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Kein Bock mehr auf Arbeit, lieber Hart 4

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Fast alle Menschen, die ich kenne und die eine gute Ausbildung haben, haben tatsächlich auch einen gut bezahlten Job.

Ja, das ist sehr schön für die Menschen, aber leider betrifft das nicht alle. Genau darum geht es ja in der öffentlichen Diskussion, unter anderem aus diesem Grunde sind doch viele Arbeitnehmer demotiviert und unzufrieden. Weil sich a) Arbeit oftmals nicht mehr lohnt und b) eine gute Ausbildung leider nicht immer zum Erfolg führt.

So wie früher ist das nicht mehr in Deutschland. Gute Ausbildung = guter Job. Die Zeiten sind vorbei. Man kann sich gerne mal die Statistik anschauen und die Wachstumsraten in der Zeitarbeit "bewundern". Auf jeden normalen neuen Job kommen 3 neue Zeitarbeitsstellen. Heutzutage existiert ganz klar eine Zweiklassengesellschaft in der Arbeitswelt. Normaler Job mit 13-14 Monatsgehältern, betriebl.. Altersvorsorge, VL, subventionierter Kantine, etc. Oder Zeitarbeit und man hat nichts davon. Natürlich, die Leute außerhalb der Zeitarbeit, die schwingen Reden und sind neunmalklug. Weil es sie nicht betrifft reißen sie das Maul auf und sonnen sich in ihren Stammtischparolen.

Aber nicht immer ist der Arbeitnehmer der Schuldige, weil er zu faul oder zu dämlich für einen richtigen Job ist. Es gibt immer mehr Unternehmen, die Einstellungsstopp ausgerufen haben. Außer Zeitarbeit geht nichts mehr. Mir fallen auf Anhieb zwei Positionen ein, die meinen Bekanntenkreis betreffen:


  1. DAX-Unternehmen -> keine Neueinstellungen in den unteren Ebenen, nur Zeitarbeit. Wann wieder normal eingestellt wird ist ungewiss, eher mittel- und langfristig.
  2. großer Konzern -> Neueinstellung nur über Zeitarbeit. Netto: 1030 € (St.kl. I), Voraussetzungen: abgeschlossene kaufm. Ausbildung, zeitlich flexibel (bis 20:00 Uhr, evtl. auch samstags), möglichst Berufserfahrung

So, jetzt kann sich mal jeder überlegen was diese Leute, die ich da kenne, denn tun sollen? Kandidat 1 kann lange hoffen auch Nicht-Zeitarbeit, wird aber nichts werden, da Einstellungsstopp. Er könnte sich woanders bewerben, aber da gibt es auch nur Zeitarbeit bzw. konkurrieren auf die Nicht-Zeitarbeitsstellen noch mehr Bewerber als eh schon.
Kandidat 2 muss sich überlegen was er tut. Entweder er tritt den Job an, oder er (wie der TE) bleibt lieber zu Hause. Und jeder der Schmarotzer brüllt, soll sich o.g. Zahlen doch bitteschön anschauen:

1030 € - Gehalt
- 500 € - Miete (kleine 2-Zimmer-Wohnung in Frankfurt, verhältnismäßig günstig für die Lage)
- 80 € - Fahrkarte bzw. Benzin
- 80 € - Nebenkosten (Internet, Handy, usw.)
= 370 €

Wie hoch ist der Regelsatz für Hartz-IV doch gleich?? Mir will doch hier niemand erzählen, dass er jeden Morgen freudestrahlend zur Arbeit gehen würde, wenn unterm Strich letztendlich weniger oder dasselbe übrig bleibt als mit Hartz-IV. Seid ihr alle solche Gutmenschen und fleißige Arbeiterbienchen? Ich bin ehrlich, bei obigen Zahlen würde ich mir zweimal überlegen den Job anzutreten. 40 Std. in der Woche verschwenden (denn das ist letztendlich Zeitverschwendung), oder zu Hause bleiben und nicht schlechter leben.

Übrigens, meine obige Leute haben gute Ausbildungen in jeweils bekannten Großunternehmen absolviert, besitzen Berufserfahrung usw. Von wegen gute Ausbildungen führen immer zum Erfolg.
 
Hallo paulemaule,

ich sehe das grundätzlich auch so. Bezeichnend finde ich allerdings auch die Tatsache, dass diejenigen die an vorderster Front am lautesten jammern nicht selten auch diejenigen sind die alles dafür getan haben, dass in ihrem Leben beruflich nichts rund gelaufen ist.

Und bei deiner Rechnung mit netto 1.030 Euro, steht man sich ja wohl bedeutend besser als mit H4. Wenn du diesen Vergleich schon bringst. Den Regelsatz kennst du, oder?
 
Der Regelsatz dürfte 382 € sein. Nur mit dem Unterschied, dass der Rest vom Amt bezahlt wird.


Das heißt:

Ich arbeite Vollzeit für ~ 380 € pro Monat

- oder -

ich bleibe zu Hause für ~ 380 € pro Monat.
 
Irgendwie verstehe ich schon, was paulemaule meint.
Für 300€ im Monat mehr verfährt man Benzin, muss Geld in entsprechende Garderobe investieren und verbringt mehr als 40 Stunden pro Woche außer Haus.

Ich habe selbst schon schlecht bezahlte Jobs gemacht, für die ich teils weit fahren musste. Finanziell rentiert hat sich das nicht. (und da war der Benzinpreis noch niedriger)
Ich kann es niemandem übel nehmen, wenn er das für diese relativ geringe Differenz nicht möchte.

LG
Vesna
 
Na ja, man kann sich bei 1030 aber immer noch Wohngeld beantragen, dann kriegt man mit Sicherheit einen Wohnberechtigungsschein, sodass man vielleicht auch ne Wohnung mit weniger als 500 Euro findet. 😉

Ganz ehrlich, wenn ich nur 1000 Euro im Monat hätte, würde ich mir keine Wohnung ans Bein binden, die 500 Öcken erfordert. O_O

Ich habe jetzt auch so um die 900 Euro und zahle für mein Zimmer halt 240 Euro. Für mich käme das gegenwärtig nicht in Frage, mir von dem bisschen Geld noch ne Wohnung zu nehmen. Vor allem nicht in Hamburg. O_O

Ich ziehe halt nach dem Studium in eine kleinere Stadt und dann auch mit jemandem zusammen. Mit 900-1000 Euro wäre mir das einfach zu wenig Geld auf die Dauer.
Und als Referendar kriege ich ja auch nur eben 1000 Euro. Das ist in heutiger Zeit nun mal einfach nicht viel...
Große Sprünge kann man damit nicht machen...
Und da ich nun mal wegen meiner Magen- und Darmprobleme auf meine Ernährung achten muss, kann ich am Essen nicht so rumsparen wie andere.
 
Ich glaube ihr rechnet falsch?! Man hat nicht 300 € mehr in der Tasche, man hat überhaupt nicht mehr.

Bei Hartz-IV zahlt das Amt die Wohnung samt Nebenkosten. Der Regelsatz ist also quasi mein Nettoverdienst.

Beim 1.030 €-Job zahle ich die Wohnung samt Nebenkosten. Mein Nettoverdienst entspricht damit fast exakt dem Hartz-IV-Regelsatz.


Und die Wohnung ist für Frankfurter Verhältnisse völlig normal. Was soll man den Leuten denn raten? Zieht gefälligst aufs Land oder sucht euch eine WG? Selbst WG-Zimmer liegen in Frankfurt nicht selten bei 400 €. Das ist in Hamburg nicht viel anders.

Es gibt natürlich günstigere Regionen in Deutschland. Aber jeder, der in einem Ballungsgebiet lebt, der wird doppelt bestraft mit Zeitarbeit und Niedriglohn. Weniger Verdienst und teurer Unterhalt.
 
Wie gesagt, ich bin auch ungefähr an dem Beispiel dran mit dem Geld. Ich wüsste nicht, wie ich ne Miete von 500 Euro bezahlen soll. Weil ich für die Uni auch einiges an Kosten hatte/habe, dann habe ich mein Ernährungsproblem, dazu vertrage ich div. Kosmetika und Hygieneprodukte nicht, sodass ich da auch tiefer in die Tasche greifen muss, habe noch einige Medikamente, die ich ran schaffe und die von Kk nicht bezahlt wird... ferner habe ich nen Handyvertrag, weil mir das im Wohnheim mit dem Telefonanschluss zu dumm wäre.... dann habe ich ne Zahnzusatzversicherung (ich habe extrem schlechte Zähne und muss mir das schon teilweise neu machen lassen usw.), ne Berufsunfähigkeitsversicherung, Hausratsversicherung, private Haftpflicht, dann GEZ, dann den Semesterbeitrag von fast 300 Euro...
Wovon soll denn das noch groß bezahlt werden, wenn man sich so ne hohe Miete ans Bein bindet???!!!

Und Kleidung braucht man ja auch mal neu oder irgendwelche anderen Sachen.

Was ist denn so schlimm oder so schwer daran, sich ne günstigere Miete zu suchen? bzw. Wohnberechtigungsschein... oder mal Wohngeld zu beantragen?
Ich finde es nicht unbedingt schlimm, zur Untermiete oder in einer WG zu wohnen.
Kann man doch übergangsweise mal machen. Bis man eben was Günstigeres findet.

Also der Freund von mir und ich werden zusammenziehen, da wir ja beide als Referendare nur so eben um die 950 haben.
 
Für 300€ im Monat mehr verfährt man Benzin, muss Geld in entsprechende Garderobe investieren und verbringt mehr als 40 Stunden pro Woche außer Haus.

Bist du der Meinung, man sollte als junger Mensch ( zb. Anfang 20 ) dann lieber den Kopf in den Sand stecken und sich mit Hartz IV begnügen? Oder sollte man vielleicht darüber nachdenken, sich evtl. nebenbei fortbilden oder durch einen Jobwechsel etwas mehr Geld zu verdienen?

Bei diesem Thema stören mich immer diese Pauschalaussagen. Das System kränkelt, also ist auch jeder faulenzer entschuldigt. Und das sehe ich nicht so. Dafür bekomme ich viel zu häufig die Einstellung junger Leute ( Praktikanten und Auszubildende ) in unserem Betrieb mit.
 

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