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Gast
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Richtig Komplimente zu machen ist eine große Kunst. Wenn ein Gesprächspartner dies beherrscht, dann fühlst Du Dich als Mensch angenommen und respektiert. Ist dies nicht der Fall, dann konnte Dein Gesprächspartner nicht wirklich Komplimente machen, was man auch gerne spiegeln darf, finde ich.
Ich durfte/darf das im Umgang mit Engländern erleben, die darin so außergewöhnlich gut darin sind, Komplimente zu machen und höflich zu sein (bei entsprechendem Bildungsstand zumindest), dass ich mir immer extrem ungehobelt im Umgang vorkomme, obwohl ich mir wirklich Mühe gebe.
Früher dachte ich auch, dass das doch irgendwie etwas "Falsches" hat, wenn man doch eine Person gar nicht kennt und auch nie näher kennen lernen wird und dann "höflich" ist oder "nett" (fast schon ein Schimpfwort früher für mich). Aber wenn man auch nur für kurze Zeit miteinander arbeitet oder für 2 Wochen in einer Gruppe auf Wanderschaft ist, dann schafft das einfach ein wunderbares Klima und ist schön, selbst wenn man hinterher keinen weiteren Kontakt pflegt.
Wie gesagt, die Voraussetzung ist, dass es die richtigen Komplimente sind, die auf die richtige Weise gemacht werden. "Du trägst ein wunderschönes Kleid" ist meistens total daneben, es sei denn es ist geschickt in ein Gesprächsthema eingeflochten und kommt praktisch beiläufig daher, ohne gleich goutiert werden zu wollen.
Es fällt übrigens auch nicht immer leicht, selbst diese Komplimente anzunehmen 🙄.
Dennoch halte ich es im wertschätzenden Umgang mit einander für sehr hilfreich, wenn man beides beherrscht, und übe mich darin.
Genau, das Kompliment geben können ist eine Kunst und bedarf Feinsinnigkeit. In einer Gruppe macht dir jemand Komplimente über deine schicken Schuhe, du hast dich auch schon mit der Person öfter kurz unterhalten, aber sie signalisiert dir, dass du in ihrer Clique eher nicht willkommen bist, außerhalb der Gruppe eben mit der Clique, die zum Teil aus anderen Gruppenmitgliedern besteht, noch was Anderes zu unternehmen. Du darfst dir nur anhören, was sie ohne dich gemacht haben. Sie wissen, dass du gerne dabei wärst aber nö, iss nicht. Dann bedeutet so ein Kompliment über die schönen Schuhe eine Floskel, auf die man auch gern verzichten kann.
In England habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Leute (nicht alle) aber mit entsprechendem Bildungsstand einen gewissen Respektsabstand zu einer anderen Person einhalten. Sie wertschätzen einen Mitmenschen als Mensch, sie mögen ihn vielleicht nicht besonders aber würden nicht persönlich werden indem sie sagen, du bist.... wie auch immer. Es wird immer eine Phase des persönlichen Kennenlernens eingehalten bevor sie auf die persönliche Kritik- oder Komplimentebene kommen. Ich denke es hat wirklich etwas mit dem Bildungsstand zu tun. Ganz sachlich gesehen.
Bei uns im Land empfinde ich Menschen oftmals zu schnell und zu plump mit ihren persönlichen Äußerungen. Es fehlt die feine Distanz zwischen dem Du und dem Mir. Natürlich gibt es das auch in England, aber selbst Menschen dort mit weniger Bildung waren erst mal vorsichtig, wie sie an eine andere Person herantreten. Ein Gentleman verhält sich zurückhaltend aber aufmerksam. Früher nannte man solche Männer hier Kavaliere. Ist aber leider abhanden gekommen im Laufe der Zeit. In England wertschätzte ich, wenn mir ein Mann z.B. die Tür aufhielt, eine Angestellte aus einem Cafè die Tür öffnete als mein Begleiter und ich bei einem Wolkenbruch Unterschlupf im geschützten Eingang fanden, mit den Worten, kommt doch rein. Es sei dahin gestellt, ob sie nun erwartete dass man dann etwas bestellte oder nicht. Sie war einfach praktisch nett. Sie musste ja damit rechnen, dass wir für die paar Minuten nur drinnen im Warmen warteten ohne etwas zu bestellen.
Hier beklagen sich Männer oft, dass, wenn sie z.B. einer Frau die Tür aufhalten, sie ihn unwirsch abweist, weil sie es ja schließlich selber kann. Logisch, aber solche Frauen haben es nicht gewertschätzt, dass jemand einfach nur praktisch nett war. Und nun machen sie gar nichts mehr für Frauen aus Angst, von ihr einen "Tritt" zu bekommen und ist ja auch bequemer nichts tun zu müssen. Das finde ich von Frauen auch nicht richtig, jede Geste (kein Kompliment) sondern Gesten der Nettigkeit abzubügeln. Praktische Nettigkeit kommt immer besser an als nichtssagende Komplimente finde ich jedenfalls. Da könnte man als Frau auch mal danke sagen oder auch gar nichts, statt aggressiv zu reagieren. Mit einem Kompliment wird jemand schon wieder persönlicher. Das wäre dann angebracht, wenn man jemanden wertschätzt und schon bissel länger kennt und auch echtes Interesse beiderseits vorhanden ist.
In einer Wandergruppe, wenn jemand sagt, dein mitgebrachtes Essen schmeckt aber super, dann ist das ein annehmbares Kompliment auch wenn man sich nicht wiedersieht. Ein Kompliment für das, was man kann ist doch immer besser als eines auf Äußerlichkeiten bezogen. Deine Frisur sieht toll aus.... ja, hat mein Frisör gemacht, ich habe nichts dazu beigetragen um dieses Kompliment zu ernten. Was solls... das Leben, nein die Menschen sind wie sie sind.