Hey
@SchwarzesSchaf2000 , ja, mich! 🙂
Ich (w, Mitte 30, lesbisch) verorte mich mittlerweile auch irgendwo auf dem Spektrum der Asexualität und Aromantik und bin damit zum Glück überhaupt nicht unglücklich und mittlerweile auch nicht mehr unsicher, sondern finde okay, dass es so ist bzw. dass ich so bin.
Vor zehn Jahren, als ich in deinem Alter war, war das aber auch noch anders und ich habe viel gezweifelt und gehadert, warum ich "anders" bin und mir so ein selbstverständliches Bedürfnis fehlt.
Ich denke, es hat bei mir abgesehen von meiner Veranlagung auch viel mit verschiedenen Lebensthemen zu tun. In meiner Kindheit habe ich wenig bis keinen positiven Körperkontakt erlebt oder vorgelebt bekommen, so dass es mir bis heute auch nicht so leicht fällt neutralen oder platonischen Körperkontakt zuzulassen. Außerdem habe ich einige soziale Ängste und mir fehlt viel Selbstvertrauen und Selbstsicherheit in meinen Körper (der nicht dem Schönheitsideal entspricht). Leider hatte ich dann in meiner Jugend, als ich noch neugierig und forsch genug war, eine sehr negative Erfahrung mit einem Mann, der sich mir gegenüber nicht gut verhalten hat. Es kam zum Glück nicht zu körperlichen/sexuellen Gewalt, aber die ganze Situation und auch die Folgen der Situation waren für mich so einprägsam, dass es mir für lange Zeit jede Neugierde und Offenheit genommen hat, mich noch einmal auf körperliche Nähe und Intimität einzulassen.
Das finde ich schade, denn ich glaube, wenn ich in jüngerem Alter mehr probiert und experimentiert hätte, hätte ich zumindest ein größeres Selbstverständnis dafür, dass auch andere keine perfekten Körper haben und trotzdem Sexualität und Nähe leben. Oder ich wäre trotzdem genau am selben Status wie jetzt.
Mir fehlt nichts, ich bin sehr zufrieden und glücklich als Single und suche nicht, weil ich mir eine romantische Beziehung überhaupt nicht vorstellen kann und die Vorstellung auch eher erdrückend empfinde. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, nur für jemand anderen Sex zu haben, wenn ich selbst es gar nicht will.
Sexuelle Bedürfnisse habe ich schon, die ich aber mit mir selbst auslebe und das ist für mich vollkommen ausreichend.
Das war jetzt viel von mir, ich hoffe, es ist okay, das einfach mal so geschrieben zu haben.
Ich finde es auch gut, dass du dich damit beschäftigst und dir Gedanken machst, wie es ist, falls es sich mal ändert. Aber ich denke auch, dass du dir nicht zu viele Sorgen deswegen machen solltest, was irgendwann später sein wird, wenn du jetzt zufrieden bist.
Dass man durchaus jemanden finden kann, wenn man asexuell ist, glaube ich auf jeden Fall.