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Kindliche Traumata

Alucard1987

Mitglied
Liebe Forengemeide,

ich würde mir gerne von euch auch Input zu einem meiner sehr schwerwiegenden Probleme einholen. Ich poste das Problem unter "Ich". Es könnte allerdings auch im Forum Gewalt stehen.
Ich überlasse es der Moderation, das Thema zu verschieben, sofern ein anderes Subforum dafür geeigneter erscheint.

ACHTUNG, AB HIER TRIGGER MÖGLICH

Aber zunächst zu meinem Erlebis:

Wie ich in meiner Vorstellung bereits geschrieben habe wurde ich als Junge (9 Jahre) bei einem Waldspaziergang von einem Kampfhund angefallen.
Er kam aus dem Unterholz, unangeleint, ohne Maulkorb, vom Besitzer keine Spur.
Er rannte schnurstracks auf mich zu und verbiss sich in meinem linken Oberschenkel und riss an ihm. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis mein Vater, ein kräftiger und selbstbewusster Mann, es schaffte, das Tier von mir zu lösen.
Die Wunde entzündete sich, teile meines Unterschenkels mussten amputiert werden. Weitere Reha-Maßnahmen folgten.

Dieses Erlebnis löste in mir mehrere Traumata aus:

1.) Meine Tierliebe, speziell zu Hunden, hat seitdem arg gelitten. Ich habe Angst vor ihnen, speziell wenn unangeleihnt, freilaufend und "wild".

2.) Mir wurde früh die Illusion des Schutzes durch meine Eltern genommen. Beide konnten mich in der Situation nicht verteidigen obwohl sie wohl ihr Bestes gaben. Wäre die Bestie an mir hochgesprungen und hätte sich mein Gesicht oder mein Hals geschnappt, hätte ich das definitiv nicht überlebt.

3.) Zweifel an Gerechtigkeit. Trotz nachfolgender Anzeige wurden Hund und Halter niemals geschnappt. Der Hund lies von mir ab, nachdem mein Vater dazu übergegangen war, mit einem schweren Holzstock auf diesen einzuprügeln. Er verschwand wieder im Unterholz. Den Halter haben wir nie zu Gesicht bekommen. Auch der Hund tauchte nie wieder wo auf bzw. konnte nach unserer Beschreibung nicht ermittelt werden.

4.) Angst, ohne Vorwarnung zum Opfer zu werden. Der Hund kam, wie beschrieben, einfach direkt auf mich zu aus dem Unerholz geschossen. Es gab keinerlei Provokation von mir oder meinen Eltern. Er war nicht bedroht. Es war auch nicht "sein Revier" oder dergeleichen. Es passierte einfach so auf einem öffentlichen Wanderweg. Ich war seine Beute, die er reissen wollte.

Die einzelnen Teilaspekte habe ich in einer 1 jährigen Psychotherapie als Jugendlicher verarbeitet, etwa 5 Jahre nach den eigentlichen Geschehnissen.

Doch noch heute plagen mich Alpträume, Ängste in bestimmten Situationen, welche unkontrolliert über mich hereinbrechen. Gegen bestimmte Hunderassen habe ich einen regelrechten Hass, obwohl ich genau weiß, dass die Hunde nichts für ihre Hinzucht zur Aggressivität und der Neigung zu diesem Verhalten können.
Ein Verbot solcher Rassen wäre längst mehr als angebracht.

Aber mir geht es in diesem Thread hauptsächlich um eigene Bewältigungsstrategien des Erlebten.

Hat jemand von euch ähnliches erlebt und ist damit fertig geworden?
Ich wäre sehr an Tipps oder Bewältigungsstrategien interessiert.
Gibt es für sowas vielleicht (Online-)Selbsthilfegruppen?

Ausdrücklich nicht interessiert bin ich an der Verharmlosung des Vorgefallenen durch fehlgeleitete Hundehalter, die glauben die Gefährlichkeit bestimmter Rassen relativieren zu müssen oder ihr eigenes vermeintliches "Können" im Umgang mit diesen Bestien hervorheben wollen zum Zwecke der Selbstdarstellung.

Behandelt dieses Trauma bitte auch als Trauma mit der gebotenen Rücksicht.
Für mich ist es bis heute, 27 Jahre danach, in vielerlei Hinsicht noch ein enormer Trigger.
Meine bis dato heile Welt als 9jähriges Kind nahm an diesem Tag ein jähes Ende und ich wäre fast zu einem "Beutetier" geworden.

Ich habe meine Psyche und Ängste heute soweit im Griff, dass ich einer geregelten Arbeit nachgehen kann, eine Partnerschaft führe und im Alltag weitgehend funktioniere.

In mir drinne jedoch gibt es schwarze Flecken... tiefschwarze Flecken.
Ich weiß nicht, ob ich diese jemals wieder belichtet bekomme.
 
Erstmal tut es mir sehr leid. Es muss schrecklich gewesen sein.
Ich habe traumatische Erfahrungen durch und kann dir Traumatherapie empfehlen, vor allem wenn dabei noch mit dem "inneren Kind" gearbeitet wird (Zusatzqualifikation eines Therapeuten).
Das würde ich dir ans Herz legen.
Individuelle Skills können dann zusammen mit dem Therapeuten erarbeitet werden.

Vielen Dank für deinen Input hier.

Während der ersten Reha-Maßnahmen gab es auch eine psychologische Begleitung.
Interessanterweise kamen jedoch die Traumata erst während meiner Pubertät richtig zum Vorschein.
Als Kind habe ich das wohl weitgehend verdrängt bzw. mein Fokus lag auf der Gesundung der physischen Verletzungen sprich meinem linken Bein.

Nachdem ich dann mit 13/14 regelmäßig heftige Panikattacken bekam und kaum noch in der Lage war die Schule zu besuchen, überredeten meine Eltern mich zu einer Psychotherapie.
Der Psychologe von damals war auf Jugendliche und Traumata spezialisiert, aber mit einem "inneren Kind" haben wir nicht gearbeitet.
Jedoch haben wir recht effektiv die die einzelnen Traumata bzw. Aspekte des Geschehens herausgearbeitet, siehe oben.

Ich vermute heute würde man mir eine posttraumatische Belastungsstörung attestieren. Diese Diagnose und die Forschungen dazu kamen vor allem mit den deutschen Auslandseinsätzen der Bundeswehr allen voran in Afghanistan in den Fokus.

Damals, 2001, als ich die Therapie machte wurde mir PTBS jedenfalls nicht als Diagnose gestellt.

Ich bin tatsächlich schwer am Überlegen, ob ich nochmals so eine Therapie beginnen soll. Habe diesbezüglich schon Kontakt zu meinem Hausarzt, der mir jederzeit eine Überweisung austellen würde.

@Soley
Darf ich dich in diesem Zusammenhang noch fragen, welcher Art deine Traumata waren?
Natürlich nur, wenn du es hier posten möchtest.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich Stelle mir das fürchterlich vor.

Das dich das traumatisiert hat, ist nur all zu verständlich und auch das Du Angst vor Hunden hast. Dabei sind es auch ganz tolle Tiere. Aber die Erfahrung hat dir damit ganz viel genommen.

Du hast dich dem total ausgeliefert gefühlt und auch, dass deine Eltern nicht so schnell handeln konnten, wie du es gebraucht hättest. Dennoch haben sie ja Ihr bestmöglichen getan.

Es ist nur eine Überlegung, aber vielleicht kannst du die gemacht Erfahrung mit Verhaltenstherapie und Exposition vielleicht "positiv überschreiben"? Oder dir einfach, wenn es dich "überwältigt" einen anderen Ausgang überlegen?
Wichtig ist ja, dass es dich nicht mehr belastet - so sehr.
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber da spielt es auch keine Rolle, ob Kampfhund oder nicht. Mir hat mal so ein kleines Ding in die Wade gebissen.

Falls es dir - ich hoffe niemals, nochmal passieren sollte, dem Hund die Finger/Hand in die Leftzen zu drücken, zwingt sie zum loslassen.

Lass das bitte. Ich habe in meinem Eingangspost ausdrücklich darum gebeten von solchem Geschwätz Abstand zu nehmen.

Es spielt sehr wohl eine verdammte Rolle, ob dir eine ausgewachsene, muskelbepackte Kampfmaschine das Fleisch von den Knochen reisst und dich wie eine Puppe im Dreck herumschleudert oder ob dir ein "kleines Ding" in die Wade kneift.
Ich habe gespürt, wie meine Bänder rissen als ich noch bei Bewusstsein war, habe das Schnalzen gehört. Dann die Wärme des Blutes und seines verdammten Mauls, welches sich an meinem Linken Bein in meine Kleidung zog.
Das Vieh hat mir ein ein gutes halbes Kilo Fleisch aus dem Oberschenkel gerissen und es wohl gefressen nachdem es damit getürmt ist.
Von den Operationen, der Blutvergiftung, der Amputation Teiles meines Unterschenkels wegen der Blutvergiftung im Alter von gerade mal 9 Jahren habe ich noch gar nicht angefangen zu erzählen.

Und das Zweite ist so ein üblich-dümmliches "Experten"-Geschwätz.
"Dem Hund in die Leftzen fassen"... genau...
Hundehalter-Stammtischniveau.
Kenne ich seit 27 Jahren in allen erdenklichen Variationen und bereitet mir regelmäßig Würgereiz.

Sag mal, hast du überhaupt verstanden, was ich da oben für eine Situation berichtet habe?
Das verdammte Vieh hätte mich wie ein Rehkitz geschlachtet an diesem Tag, wenn mein Vater, ein betont kräftiger Mann, ihn nicht minutenlang mit einem schweren Holzast gegen Kopf, Wirbelsäule und Genital geschlagen hätte. Und selbst danach ist der noch weggerannt als wäre nix gewesen...

Und nochmal:
Ich möchte hier bitte Tips zu Therapieformen, Selbsthilfegruppen sowie anderen hilfreichen Input zu meiner Situation und KEIN relativierendes Gelaber zu Hunderassen, Abwehrgriffen oder sonstiges Laien-Geschwafel.
 
Hallo Alucard,
erst einmal herzlich willkommen hier. Bin auch aus Nds.
Was du machen solltest ist eine gute Traumatherapie. Die Therapieansätze haben sich in den letzten 20 Jahren sehr verändert.
Traumatherapeuten sind rar, wirklich schwer aufzutreiben... aber versuch es mal in Bremen, wenn das irgendwie für dich erreichbar ist. Die haben dort wesentlich mehr Traumathrrapeuten als in Niedersachsen. Die Chance ist gut, da jemanden zu finden. Es würde sich für dich vielleicht lohnen, einen Traumatherapeuten mit EMDR -Zusatzausbildung zu suchen.
 
Lass das bitte. Ich habe in meinem Eingangspost ausdrücklich darum gebeten von solchem Geschwätz Abstand zu nehmen.

Es spielt sehr wohl eine verdammte Rolle, ob dir eine ausgewachsene, muskelbepackte Kampfmaschine das Fleisch von den Knochen reisst und dich wie eine Puppe im Dreck herumschleudert oder ob dir ein "kleines Ding" in die Wade kneift.
Ich habe gespürt, wie meine Bänder rissen als ich noch bei Bewusstsein war, habe das Schnalzen gehört. Dann die Wärme des Blutes und seines verdammten Mauls, welches sich an meinem Linken Bein in meine Kleidung zog.
Das Vieh hat mir ein ein gutes halbes Kilo Fleisch aus dem Oberschenkel gerissen und es wohl gefressen nachdem es damit getürmt ist.
Von den Operationen, der Blutvergiftung, der Amputation Teiles meines Unterschenkels wegen der Blutvergiftung im Alter von gerade mal 9 Jahren habe ich noch gar nicht angefangen zu erzählen.

Und das Zweite ist so ein üblich-dümmliches "Experten"-Geschwätz.
"Dem Hund in die Leftzen fassen"... genau...
Hundehalter-Stammtischniveau.
Kenne ich seit 27 Jahren in allen erdenklichen Variationen und bereitet mir regelmäßig Würgereiz.

Sag mal, hast du überhaupt verstanden, was ich da oben für eine Situation berichtet habe?
Das verdammte Vieh hätte mich wie ein Rehkitz geschlachtet an diesem Tag, wenn mein Vater, ein betont kräftiger Mann, ihn nicht minutenlang mit einem schweren Holzast gegen Kopf, Wirbelsäule und Genital geschlagen hätte. Und selbst danach ist der noch weggerannt als wäre nix gewesen...

Und nochmal:
Ich möchte hier bitte Tips zu Therapieformen, Selbsthilfegruppen sowie anderen hilfreichen Input zu meiner Situation und KEIN relativierendes Gelaber zu Hunderassen, Abwehrgriffen oder sonstiges Laien-Geschwafel.

Ich bin kein Hundehalter.

Es waren meine Gedanken. Meinen Rat habe ich Dir gegeben, dass was mir dazu einfiel.

Ausdrücklich nicht interessiert bin ich an der Verharmlosung des Vorgefallenen durch fehlgeleitete Hundehalter, die glauben die Gefährlichkeit bestimmter Rassen relativieren zu müssen oder ihr eigenes vermeintliches "Können" im Umgang mit diesen Bestien hervorheben wollen zum Zwecke der Selbstdarstellung.

Habe ich im Nachhinein nochmal gelesen. Tut mir leid.
Habe den Rest editiert.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin tatsächlich schwer am Überlegen, ob ich nochmals so eine Therapie beginnen soll. Habe diesbezüglich schon Kontakt zu meinem Hausarzt, der mir jederzeit eine Überweisung ausstellen würde.

Nach dem ich deine Posts gelesen habe, empfehle ich dir eine stationäre Trauma therapie in kliniken mit extra Trauma Stationen, oder zumindest Trauma angeboten mit ausgebildeten Trauma Therapeuten.

Du brauchst auch keine Diagnose um eine traumatherapie zu machen.. die bekommst du dann wahrscheinlich während der therapie.

Stationär empfehle ich hier weil es ein geschützter rahmen ist falls dinge hochkommen die einen selbst überwältigen.

Ansonsten wäre eine ambulant traumatherapie natürlich auch möglich. aber da aufpassen. Trauma Therapeut ist kein geschützter begriff. Auf den listen der Ärzte oder Krankenkassen die man bekommt sind die so nicht gelistet. Ich empfehle bei Trauma keine verhaltenstherapeuten sondern Tiefenpsychologen die sich mit traumatherapieverfahren wie EMDR auskennen.

LG
 
@Silan und @Jhn

Erstmal danke für eure beiden Beiträge.
Ich denke, in diese Richtung wird es gehen.

Sorry an alle für meine eventuell drastischen Worte bei der Beschreibung des Vorfalls. Ich habe gezielt diese Worte gewählt um es den Mitlesern möglichst begreifbar zu machen, was damals passiert ist.

Das habe ich unter anderem auch in meiner schon zig Jahre zurückliegenden Therapie gelernt, dass man sich offen über das Erlebte austauschen sollte.

Ich hoffe, es ist dadurch kein falscher Eindruck meiner momentanen Situation entstanden.
Ich bin zurzeit eigentlich sehr stabil, meistere meinen Alltag gut.

Schwierig sind bestimmte Trigger... Hund, aber auch Kinder in der Nähe von Hunden.
Oder wenn ich sehe, wie im Alltag beispielsweise einer großen Stadt ein schmächtiger Halter mit einem Kampfhund völlig überfordert ist (Ja, man sieht es den Leuten an, wenn der Hund mit ihnen spazieren geht und nicht umgekehrt).

Oder eben relativierende Beschwichtigungen. Die machen mich unheimlich wütend. Ich habe nach meiner Therapie in schweren Zeiten oft versucht, mich mitzuteilen und das erste was meinen Zuhörern einfiel war, Partei für die Bestie zu ergreifen... von "Der wollte bestimmt nur spielen" (ja, das wurde tatsächlich mehrfach gleich als erstes gesagt) bis zu völlig irren "Strategien" zur Hundeabwehr war da alles dabei. Man spürt teilweise, wie die Menschen dichtmachen oder sich genötigt fühlen, das Verhalten des Hundes zu rechtfertigen. Und das tun sie, ohne zu zögern gegenüber einem Kind / einem Jugendlichen / oder eben meinem heutigen erwachsenen Ich, der von sowas versehrt wurde... ein Leben lang, körperlich und seelisch.

Aber auch das ist wohl etwas mit dem ich lernen muss zu leben und hoffe, dass dabei eine Therapie oder eben eine Selbsthilfegruppe von Menschen mit ähnlichen Traumata hilft.
 

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