Findefuchs
Sehr aktives Mitglied
Was Onlineshop angeht hatte ich mir das so vorgestellt, dass ich das Produkt dann natürlich selbst herstelle, also so wie das viele auf Etsy oder DaWanda machen. Der kreative Teil wäre eben, dass ich meine Sachen selbst entwerfe und herstelle, gibt ja viele die das zumindest nebenbei machen.
Naja, auch dafür solltest du eine Ausbildung oder ein Studium vorher haben. Als ungelernte Person sich durchs Leben zu schlagen würde ich dir nicht empfehlen.
Ich sehe neben dem Kundenkontakt noch andere Thematiken, die auf dich zukommen, wenn du per Shop verkaufen willst. Auch wenn das verlockend wirkt, aber auch hier verkauft man das nicht "einfach so" mal nebenbei, wenn du das in einem größeren Stil machen willst. Der Kreativmarkt ist auch sehr hart. Rechne dir mal aus, was und wie viel du theoretisch jeden Monat verkaufen müsstest, um gut über die Runden zu kommen. Und dann zieh dabei in Betracht, dass es gerade bei den populären Plattformen Konkurrenten gibt, die selbstgemachte Sache X für einen sehr viel günstigeren Preis anbieten. Und viele Kunden nicht zu Haufen bereit sind, mal viel Geld für eine Sache auszugeben, die ein gewisses Budget übersteigt. Das wird aber wohl das sein, von dem du am meisten leben wirst. Denn günstige Sachen alleine zu so vielen Massen herzustellen und zu verkaufen, geht im alleingang schwer. Außer du willst nur arbeiten.
Die Leute, die ihre Sachen teuer bei Dawanda etc. verkaufen, die sind oft noch Ladenbesitzer oder machen noch was anderes als Gewerbe. Ich will dir nicht den Mut nehmen, ehrlich nicht, aber ich habe beruflich sehr viel mit solchen Leuten zu tun und will da auch einfach ehrlich zu dir sein, dass es nur bedingt langfristig eine Lösung ist, irgendwie bei Plattformen selbstgemachte Sachen zu verkaufen oder eine Selbständigkeit anzustreben, obwohl du noch nicht einmal eine abgeschlossene Ausbildung/Studium hast. Es wird auch sehr wahrscheinlich so sein, dass wenn du einen hohen Preis für selbstgemachte Dinge verlangst, du entweder dir einen Namen gemacht haben musst und/oder die Kunden entsprechende Qualität und Fachkenntnisse erwarten.
Und letzten Endes hast du immer, sobald du etwas verkaufst, Kundenkontakt. Kunden haben Fragen, die wollen vielleicht auch Tipps oder eine Beratung oder sie haben technische Probleme oder wollen ihre Bestellung dann doch ändern oder stornieren. Die beschweren sich auch, weil das Produkt dann ihrer Meinung nach doch nicht so schön war, wie auf dem Foto oder für sie die Qualität jetzt doch nicht so toll ist. Oder weil die Post die Lieferung beschädigt hat. Oder sie behaupten, es kam nie was an.
Ich will dir wirklich nicht den Mut nehmen. So nebenher was zu verkaufen auf solchen Plattformen, ist nie verkehrt und kann eine tolle Sache werden, wenn man sich etabliert hat und nebenher ein nettes Nebeneinkommen hat. Aber eben nur nebenbei. Vollständig davon leben zu können und das langfristig, das ist nicht einfach. Wenn man das wie gesagt als Nebentätigkeit versuchen will, ist das eine interessante und coole Herausforderung, die unter Umständen wirklich einen netten Batzen Geld abwerfen kann. Dann bleibt allerdings für dich immer noch die Frage, wovon du wirklich leben möchtest und was monatlich deine Miete, deine Lebenshaltungskosten und sonstigen Ausgaben deckt und den Kühlschrank füllt. Und da überspringst du meiner Ansicht nach diese Frage, wenn du sagst "Ich mache mir einen Onlineshop auf" oder "Ich will mich später selbständig machen". Bevor das passiert, solltest du ja irgendeine Ausbildung haben, auf der du bauen kannst. Wenn dein Verkauf mit deinen kreativen Sachen boomt und du merkst, du hast da einen Nerv getroffen, kannst du dann immer noch hauptberuflich einsteigen. Es ist aber eine sehr wichtige Sache zu wissen, dass du immer noch eine Ausbildung oder ein Studium hast, was dich rettet, wenn es dann doch nicht klappt mit dem Onlineshop oder der Selbständigkeit. Von Ideen und Visionen allein kann man sein Leben nicht bestreiten, so schön das wäre. Ich sage dir das bewusst so direkt, weil ich nicht nur aus der von dir angestrebten Branche komme, sondern auch noch selbständig bin. Und es ist sehr hart. Und der Fakt, dass ich eine abgeschlossene Ausbildung habe mit Berufserfahrung, lassen mich Nachts oft ruhiger schlafen.
Andere Frage: was magst du bei menschlichen Kontakt denn nicht so genau? Dass du Fragen beantworten musst? Dass andere dich ausbremsen? Dass man in einer Gruppe oft auf einen Nenner kommen und Kompromisse finden muss? Oder dass du dich auf unterschiedliche Charaktere einstellen können solltest, worunter vielleicht auch welche sind, die du selbst unsympathisch findest?
Was mir noch einfällt, wäre der Beruf des "Restaurators" https://www.romoe.com/de/berufsbild-restaurator
Das ist wirklich ein spannender Job, wo man eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe hat. Es ist nicht kreativ im Sinne von "Ich stelle etwas selbst her/entwickle etwas selbst", aber du hast mit Kunst zu tun, historischen Gegenständen und brauchst dann schon die kreative Begabung, ein Kunstwerk ganzheitlich zu sehen und Schritte einzuleiten, damit es erhalten bleibt, bzw. dem nahe kommt, wie es früher aussah. Da hast du auch wenig Kundenkontakt. Die Möglichkeit, sich selbständig zu machen besteht auch hier, weil viele Einrichtungen oder Kunstliebhaber gerne externe Anbieter dazuholen oder auch so ganz normale Leute Erbstücke wieder herrichten lasse wollen. Oder Kirchen, deren Fenster und Figuren ja auch oft sehr alt sind.
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