs sich weiter entwickelt, können wir sowieso nichts daran ändern. Das ist dann halt Schicksal. Wichtig dabei ist dann nur, dass man zueinander steht, den Betroffenen unterstützt und ihm das Leben so erträglich macht, wie es möglich ist.
Für mich war es ganz wichtig lange Abschied zu nehmen, egal in welcher Form, das erleichtert die Trauer. Hört sich jetzt zwar hart an, aber damit muss man sich bei Krebs einfach mit allen Möglichkeiten auseinandersetzen.
Deshalb wünsche ich dir, deinem Vater und deiner ganzen Familie ganz viel Kraft.