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Kann nirgends anknüpfen..

Rho

Neues Mitglied
Aloha habe da ein ziemlich dickes Paket, welches ich mit mir herumtrage und muss es einfach irgendwo loswerden.
Zu mir ich habe eine wirklich dramatische Kindheit hinter mir. Mein Vater war gegenüber meiner Mutter ziemlich gewalttätig, so dass sie sich von ihm trennte als ich zwei Jahre alt war. Danach hatte meine Mutter allerdings auch diverse Partner die die selben Verhaltensmuster an den Tag legten. Das zog sich bis ich acht wurde und die Situation komplett eskalierte. Jedenfalls zog ich ab da zu meiner Großmutter, bei der ich regelrecht verwöhnt wurde. Ohne Regeln und mit zu viel Hass bereits im Kindesalter war ich eines der eher auffälligen Kinder. Ich ließ mir nichts sagen und wollte ausschließlich mein Dickkopf durchsetzen. Freunde hatte ich wenige und die meisten Schüler mieden mich bzw. für zwei Jahre auf dem Gymnasium erfuhr ich was Mobbing heißt. Um mich ruhig zu stellen bekam ich recht früh einen PC bzw. eine Playstation und versank davor stundenlang.
Später fand ich Freunde mit denen ich dieses Hobby gemeinsam ausgeübt habe. Da waren 12 Stunden Sessions keine Seltenheit. Ich ging vom Gymnasium ab, weil ich nur noch demotiviert in der Schule war und wiederholte freiwillig die sechste Klasse. Für ein Jahr lang ging es Berg auf. Meine Noten waren überdurchschnittlich und ich hatte es sehr leicht in der Schule. Bis zur siebten Klasse. Ab dort kamen Freunde in`s Spiel, welche ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Ich fing an mit 14 Alkohol zu probieren, dann folgte die Shisha, dann das Rauchen und zu guter Letzt diverse Drogen. Mit 17 war ich Dealer, schwänzte regelmäßig die Schule und kam nur um Arbeiten zu schreiben. Das ironische daran war das ich immer noch sehr gut damit durch die Schule kam und in meinen Noten teils deutlich besser war als der Rest der Klasse. Das fand meine Klasse allerdings gar nicht so lustig und somit hatte ich erst Recht den Außenseiterposten inne.
Mein Konsum stieg stetig, da ich leider nicht viel Glück mit meinen Menschen im Umfeld hatte. Meine erste Freundin wurde mir von meinem damaligen besten Freund ausgespannt, welchem ich schon seit ich 12 war in allem, vor allem in seinen Beziehungen, geholfen hatte. Zwei Freundinnen später betrog mich diese mit vier anderen Kerlen (wohl gemerkt das es das beliebteste und hübscheste Mädel in der ganzen Schule war. Dies führte dazu das ich, naiver Weise, ihr in einem ICQ Chat damals damit gedroht hatte, dass wenn ich rausfinde mit wem sie mich betrogen hatte, ihn kalt machen würde. Das war einfach nur ein dummer Spruch aus Wut daher gesagt und ohne Intention das wirklich zu tun. Dafür folgte eine Anzeige und sie behauptete zusätzlich das ich auch sie bedrohen würde. Ich bekam damals 15 Sozialstunden und flog von der Schule, zumal ich ein Jahr davor bereits mit Hasch in der Schule auffällig war. Seitdem war mir einfach alles egal und der innere Misanthrop kam an`s Tageslicht. Mein Geschäft wurde größer und ich holte den Hauptschulabschluss über ein BVB extern mit einem Schnitt von 2,0 nach. Auf Drängen meiner Großmutter hatte ich danach eine Ausbildung zum Baustellenelektroniker angefangen, was mir alles andere als Freude bereitet hatte. Darauf ging meine Motivation komplett bergab. Ich habe mich oft krank schreiben lassen und habe mich ausschließlich auf das Verkaufen fokussiert. Dadurch konnte ich mir eine immer höhere Position "erarbeiten" und war angesehen und beliebt, auch wenn es im Endeffekt nur um die Ware ging.
Mit 19 wurde ich verraten und bekam nach einer Hausdurchsuchung Bewährung. Der damalige Richter wollte mich mit der mit möglichst höchsten Bewährung abschrecken und verurteilte mich zu 10 Monate auf 2 Jahre Bewährung mit mehreren Urinkontrollen. Stur wie ich war fand ich einen Weg dabei zu betrügen, indem ich auf Amazon Cleanurin geordert hatte und mit einem "Fake-Penis" dieses abgab. Im Laborbefund ist dies nicht aufgefallen. Ich war so dumm und damals noch stolz darauf. Bei meinem Job hatte ich mich, so oft ich konnte, krank gemeldet und wurde dadurch auch entsprechend behandelt.
Das ganze eskalierte mit 23, also vor 4 Jahren. Meine Großmutter wurde bekam 2 Schlaganfälle und wurde dement. Ich lebte mit meinem Onkel und ihr zusammen in einem Haus. Wir waren beide maßlos mit der Situation überfordert. Mein Onkel wurde mit der Zeit cholerisch und fing an jede Nacht meine Oma anzuschreien, weil sie ihn immer mit meinem Namen angesprochen hatte. Das ging ein halbes Jahr bis ich flüchten musste. Darauf hin bin ich zu meiner damaligen Freundin gezogen, mit der ich wirklich dachte, das ich endlich die Beziehung fürs Leben gefunden hätte. Tja ich wurde erneut verraten und landete diesmal in Haft. Ich war gegen Ende im Darknet aktiv und einer der Händler hob seine Quittungen auf um sich zu entlasten. Somit konnte das zu mir über Ecken zurückverfolgt werden. Das Urteil: 3 Jahre und 9 Monate. Davon sollte ich für 2 Jahre in die Therapie nach §64 solle und könnte nach absolvieren dieser nach 2 Jahren und 9 Monaten wieder frei sein. Dies war jedoch gelogen. In der Therapie hatte ich erst einmal gesagt bekommen, das die Aussagen der Richter immer ganz schön klingen aber das wäre nicht mit dem Konzept vereinbar. Ich müsste im Bestfall mit 3 Jahren rechnen. Da ich es ernst meinte und mir dachte das viele im Gegensatz zu mir versuchen die Therapie lediglich als Türöffner zu benutzen, war ich der Meinung, dass ich entsprechend schnell wäre. Ich konnte schon nach kurzer Zeit absehen das es nicht möglich sein würde, weil durch sogenannte "Quarantänezeiten" die Station durch den verbotenen Konsum von Patienten förmlich abgeriegelt wird und jeder in seinem Fortschritt eingefroren wird.
Nach ca, 9 Monaten bekam ich gewaltige Zukunftsängste. Ich wäre im Bestfall mit 27 freigekommen und hätte noch immer keine Ausbildung abgeschlossen. Die Elektrikerausbildung hätte nur in den Prüfungen wiederholt werden müssen, allerdings wusste ich zu wenig und hätte das ganze letzte Jahr wiederholen müssen. Ich entschied mich also für ein etwas riskanteren Weg. Im Einverständnis mit der Therapieleitung brach ich diese ab um eine Ausbildung in Haft zu absolvieren. Das hatte zum Glück geklappt und ich hatte mit 90% die Prüfung absolviert und sogar dabei ein Beruf gefunden der mir Spaß macht.
Mir wurde versprochen das ich ohne Probleme nach der Prüfung entlassen werden kann. Also habe ich mein Antrag auf Reststrafe so gestellt, wie es mir vom Sozialdienst gesagt wurde. Das war jedoch eine schlechte Idee, da mir vorenthalten wurde, dass ich noch begutachtet werden sollte. Da ich schon ungewöhnlich lange gewartet hatte, wurde ich in den offenen Vollzug verlegt, so dass ich eine Weiterbildung finden konnte, die mich in diesem Beruf aufsteigen lässt, so das ich Fachkraft anstatt nur den Helfersstatus habe. Mir wurde von allen Seiten gesagt wie gut ich wäre, wie herausragend meine Führung im Gegensatz zu den Restlichen war aber dennoch wurden mir ständig weiter Steine in den Weg gelegt. Als ich erfuhr das ich begutachtet werden sollte, ist in mir eine Welt zusammengebrochen.
Ich hatte das erste Mal in meinem Leben eine Panikattacke, weil ich dachte das meine sämtlichen Pläne um meine Zukunft gerade zu rücken nun aus seien. Im offenen Vollzug hatte ich zum Glück ein altes Nokiahandy, da es coronabedingt nicht erlaubt war die Telefonzelle zu teilen. Ich wählte instinktiv die Nummer meiner Mutter und legte nach dem zweiten Klingeln auf als ich realisierte das sie am arbeiten war. Zum Glück rief sie sofort zurück und mein Kreislauf normalisierte sich wieder. Seit dem hat meine Psyche ihre Stabilität verloren. Ich habe 1 Jahr lang die Therapie ernsthaft absolviert und für ein weiteres Jahr dazu noch therapeutische Gespräche in Haft geführt. Weiterhin habe ich seit Beginn meiner U-Haft permanent Kontakt zur Drogenberatung gehalten und Kurse wie den Umgang mit dem Stressmanagement absolviert. Andere Häftlinge die sich auf deutsch gesagt wie sau verhalten haben sind einfacher und schneller entlassen geworden. Also warum? Zumal das Gutachten weitere 3500 Euro Schulden einbrachte. Ich war schon weit über meinem 2/3 Zeitpunkt und hatte nur noch 6 Monate, obwohl ich alles getan habe, was ich konnte. Trotz all dieser Hürden habe ich, obwohl das die Anstaltsleitung nicht wollte, Kontakt zum Gericht aufgenommen. Diese hatten mir mitgeteilt wer für das Gutachten zuständig ist. Darauf hin kontaktierte ich die Gutachterin. Sie ließ zum Glück mit sich reden und zog mich vor. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt alles in der Tasche. Eine neue Wohnung 150 Km entfernt von meiner Heimat und zusätzlich eine verkürzte Umschulung (bitte nicht von dem Begriff irreführen lassen) mit der ich direkt eine Stufe höher in meinem Beruf aufsteigen kann, so dass ich keine Helferskraft, sondern direkt die vollwertige Qualifikation zur Fachkraft besitze. Ich habe mittlerweile meine gestreckte Abschlussprüfung Teil 1 mit 94% absolviert und bin seit 6 Monaten ein freier Mensch, nach 3 Jahren und 4 Monaten Haft am Stück. Ich habe alles getan um ein neues Leben zu beginnen und das mit Erfolg aber jetzt zu meinem Problem. Ich schaffe es einfach nicht mehr neue Freunde zu finden. Ich hatte am Anfang Angst davor mit meiner Vergangenheit mich auf neue Leute einzulassen, weil ich dachte sie würden mich verurteilen. Jedoch habe ich es inzwischen geschafft bei der DEKRA, wo ich die Umschulung absolviere, als auch in dem Betrieb, in dem ich für die Umschulung 6 Monate ein Praktikum absolvieren muss, offen damit umzugehen und zu zeigen das ich nicht wieder meinen alten Mustern verfalle.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich schaffe es aber einfach nicht Freunde zu finden oder mich für was zu begeistern. Ich habe eine Weile auf diversen Apps wie Lovoo oder Bumble geschaut und auch schnell Kontakt gefunden bzw. Nummern bekommen aber keine den ich halten kann. Weiterhin kann ich sehr schnell mit Leuten auch persönlich in Kontakt treten aber ich finde kein Punkt wo ich anknüpfen kann. Wenn Leute aus ihrer Vergangenheit erzähle, schweige ich meistens, weil ich immer nur Geschichten erzählen könnte, die mit meinem Konsum oder meinem Geschäft verbunden waren. Ich habe von 15 bis 23 nur diesen Weg gelebt und zusätzlich kam die Haft hinzu bis ich 27 war. Ich weiß das eventuell noch eine Verhaltenstherapie angebracht wäre aber ich kann nach soviel Therapie einfach nicht mehr. Ich habe so viel von mir Preis gegeben, meine ganze Persönlichkeit aufgegeben und weiß ehrlich gesagt nicht mal mehr wer ich wirklich bin. Ich lebe jetzt in einer großen Stadt in der Pfalz, in der ich komplett alleine meinen Neustart bestreite. Einmal im Monat fahre ich hoch zur Familie nach Hessen aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich bin einsam und schaffe es nicht mehr mich für irgendwas zu begeistern. Ich konzentriere mich auf meine Umschulung und in meiner Freizeit zocke ich um mich irgendwie abzulenken. Ich habe es eine ganze Weile versucht aber ich finde einfach keine Leute auf meiner Wellenlänge und durch die Umschulung habe ich auch nur sehr wenig Geld zur Verfügung, so dass ich nicht mal richtig was unternehmen kann. Ich finde kaum noch banale Gedanken mit denen ich mal wieder etwas innere Freiheit gewinnen könnte. Ebenso schaffe ich es auch nicht z.B. mich auf autogenes Training etc. einzulassen.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter und lebe eigentlich nur noch um zu funktionieren und bin bis heute nicht über den Verlust dieser Frau hinweg gekommen. Es war so abrupt und das erste Mal in meinem Leben überhaupt das ich dachte, dass ich hätte glücklich werden können..
Tut mir leid für den Wall of Text aber das musste einfach irgendwo raus, ich wäre froh wenn ich irgendwo Gehör finden würde..

Liebe Grüße
 
Wie öde und reizlos dein Leben dir aktuell auch erscheinen mag - begehe nicht den Fehler, wieder zu Drogen zu greifen oder straffällig zu werden! Die Gefahr besteht, wenn du die Lücke nicht schließt.
Überlege dir, was du gerne tust. und dann geh damit raus. Ein Hobby in einer Gruppe. Keine Ahnung, was dir Spaß macht, aber irgendetwas wird sich finden. es muss im "echten" leben stattfinden, nicht am PC. Lerne ein Instrument, werde Mitglied einer Band. Singe im Chor. Bau Modellflugzeuge. Oder lerne Bogenschießen. Besuche einen Foto-Club. Werde im Tierschutz aktiv.
Gemeinsame Interessen verbinden.
(Und ganz nebenbei lernt man da auch Frauen kennen. 🙂)
 
Moin,
also da seh ich einige Parallelen zu meiner Geschichte!
Hast doch ganz gut was auf die Reihe bekommen. Mit Menschen ist das immer so eine Sache wenn man solche Vergangenheit mit sich rumträgt...
Kannst dir ja irgendwelche Hobbys suchen wo du Menschen kennen lernst. Fitness wär was, oder was meinst du?
 
Wenn Leute aus ihrer Vergangenheit erzähle, schweige ich meistens, weil ich immer nur Geschichten erzählen könnte, die mit meinem Konsum oder meinem Geschäft verbunden waren. Ich habe von 15 bis 23 nur diesen Weg gelebt und zusätzlich kam die Haft hinzu bis ich 27 war.
Wenn die neuen Bekanntschaften aus ihrer Vergangenheit erzählen, um sich als Freunde Dir anzunähern, könntest Du vorerst ersteinmal sagen, dass Du mit Deiner Vergangenheit abgeschlossen hast und gerade einen Neuanfang in Deinem Leben startest. Und das tust Du ja auch wirklich, nur braucht es Zeit dazu, bis Du dann stabil in Deinem Leben stehst.

Du siehst jetzt ja auch, dass Du eigentlich seit Deinem 15. Lebensjahr nicht wirklich gelebt hast, sondern Dir trozt Deiner Schläue Deinen eigenen Willen zerstört hast. In der Haft warst Du dann nur ein braves Kind, dass trotzdem nicht seine erwartete Belohnung bekam.
Nun gilt es für den Neustart, Deinen Willen aufzubauen, und zwar schrittweise. Nimm' Dir jeden Tag erneut vor, was Du gerade erreichen und durchführen willst und halte Dich daran. Konsequent. Bemühe Dich, auf andere zuzugehen. Du könntest Dich auch karikativ betätigen, es gibt genügend Unglück auf der Welt. Mach immer nur das, was einen Sinn hat, d.h. schlage nie die Zeit tot.
Das Glück muss man sich im Leben erarbeiten, es sozusagen verdienen. Manchmal fällt es einem in den Schoss, oft kommt es aber nicht. Dann muss man trotzdem durchhalten und darauf vertrauen, dass es auch danach wieder bessere Zeiten geben wird.
Ich weiß das eventuell noch eine Verhaltenstherapie angebracht wäre aber ich kann nach soviel Therapie einfach nicht mehr. Ich habe so viel von mir Preis gegeben, meine ganze Persönlichkeit aufgegeben und weiß ehrlich gesagt nicht mal mehr wer ich wirklich bin.
Wenn Du Deine Therapie als opferwilliges Preisgeben von Dir angesehen hast, dann bist Du an Deiner Selbstarbeit vorbeigegangen. Therapie ist ja keine Beichte, selbst wenn Du viel von Dir und Deinen Erlebnissen erzählst. Sie dient zur Selbstanalyse bzw. -erkenntnis, damit Du Dich besser zu verstehen lernst, Schlüsse daraus ziehst und Dich neu entwickelst. Sind dann Reparaturen fällig, wirst Du aufgrund des Einleuchtens sie dann auch selbständig in Angriff nehmen. Das ist zwar nicht immer angenehm, eben so wie Vieles, was uns in Wirklichkeit gut tut. Es ist wie bei einer Ernährung: tut Dir die Nahrung gut, die Dir am schmackhaftesten ist oder die, die Deinen Körper nährt und gesund macht? Also ....

Es ist jetzt an der Zeit, dass Du das bis jetzt Neuerreichte umsetzt und etwas daraus machst. So wirst Du der Schöpfer Deiner selbst. Nur Mut und vor allem viel Ausdauer!
 
Danke für die schnellen Antworten!
Mein Problem bei vielen Möglichkeiten ist zum einen die MPU und durch die Gerichtsverhandlung/Gutachten die Schulden. Von ca 13.000 Euro habe ich bereits um die 3000 Euro abarbeiten können. Ich habe noch nie einen Führerschein besessen allerdings muss ich erst die MPU, wegen des Eintrags im BZR, absolvieren. Dabei entstehen nochmal fast 4000 Euro Kosten. Das hemmt mich natürlich und ich weiß nicht wie oft ich schon in Erklärungsnot deswegen kam. Ich habe dann zwar meistens dazu gestanden aber man hat schon gemerkt, dass die Leute dann einen leicht schief anschauen oder abwertend reagierten.
Wenn die neuen Bekanntschaften aus ihrer Vergangenheit erzählen, um sich als Freunde Dir anzunähern, könntest Du vorerst ersteinmal sagen, dass Du mit Deiner Vergangenheit abgeschlossen hast und gerade einen Neuanfang in Deinem Leben startest. Und das tust Du ja auch wirklich, nur braucht es Zeit dazu, bis Du dann stabil in Deinem Leben stehst.

Du siehst jetzt ja auch, dass Du eigentlich seit Deinem 15. Lebensjahr nicht wirklich gelebt hast, sondern Dir trozt Deiner Schläue Deinen eigenen Willen zerstört hast. In der Haft warst Du dann nur ein braves Kind, dass trotzdem nicht seine erwartete Belohnung bekam.
Nun gilt es für den Neustart, Deinen Willen aufzubauen, und zwar schrittweise. Nimm' Dir jeden Tag erneut vor, was Du gerade erreichen und durchführen willst und halte Dich daran. Konsequent. Bemühe Dich, auf andere zuzugehen. Du könntest Dich auch karikativ betätigen, es gibt genügend Unglück auf der Welt. Mach immer nur das, was einen Sinn hat, d.h. schlage nie die Zeit tot.
Das Glück muss man sich im Leben erarbeiten, es sozusagen verdienen. Manchmal fällt es einem in den Schoss, oft kommt es aber nicht. Dann muss man trotzdem durchhalten und darauf vertrauen, dass es auch danach wieder bessere Zeiten geben wird.

Wenn Du Deine Therapie als opferwilliges Preisgeben von Dir angesehen hast, dann bist Du an Deiner Selbstarbeit vorbeigegangen. Therapie ist ja keine Beichte, selbst wenn Du viel von Dir und Deinen Erlebnissen erzählst. Sie dient zur Selbstanalyse bzw. -erkenntnis, damit Du Dich besser zu verstehen lernst, Schlüsse daraus ziehst und Dich neu entwickelst. Sind dann Reparaturen fällig, wirst Du aufgrund des Einleuchtens sie dann auch selbständig in Angriff nehmen. Das ist zwar nicht immer angenehm, eben so wie Vieles, was uns in Wirklichkeit gut tut. Es ist wie bei einer Ernährung: tut Dir die Nahrung gut, die Dir am schmackhaftesten ist oder die, die Deinen Körper nährt und gesund macht? Also ....

Es ist jetzt an der Zeit, dass Du das bis jetzt Neuerreichte umsetzt und etwas daraus machst. So wirst Du der Schöpfer Deiner selbst. Nur Mut und vor allem viel Ausdauer!

Ja dein ersten Punkt könnte ich nicht treffender beschreiben. Ich habe das einige Zeit versucht nur ich merke wie inkonsequent ich derzeit bin, weil alle meine Kraft sich darauf konzentriert sich irgendwie eine "normale" Struktur anzutrainieren. Ich schaffe es zwar, bin nie krank und komme dem was mir wichtig erscheint nach aber das wars dann tatsächlich auch schon. Ein Teil meiner selbst möchte natürlich den Status und den damit verbunden Lebensstil zurück. Suchtdruck habe ich absolut gar nicht um dementsprechend auch keine Probleme mit der Sucht selbst, obwohl ich schon verhältnismäßig viel geraucht habe. Es fällt mir einfach schwer sich mit dem richtigen Leben anzufreunden und war solange in meiner eigenen Welt, dass ich wirklich nur mit langsamen Fortschritt mich daran gewöhnen kann. Es fühlt sich an wie als wäre ich mit Mitte 20 noch einmal neu geboren worden. Ich musste das Laufen neu lernen und viele andere Dinge auch. Das habe ich inzwischen gelernt aber ich kann mich immer noch nicht begeistern / irgendwas konsequent folgen bis auf meiner Arbeit.

Was die Therapie angeht.. ich habe sie mit Unmut begonnen das stimmt. Allerdings habe ich wirklich ernsthaft an mir gearbeitet, weil ich einfach so nicht weiter leben wollte. Ich habe sehr viel an mir geändert und war später auch aktiv und sehr motiviert dabei. Nur irgendwann habe ich den Punkt erreicht an dem sich das mehr wie Ballast anfühlte. Zusätzlich habe ich meine komplette Einstellung hinterfragt und dabei meine alten Werte oder vielleicht besser gesagt meine Ideologie des Selbsthasses dabei aufgegeben. Nur da sind wir wieder bei Punkt eins. Dadurch weiß ich nicht mehr was mich im Leben antreiben soll. Ich habe mir als Ziel gesetzt den Industriemeister zu absolvieren aber das dient in erster Richtung dazu mich einfach weiter über Wasser zu halten. Früher gings es mir ausschließlich um den Verkauf. Dieser hatte mich mehr in seinem Bann, als der Stoff selbst.
Auf der einen Seite will ich nicht mehr einsam sein, auf der anderen merke ich, wie ich manchmal instinktiv die Flucht antrete und ärgere mich dann extremst darüber. Das hat was wirklich paradoxes an sich.
Ich denke das hat auch damit zu tun das ich mich darüber früher definieren bzw. behaupten konnte. Ich wusste was ich habe, hatte mit das "solideste" Geschäft, hatte mir dazu entsprechend Wissen angeeignet um die Leute, wie in einer Apotheke, beraten zu können und hatte immer sehr viele Leute (bis zu 25 am Tag) um mich herum und habe mich immer von der Straße ferngehalten.
Mein Selbstbewusstsein war dadurch natürlich zu so gepusht, das ich vor nichts und niemandem Angst hatte. Jetzt ist das alles weg und damit auch halt auch die Haltung dahinter. Das wirkt sich auch auf mein Konfliktverhalten aus. Um nicht meinem Verlauf im Weg zu stehen habe ich, wie du es so schön gesagt hast, als braves Kind zu allem Ja und Amen gesagt. Mir fällt es inzwischen auch öfters schwer zu sagen was ich denke, wenn ich dabei denke, dass ich jemanden damit verletzen bzw. auf die Füße treten könnte.
Die Vorschläge habe ich meistens schon versucht selbst zu befolgen aber irgendwie schaffe ich es nicht aus diesem Loch raus. Da hoffe ich wirklich jemanden zu finden der durch ähnliche Situationen gegangen ist und mir anhand seiner Erfahrung mitteilen kann, wie er oder sie da raus gekommen ist.
 
Deine Geschichte hört sich schon sehr interessant an.
Leider werden manche Menschen in ihrer Individualität durch die Gesellschaft unterdrückt, zumindest habe ich die Vermutung, dass das bei dir passiert ist. Du wurdest möglicherweise zu sehr von deinen eigentlichen Wurzeln entfremdet. Ich glaube nicht, dass dir ein solches Hilfeforum weiterhelfen kann.

Für mich würde sich vielleicht die Frage stellen, was deine Lebensmotivation ist, was dir Spaß macht?Das Problem an der Sache ist allerdings, wenn man sein Leben danach ausrichten will, dass man die motivierenden Lebensaspekte nicht immer so erreicht und dann muss man leider ausweichen auf alternative.
 
Deine Geschichte hört sich schon sehr interessant an.
Leider werden manche Menschen in ihrer Individualität durch die Gesellschaft unterdrückt, zumindest habe ich die Vermutung, dass das bei dir passiert ist. Du wurdest möglicherweise zu sehr von deinen eigentlichen Wurzeln entfremdet. Ich glaube nicht, dass dir ein solches Hilfeforum weiterhelfen kann.

Für mich würde sich vielleicht die Frage stellen, was deine Lebensmotivation ist, was dir Spaß macht?Das Problem an der Sache ist allerdings, wenn man sein Leben danach ausrichten will, dass man die motivierenden Lebensaspekte nicht immer so erreicht und dann muss man leider ausweichen auf alternative.

Ich bin halt schon seitdem ich klein war mit viel Hass aufgewachsen. Diesen habe ich nie wirklich physisch ausgelebt, dafür aber doch verbal. Um diesen loszuwerden habe ich angefangen zu konsumieren, weil ich gemerkt hatte, dass Gras mir all diese Probleme genommen hatte. Ich habe mich quasi zu diesem Zeitpunkt, ohne mich in Therapie zu begeben, in ein "therapierten" Zustand versetzt. Daraus resultierte meine damalige Sucht. In dieser Form der Unabhängigkeit, welche ich durch dieses Leben fand, fühlte ich mich wirklich frei. Das habe ich aufgegeben, weil das zum einen in die Selbstzerstörung führt, zum Anderen weil es mit der Gesellschaft nicht konform ist. Ich bin im Nachhinein glücklich darüber, dass ich die Kurve noch kratzen konnte aber vieles fühlt sich einfach sehr monoton an. Abgesehen von den "wichtigen" Dingen, lebe ich eigentlich gerade von Gaming und Animes (No Game no Life ist übrigens auch einer derjenigen, die mir sehr gefallen haben 😛). Das dient als Übergang für mich um meine Langeweile zu kompensieren. Das hatte ich früher genauso gehalten und ist halt von meinen Interessen her tief verankert. Am Tag hatte ich mich mit den Leuten beschäftigt und am Abend damit. Ich bin nie wirklich "normalen" Aktivitäten nachgegangen. Mir fehlt der komplette Bezug dazu. Ich habe mir meine eigene kleine Welt geschaffen, diese ist aber nun geplatzt. Ich nehme mir häufig den Versuch vor was Anderes zu machen, einfach mal rauszugehen oder mir Hobbys zu suchen. Das läuft an sich auch nicht schlecht, bis ich wirklich kurz davor bin. Es ist wie als würde ich vor einer unsichtbaren Wand stehen, die auftaucht sobald ich ausbrechen könnte. Ich konnte diese zwar step by step immer weiter durchdringen und ich bin mir sicher das ich das mit der Zeit auch noch schaffen werde aber es ist einfach so unendlich schwer und kostet mich sehr viel Kraft. Ich bin oder war nie wirklich gesellschaftskonform. Anders war für mich normal und das wertschätze ich an sich auch noch immer. Mir sind Leute grundsätzlich lieber die aus der Reihe tanzen, wenn auch nicht in der Art und Weise wie das früher der Fall war. Ich sehe keine Motivation darin einfach nur der Arbeit, eines Häuschens und vielleicht für Kinder zu leben. Ich muss mich auch nicht zwangsläufig verewigen. Was ich mir von Herzen wünsche ist wahre Freundschaft und echte Akzeptanz, egal was ist. Oft habe ich während der Therapie vermittelt bekommen das diese unbedingte Loyalität, die ich mir wünsche, ungesund und unnormal wäre aber das ist es wonach ich mich sehne. Ich bekomme es auch nicht abgeschaltet. Obwohl ich, weiß nicht wie oft, deswegen schon oft ausgenutzt oder belächelt worden bin will ich diesen Aspekt einfach nicht aufgeben. Habe nachdem ich hier angefangen habe zu schreiben wieder etwas Mut gewonnen und nochmal über Apps Kontakte gesucht. Ging auch ganz gut bis wir in dem Gespräch auf den Punkt kamen warum ich neu in der Stadt bin und hier den Neustart wage. Ab da ist das Gespräch abrupt abgebrochen. Hatte nicht mal die Chance mich zu erklären. Ja man sollte vielleicht nicht direkt mit der Tür ins Haus fallen aber es fühlt sich so falsch an, wenn ich irgendwem paar Wochen/Monate später erkläre warum ich das alles tue. In der Hinsicht bin ich naiv und dumm aber für mich ist das verrat an mir selbst. Es geht einfach nicht.
 
Ich wäre da auch ehrlich.. Also wenn Leute den Kontakt abbrechen weil man im Knast war und was mit Drogen zu tun hatte dann sind sie es sowieso nicht wert.
Es geht um die Persönlichkeit eines Menschen und nicht um seinen Werdegang. Nebenbei himmeln diese Leute dann meist Stars auf dem roten Teppich an die selbst in äußerst fragwürdigen Kreisen unterwegs sind.
Echte Loyalität ist eben nicht so leicht zu finden....Eigentlich garnicht nehme ich an. Da muss man schon in einen Bikerclub oder mit den Leuten zusammen groß geworden sein die man noch um sich hat...
 
Sehr schön formuliert muss ich sagen. 😀 Abgesehen davon.. nein selbst da gibt es das nicht. Ich bin einigen Hell`s über den Weg gelaufen und alle treiben Machtspielchen oder freuen sich über Intrigen. Habe die Erfahrung gemacht das, wenn Hilfe kommt, diese immer von den Leuten kommt, von denen man es am wenigsten erwartet. Die die mir zu Anfang versichert haben das sie hinter mir stehen, waren die Ersten die sich aus dem Staub gemacht haben. Das war mir aber recht, so konnte ich leichter damit abschließen obwohl mir das höllische Schmerzen bereitet hatte.
 

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