Shad, du gibst in diesem Fall deinen negativen und selbstzerstörerischen Ängsten und Problemen nach und lässt dein Leben und dich selbst von ihnen bestimmen. Dich zurückzuziehen und deine Essgewohnheiten und deine Mahlzeiten zu verstecken, ist bequemer, denn der harte Weg wäre, daran zu arbeiten, bis über die Schmerzgrenze hinaus, auch wenn sich das hart anhört.
Ich selbst habe in meiner schlimmsten essgestörten Zeit ständig allein und isoliert gegessen. Das macht verdammt einsam, aber gleichzeitig hat man Angst, sich den anderen preiszugeben und von anderen Menschen beobachtet und angesehen zu werden. Aber wenn du Pech hast, gerätst du in einen gefährlichen Strudel, wenn du jetzt nicht anfängst das Problem an der Wurzel zu packen. Essen ist ein Stück weit Lebensfreude und gesellschaftliches Leben.
Ich kenne deine Mutter nicht und will auch deine Familiensituation gar nicht beurteilen. Aber hast du ihr schon mal offen und ehrlich gesagt, wie schwer es dir fällt, mit anderen zu essen? Notfalls schriftlich? Was müsste passieren, damit du dich wohler fühlst, mit anderen zu essen? Du hast ja anscheinend einen richtigen Leidensdruck und das kann auf keinen Fall zwischen ein und vier Jahren so weitergehen, bis du ausziehst. Wenn du nicht mit deiner Familie essen willst und kannst, müssen Kompromisse gefunden werden. Und es ist einen Versuch wert, deiner Familie verständlich zu machen, wie es dir geht, denn wenn Menschen etwas verstehen, können überraschend positive Reaktionen entstehen. Wenn du ihnen wegen der fehlenden Bindung gleichgültig bist oder sie das alles nicht nachvollziehen können, musst du eine andere Lösung für dich finden. Und da wäre dann vielleicht auch eine betreute Wohngruppe für Jugendliche angebracht oder die Möglichkeit, auszuziehen, denn wenn die Situation unerträglich und belastend wird, gibt es häufig die Möglichkeit, mit Unterstützung auszuziehen.
Es ist verdammt schwer, an seinem Essverhalten zu arbeiten, ich kann ein Lied davon singen. Zwar ganz anders als du, aber ich habe mir alles an Essverhalten, das ich jetzt habe, hart erkämpft. Es ist also zu schaffen, zwar nicht sofort, aber jeder Vorsatz und jede kleine Änderung ist ein riesiger Erfolg. Bei dir kommen noch andere Probleme dazu.
Du isolierst dich und das ist nicht gut. Denn die Isolation regelt nicht dein Leben und deine Ängste und Schwierigkeiten, auch wenn es vielleicht so aussieht.