Hallo zusammen im Forum,
ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll, damit das ganze für Andere noch halbwegs verständlich ist.
Schon als Kind ist mir aufgefallen, dass mein Vater nie von selbst auf die Idee gekommen wäre, etwas mit mir zu unternehmen. Immer hat meine Mutter organisiert, gemacht und getan bzw. ihn buchstäblich losgeschickt mit mir, nur damit ich etwas Vater-Tochter Zeit habe. Damals schien das ganze jedoch nicht so furchtbar - mein Vater hat mir dennoch etwas Aufmerksamkeit geschenkt und wir haben uns meinen Erinnerungen nach ganz gut verstanden. Als kleines Kind war ich wohl trotzdem noch irgendwo die "kleine Prinzessin" für ihn.
Berufsbedingt musste er ab meinem 7. Lebensjahr etwa am anderen Ende von Deutschland arbeiten und war deshalb nur am Wochenende zu Hause. Man hat sich mehr und mehr entfremdet. Er fing an "in höheren Kreisen" zu agieren und die Familie war nicht mehr gut genug. Er hat verpasst wie ich aufgewachsen bin, was mich damals sehr irritiert hat, da er mich nicht altersgemäß behandelt hat. Es war, als wäre ich ihm mit ca. 12 schon "zu alt", da er nicht mehr wie mit einem Kleinkind spielen konnte. Auf einmal gab es Probleme für die ich ihn dringend gebraucht hätte aber für die hat er sich nie sonderlich interessiert. Auch für schulische Leistungen oder sonstige Talente hatte er nicht viel übrig. Zwischen meinen Eltern gab es nur noch Streit, da er sich nie im Haushalt beteiligt hat und meiner Mutter und mir - immernoch ein Kind wohlgemerkt - vorwarf, ihm auf der Tasche zu liegen. Ich erinnere mich an den seltsamen Vorwurf, ich würde zu oft duschen- er duscht ja schließlich auch nur zweimal die Woche zu Hause. Nur, dass ich 7 Tage dort lebte, und nicht maximal 2 wie er.
Dazu kam die Problematik, dass mein Großvater parkinsonkrank war und wir uns täglich um ihn kümmern mussten, da er von den Medikamenten u.A schwer halluzinierte und stark pflegebedürftig war. Mein Großvater war schon immer mehr Vater für mich als mein tatsächlicher Vater und die Jahre in denen er so gelitten hat und in denen man seinem Zerfall zusehen musste haben meine Familie und mich sehr stark mitgenommen. Mein Vater hat nie geholfen. Es hat ihn scheinbar nie interessierte wie schlecht es meinem Großvater ging - obwohl dieser ihn sogar von der Straße geholt hat und ihn monatelang mietfrei hat bei ihm Leben lassen!
Mit 16 haben sich meine Eltern schließlich getrennt. Das war 3 Wochen bevor ich meine Ausbildung angefangen hatte. Mein Vater startete klägliche Versuche mir Geschenke zu machen - Geld und Gutscheine - welche er mir gönnerhaft mit einem Grinsen hingeworfen hat. Ich habe ihn dafür gehasst; als wolle er die Zeit wieder gut kaufen. Den Kontakt habe ich als er ausgezogen ist schlagartig abgebrochen. Jedes Geschenk was danach per Post kam habe ich kommentarlos zurück geschickt.
Nach einem Jahr wollte ich zu seinem 50. Geburtstag wieder Kontakt aufnehmen und habe ihm per Mail geschrieben. 5 Mails ging das gut doch dann ging es wieder nur um ihn. Was er tut, was er erreicht, wie gut es ihm geht etc. doch wie immer kein Interesse für seine Tochter. Keine Fragen, kein nichts. Ein endlosmonolog über sein Leben.
Die 6. Mail habe ich nicht mehr beantwortet.
Der letzte Kontakt zu meiner Vater liegt jetzt wieder 4 Jahre zurück. In letzter Zeit merke ich mehr und mehr wie mir eine Bezugsperson in dieser Hinsicht fehlt. Mein Großvater ist vor 2 Jahren verstorben. Ich finde einfach keinen Trost darin, "dass er nunmal so ist" und dass es eben Väter gibt auf die man sich nicht verlassen kann und die einem keine Stütze bieten. Ich wünsche mir so sehr eine funktionierende Vater-Tochter Beziehung und bin am überlegen noch einen Versuch der Kontaktaufnahme zu starten. Seit etwa zwei Monaten ist das plötzlich etwas, das mir fast durchgehend im Kopf herumgeht.
Ich habe aber Angst, dass es wieder nur meine Wunschvorstellung ist, dass alles gut wird. Und dass ich wieder enttäuscht werde wenn er noch immer so extrem Gefühlskalt und Desinteressiert ist. Ich weiß nicht mehr, weshalb ich genau so sauer auf ihn war - ob das überhaupt meine Gefühle waren oder ob meine Mutter mir dies eingeredet hat. Die Zeit damals ist ein einziges Wirrwarr und ich habe große Schwierigkeiten meine Gedanken zu ordnen.
Ich weiß dass mein Vater krank ist und nicht ewig Leben wird. Ich weiß jedoch nicht ob ich es mehr bereuen würde, keinen weiteren Versuch zu starten oder erneut an der Vater-Tochter Beziehung zu scheitern. Ich weiß auch nicht, ob das als Betrug gegenüber meiner Mutter gelten würde, die immernoch Hasstiraden abhält über ihn. Ich weiß auch, dass mein Vater in verschiedenen Hinsichten kein guter Umgang ist - hoch verschuldet, nicht verantwortungsbewusst, narzisstisch veranlagt etc.
Hat hier jemand Tipps für mich, wie ich meine Gedanken und Gefühle ordnen kann bzw. wie ich eine evtl. Kontaktaufnahme bewerkstelligen könnte? Gibt es hier Leute mit ähnlichen Erfahrungen?
Ich bin sehr dankbar über jede Meinung.
MfG
WIO
ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll, damit das ganze für Andere noch halbwegs verständlich ist.
Schon als Kind ist mir aufgefallen, dass mein Vater nie von selbst auf die Idee gekommen wäre, etwas mit mir zu unternehmen. Immer hat meine Mutter organisiert, gemacht und getan bzw. ihn buchstäblich losgeschickt mit mir, nur damit ich etwas Vater-Tochter Zeit habe. Damals schien das ganze jedoch nicht so furchtbar - mein Vater hat mir dennoch etwas Aufmerksamkeit geschenkt und wir haben uns meinen Erinnerungen nach ganz gut verstanden. Als kleines Kind war ich wohl trotzdem noch irgendwo die "kleine Prinzessin" für ihn.
Berufsbedingt musste er ab meinem 7. Lebensjahr etwa am anderen Ende von Deutschland arbeiten und war deshalb nur am Wochenende zu Hause. Man hat sich mehr und mehr entfremdet. Er fing an "in höheren Kreisen" zu agieren und die Familie war nicht mehr gut genug. Er hat verpasst wie ich aufgewachsen bin, was mich damals sehr irritiert hat, da er mich nicht altersgemäß behandelt hat. Es war, als wäre ich ihm mit ca. 12 schon "zu alt", da er nicht mehr wie mit einem Kleinkind spielen konnte. Auf einmal gab es Probleme für die ich ihn dringend gebraucht hätte aber für die hat er sich nie sonderlich interessiert. Auch für schulische Leistungen oder sonstige Talente hatte er nicht viel übrig. Zwischen meinen Eltern gab es nur noch Streit, da er sich nie im Haushalt beteiligt hat und meiner Mutter und mir - immernoch ein Kind wohlgemerkt - vorwarf, ihm auf der Tasche zu liegen. Ich erinnere mich an den seltsamen Vorwurf, ich würde zu oft duschen- er duscht ja schließlich auch nur zweimal die Woche zu Hause. Nur, dass ich 7 Tage dort lebte, und nicht maximal 2 wie er.
Dazu kam die Problematik, dass mein Großvater parkinsonkrank war und wir uns täglich um ihn kümmern mussten, da er von den Medikamenten u.A schwer halluzinierte und stark pflegebedürftig war. Mein Großvater war schon immer mehr Vater für mich als mein tatsächlicher Vater und die Jahre in denen er so gelitten hat und in denen man seinem Zerfall zusehen musste haben meine Familie und mich sehr stark mitgenommen. Mein Vater hat nie geholfen. Es hat ihn scheinbar nie interessierte wie schlecht es meinem Großvater ging - obwohl dieser ihn sogar von der Straße geholt hat und ihn monatelang mietfrei hat bei ihm Leben lassen!
Mit 16 haben sich meine Eltern schließlich getrennt. Das war 3 Wochen bevor ich meine Ausbildung angefangen hatte. Mein Vater startete klägliche Versuche mir Geschenke zu machen - Geld und Gutscheine - welche er mir gönnerhaft mit einem Grinsen hingeworfen hat. Ich habe ihn dafür gehasst; als wolle er die Zeit wieder gut kaufen. Den Kontakt habe ich als er ausgezogen ist schlagartig abgebrochen. Jedes Geschenk was danach per Post kam habe ich kommentarlos zurück geschickt.
Nach einem Jahr wollte ich zu seinem 50. Geburtstag wieder Kontakt aufnehmen und habe ihm per Mail geschrieben. 5 Mails ging das gut doch dann ging es wieder nur um ihn. Was er tut, was er erreicht, wie gut es ihm geht etc. doch wie immer kein Interesse für seine Tochter. Keine Fragen, kein nichts. Ein endlosmonolog über sein Leben.
Die 6. Mail habe ich nicht mehr beantwortet.
Der letzte Kontakt zu meiner Vater liegt jetzt wieder 4 Jahre zurück. In letzter Zeit merke ich mehr und mehr wie mir eine Bezugsperson in dieser Hinsicht fehlt. Mein Großvater ist vor 2 Jahren verstorben. Ich finde einfach keinen Trost darin, "dass er nunmal so ist" und dass es eben Väter gibt auf die man sich nicht verlassen kann und die einem keine Stütze bieten. Ich wünsche mir so sehr eine funktionierende Vater-Tochter Beziehung und bin am überlegen noch einen Versuch der Kontaktaufnahme zu starten. Seit etwa zwei Monaten ist das plötzlich etwas, das mir fast durchgehend im Kopf herumgeht.
Ich habe aber Angst, dass es wieder nur meine Wunschvorstellung ist, dass alles gut wird. Und dass ich wieder enttäuscht werde wenn er noch immer so extrem Gefühlskalt und Desinteressiert ist. Ich weiß nicht mehr, weshalb ich genau so sauer auf ihn war - ob das überhaupt meine Gefühle waren oder ob meine Mutter mir dies eingeredet hat. Die Zeit damals ist ein einziges Wirrwarr und ich habe große Schwierigkeiten meine Gedanken zu ordnen.
Ich weiß dass mein Vater krank ist und nicht ewig Leben wird. Ich weiß jedoch nicht ob ich es mehr bereuen würde, keinen weiteren Versuch zu starten oder erneut an der Vater-Tochter Beziehung zu scheitern. Ich weiß auch nicht, ob das als Betrug gegenüber meiner Mutter gelten würde, die immernoch Hasstiraden abhält über ihn. Ich weiß auch, dass mein Vater in verschiedenen Hinsichten kein guter Umgang ist - hoch verschuldet, nicht verantwortungsbewusst, narzisstisch veranlagt etc.
Hat hier jemand Tipps für mich, wie ich meine Gedanken und Gefühle ordnen kann bzw. wie ich eine evtl. Kontaktaufnahme bewerkstelligen könnte? Gibt es hier Leute mit ähnlichen Erfahrungen?
Ich bin sehr dankbar über jede Meinung.
MfG
WIO