Hi Kannja,
ich denke, ihr / du solltest zusehen, das Haus so schnell wie möglich los zu werden. Denn dann gibt es zwischen deinem Bruder und dir nicht mehr diese Aufgabenteilung, die immer wieder zu Streit und Unmut führt.
Hast du dich schon einmal anwaltlich beraten lassen? So wie ich deine Beiträge lese sollte es dir möglich sein, beim zuständigen Amtsgericht einen Beratungsschein zu bekommen.
Was dein Bruder da mit dir macht ist nicht lustig. Aus der Nummer kommt ihr beide aber erst raus, wenn das Haus verkauft ist.
Alles Gute
Sisandra
Hallo Sisandra!
Danke Dir für Deinen Rat. Also ich wollte ja eigentlich - gerade weil mir das Verhältnis zu meinem Bruder so am Herzen liegt - niemals auf einen Rechtsstreit mit ihm hinaus, sondern hatte immer gehofft wir könnten alles im Guten, fair und gleichberechtigt zwischen uns regeln. Kennst Du das nicht auch, dass Du einem sehr nahestehenden Menschen zunächst mal auch bestimmte, schlimme Verhaltensweisen niemals zugetraut hättest, allein die Vorstellung er könne jemals so etwas tun Dir immer vollkommen undenkbar erschien? Es heißt ja wahrscheinlich nicht umsonst, dass man einen Menschen immer erst in echten Krisen so richtig kennenlernt. Was mich betrifft ist das als würde ich gerade meinen Bruder betreffend vollkommen desillusioniert... Noch immer kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass er wirklich ein schlicht emotional so eiskaltes, egoistisches Schwein (Sorry für den Ausdruck!!) sein soll, wie er es leider grade eindeutig von sich zeigt. Was er tut lässt mich fassungslos nach Luft schnappen - lauter Dinge die zwischenmenschlich für mich persönlich absolut undenkbar wären. Aber dann widerum lässt er mich an meinem eigenen Verstand zweifeln... weil er eben so wahnsinnig selbstherrlich all dem gegenüber steht - als sei er allein der Nabel der Welt und völlig unfehlbar. Bei jeglicher Kritik bin schließlich laut ihm nur ich die völlig versponnene, neurotische, die allein WEIL sie ihn mit sowas behelligt der mieseste Charakter der Welt ist und wert zu recht mit den gröbsten Schuhen getreten zu werden. Ich bin so oder so allein schuld an allem, - er nie an irgendwas. Er hat immer in allem was er tut Recht. Sage ich (was ich seltenst wage) dass er mir damit weh tut und dass ich traurig bin, ist das für ihn nicht nur eiskalt egal, sondern viel mehr umso mehr Bestätigung und Rechtfertigung mich noch mehr weg zu stoßen, mich zu verletzen und mir die Schuld zu geben....
Weil ich also immer noch an das Gute in meinem Bruder glaubte und an unser Verhältnis als Geschwister, bzw. bis jetzt gehofft habe mich was sein derzeitiges Bild betrifft zu irren und dass wir uns doch wieder nahestehen könnten, habe ich bislang nie rechtliche Schritte oder auch nur die Notwendigkeit eines Anwaltes in Betracht gezogen. Auch jetzt möchte ich das eigentlich nicht... Er ist doch mein Bruder! Ich will nicht dass wir uns samt Anwälten mit Dreck beschmeissen. Zumal, schlage ich diesen Weg einmal ein, klar wäre, dass es danach kein Zurück mehr gibt. Wir wären für alle Zeiten "geschiedene Leute".
Was ich noch zur besseren Erklärung der derzeitigen Situation sagen kann ist, dass diese jetzigen Verhaltensweisen in milderer Form bzw. als Charakterzüge im Groben bei meinem Bruder aber schon immer vorhanden waren... Er kann einerseits auch sehr liebevoll, lustig und schlicht nett sein - deshalb liebe ich ihn ja eigentlich auch und wir hatten wie gesagt diesen einserseits wirklich guten Draht zueinander. Andererseits ist er jedoch auch schon immer jedem der ihm unbequem wurde daraufhin sofort ausgewichen oder hat ihn agressiv in die Schranken gewiesen und von sich getreten. Er saß immer auf einem sehr hohen Ross, - auch weil sein riesen Erfolg beruflich etc. ihm scheinbar darin recht gab der "bessere" Mensch zu sein. Woraus er auch zieht generell mehr Rechte zu haben, klüger und überlegen in allem zu sein. Ich wusste, trotz unseres früher wirklich guten Drahtes zueinander, auch schon immer, dass ich der klar unterlegene Part in unserem Verhältnis zueinander war: Entweder ich hielt zu allem was er tat die Klappe, akzeptierte seinerseits alles, forderte nichts oder ich war ihn eben erstmal los. So einfach. Selbst auch bei noch so berechtigter Kritik.
Er saß auch nie an einem Krankenbett oder bei einem gerade traurigen Menschen oder jemandem der in einer Krise steckte... bei all sowas wich er immer nur aus, war nie für jemanden da (außer was seine Freundin betrifft!). Und er hat sich auch schon knallhart und für immer von einst sehr nahestehenden Menschen abgewand... Einfach von heut auf morgen nur noch Schweigen, keinerlei Erklärung, konkret fassbarer Grund/Vorfall und null Reaktion auf sämtliche egal wie verzweifelten Nachfragen dieser Person. Gerade das macht mir nun gerade so große Angst... Mich schweigt er ja auch grade aufs arroganteste an, obwohl unsere letzte Begegnung und Verabschiedung eigentlich sehr nett und herzlich war. Ihr müsst Euch das mal vorstellen: Er sagt da noch ich solle ihn doch mal wieder in seiner weit entfernten Stadt besuchen kommen, aber schon am folgenden Neujahrstag bekomme ich auf meine Neujahrs-Wünsche keine Nachricht mehr. Eine Woche später (ohne vorherigen Kontakt bzw. ein mögliches Vergehen meinerseits) kommt eine giftige, kurz-angebundene SMS wegen eines angäblich fehlenden (nichtmal wichtigen) Papieres und auf meine klärende Antwort darauf einfach keine Reaktion mehr... jetzt vor ein paar Tagen schickt er mir und anderen so eine Fake-Kettenmail (bezgl. Whatsapp, also einer Smartphone-Anwendung) die Panik macht und die er offenbar für bare Münze hielt - ich habe ihm daraufhin freundlich und net zurückgeschrieben, dass er sich keine Sorgen machen braucht und den Sachverhalt für ihn kurz erklärt. Obwohl ich sah dass er die ganze Zeit weiter online war und er mit anderen Leuten weiter schrieb, ignorierte er mich, kein Hallo und nichts... Wenn man bedenkt, dass ich seine Schwester bin und wie selten wir Kontakt haben (seit Wochen davor ja auch kein Wort!) ist das schon bedeutungsvoll und für mich ein richtiger Schlag in die Magengrube... zumal sowas ja inzwischen mehr und mehr seinerseits passiert. Ich konnte mich also doiesmal nicht mehr beherrschen und schrieb ihm eine Weile später zurück "Wie nett, mal wieder keine Antwort..." Auch das las er, war die ganze Zeit sichtbar online, antwortete mir aber nicht... das ist also die volle Breitseite an Arroganz und Zurückweisung gegen mich. Das dann aber so kurz nach der grade noch ausgesprochenen Einladung... mehr Widerspruch geht nicht. Sowas passiert in letzter Zeit ständig: Er macht/sagt ganz kurz etwas pseudo-freundliches (ich glaube mittlerweile nur um sich selbst zu versichern dass er ja korrekt gehandelt bzw. Höfliches oder Nettes angeboten hätte...pro forma) und dann handelt er aber anschließend tatsächlich total dem entgegengesetzt... so dass ich wie jetzt z.B. so eine Einladung ihn zu besuchen gar nicht wirklich wahrnehmen könnte. Ich kenne das ja leider inzwischen, also hatte ich ihm zu der Einladung auch gesagt er solle mir doch einfach ein konkretes Wochenende bescheidgeben oder gleich nennen wann es ihm passt und er gern hätte dass ich ihn besuche. Wie erwartet kam daraufhin nichts - stattdessen schweigt er mich ja nun sogar komplett an. ABER auf Nachfrage bzw. sich selbst gegenüber kann er nun damit sagen, dass er mich ja freundlich eingeladen hätte, es also (mal wieder) meine Schuld sei wenn ich nicht darauf Initiative ergriffe. Nach dem Motto: ER sei ja auf mich "zugegangen" und hätte es versucht. Anderes Beispiel: Als ich mal sagte, dass ich mich in der noch sehr frischen Trauer sehr einsam fühlte und es mir helfen würde wenn wir ab und zu mal telefonieren könnten (er meldete sich nie von selbst, obwohl er ja wusste dass ich hier ganz allein mit allem war) sagte er ich könne ihn ja jederzeit anrufen. Doch wenn ich mich mal traute ging nie jemand ran und er rief auch nicht zurück. So ging das seither die ganze Zeit.
Versteht Ihr was ich meine: Mein Bruder macht sich für mich und unser Umfeld quasi aaltglatt. Man könnte ihm nichts vorwerfen, denn er hat ja eben pro forma diese und jene Geste/Hilfe/Nettigkeit angeboten, - nur ich habe sie nicht angenommen und bin somit allein schuld an allem was ich empfinden mag. Dass er vielleicht prompt auf diese Schein-"Angebote" hin unmöglich für mich gemacht hat darauf tatsächlich zurückkommen bzw. ihn beim Wort nehmen zu können, erwähnt er natürlich nicht.... Aber es macht ihn mir gegenüber quasi unantastbar.
Ich fürchte zudem, dass meinem Bruder schon unerträglich genug ist, dass ich derzeit ein Mensch mit Problemen bin, einer der in seinen Augen beruflich nicht erfolgreich = in seinem Weltbild eine Versagerin ist, jemand der psychische Probleme hat und Trauer nicht einfach so wegstecken kann = schwach... Jemand der einsam und allein mit allem ist = Zuwendung bräuchte und irgendwie Verantwortung für ihn bedeuten könnte. Zudem bin ich ja hier vor Ort und durch meine Nähe zum Haus, Grab etc unseres Vaters erinnere ich meinen Bruder auch noch an die von ihm schnellstens verdrängte Trauer und den Verlust unseres Vaters. Beziehungsweise trage ich hier vor Ort ja nunmal auch für all das allein die Verantwortung und spricht er mit mir kommen bestimmte (Sach-)Fragen rundherum eben zwangsläufig auch mal auf ihn zu... dass er deshalb Abstand nimmt hat er sogar schonmal offen zugegeben. Nur ist er eben kein kleines Kind, im Gegenteil! Es kann eigentlich nicht akzeptabel sein alles Geld und alle Vorteile bei null eigenem Aufwand und Verantwortung haben zu wollen. Und auch nicht weil einem was unangenehm und nicht nur Spaß ist jemand anderen einfach mit aller Last ganz allein zu lassen. Aber mein Bruder scheint sich allen Ernstes so ein Weltbild gezimmert zu haben in welchem für IHN schlicht alles legitim und gutes Recht ist. Genau das lässt mich ja so verzweifeln und mich so hilflos ihm gegenüber werden... alles was da für fast jeden mit normalem Menschenverstand eindeutig komplett verkehrt seitens meines Bruders läuft, ist für ihn selbst hingegen unantastbar und korrekt. Weil ER einfach das Recht hat und sowieso immer super korrekt handelt. Punkt.
Und seine Freundin ist ein Mensch der exakt tickt wie er... genau die selbe Sorte Erfolgsmensch. Anderen gegenüber knallhart verurteilend und abwertend, selbst aber auf hohem Ross, aufgrund des Karriere-Erfolges, des glatt-laufenden Privatlebens, des finanziellen Wohlstandes etc. Zudem hat sie eben auch als einzige richtig Einfluss auf meinen Bruder, ist die einzige bei der er Angst hat sie auch verlieren zu können statt sie selbstverständlich sowieso zu haben... Sein Privatleben wird in kleinsten Details seit Jahren zunehmend von ihr diktiert. Zudem leben die beiden ja so-zu-sagen in ihrem Alltag völlig isoliert, weil eben nur zu zweit so weit weg von allen Freunden und Verwanten. In ihrer neuen Heimatstadt haben sie keine Freunde etc, nur sich gegenseitig - seit Jahren... Das bedeutet natürlich auch, dass mein Bruder in seinem Verhalten mir gegenüber immer noch von ihr bestätigt wird - zumal sie ja eifersüchtig auf mich ist und all seine ungeteilte Aufmerksamkeit verlangt - sie will zu allerletzt, dass er sich Zeit (die dann von ihrer abginge) nimmt um mir oder beim Haus zu helfen. So bitter es ist, handelt mein Bruder zur Zeit ja völlig in ihrem persönlichen Sinne. Und es gibt keinen anderen Menschen der ihm etwas anderes, unangenehmeres bzw. kritischeres zu all dem was er grade tut sagen könnte... Sage ich also etwas kritisches, was mein Bruder ja sowieso schon nicht leiden kann, erfährt er von der einzigen Person mit der er darüber sprechen kann (seiner Freundin) nur umso mehr Bestätigung darin, dass ich deshalb das allerletzte und nur er im Recht sei.