Mir geht es sehr ähnlich wie Dir. Unterschied ist, dass ich mir ungefähr 2-4 feste Freundschaften habe bilden und erhalten können. Aber wenn's mir richtig dreckig geht, reicht das fast nicht, da alle auch selber ihren Kram haben und nur bedingt belastbar sind (wir sind auch alle um die 40). Meine Freunde haben wiederum selber viel mehr Freunde als ich. Ich lege auch keinen Wert darauf, Nachbarn, Kollegen usw. tiefer kennen zu lernen. Ich glaube man würde es spüren, wenn sich "mehr" ergeben könnte aber das wird - gerade in unserem reifen Alter - eher selten bis nie der Fall sein. Als "Notfallplan" im Alter soll es bei mir ein Hund richten. Und da gibt es ja auch diese wunderbaren, hollywoodreifen Geschichten von Hundehaltern, die sich beim Gassigehen kennen lernen. Ich komme auch nicht besonders gut mit Menschen klar, mit Gruppen von Menschen schon gar nicht und das macht das Leben beschissen anstrengend. Kann Dir leider keinen Rat geben aber Du bist zumindest mit diesem Problem nicht alleine.
Witzig, der Beitrag könnte fast von mir sein (ist es aber nicht).
😉 🙂
Nein, auf tiefere Kontakte zu Nachbarn oder gar Kollegen lege ich auch keinen Wert, gerade bei Kollegen ist der Konkurrenzdruck viel zu groß. Ich bin 49 und habe auch eher "atypische" Kontakte: Seit einem guten Jahr meinen jetzigen Freund (Fernbeziehung, daher sehen wir uns nur alle paar Wochen), außerdem einen netten EMail-Freund (übrigens durch das Forum kennen gelernt), zwei Freundinnen noch aus der Schulzeit, die ich aber nur ein- bis zweimal im Jahr sehe, obwohl sie so weit auch nicht weg wohnen, darüber hinaus zwei sympathische Damen Anfang/Mitte 70, mit denen ich gut bekannt bin (zu einer habe ich ein sehr gutes Vertrauensverhältnis, wir telefonieren auch oft), und mit meinen Vermietern verstehe ich mich auch gut, ab und zu unternehmen wir etwas gemeinsam.
Das ist es eigentlich schon im Wesentlichen.
Meine Verwandtschaft kann ich komplett vergessen:
Meine Eltern sind tot, die meisten älteren Verwandten auch, mit meiner psychisch kranken Schwester, die nie gearbeitet hat, stecke ich in einer ganz unerquicklichen Erbauseinandersetzung. Es gibt noch ein paar Cousinen, teils gleichaltrig, teils älter, die sich wegen der Problematik mit meiner Schwester auch von mir distanziert haben, um nicht in die Sache hineingezogen zu werden. Sie leben in völlig anderen Lebensverhältnissen als ich: Eher ländlich-dörflich geprägt, früh geheiratet, jede ein Kind, einige haben jetzt die ersten Enkel, eigenes Haus mit Garten, wenig berufsorientiert, bestenfalls teilzeitbeschäftigt, überwiegend schon in Rente. Mit mir, die ich überwiegend als Single gelebt habe, nie verheiratet war, (leider!) keine Kinder, abgeschlossenes Hochschulstudium, immer in Vollzeit berufstätig, können die gar nichts anfangen, ich mit ihnen eigentlich auch nicht. Es passt einfach nicht; sie haben für meinen Lebensstil noch weniger Verständnis, weniger Interesse und vor allem weniger Wertschätzung übrig als ich für ihren. Ich habe ganz andere Grundeinstellungen, der Beruf z.B. hatte bei mir immer schon einen viel höheren Stellenwert, und ich mache mir auch mehr Gedanken über Gott und die Welt. In deren Augen bin ich gescheitert, alles, was ich mache, ist nur eine kümmerliche Ersatzbefriedigung für das fehlende Familienleben. So was muss ich mir doch nicht freiwillig immer wieder auf direkte oder subtile Art und Weise vermitteln lassen.
Seit kurzem habe ich zu einer etwa gleichaltrigen Frau, mit der ich weitläufig verwandt bin, über das Internet wieder Kontakt (nach über 30 Jahren!), aber wie sich der weiterentwickeln wird, weiß ich ja auch noch nicht. Sie hat nämlich auch Familie, die Kinder sind aber glücklicherweise (fast) erwachsen; da sie aber (im Gegensatz zu den oben genannten Cousinen) aus einer größeren Stadt stammt und eine ähnliche Schul- und Hochschulbildung genossen hat wie ich, gibt es vielleicht trotzdem mehr Gemeinsamkeiten als zu den anderen Verwandten. Man wird sehen. Übrigens züchtet sie hobbymäßig Golden Retriever... :herz:
Tja, ich sehe mich im Alter auch mit einem Hund; aufgrund meiner Vollzeitbeschäftigung, auf die ich finanziell angewiesen bin, kann ich leider jetzt keinen halten. Dann würde ich dem Tier ja nicht gerecht, und ich möchte den Hund auf jeden Fall artgerecht halten und beschäftigen, in eine Welpenspielgruppe mit ihm und auch Trainings absolvieren. Hoffentlich ist mir wenigstens das noch eines Tages vergönnt! Früher zu Hause hatten wir auch einen Hund, daher bin ich kein völliger Neuling, was Hundehaltung betrifft.
Wenn man mit über 40 Jahren relativ wenige Kontakte hat, liegt es, glaube ich, nicht daran, dass man ein totaler Unsympath wäre.
😉 Ich habe mich eigentlich immer sehr um meine Mitmenschen bemüht, eher
zu sehr, mit der Tendenz, mich ausnutzen lassen. Um ein Außenseiter zu werden, reicht es in unserer Gesellschaft bereits, wenn man ein wenig zurückhaltender, introvertierter ist als die meisten, vor allem aber, wenn man dann auch noch - aus welchen Gründen auch immer - überwiegend als Single gelebt hat. Leute, die in Familien leben, haben dafür kein wirkliches Verständnis und setzen ganz andere Prioritäten. Das wirkt sich auch auf die Gesprächsthemen aus, man hat kaum Gemeinsamkeiten. Auch vermitteln sie Alleinstehenden oft das Gefühl, ein defizitäres Leben zu führen, statt anzuerkennen, dass es nicht nur
eine Art zu leben gibt und auch ein Leben als Single interessant - in manchen Fällen sogar
erfüllt 😱 😕 - sein und seine Vorteile haben kann. Oder es kommen Seitenhiebe nach dem Motto: "Du brauchst dich ja nur um dich selbst zu kümmern"
🙄, auch wenn es im Einzelfall gar nicht stimmt. Das schafft dann Distanz, es gibt eben viel mehr Familien als Alleinstehende. Man wird als Dauersingle auch längst nicht so oft eingeladen oder zumindest nicht zu denselben Anlässen wie mit Partner oder Familie.
Ich fühle mich jedenfalls mit den meisten typischen "Familienmenschen" mittlerweile nicht mehr wohl, fühle mich von ihnen nicht wirklich wertgeschätzt und meide sie daher. Will mich auch nicht als 5. Rad am Wagen fühlen. Da finde ich die Idee mit dem Hund schon wesentlich besser.
😀 Bestenfalls kann man noch nach anderen Menschen Ausschau halten, die in ähnlichen Lebensverhältnissen leben wie man selber.
Vor allem aber darf man nicht den Fehler machen, von sich zu glauben, man sei weniger liebenswert als andere, nur weil man allein lebt und nur wenige intensive Kontakte hat.