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Komisches Bewerbungsgespräch, Probearbeit lieber absagen?

Elisa1984

Neues Mitglied
Hallo,

ich hatte am Donnerstag ein Bewerbungsgespräch, was ich im Nachhinein als nicht besonders positiv empfinde und bin nun am überlegen, ob ein Probearbeiten unter diesen Umständen überhaupt Sinn macht.

Es handelt sich um eine sehr kleine Firma mit bisher nur vier Mitarbeitern. Der Chef bezeichnete sich selbst als Workaholic und meinte dann auch, dass er niemals untätig zuhause rumsitzen könne, da würde er lieber arbeiten und sowieso würde er oftmals auch kein Wochenende haben.

Da hatte ich dann schon Zweifel, ob er dieselbe Motivation nicht auch von seinen Mitarbeitern erwartet, da ich im Büro auch die einzige Mitarbeiterin wäre (neben ihm), die für Auftragsannahme etc zuständig ist.

Die Konditionen waren auch nicht so berauschend. 2000€ brutto für 40 Stunden, Überstunden mit inbegriffen, sprich, diese werden weder ausbezahlt noch abgegolten, sie verfallen einfach. Zudem nur 23 Tage Urlaub, was er so erklärte, dass er nicht so lang auf einen Mitarbeiter verzichten könne.

Er fragte dann, wie ich hergekommen bin und ich sagte ihm, dass ich gefahren wurde, da mein Partner momentan Urlaub hat und ich ohnehin nicht so gern selber fahre.

Da verzog er gleich das Gesicht und sagte "Ach so, aber normalerweise kommen Sie schon selbst mit dem Auto? Wissen Sie, ich mag es nicht wenn man mit den Öffentlichen herkommt, die sind viel zu unzuverlässig und das geht nicht dass man morgens zu spät kommt!"

Ich erwiderte dann, dass ich zwei Jahre lang zu einer 50km entfernten Arbeitsstelle mit den Öffentlichen gefahren bin und es kein einziges Mal Probleme gab, woraufhin er mir gleich ins Wort fiel "jaja das kann ja sein, aber ich möchte dass Sie mit dem Auto kommen!" Das fand ich schon ziemlich dreist. Immerhin kann sich auch nicht jeder ein Auto leisten und solang ich pünktlich bin, kann es ihm doch wurscht sein, wie ich zur Arbeit komme.

Während des Gesprächs hatte er zudem noch Unterlagen von anderen Bewerberinnen auf dem Tisch liegen, in denen er allen ernstes ganz unverfroren rumblätterte, während er mich meinen Lebenslauf aufsagen ließ. Die Bewerbungsfotos zeigten ausschließlich blonde schlanke Damen und ich musste fast lachen, weil ich auch blond bin.

Am Ende sagte er dann, dass ich mich morgen telefonisch melden soll wegen einem Termin für einen Probearbeitstag. Ich schlug ihm vor, dass wir auch jetzt gleich einen abstimmen können, woraufhin er verneinte und als Grund angab dass er erstmal eine Nacht drüber schlafen wolle.. Nun gut.

Am kommenden Tag rief ich ihn dann mehrfach an, er ging aber nicht ans Telefon. Irgendwann probierte ich es dann mit unterdrückter Rufnummer und siehe da, plötzlich ging er ans Telefon.

Man merkte an seiner Stimme, dass er wohl nicht mit mir gerechnet hatte, und Nach einigen "Äääh" und "öööhm" sagte er dann, für mein Empfinden eine Spur zu widerwillig, dass ich dann eben am Dienstag und Mittwoch zum Probearbeiten kommen soll.

Irgendwie habe ich aber überhaupt kein gutes Gefühl, je länger ich über das alles nachdenke, da ich den Eindruck habe, dass das nix gutes ist und er auch nicht grade begeistert über meinen Anruf war. Ich möchte mich auch nicht aufdrängen und zwei Tage Zeit verschwenden an einen Arbeitgeber der mich eigentlich gar nicht will.

Was würdet ihr denn tun an meiner Stelle?
 
Wenn ich den Job nicht unbedingt bräuchte, würde ich absagen. Die Konditionen sind auch unterirdisch.
 
2000 EUR brutto bei 40 h?

Das ist ja schon fast Armut.

Vor allem er möchte dass du mit dem Auto kommst...mit dem Verdienst kannst du dir vermutlich nicht mal eins leisten geschweige denn unterhalten.
 
Ich finde 2000 brutto i.O. Bei uns in der Region bekommst du für so einen Job 1500-1800.

Allerdings dann 40 Stunden Woche ohne Überstunden. 23 U. sind gegen das Gesetz, 24 sind das Minimum. Wenn Arbeitslosigkeit droht, würde ich das annehmen, ansonsten ablehnen.
 
Schon von Gesetz wegen muss er Ausgleich für Überstunden anbieten. Ein Chef der sich nicht organisieren kann, muss ein Workaholic sein. Da sind die Dikussionen ja schon vorprogrammiert.

Wenn man nicht völlig verzweifelt ist, sollte man dort definitiv nicht arbeiten.
 
Während des Gesprächs hatte er zudem noch Unterlagen von anderen Bewerberinnen auf dem Tisch liegen, in denen er allen ernstes ganz unverfroren rumblätterte, während er mich meinen Lebenslauf aufsagen ließ.

Dieses menschenunfreundliche Verhalten wäre für mich fast schon ein K.O.-Kriterium.

Nur 23 Urlaubstage halte ich spontan auch für gesetzwidrig. Und das würde für mich in dieselbe negative Richtung gehen.
 
Hallo,

ich würde auch absagen.

Oder den Chef fragen, ob er dir ein Dienst-Auto finanziert, wenn er darauf besteht, dass du mit dem Auto kommst.

Es sieht ganz klar danach aus, dass dort die Mitarbeiter ausgenutzt werden. Überstunden ohne Bezahlung oder Freizeitausgleich, gesetzeswidriger Urlaub und dann noch die Geschichte mit dem Auto.

Nee, mach dich nicht unglücklich. Such dir einen anderen Job.

Liebe Grüße
saminabi
 
Ich finde 2000 brutto i.O. Bei uns in der Region bekommst du für so einen Job 1500-1800.

Allerdings dann 40 Stunden Woche ohne Überstunden. 23 U. sind gegen das Gesetz, 24 sind das Minimum. Wenn Arbeitslosigkeit droht, würde ich das annehmen, ansonsten ablehnen.

Du solltest allerdings dazu sagen, dass sich die 24 Tage Mindesturlaub auf eine 6-Tage-Woche beziehen. Da sich Urlaubsangaben in Arbeitsverträgen in aller Regel auf Arbeitstage beziehen, hat die TE mit 23 Tagen sehr wahrscheinlich mehr als den Mindesturlaub bei 5-Tage-Woche. Selbstredend ist es trotzdem ziemlich wenig Urlaub.

Und was das Gehalt angeht - was meinst Du denn mit 'so einem Job'? Im Büro werden ja nun alle möglichen Berufe benötigt, qualifiziertere und weniger qualifizierte. Für einen Akademiker in der zweiten Leitungsebene ist es viel zu wenig, für eine Schreibkraft eher nicht (und wie Du schon schreibst, die Region spielt auch eine Rolle).

Was die Ausgangsfrage betrifft: ich würde die Probearbeit nutzen, um den anderen Mitarbeitern ein wenig auf den Zahn zu fühlen, und danach entscheiden.
 

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