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Kann es noch weitergehen?

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Liebe Mitglieder,
Nachdem ich so viele Beiträge gelesen habe, würde ich mich auch über objektive Sichtweisen freuen.
Mein Mann und ich sind seit 22 Jahren ein Paar, davon 15 Jahre verheiratet. Ich bin 39 Jahre alt, wir haben drei Kinder, Beruf, Haus ... Wie in jeder langen Beziehung gab es Höhen und Tiefen. Er war immer eher passiv.Ein großes Problem war immer seine Eifersucht. Er ist sehr häuslich und auf unsere Familie fixiert, hat weder Freunde noch Hobbies. Ich hingegen gehe auch gerne mal aus, bin kontaktfreudig und lebensfroh.
Jedesmal wenn ich alleine mit Freundinnen ausgehen will/wollte gab es Stress, wobei das schon nur noch 2-3 Mal im Jahr vorkam, eben aus diesem Grund. ( O-Ton : Warum muss eine verheiratete Frau in Deinem Alter, die zudem noch Mutter ist, sich die halbe Nacht um die Ohren schlagen?)
All die Jahre war ich treu, bin nie auf irgendwelche Avancen eingegangen. In diesem Sommer aber traf ich einen Mann, den ich schon länger flüchtig kannte, auf einem Fest, wo wir einen tollen Abend miteinander verbrachten. Wir tauschten Handynummern und schrieben Ein paar Wochen hin und her, zuerst nur freundschaftlich, dann auch mit "Verliebtheitsanzeichen" und kribbeln im Bauch. Auch er ist verheiratet. Ein verabredetes Treffen sagten wir dann einvernehmlich ab, weil wir dann doch unsere Familien nicht aufs Spiel setzen wollten. Es ist körperlich also nichts gelaufen. Es gab noch 2-3 kurze freundschaftliche Kontakte, seitdem ist kein Kontakt mehr vorhanden.Mein Mann hatte natürlich bemerkt, daß ich irgendwie anders war, was ich bestritt. Er hat dann nachts in meinem Handy gelesen und die letzte Nachricht von dem "Anderen" und eine an meine Schwester gelesen, der ich mich anvertraut hatte.
Das alles ist jetzt fast vier Monate her. Am Anfang hatten wir dauernd Streit, wir haben uns viel an den Kopf geworfen. Für meinen Mann ist es eine Affäre gewesen, er war und ist außer sich. Auf wüste Beschimpfungen folgen Liebesschwüre. Ich habe mich tausendfach entschuldigt und um Verzeihung gebeten. Ich gehe nirgendwo hin, selbst meine Schwester ist ein rotes Tuch, weil "Mitwisserin". Jedes Verhalten von mir steht auf dem Prüfstand, Handy und Telefon kontrolliert. Wir haben eine Paartherapie angefangen.
Ich erwarte keine Absolution, dass ich Mist gebaut hab, weiß ich. Aber wie lange kann es so weiter gehen? Er sieht nichts anderes mehr. Ich resigniere langsam, ich verhalte mich, wie er es erwartet, dann streiten wir wenigstens nicht. Aber in eine positive Zukunft kann ich zur Zeit nicht sehen. Ich trage mich mit Trennungsgedanken. Ein freies, selbstbestimmtes Leben ohne Partner erscheint mir momentan erstrebenswerter.
Aber schließlich haben wir Kinder und 22 Jahre sind eine lange Zeit. ...
 

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Hallo,

meiner Meinung nach hast du keinen Fehler gemacht, - im Gegenteil: Du bist sehr verantwortungsbewusst gewesen, genau so auch dein Bekannter. Ich weiss deshalb auch nicht, warum dein Mann so einen Trara macht... Er sollte sich wie ich finde statt dessen mal auf sich selbst besinnen und überlegen, was er zu einem harmonischeren und ausgeglichenen Miteinander beitragen kann - und damit aufhören, die Schuldige allein in dir zu sehen.

Ich kann deine Empfindungen deshalb gut verstehen. Ist er denn durch die Paartherapie nicht oder noch nicht in der Lage, auch seine Macken und Versäumnisse zu erkennen?
Da sollte von seiner Seite m.E. viel mehr Einsicht und Bemühen um eure Ehe sein.

LG
 

Rosafee

Aktives Mitglied
Hallo Gast,

du solltest um deine Freiräume kämpfen. Sag deinem Mann, dass er mit seinem Misstrauen alles zerstört.
Sag ihm, dass dir deine Familie wichtig ist, deine Freiheit aber auch.

Treffe dich mit deinen Freundinnen, sag ihm, wo du bist und wann du nach Hause kommst. Daran sollte er merken, dass er dir vertrauen kann.

Jeder Mensch braucht Bindung, aber auch Autonomie. Das muss er verstehen.

Deswegen ausbrechen wäre keine Lösung. Darum kämpfen jedoch schon.
 

Nordrheiner

Urgestein
Liebe Mitglieder,
Jedesmal wenn ich alleine mit Freundinnen ausgehen will/wollte gab es Stress, wobei das schon nur noch 2-3 Mal im Jahr vorkam, eben aus diesem Grund. ( O-Ton : Warum muss eine verheiratete Frau in Deinem Alter, die zudem noch Mutter ist, sich die halbe Nacht um die Ohren schlagen?)
All die Jahre war ich treu, bin nie auf irgendwelche Avancen eingegangen. In diesem Sommer aber .....

Liebe Gastschreiberin,

Also ich hätte Deinem Mann auf seine Frage "Warum muss eine verheiratete Frau ausgehen..." geantwortet:

"Weil es zu meinem Wesen passt, auch mal auf diese Weise das Leben zu geniessen und meine Freude am Leben Ausdruck zu verleihen."

Die Situation "in diesem Sommer aber...." hast Du hervorragend gemeistert. Meinen Respekt dafür. Du warst in einer schwierigen Situation und hast letztendlich eine verantwortungsbewusste Entscheidung getroffen. Ich sehe keinen Grund für Selbstvorwürfe.

Es stellt sich mir die Frage: Gönnt Dir Dein Mann nur dann Freude am Leben, wenn er diese Freude nachempfinden kann?

Deinen Mann empfinde ich als Egoisten. Er könnte Dich ja mal fragen: "Schatz, könnten wir nicht mal etwas Besonderes tun, was Dir und mir Freude macht - einfach mal aus dem Alltag ausbrechen?" Und ohne zu fragen sind Überraschungen auch erlaubt. Sogar einseitige Freude ist nicht verboten.

Eine Ehe sollte eine Wohlfühlgemeinschaft sein. Jeder Mensch verändert sich. Daher ist es wichtig, dass Ehepartner immer wieder dieses Wohlgefühl überprüfen und darüber nachdenken, was sollte ggf. anders oder neu getan werden, damit dieses Wohlgefühl immer wieder neu kommt bzw. bleibt.

Und wenn man(n) nicht egoistisch denkt, dann denkt man auch an das Wohlgefühl des Ehepartners. Ehepartner sind nicht gezwungen, nur über das Fernsehprogramm zu diskutieren. Auch über die Fragen "fühlst Du Dich noch wohl - worüber würdest Du Dich freuen - wie fühlen wir uns wohl - sollten wir ggf. etwas ändern?" darf ausgiebig und immer wieder gesprochen werden.

Im übrigen stimme ich Rosafee zu. Eure Ehe ist ein guter Grund, um einen guten Fortgang zu kämpfen.

Falls es helfen könnte, lass Deinen Mann Deinen Bericht sowie die Antworten lesen. Manchmal hilft es, wenn Dritte ihre ungeschminkte Meinung sagen.

Alles Gute,
Nordrheiner
 
G

Gast

Gast
Danke für diese positiven Antworten. Ich bin völlig konfus im Kopf, und weiß gar nicht mehr, was noch "normal" ist.
Mein Mann sieht zur Zeit nur sein eigenes Leid und was ich ihm angetan habe.
Das ist eine schwierige Situation, da es keine Grundlage für Diskussionen auf Augenhöhe gibt. Es endet immer mit..."Ich bin doch hier der Verarschte/Gehörnte...." Wahrscheinlich brauchen wir einfach mehr Zeit, aber ich fühl mich manchmal, wie durch den Fleischwolf gedreht...da frage ich mich, wie lange soll das so weitergehen?
 

Nordrheiner

Urgestein
Liebe Gastschreiberin,

wie mir scheint, hat Dein Mann etwas den Sinn für die Realität verloren. Er sieht sich als Opfer... aber auf Grund von was? Du hast doch nur Deine schwierige Situation souverän gelöst, ohne Dich untreu zu verhalten.

Anscheinend möchte er jetzt bedauert werden. Er wünscht sich wohl jemanden, der ihm das Taschentuch reicht.
Er ist weder der Gehörnte noch der Verarschte. Einbildung ist auch eine Art von Bildung.

Wäre ich sein Freund, würde ich ihm den Marsch blasen, dass ihm die Ohren dröhnen. Er scheint sich in einer Negativspirale zu befinden, aus der er vermutlich nicht ohne A...tritt eines Dritten hinausfindet.

Wenn ihr eine Paartherapie macht, dann achte bitte darauf, dass der Therapeut genau darüber informiert ist, wie sehr sich Dein Mann in der Rolle des armen Opfers fühlt.

Du brauchst starke Nerven, denn bis Dein Mann aus seiner Negativspirale herausgefunden hat, wird einige Zeit verstreichen können.

Mit Deinen übertriebenen Schuldgefühlen bist Du Deinem Mann keine Hilfe. Ich empfehle, dass Du Dir beidseitige Maßnahmen überlegst, wie ihr euch beide wohlfühlen könnt. Zu diesen Maßnahmen gehören auch Schritte bzw. Verhaltensweisen (Tun und unterlassen) Deines Mannes. Und diese teilst Du ihm klipp und klar mit, so in dem Sinne:
Ich erwarte von Dir, dass ....

Ohne Konfrontation wird es vermutlich nicht gehen. Ihm muß klar sein, wo und wie er Deine Erwartungen erfüllt oder auch nicht.

Der Maßstab für Euer Tun oder Unterlassen sollte sein: Alles was ihr tut, wird euch näher zusammenbringen oder euch von einander entfernen.

Sein Verhalten als "armes Opfer" bringt euch eher weiter auseinander. Und wenn Du Dich nicht traust, ihm zu sagen, welches Verhalten Du nicht haben möchtest bzw. welches Verhalten von ihm Du haben möchtest, dann ist dieses Nicht-Sagen auch etwas, was Euch hindert, zueinander zu finden.

Traust Du Dich, ihm zu sagen, welches Verhalten Du von ihm (nicht-) erwartest?

LG, Nordrheiner
 
G

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Hallo Nordrheiner,
zur Zeit fällt es mir tatsächlich schwer, Ansprüche zu stellen, da es meinem Mann wirklich schlecht geht. Ich habe ihm allerdings schon gesagt, daß es dauerhaft so nicht funktionieren kann, und wir beide an der Beziehung arbeiten müssen, wenn wir sie erhalten wollen.
Es ist ja auch nicht so, dass vorher eitel Sonnenschein war. Nur davon will er im Moment nichts hören....
 

Nordrheiner

Urgestein
Hallo Nordrheiner,
zur Zeit fällt es mir tatsächlich schwer, Ansprüche zu stellen, da es meinem Mann wirklich schlecht geht. Ich habe ihm allerdings schon gesagt, daß es dauerhaft so nicht funktionieren kann, und wir beide an der Beziehung arbeiten müssen, wenn wir sie erhalten wollen.
Es ist ja auch nicht so, dass vorher eitel Sonnenschein war. Nur davon will er im Moment nichts hören....

Ehrlich, zwar kenne ich Deinen Mann nicht, jedoch stellt sich mir die Frage, wieso es ihm schlecht geht, was der Anlass ist. Ich könnte mir vorstellen, dass er mit der Situation nicht klar kommt und dieses sich auf seine Seele-Körperbeziehung auswirkt. Also der Körper spricht etwas aus, was die Seele drückt.

Und ja, Du musst Deine Ansprüche nicht jetzt sofort stellen. Aber Du könntest über die Frage nachdenken "wie stelle ich mir unser beidseitiges Wohlgefühl mit einer für jeden passenden Nähe und Distanz und Freiheit vor?" Und immer wenn Dir dazu etwas Gutes einfällt, dann schreibst Du das auf. Und sobald Dein Mann wieder ansprechbar ist, stellst Du ihm die gleiche Frage und vereinbarst einen festen Termin (z.B. übermorgen) , in diesem Termin und ab diesem Termin sprecht ihr immer wieder über Eure Antworten. Eure Antworten - falls Du von ihm überhaupt eine konstruktive Antwort seiner Vorstellung erhältst - sollen zu dem Ziel führen: Wir akzeptieren die gegenseitig abweichenden Antworten und suchen nach Kompromissen. Und ein Kompromiss ist nie einseitig!

Kommunikation ist sehr sehr wichtig.
Vorwürfe machen ist auch eine Art der Kommunikation - aber eher eine destruktive.

Beachte bitte, dass es in einer Ehe sehr sinnvoll ist, wenn jeder auf das Glück des anderen mitachtet. Die Betonung liegt auf der Silbe "mit". Damit will ich sagen, dass i.d.R. ein Partner nicht alleine für das Glück des Partners verantwortlich ist. Der Partner hat nicht die Funktion des Glücklichmachers. Solange beide gesund sind, ist auch jeder für sein Glück selbstständig verantwortlich. Deswegen gönnst Du Dir ja auch mal einen Freundinnenabend.

Wäre z.B. ein Partner der Hauptverantwortliche für das Glück des Partners, hätte er diese Funktion, dann droht ihm, dass er aussortiert wird, wenn er nicht mehr funktioniert!! Das Funktionieren-Müssen - ist eine üble Sache für das Wohlgefühlt in einer Ehe.

LG, Nordrheiner
 
G

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@Nordrheiner
Danke für deine Antwort.
Es ist sicher ein Problem, dass ich für meinen Mann die einzige Vertrauensperson bin(war), und das hab ich ihm seiner Meinung nach genommen. Er hat niemanden, dem er sich anvertrauen könnte/wollte, obwohl ich glaube, dass es wirklich gut für ihn wäre, eine andere Meinung zu hören, unabhängig von der Therapeutin.
Gestern Abend hatten wir noch ein langes Gespräch, indem er meinte, dass er mich liebt und mir verzeiht, aber er diesen Gedanken, dass ich etwas mit einem anderen Mann geteilt habe und ihn dabei völlig ausgeblendet habe, nicht loswird. Er fühlt sich nur noch unwohl, kann nicht mehr
lachen und nirgendwo mehr hin, weil er alles und jeden mit dieser Geschichte verbindet.
Er würde mir auch nie mehr vertrauen und unsere Familie als sicheren Hafen sehen können.
Du hast sicher recht mit der "Glücklichmacherei":Natürlich trägt man ein Stück weit auch Verantwortung für seinen Partner, aber in erster Linie ist jeder für sich selbst verantwortlich.
LG
 
G

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@Nordrheiner
Danke für deine Antwort.
Es ist sicher ein Problem, dass ich für meinen Mann die einzige Vertrauensperson bin(war), und das hab ich ihm seiner Meinung nach genommen. Er hat niemanden, dem er sich anvertrauen könnte/wollte, obwohl ich glaube, dass es wirklich gut für ihn wäre, eine andere Meinung zu hören, unabhängig von der Therapeutin.
Gestern Abend hatten wir noch ein langes Gespräch, indem er meinte, dass er mich liebt und mir verzeiht, aber er diesen Gedanken, dass ich etwas mit einem anderen Mann geteilt habe und ihn dabei völlig ausgeblendet habe, nicht loswird. Er fühlt sich nur noch unwohl, kann nicht mehr
lachen und nirgendwo mehr hin, weil er alles und jeden mit dieser Geschichte verbindet.
Er würde mir auch nie mehr vertrauen und unsere Familie als sicheren Hafen sehen können. Außerdem hätten die zwanzig Jahre vorher keinen Wert mehr für ihn, weil ich alles mit Füßen getreten hätte. Ist das überhaupt noch eine Basis?
Du hast sicher recht mit der "Glücklichmacherei":Natürlich trägt man ein Stück weit auch Verantwortung für seinen Partner, aber in erster Linie ist jeder für sich selbst verantwortlich.
LG
 

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