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Keine Kontakte im Studium

Lysbona

Mitglied
... Ja, der Titel sagt alles. Ich habe keine Kontakte im Studium. Ich schaffe es nicht, Kontakt zu meinen Kommilitonen herzustellen, da ich nicht nur unter einer Sozialphobie, sondern auch unter einer Selbstunsicher-Vermeidenden Persönlichkeitsstörung leide. Egal, wo ich hingehe, überall fühle ich mich als Witzfigur, gehasst oder zumindest abgelehnt... Wegen meiner AD(H)S-Persönlichkeit bin ich ein relativ sprunghafter, naiver und quirliger Mensch. Das hat schon früh - neben familiären Problemen und Unterforderung - dazu geführt, dass ich mit dem Erwerb sozialer Kompetenzen gewaltig hinterherhinkte. Schon im Kindergarten habe ich mich gefragt, ob ich jemals normal würde.

Eigentlich gehe ich schon seit Jahren nicht mehr in Foren auf psychische Probleme meinerseits ein, weil mir ja klar ist, dass der erste Rat wieder ist, "professionelle Hilfe" zu holen. Natürlich habe ich die schon, aber mein Therapeut scheint auch nicht zu wissen, wie man dagegen am besten angehen kann. Natürlich ist bei einer Sozialphobie Praxis wichtig - aber wenn ich mich durch die Persönlichkeitsstörung nicht dazu durchringen kann, auf Menschen zuzugehen, und meine chronische Depressionen bei negativer Resonanz letztendlich sogar zu SVV führen - was sogar in meinem Nebenjob der Fall war, Arbeiten in Ungelerntenjobs ist die Hölle für mich, ist auch das nicht einfach möglich.

Ja, wie das so ist - ich weiß nie, wann man sich wo für Kurse anmelden kann, weil ich niemanden fragen kann, muss dann die Restplätze in unbeliebten Kursen und Seminaren nehmen, finde schwieriger Nebenjobs, kriege Raumänderungen nicht mit... Es behindert mein Studium zusätzlich enorm. Auch soziale Kontakte habe ich - bis auf meinen Freund - real keine. Und der kleine noch lebende Teil meiner Familie wohnt über 100km entfernt.

Wie ich bereits in einem anderen Thread schrieb, habe ich u.a. dadurch auch meinen BAföG-Höchstsatz verloren und stehe nun als "Behinderte" im Sinne des BAföG vollständig ohne Unterstützung da. Es ist echt zum Verzweifeln. hat irgendjemand noch einen Rat für mich?
 
Danke, den Begriff habe ich gesucht (Selbstunsicher-Vermeidenden Persönlichkeitsstörung). Hab mir schon den Kopf zermartert, was ich da neulich gelesen habe und so gut auf mich gepasst hat...

Ich habe keine Patentlösung für dich. Habe ähnliches durch - irgendwann stumpft man ab und dann ist es egal, ob man Kontakte hat oder nicht. Auch die soziale Phobie lässt nach, man wird mit dem Alter einfach selbstsicherer und dann ergeben sich immer kurze Kontakte in Vorlesungen, Praktika und Seminaren.

Du hast immerhin einen Freund. Hat der denn keinen Freundeskreis, in den er dich integrieren könnte? Oder gehts dir hier nur um die Kommilitonen? Sprunghaft, naiv und quirlig klingt eigentlich ganz sympathisch... 🙂
 
Ich glaube, das ist ein wichtiger Unterschied zwischen einer Sozialphobie und einer Selbstunsicher-Vermeidender Persönlichkeitsstörung; eine Sozialphobie ist einfacher zu beheben und gleicht sich mit altersbedingt zunehmender Selbstsicherheit etwas aus, aber eine Unsicher-Vermeidende PS. ist deutlich tiefergreifend...
Mit 26 bin ich auch deutlich anders, als ich noch mit 18 war, da hat meine Sozialphobie mein Leben bestimmt.

Und nein, mein Freund kann mich leider nicht integrieren. Ich wollte das nicht so schreiben, weil ich hier nicht erkannt werden können will, aber er hat quasi das gleiche Problem wie ich...
 
Das kommt mir alles recht bekannt vor. Und ich bin mit meiner Sozialphobie leider noch nicht weiter gekommen, von wegen, sie lässt sich einfacher beheben - hab das Gefühl, es wird mit der Zeit nur noch schlimmer, und in real finde ich schon aufgrund meiner Identitätsstörung keine Kontakte.

Immerhin hast du aber einen Freund - das ist schonmal ein Pluspunkt!
Allerdings wäre zugegeben genau der ein Grund, wieso ich persönlich, wäre ich mit dir an der Uni, nicht unbedingt viel Kontakt zu dir haben wollen würde; da ich selbst single bin, möchte ich hauptsächlich Singles kennenlernen. So ziemlich 95% meiner Bekannten sind in einer Beziehung bzw verheiratet, und man vereinsamt zunehmends, wenn man immer nur mit Eheleuten Kontakt hat, deswegen möchte ich das einschränken. Könnte sein, dass andere auch so denken; ansonsten empfinden sie deine Schüchternheit möglicherweise als Desinteresse. Zumindest habe ich das Gefühl, dass es bei mir so ist.
Ansonsten klingst du ja wirklich sympathisch und mir wurde immer gesagt, an der Uni lernt man am besten Leute kennen... na, wenn's da nicht klappt, wo dann?

Ich wünsch dir auf jeden Fall alles Gute, lass dich nicht unterkriegen. Und wenns ganz hart auf hart kommt, denk dran, dass du nicht alleine bist mit deinem Freund. 🙂
 
Na ja, 'einfacher' ungleich 'einfach'. Eine Persönlichkeitsstörung ist idR so stark manifestiert, dass man sie kaum therapieren kann. Eine Sozialphobie kann sicher auch schlimmere Ausmaße annehmen als die, welche ich kenne bzw erlebt habe, aber es ist schon deutlich einschränkend(er), wenn es deine Grundüberzeugung ist, dass andere Menschen dich ablehnen, weil du minderwertig bist, als wenn es nur die unmittelbare Angst ist. Wobei ich deine Situation natürlich überhaupt nicht beurteilen kann.

Ich merke das nun ja auch wieder bei der Jobsuche... bewerbe mich auf Schrottjobs, die ich gar nicht ausüben kann, damit ich mein Studium weiterführen kann und nicht abbrechen muss, mich aber daran hindern, angemessen zu studieren. Wenn das so weitergeht, brauche ich für mein Studium dreißig Jahre, und das ist keine Übertreibung. Es ist wirklich krass, dass man, wenn man den BAföG-Leistungsnachweis nicht erbringen konnte, komplett durchs Raster fällt und trotz des Kindergeldwegfalls nicht einmal mehr Ausbildungsbeihilfe bekommen kann. Ginge es nach dem Staat, müsste ich auf eine Ausbildung verzichten. Dass ich unter Erkrankungen leide, die eine Behinderung von 50% rechtfertigten, und zusätzlich unter sehr ungünstigen Umständen großgeworden bin, ist selbst bei offizieller Anerkennung irrelevant, ich käme bestenfalls in eine Behindertenwerkstatt... als Hochbegabte, aber ja, auch das ist politisch nicht korrekt. Stattdessen darf man sich von jeder Seite anhören, man solle doch dankbar sein, überhaupt so "günstig" studieren zu können.

Aber interessant, dass das Desinteresse an Vergebenen erwähnst - ich kann das durchaus nachvollziehen. In der Schule ging es mir auch so, dass ich Leuten, die vergeben waren, eher abgeneigt war, weil man sich häufig deplatziert vorkommt und es manchmal auch neidisch macht...

Jedenfalls danke, ja, ich bin froh, dass ich ihn habe. Trotzdem schäme ich mich für meine Misere so massiv, dass auch unsere Beziehung darunter leidet 🙁
 

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