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Kann keine Freundschaften aufrechterhalten

Danke für das Lob, das ist wirklich toll zu hören

Ups, da hat wohl was nicht funktioniert. Ich antworte mal auf deine Beiträge @grisou , Zitieren geht bei mir gerade auch nicht.

Danke für das Lob, das ist wirklich toll zu hören 🙂

Tut mir Leid, wenn ich nicht auf jede einzelne Aussage antworte, falls ich zu einer Aussage kein Statement gebe, kannst du das als schweigende Zustimmung interpretieren 😀
Das mit den verankerten Bindungsrepräsentationen: Ja, man kann mit DBT schon daran arbeiten, es ist aber entwicklungspsychologisch tatsächlich so, dass wir innerhalb der ersten 5 Jahre unser Bindungsverhalten entwickeln und das ist die „Grundlage“, die immer in uns bleibt. Man kann mit Therapie und mit korrigierenden Bindungserfahrungen dafür sorgen, dass man anders damit umgeht und nicht mehr von den Erfahrungen aus der Kindheit in seinem Leben beeinträchtigt wird (ergo ganz normal leben), aber in uns wird es trotzdem immer sein. Tut mir Leid, wenn das vielleicht nach Klugscheißen klingt, aber ich schreibe da Montag ne Klausur drüber und habe ich im Zuge dessen sehr ausführlich damit auseinandergesetzt, weil mich das Thema eben sehr betrifft. Man kann zwar innere Distanz haben und erkennen, woher seine Gefühle kommen, aber man kann eben nicht alles aus der Vergangenheit „löschen“, das will ich damit nur sagen. Aber man kann lernen, das zu akzeptieren und damit ganz normal leben!
Mit dem DBT habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt, das mit dem „ich kenne das Manual auswendig“ ist eine Standardfloskel von mir geworden, weil ich seit Jahren eben damit zu tun habe. Ich habe das aber auch eben so verinnerlicht, dass ich nicht mehr in Skills denke (so ähnlich wie du). Ich habe auch keinen Notfallkoffer mehr. Mittlerweile handle ich so vorausschauend, dass ich wirklich selten die Anspannung in den obersten Bereich kommen lasse. Nur bei zwischenmenschlichen Beziehungen, da klappt es leider noch nicht…daran muss ich noch arbeiten

Da sagst du etwas sehr wichtiges! Irgendwie habe ich da auch nie drüber nachgedacht, aber natürlich wäre es viel sinnvoller, nicht erst beim Ausraster anzusetzen, sondern davor. Wahrscheinlich habe ich mich zu sehr darauf konzentriert, weil es eben das Verhalten ist, was für alle sichtbar ist und womit andere ein Problem haben; die Gefühle und Gedanken, die sonst in mir sind, bekommt ja niemand mit, außer mir selbst.
Rausgehen muss ich auch noch sehr üben, weil ich denke immer „Nein, dem stelle ich mich jetzt“ und dann ist es auch schon zu spät und die Situation eskaliert.
Und nein, du nervst auf keinen Fall! Theoretisch weiß ich das zwar schon, aber es ist irgendwo ganz tief in meinem Kopf, wo ich es nicht mehr finde und auch gar nicht mehr daran denke. Es ist wirklich hilfreich, das einem nochmal wirklich bewusst gemacht zu bekommen.
Ich habe schon vor paar Jahren, als ich meine Diagnose bekam, überlegt, einer Selbsthilfegruppe beizutreten, habe mich dann aber mit meiner Therapeutin bewusst dagegen entschieden. Stattdessen bin ich einer politischen Gruppe beigetreten. Warum? Weil ich es persönlich sehr unangenehm finde, mich so häufig und offen mit meiner Krankheit zu beschäftigen. Wenn ich das nämlich tue, gelange ich wieder in den Modus, in welchem ich mich mit meiner Krankheit identifiziere und sie als wahnsinnig wichtig für meine Person erachte, was meiner Therapie sehr im Wege steht. Ich möchte lieber so viel Normalität in meinem Leben haben, wie möglich. Seit ich das tue, mache ich viel mehr Fortschritte und komme auch besser durch den Alltag. Ich bin zwar aufgrund persönlicher Gründe und Zeitmangel nicht mehr da aktiv, ich habe aber trotzdem viele tolle Leute da kennengelernt und habe mich wahnsinnig viel getraut und erreicht, worauf ich auch stolz bin. Das soll jetzt nichts gegen Selbsthilfegruppen im Allgemeinen sein – ich finde es wahnsinnig gut, dass es sie gibt. Aber für mich sind sie (aktuell) noch nichts.
Sicherheit gibt mir vor Allem mein Studium, meine Arbeit, mein Ehrenamt. Das ist immer da, da sind nette Menschen und da werde ich wertgeschätzt.
Ich bin auf jeden Fall offen für alle neuen Erfahrungen. Also natürlich suche ich gerade nicht aktiv nach einer Partnerschaft oder einer engen Freundschaft, aber ich lasse allem seinen Lauf. Ich gehe ja trotzdem noch raus und lerne neue Leute kennen. Wenn sich was ergibt, dann ist das so und das ist auch sicherlich schön, aber ich klammer mich nicht so sehr dran fest, wie früher.

Es freut mich sehr, dass ich dir geholfen habe 🙂


LG,
momo
 
Hallo, momo_lonely.

Ich finde auch, dass du sehr, sehr selbstreflektiert klingst. Viel mehr als die meisten anderen Menschen. 🙂 Allein das kann schon ein "Problem" für die anderen sein.


Ich sehe das Ganze irgendwie etwas anders:

Klar, kann das irritierenden, wenn jemand solche "Zustände" hat, wie du sie beschrieben hast. Aber das (allein) ist wohl eher nicht der Grund, weshalb Leute dich "allein lassen". Du trägst deinen Teil dazu bei, durch dein Verhalten, aber sie ebenfalls! Es ist also nicht (nur) deine "Schuld", sondern auch die der anderen.

Sie sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und oberflächlich und - nicht selbstreflektiert! Sie möchten einfach keine Energie reinstecken. Sie sehen ein potentielles Problem und gehen einfach, bzw. distanzieren sich davon.

Du solltest und darfst das nicht so persönlich nehmen, dass sie sich dir gegenüber so verhalten. Es ist vielmehr ihre Schwäche. Du kannst ja nichts für deine Traumata und Situation.

Was dir fehlt, ist jemand, der dich dann eben NICHT allein lässt. Eine enge und sichere Bindung. Dann klappt das mit den (OBERFLÄCHLICHEN) Freundschaften ganz sicher von alleine.

Das ist eben dein Problem - du hast diese grundsätzlich sichere Bindung noch nicht, dadurch, dass du sie auch nicht in deiner Familie hast. Also musst du sie im Außen suchen. Und wurdest bisher dabei enttäuscht.



Vielen Dank für deine Antwort.

Ich finde diese Thematik sehr schwierig. Wo ich dir zustimmen kann ist, dass viele eben sehr oberflächlich sind und tunlichst vermeiden, irgendwie mit psychischen Erkrankungen in Kontakt zu kommen. Solche Leute vergessen, dass psychische Erkrankungen oder andere Handicaps durchaus auch gewisse gute Seiten mit sich bringen! Ich bin beispielsweise dadurch sehr empathisch und verständnisvoll, extrem leidenschaftlich und mit mir wird es niemals langweilig. Meiner Meinung nach ist das schon irgendwie liebenswert.
Andererseits kann ich es aber auch verstehen, wenn die Menschen keine Energie in eine solche Beziehung/Freundschaft reinstecken wollen. Ich finde, das ist auch ihr gutes Recht! Ich hatte auch schon Freundschaften mit Personen, die Borderline haben und es war echt anstrengend. Es gab ständig Streit und natürlich potenziert sich das, wenn man da gleich zwei Impulsive Leute mit gestörter Emotionsregulation sitzen hat. Man möchte ja Freundschaften und Beziehungen auch als Ruhepol haben und nicht unbedingt als Baustelle.

Ja, eine sichere Bindung würde ich mir schon irgendwie wünschen (wer nicht?), aber ich habe mich damit mehr oder weniger abgefunden, dass es das so einfach nicht gibt. Solche tiefen Bindungen hat man ja normalerweise innerhalb der Familie, weil man sich dort nicht einfach Schluss machen kann. Man kann zwar den Kontakt abbrechen (wie ich zu meiner Mutter), aber eine Verbundheit bleibt eben bestehen, weil man ja trotzdem aus irgendeiner Familie herkommt und von irgendwem gezeugt wurde. Bei mir hat es leider nicht funktioniert und deshalb suche ich das woanders; nur gibt es selten Menschen, die wirklich eine Bindung bis in den Tod mit dir eingehen; selbst eine Eheschließung hat ja in dieser Hinsicht nichts mehr zu bedeuten.
 
Dazu möchte ich auch mal was sagen. Ich kenne diese Gedanken (Im weiteren Sinne) auch. Denn ich habe auch oft negative Erfshrungen gemacht, was das ,,offen legen'' der Probleme angeht.

Du hast Angst vor Abweisung, Angst dich verwundbar zu machen.

Allerdings muss man gewisse Risiken eingehen wenn man auch Glück erfahren will. Du bist so unglücklich, ohne richtige Kontakte. Stimmts?

Also was hast du zu verlieren? Es kann nur besser werden.

Und glaub mir du bist nicht alleine mit Problemen. So viele haben sie, so viele laufen mit einer Fassade durch die Welt.

Es gibt auch whatsapp Gruppen für Leute mit psychischen Problemen oder sogar in Foren wie diesen gibt es Koktaktmöglichkeiten.
Und sich mit Leuten zu treffen/Kontakt haben, die ,,anders'' sind ist keine Schande.

Im Gegenteil, das sind oft richtige Leute.
Sie sind wie du und ich, nur eben ehrlich damit, dass sie ein Problem haben.

Trotzdem hast du natürlich nie die Garantie, dass jeder immer Verständnis hat.

Aber da ist es schon wahrscheinlicher.

Und zudem, Freundschaften können IMMER zerbrechen.
Auch Liebesbeziehungen.

Und nicht nur bei jemandem mit Borderline oder anderem ist das so.
Auch ,,gesunde'' Menschen schaffen es nicht immer.

Darum, versuch dein Glück. Sei wachsam mit wem du dich ,,abgibst'' und vergess den Gedanken, dass es normal ist sich gleich zu verpissen, wenn man wen kennenlernt der eben nicht wie die ,,Norm'' ist 😉.


So unglücklich bin ich ehrlich gesagt gar nicht. Ich habe mich mit meiner Situation abgefunden und ich habe akzeptiert, dass ich eben nicht ganz kompatibel mit den meisten Menschen bin. Nach langer Zeit fühle ich mich wieder "frei".

Das mit den Whatsappgruppen/Foren: Ich war früher in sowas sehr sehr aktiv, aber es hat meine Krankheit noch weiter verschlimmert. Zum einen ist es so, dass solche "Freundschaften" oder "Bekanntschaften" nur auf der Krankheit fußt. Sonst hat man selten gemeinsame Interessen oder Wertvorstellungen. Und das ist gefährlich, weil man hält umso mehr an der Krankheit fest, weil man sonst Freundschaften verlieren könnte. Das ist nicht immer so, aber bei mir war das ein großes Problem.
Zum anderen habe ich angefangen, mich immer mehr mit meiner Krankheit zu identifizieren. Ich dachte mir, dass ich ein Niemand bin ohne meine Krankheit, also wieso an mir arbeiten? "Sonst kann ich ja niemanden mehr erzählen, wie tief ich mich heute geschnitten habe und wie ich heute wieder ausgerastet bin und wie sehr ich mich hasse! Was soll ich denn dann sonst noch von mir erzählen? Ich mache ja sonst nichts und das andere interessiert ja auch keinen, dann bin ich nichts Besonderes mehr!" -> so dachte ich jeden Tag und dadurch bin ich immer tiefer in den Abgrund gerutscht und fand es mega geil, einer von "denen" ein "Bordi" zu sein. Ich habe mich in meiner Krankheit wohlgefühlt und hatte gar kein Interesse mehr an der restlichen Gesellschaft.

Wie gesagt, für einige Menschen mag das eine tolle Begnungsmöglichkeit sein, aber für mich ist es nichts. Wie ich in einem vorherigen Beitrag schon gesagt habe, ist für mich Normalität sehr wichtig. Ich gehe lieber in "normale" Whatsappgruppen und lieber in "normale" Gruppen und Vereine, statt Selbsthilfegruppen. Sonst habe ich das Gefühl, ich grenze mich selber aus. Wenn ich jemanden kennenlerne, ist es für mich nicht wichtig, ob er irgendwie krank ist oder eine Behinderung hat. Ich interessiere mich ja für den Menschen an sich, nicht für seine Krankheit, und will nicht durch irgendwelche Gruppen für Kranke eine Art "Vorauswahl" treffen. Ich möchte alle lieben Menschen kennenlernen, egal ob dick, dünn, krank, gesund, lila, grün, Arbeiter, Student....

Natürlich haben diese Leute oft mehr Verständnis, aber sie sind eben oft sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und belastet. Das ist oft sehr schwierig. Ich hatte ja viele Bekannte und Freunde mit psychsichen Krankheiten und es hat eben nicht funktioniert, weil es für beide Seiten zu belastend war, man hatte sich oft nicht mehr im Griff und hat sich gegenseitig getriggert und angezofft.
Das große Problem ist bei mir auch, dass ich gleichzeitig in dem Bereich arbeite und dann immer das Gefühl habe, ich muss helfen. Ich muss allen helfen und fühle mich für jeden verantwortlich. Das hat mich auch sehr kaputtgemacht.
Ich hatte allerdings auch schon Freundschaften, da hat es funktioniert. Da müssen aber beide Seiten stabil sein und man muss vorher klare Regeln ausmachen, z.B. keine Bilder von Selbstverletzungen, keine Suizidandrohungen usw. Denn es passiert wahnsinnig schnell, dass man im Affekt mit solchen Dingen die Grenzen des anderen überschreitet, dann kippt die Stimmung und dann war es das.

Ich danke dir für deine Ratschläge. Meine Antwort soll jetzt auch nicht total ablehnend klingen, ich wollte nur meinen Standpunkt erklären und welche Erfahrungen ich bereits gemacht habe.

Liebe Grüße

momo
 
Hallo Momo,

Depressionen, Borderline, Dissoziationen das ist das volle Programm und so wie du dich beschreibst, passt es auch genau zu diesen Problemen. Es tut mir sehr leid, dass es dir so geht und dass du eine so katastrophale Kindheit hattest.

Es gibt über Borderline ein Buch „Ich hasse dich, verlass mich nicht“. Der Titel beschreibt deine Problematik wohl sehr gut. Du leidest vermutlich auch an Verlustängsten und kannst nicht glauben, dass Menschen zu dir halten, weil du in deiner Kindheit viele andere Erfahrungen gesammelt hast. Du reagierst sehr sensibel auf jede negative Äußerung deines Gegenübers und die Angst vor Verlust ist sofort da. Um dieser Angst zu entgehen, lässt du es nicht dazu kommen, dass du verlassen wirst. Du drehst die Situation um und du beendest die Freundschaft oder Beziehung. Das machst du mit aller Härte was für dein Gegenüber durchaus gefährlich werden kann.

Dein Verhalten basiert auf deinen Kindheitserfahrungen und ist eine Art Überlebensstrategie. Nur dein Partner ist mit dieser Verhaltensweise überfordert. Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend graben sich ganz tief in unser Unterbewusstsein ein und prägen unser Verhalten ein ganzes Leben, ohne dass wir das bewusst wahrnehmen. Es ist für dich ganz schwierig dich richtig und angemessen zu verhalten, da du in bestimmten Situationen impulsiv reagierst und dich dann nicht mehr so schnell kontrollieren kannst.

Andererseits staune ich über dich, wie intensiv du dich mit deinen Problemen auseinandersetzt und versuchst, dich zu verstehen. Du suchst dir Hilfe und du hast auch den Mut mit anderen darüber zu reden. Ich denke du bist auf genau dem richtigen Weg.

Großartig finde ich auch, dass du studierst. Eine gute Ausbildung ist für das spätere Leben sehr wichtig. Wissen kann dir keiner mehr wegnehmen.

Liebe Grüße
Andreas
 

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