paulemaule
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Fast alle Menschen, die ich kenne und die eine gute Ausbildung haben, haben tatsächlich auch einen gut bezahlten Job.
Ja, das ist sehr schön für die Menschen, aber leider betrifft das nicht alle. Genau darum geht es ja in der öffentlichen Diskussion, unter anderem aus diesem Grunde sind doch viele Arbeitnehmer demotiviert und unzufrieden. Weil sich a) Arbeit oftmals nicht mehr lohnt und b) eine gute Ausbildung leider nicht immer zum Erfolg führt.
So wie früher ist das nicht mehr in Deutschland. Gute Ausbildung = guter Job. Die Zeiten sind vorbei. Man kann sich gerne mal die Statistik anschauen und die Wachstumsraten in der Zeitarbeit "bewundern". Auf jeden normalen neuen Job kommen 3 neue Zeitarbeitsstellen. Heutzutage existiert ganz klar eine Zweiklassengesellschaft in der Arbeitswelt. Normaler Job mit 13-14 Monatsgehältern, betriebl.. Altersvorsorge, VL, subventionierter Kantine, etc. Oder Zeitarbeit und man hat nichts davon. Natürlich, die Leute außerhalb der Zeitarbeit, die schwingen Reden und sind neunmalklug. Weil es sie nicht betrifft reißen sie das Maul auf und sonnen sich in ihren Stammtischparolen.
Aber nicht immer ist der Arbeitnehmer der Schuldige, weil er zu faul oder zu dämlich für einen richtigen Job ist. Es gibt immer mehr Unternehmen, die Einstellungsstopp ausgerufen haben. Außer Zeitarbeit geht nichts mehr. Mir fallen auf Anhieb zwei Positionen ein, die meinen Bekanntenkreis betreffen:
- DAX-Unternehmen -> keine Neueinstellungen in den unteren Ebenen, nur Zeitarbeit. Wann wieder normal eingestellt wird ist ungewiss, eher mittel- und langfristig.
- großer Konzern -> Neueinstellung nur über Zeitarbeit. Netto: 1030 € (St.kl. I), Voraussetzungen: abgeschlossene kaufm. Ausbildung, zeitlich flexibel (bis 20:00 Uhr, evtl. auch samstags), möglichst Berufserfahrung
So, jetzt kann sich mal jeder überlegen was diese Leute, die ich da kenne, denn tun sollen? Kandidat 1 kann lange hoffen auch Nicht-Zeitarbeit, wird aber nichts werden, da Einstellungsstopp. Er könnte sich woanders bewerben, aber da gibt es auch nur Zeitarbeit bzw. konkurrieren auf die Nicht-Zeitarbeitsstellen noch mehr Bewerber als eh schon.
Kandidat 2 muss sich überlegen was er tut. Entweder er tritt den Job an, oder er (wie der TE) bleibt lieber zu Hause. Und jeder der Schmarotzer brüllt, soll sich o.g. Zahlen doch bitteschön anschauen:
1030 € - Gehalt
- 500 € - Miete (kleine 2-Zimmer-Wohnung in Frankfurt, verhältnismäßig günstig für die Lage)
- 80 € - Fahrkarte bzw. Benzin
- 80 € - Nebenkosten (Internet, Handy, usw.)
= 370 €
Wie hoch ist der Regelsatz für Hartz-IV doch gleich?? Mir will doch hier niemand erzählen, dass er jeden Morgen freudestrahlend zur Arbeit gehen würde, wenn unterm Strich letztendlich weniger oder dasselbe übrig bleibt als mit Hartz-IV. Seid ihr alle solche Gutmenschen und fleißige Arbeiterbienchen? Ich bin ehrlich, bei obigen Zahlen würde ich mir zweimal überlegen den Job anzutreten. 40 Std. in der Woche verschwenden (denn das ist letztendlich Zeitverschwendung), oder zu Hause bleiben und nicht schlechter leben.
Übrigens, meine obige Leute haben gute Ausbildungen in jeweils bekannten Großunternehmen absolviert, besitzen Berufserfahrung usw. Von wegen gute Ausbildungen führen immer zum Erfolg.